Thomas Franke

Berlin, Deutschland

Land und Leute zum Klingen zu bringen, gehört ebenso zu den Leidenschaften von Thomas Franke wie schnelle faktenorientierte Berichterstattung. Seit mehr als 20 Jahren macht er schon den Spagat zwischen Nachrichten und Literaturfeatures.

Begonnen hat alles mit den Umbrüchen in der DDR. Thomas Franke verfolgte sie zunächst als Redaktionsassistent bei der Tagesschau, bald dann als Reporter für den Jugendfunk des NDR. Als die Sowjetunion zusammenbrach, packte er einen Rucksack mit Kleidung und Lebensmitteln und ging mal nachschauen, wie das so ist, im "Reich des Bösen". Die Essensvorräte waren nötig, denn es gab nur sehr wenig zu kaufen. Diese Erfahrungen aus der tiefsten Krise Russlands kommen ihm heute zu Gute.

Ende der 90er Jahre verlagerte er seinen Schwerpunkt nach Südosten, auf den Balkan. Jahrelang bereiste er das ehemalige Jugoslawien, sah die Folgen der Kriege, der EU- und NATO-Sicherheitspolitik, die Probleme von UN und OSZE. Er brach die Konflikte zwischen Russland und den USA, zwischen Brüssel und Belgrad hinunter auf den Alltag der Bauern, der Jugendlichen auf den Schulhöfen, ging in Theater und Fabriken.

Gemeinsam mit Gesine Dornblüth gründete er das Journalistenbüro "texte und toene" mit eigenem Studiobetrieb in Berlin. Da man den Balkan nicht ohne die Türkei verstehen kann, die Türkei nicht ohne den Kaukasus und den Kaukasus nicht ohne Russland oder die Ukraine, schloss sich der Kreis. Das Büro erwarb sich in der Branche einen Namen als journalistisches Kompetenzzentrum für die ehemalige Sowjetunion und Südosteuropa. Thomas Franke hielt es nicht mehr allein beim Radio. Er drehte eine Langzeitdokumentation im Kosovo und diverse Filme für das Auslandsmagazin des BR.

Nun steht Russland erneut vor großen Veränderungen. Zeit, den Schwerpunkt zu verlagern und den Haushalt zusammen zu packen. Essen gibt es mittlerweile mehr als genug. Doch der Rucksack ist dabei, denn das Land ist groß.