Deutsch-italienische Abgründe

Man will ja seine Wurzeln nicht ganz verlieren. Also fahre ich auch im tosenden Verkehr der italienischen Hauptstadt zuweilen Fahrrad. Nicht wissend allerdings, dass die italienischen Nachbarn mindestens so viel Zeug zum Querulieren haben wie ein echter teutonischer Dickschädel. Das Fahrrad im Hof abstellen? Am nächsten Tag ist das Gefährt nach einem Akt römischer Selbstjustiz von Müllsäcken umzingelt. Die Botschaft: So nicht, lieber Mitbewohner aus dem Merkel-Land.

Da ich das angespannte deutsch-italienische Verhältnis nicht weiter strapazieren will, mache ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum Unterstellen und finde eine Parkgarage in der Nähe. Giuseppe, der Parkwächter, sträubt sich, weil er schon so viele Fahrrad-Gerippe herum stehen hat. „Die hatten alle gute Vorsätze, und dann…“, sagt er. Ich verspreche ihm, dass es bei mir anders sei. „Das sagen sie alle“, entgegnet Giuseppe, „keine Chance“.

Das ist der Moment, die Karte des anständigen Nordlichts zu spielen. „Aber ich bin Deutscher!“, rufe ich in einem Anfall von Verzweiflung und hoffe, dass die italienische Presse das Ansehen meiner Heimat noch nicht vollständig ruiniert hat. Giuseppe, schon leicht ergraut, ist die angebliche Zuverlässigkeit meiner Landsleute aus dem vergangenen Jahrhundert noch ein Begriff. Der Trick funktioniert. Er reicht mir die Hand zur Besiegelung unseres Pakts. Für 20 Euro im Monat sei ich dabei. Ich willige ein und bin nicht ganz sicher, wer da jetzt schlauer war.