CHRISTCHURCH, Mittwoch, der 12. August 2015
Anke Richter

Der Prinz aus Parnell

Sommerferien vorbei? Wer gerade sein Urlaubsvideo ins Internet hochlädt, befindet sich in bester Gesellschaft: in der von Max Key, dem smarten, geschniegelten Sohn von Neuseelands Premierminister. Mit den Instagram-Fotos des 20jährigen beschäftigt man sich sogar im neuseeländischen Parlament. Ist er Möchtegern-Promi oder neureicher Polit-Prinz?

Max Key schaut ausdruckslos in die Kamera. Er ist durchtrainiert, seine Basecap trägt er rückwärts, trotzdem sieht er aus wie ein Bubi. Hinter ihm ist die Skyline von Honolulu. Max reckt beide Mittelfinger hoch. So cool. Schwenk zum Strand. Max fährt Wasserski, auch gerne schnelle Autos, und er hat eine schicke Freundin: das Model Amelia Finlayson. Die beiden sind die Stars eines selbstgedrehten GoPro-Werks namens „Summer Paradise“, das im letzten Monat eine Viertelmillion mal auf YouTube gesehen wurde. Tolle Leute, toller Urlaub, voll geil. Allerdings hielten mehr als doppelt so viele Zuschauer den Daumen runter statt hoch. Im Land der Bescheidenheit kommt die Protzerei aus dem Paradies nicht so gut an.

Kaum jemand würde sich für das Filmchen interessieren, wenn nicht Premierminister John Key – weißes Polohemd, weiße Tennisshorts – ab und zu im Bild auftauchen würde. Der hat den Trip nach Hawaii für die Familie spendiert. Auch seine Tochter Stephie, die als Performance-Künstlerin „Cherry Lazar“ in Paris auftritt und dort ihren Körper gerne mit Sushi und Fast-Food bedeckt, war auf der Reise dabei, inklusive pinker Haarpracht. Die Kinder können nichts für ihren konservativen Vater und seine Reichen-Politik. Doch Klein-Max kann was dafür, dass plötzlich alle auf ihn gucken.

Mit Reportern spricht er nicht, aber er beantwortet Fragen auf der Social-Media-Seite eines Radiosenders – über 1000 bisher. Da entschlüpfen ihm tiefschürfende Einblicke in sein Inneres: „Ich wollte schon immer Milliardär sein, und glücklich…“. Jetzt studiert er Finanzwesen und Immobilien an der Uni – ganz wie Papi, der war mal Banker. Und Max schmeißt Partys mit der „Fulltimers Society“, einem Club von gutbetuchten jungen Aucklandern. Max hat die richtige Nobelviertel-Adresse und trägt daher den Schlagzeilen-Titel „Prince of Parnell“. Solch eine „First Family“ hatte Neuseeland noch nie. Skan-da-lös!

Einige Politiker haben sich nach dem hämischen Medienecho auf Maxens Video dagegen verwehrt, Rückschlüsse vom Sohn auf den Vater und umgekehrt zu ziehen: „Lasst den Jungen in Ruhe!“ Eine Maori-Abgeordnete drückte gar „aroha“ (mitfühlende Liebe) für Key Junior aus. Bei all dem unerhörten Luxusgebaren sind Sorgen um die Lage der egalitären Nation vielleicht berechtigt. Denn in Melbourne flog gerade ein Schwindel fürs Guinness Buch der Rekorde auf. Dort wurde angeblich der teuerste Cocktail der Welt für 14.000 Dollar in einem Casino getrunken. Ausgeschenkt wurde er an James Manning, Millionär aus Neuseeland. War zwar alles nur ein PR-Coup – die Rechnung wurde von Manning nie bezahlt – aber wie stehen wir Kiwis jetzt da? Lieber arm und unsexy als so.Max Key

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