BELGRAD, Samstag, der 1. Mai 2010
Danja Antonovic

EIN FOTO UND KAUM TEXT

Ihre Retter nennen sie MILA, die Liebevolle. Mila ist ein Straßenhund. 4500 gibt es in der Zwemillionenstadt Belgrad.

Jeden Tag saß sie vor einem Supermarkt, wedelte mit dem Schwanz, spielte mit den Kindern. Die Nachbarn haben sie gefüttert. Dann verschwand sie. Gefunden wurde sie neben einem Müllcontainer. Der unbekannte Täter hat Mila alle vier Pfoten bei lebendigem Leibe abgeschnitten. Sie überlebte und liegt jetzt in einer Tierarztpraxis. Wenn keine Komplikationen auftreten, soll sie in einer deutschen Tierklinik Prothesen bekommen. Nach dem Täter wird noch immer gesucht.

Selten hat ein Foto die Nation so berührt wie dieses. Erstmals demonstrierten Tierschützer direkt vor dem Parlament und forderten sofortige Änderung der laschen Tierschutzgesetze. Wer ein Tier mit Benzin übergießt und verbrennt, erhält eine Minimalstraße. Die Täter werden selten gemeldet und gefunden.

Über Mila wird nun täglich berichtet, die Öffentlichkeit ist empört. Das Magazin VREME zitiert eine amerikanische Studie, die besagt, dass in den US-Familien, in denen Misshandlungen an der Tagesordnung sind, auch 88% der Haustiere getötet werden. Eine solche Studie hat Serbien nicht. Nur ein paar spärliche Daten: im letzten Jahr haben 32 Frauen die Gewalt ihrer Männer nicht überlebt. Über die Kindesmisshandlungen wird kaum geredet.

Die offene Gewalt ist Alltag in Serbien. In der Reihenfolge der Opfer stehen Tiere an letzter Stelle.

 

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