CHRISTCHURCH, Donnerstag, der 7. Mai 2015
Anke Richter

Die Sache mit dem Pferdeschwanz

Seit zwei Wochen kennen nicht nur meine Leser Neuseelands Premierminister, sondern auch der Rest der Welt. Endlich hat John Key internationale Berühmtheit erlangt – leider als tumber Grapscher. Damit steht er unter den Großen und Kleineren der Welt sicher nicht alleine da. Ungewöhnlich ist nur das Objekt seiner Begierde: ein wippender Pferdeschwanz.

Der Übergriff war kein Einzelfall. Wenn der Regierungschef im „Rosie Cafe“ in Auckland auftauchte, schäkerte er stets jovial mit dem Personal. Ganz volksnah zog er dabei Kellnerin Amanda Bailey wiederholt an ihrem brünetten Pferdeschwanz. Sie verbat sich das; John Key machte weiter. Sie beschwerte sich bei seinen Bodyguards – ohne Erfolg. Sie drohte halb scherzhaft, ihn zu schlagen. Half nicht. Sechs Monate ging das so. Keys Ehefrau Bronagh – langes Haar, kein Zopf, gebranntes Kind? – mahnte den Gatten schließlich, doch das „arme Mädchen“ in Ruhe zu lassen. Da hatte die 28jährige bereits heimlich vor Wut geheult.

John Key tat, was man als Mächtiger bei Kavaliersdelikten so tut: Er schickte Amanda Bailey als Entschuldigung zwei Flaschen Wein. So einfach war der haarige Vorfall jedoch nicht vom Tisch. Die Kellnerin wandte sich anonym an einen linken Blog, wurde aber von einer regierungsfreundlichen Klatschreporterin geoutet. „Ponytailgate“ nahm seinen Lauf. Innerhalb von Tagen tauchten etliche alte Fernsehbilder auf, die den Premier bei öffentlichen Anlässen zeigen, wo er neckisch bis zwanghaft Mädchen an den Haaren zog. Das ließ sich nur noch als „creepy“ bezeichnen – oder als Fetisch. Trichophilie heißt der Fachbegriff für diese Form der sexuellen Erregung.

Der prominente Haargrapscher tat das alles als „Herumalbern“ ab und nannte Amanda Baileys Frisur „aufreizend“, was die Sache nur noch schlimmer machte. Während Key dafür in einer amerikanischen Comedy-Show und süffisanten Schlagzeilen der britischen Presse büßte, reiste er mit Gattin Bronagh nach Saudi-Arabien. Schlechtes Timing, um dort diplomatisch die Rechte von Frauen anzusprechen, wenn man sich gerade dermaßen blamiert hat. Frau Key trug zur eisernen Miene ein bodenlanges schwarzes Müllsack-Gewand, um neben all den Scheichen nicht „aufreizend“ zu wirken.

Amanda Bailey erwägt jetzt ernsthaft, den Premierminister wegen sexueller Belästigung anzuzeigen. Der erwiderte diese Woche, nichts an seinem Verhalten sei sexistisch – seine taktilen Späße hätten schließlich auch einem Mann gelten können. Doch Neuseelands berühmtester Pferdeschwanzträger, der Maori-Politiker Pita Sharples, ist noch nie vom Premierminister persönlich bezupft worden.

Es bleibt spannend, auch in Paris. Da tritt heute Abend John Keys Tochter als Performance-Künstlerin „Cherry Lazar“ in einer erotischen Vernissage auf. Viel Strapse, Stilettos und nackter Po – eine  Art Cicciolina für Arme. Besonders bemerkenswert sind ihre pinken Haare, über den Ohren zu abstehenden Zöpfen gebunden. Wenn das der Daddy sieht!john key

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