MüNCHEN, Dienstag, der 9. Juni 2015
Martin Zöller

Grüße vom Schlogenstein

IMG_1776Kennen Sie den Schlogenstein? Ein herrlicher Familienberg bei München, ideal für einen Tagesausflug! Wie soll man ihn beschreiben…ziemlich schroffer Gipfel, etwa 200 Meter unterhalb fallen dann steile Grashänge ab. Das schöne ist: Unweit vom Gipfel liegt auf 1773 Meter die Jochen-Graf-von-Breitkopf-Hütte. Es war wirklich ein wunderschöner Tag.

Der allerdings ganz anders war. Denn es gibt weder den „Schlogenstein“ noch die Hütte. Wir haben uns den ganzen Sonntag nicht weiter als fünf Kilometer von daheim bewegt. Und haben von hier aus unsere Familie und Freunde für dumm verkauft. Das kam so:

Es fing an mit einem Frühstück bei einem Bäcker, wir hatten einen Platz an einer Wand mit Bergpanorama-Tapete. Ich machte ein Bild meiner Frau und schickte es an die familieninterne Whatsapp-Gruppe: „Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt – viele Grüße vom Schlogenstein!“. Das gleiche Foto stellte ich auf Facebook. Und prompt bekamen wir Zuspruch: Ein paar „gefällt mir“, aus der Familie die interessierte Nachfrage, wo das denn genau sei. „Österreich?“ Ich war stolz: „Schlogenstein“, das klang offenbar plausibel.

Vom Bäcker aus gingen wir an die Würm, unseren Fluß im Stadtviertel, bzw. eine kleine Ableitung, die für Kinder völlig reicht. Hier das nächste Foto „Jetzt im Gebirgsbach – ganz schön kalt noch in den Bergen!“ Auch hierzu wieder zustimmende Kommentare („Brr!“). Das ganze begann, richtig Spaß zu machen.

Klar, dass wir müde waren vom Anstieg auf den nicht vorhandenen „Schlogenstein“ – ein Kaiserschmarrn musste her. Also ab nach Hause, Kaiserschmarrn gemacht und den Teller auf eine Wanderkarte gestellt. Dann ein Foto auf Facebook mit dem Kommentar: „Den haben wir uns aber verdient- sind jetzt auf der Jochen-Graf-von-Breitkopf-Hütte, 1773meter. Herrlicher Blick auf Pfaffnitz und das Klosterjoch.“ Vier „Gefällt mir“ und der Kommentar: „Der Kaiserschmarrn ist aber klein“. Muss ich erwähnen, dass es keine „Jochen“-Hütte, kein „Pfaffnitz“ und kein „Klosterjoch“ gibt?

Die erste kritische Nachfrage, wie denn unser sechs Monate alter Sohn auf den Schlogenstein gekommen sei, parierten wir mit einem neuen „Beweisfoto“: Ab in den Garten, vor den Holzstapel, meine Frau mit Tragetuch und den Kindern im Arm. Erst am Abend, als man sich Sorgen machte wegen möglicher Autobahnsperrungen wegen des G7 („Seid ihr schon losgefahren aus Pfaffnitz?“) klärten wir die Verwandtschaft auf.

Und jetzt? Ich werde das professionalisieren. Meine Kunden sind Leute wie ich: Die sich manchmal vom zu guten Wetter unter Druck gesetzt fühlen, rauszufahren oder irgendwas zu unternehmen. Die aber in Wirklichkeit einfach nur im Garten liegen wollen. Oder auf der Couch. Montags im Büro klopfen einem dann alle auf die Schulter. „Du warst auf dem Schlogenstein? Respekt!“. Ein Antwortvorschlag: „Ja! Und nächste Woche geht’s auf die Rietholzspitze. Nix für Dich. Ist ein mittelschwerer Klettersteig.“

 

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