BUENOS AIRES, Dienstag, der 5. April 2016
Karen Naundorf

Panama ist weit, weit weg

 

Macri_Pressekonferenz_2015 - 1 (2) Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Er soll zufällig Direktor einer Briefkastenfirma auf den Bahamas gewesen sein – Mauricio Macri wird es schwer haben, mit dieser Erklärung durchzukommen.“ Bisher sieht es anders aus.

In Argentinien wird zwar über die Panama Papers berichtet. Aber wirkliche Aufregung gibt es bisher nicht. Dafür sorgen einerseits die Leitmedien, die sehr schonsam mit Präsident Mauricio Macri umgehen. Aber auch die Leiterin des Antikorruptionsbüros, Laura Alonso, sprang gleich für den Präsident in die Bresche und twitterte: „Eine Gesellschaft in einem Steuerparadies zu gründen ist an sich noch kein Delikt.“ Da darf man sich schon fragen: Sollte sie nicht lieber Nachforschungen ankündigen?

Es entsteht zudem der Eindruck, dass viele der großen Medien Macri in Schutz nehmen. Etwa La Nación – ein an sich als seriös geltendes Medium. Die Zeitung hat auch an den Panama-Recherchen mitgewirkt. Doch in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe und die Welt über die Panama Papers diskutiert, steht oben auf der Webseite bei La Nación: „Macri kündigt in Córdoba eine Investition von 500 Millionen US-Dollar bei Fiat an“. Darüber mag sich manch einer freuen – aber ist es wirklich das Thema des Tages? Daneben stehen, ebenfalls ganz oben auf der Seite, die Erklärungen der Regierung in Sachen Panama Papers – allerdings ohne jegliche redaktionelle Bearbeitung (http://www.lanacion.com.ar/1886336-las-frases-de-la-explicacion-que-dio-el-gobierno-sobre-la-firma-offshore-de-mauricio-macri). Weiter unten Aussagen des Kabinettschefs, Überschrift des Artikels: „Macri hat nichts zu verbergen.“ Daneben ein weiterer Artikel: „Die Regierung steht hinter Laura Alonso und weist Rücktrittsforderungen zurück“. Aber, es gibt noch mehr Informationen: http://www.lanacion.com.ar/1886252-no-tenia-la-obligacion-de-declarar-la-sociedad Macri sei nicht verpflichtet gewesen, die Beteiligungen an den Panama-Gesellschaften anzugeben.

Vielleicht sollte sich das Recherchekollektiv für die nächste grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Argentinien einen anderen Partner suchen. Das ist keine Kritik am Rechercheteam von La Nación. Nur: Gutes Recherchieren alleine genügt nicht, auch die Redaktionsleitung muss mitspielen. Damit Veröffentlichen und Dranbleiben Teil des Ganzen sind.

PS: Macri gibt sich nach außen hin gerne als Aufklärer in Sachen Korruption, doch ob er das wirklich ist? Als Vizepräsidentin des Büros zur Nachforschung von Geldwäschefällen (Unidad de Información Financiera) setzte er eine Anwältin ein, die die Bank HSBC Presseberichten zufolge in mindestens drei Fällen von Geldwäsche verteidigt hat.

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