BUENOS AIRES, Donnerstag, der 19. November 2015
Karen Naundorf

Passport Heroes

PassportHeroes

Kein Trinkwasser, kein Strom, kein Handyempfang und überall Moskitos. Stundenlange Märsche von einem Dorf zum nächsten, Motorradfahrten mit schweren Rucksäcken. Schlafen in der Hängematte und immer wieder Kochbananen mit Reis, Reis mit Kochbananen. Die Freiwilligen von Peacewatch muten sich einiges zu. Und das alles in einer Gegend im Nordwesten Kolumbiens, in der der bewaffnete Konflikt noch lange nicht vorbei ist – nur hat er heute andere Züge als noch vor wenigen Jahren. Es geht um Geld, durch Palmölplantagen oder Erdölförderung.  Die Peacewatchler nahmen uns mit zu einer mehrwöchigen Kostprobe Kochbananen und Moskitoattacken. Selten haben wir uns bei einer Reportage so willkommen gefühlt. Die Bauern stritten darum, wer die Ausländer bewirten durfte: „Sie essen heute bei mir!“ „Nein, bei mir!“ Sie fühlen sich geschützt durch die Anwesenheit von Ausländern, die keine Waffen bei sich tragen, Studenten, Lehrer oder Rentner sind. Und schlafen wieder ruhig, so lange die Freiwilligen im Dorf sind, sagen sie. „Wissen die Menschen in Europa, dass es uns gibt?“ fragte Alfredo zum Abschied. „Noch nicht, aber wir werden von Euch erzählen.“

In dieser Woche haben wir nun Wort gehalten: Die Reportage „Passport Heroes“ ist in Das Magazin (Tagesanzeiger, Schweiz, Ausgabe Nr. 46) erschienen.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch das Gabriel-Grüner-Stipendium, für das wir – Luca und ich – uns herzlich bedanken möchten. Der Anlass für die Existenz dieses Stipendiums ist traurig: Mit dem Stipendium erinnert die Reportageagentur Zeitenspiegel an den stern-Reporter Gabriel Grüner, der 1999 zusammen mit dem Fotografen Volker Krämer und dem Übersetzer Senol Alit im Kosovo ermordet wurde.

http://zeitenspiegel.de/de/preis/gabriel-gruener-stipendium/

Das Stipendium ist eine tolle Möglichkeit, eine Bild-Text-Reportage zu realisieren, für die es Zeit und auch Geld (Reisekosten!) braucht. Es war auch großartig, die Stipendiengeber kennen zu lernen, vielen Dank für die großartige Betreuung. Wir können allen Fotografen- und Journalistenkollegen nur empfehlen, sich mit ihren Projekten zu bewerben!

Quelle Bild oben: http://blog.dasmagazin.ch/aktuelles_heft/46/?goslide=0

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