ZüRICH, Dienstag, der 9. Februar 2010
Stephan Hille

Schweizer Bankgeheimnis – Die fetten Jahre sind vorbei

Seit der jüngsten Bankdatenaffäre ist die Schweiz arg in der Defensive, die Stimmung unter den Eidgenossen gegenüber dem mächtigen Nachbarn im Norden mehr als gereizt.

Die Jungfreisinnigen Zürich, die Jugendorganisation der schweizerischen FDP, reagierten mit einem „Fahndungsplakat„. Die Freisinnigen „fahnden“ nach Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble, wegen Banküberfall und Unterschlagung von Diebesgut.

Zwei Sichtweisen prallen hart aufeinander. Wer geklaute Bankdaten kauft, wie die deutschen Steuerbehörden, macht sich der Hehlerei schuldig, so die schweizerische Perspektive.

Das Schweizerische Bankgeheimnis dient der Steuerhinterziehung, Steuerflucht gehört damit zum Geschäftsmodell der Schweizer Banken, so die deutsche Sichtweise.

Als klar wurde, dass Deutschland sich nicht mehr nur am Hindukusch sondern auch am Schweizer Bankenplatz verteidigt, indem es illegal gesammelte Daten von deutschen Steuerbetrügern kauft, reagierten manche Eidgenossen mehr als schrill.

Eine „Kriegserklärung“ polterte der Chef der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Toni Brunner. Ein renommierter Universitätsprofessor forderte gar als Gegenmassnahme eine drastische Erhöhung der Studiengebühren für deutsche Studenten in der Schweiz. In sämtlichen deutschen Talkshows gaben sich rechte Scharfmacher und Verteidiger des schweizerischen Bankgeheimnis die Klinke in die Hand und zementierten einmal mehr das Bild des helvetischen Sonderlings in der Mitte Europas.

Doch dass das Thema in der Schweiz und unter den Eidgenossen selbst höchstumstritten ist, zeigte sich in den letzten Tagen, nachdem der Pulverdampf sich langsam gelegt hat.

Inzwischen regt sich unter den bürgerlichen Parteien Zweifel, ob das bisher als unverrückbar gegoltene Bankgeheimnis weiter zu halten ist. Noch vor einem Jahr sah die Mehrheit der politischen Elite das Bankgeheimnis als „unverhandelbar“, doch diese Front bröckelt nun.

Die SP, die Schweizerischen Sozialdemokraten kämpft seit Jahren schon gegen das Bankgeheimnis und für einen sauberen Finanzplatz. Die sozialdemokratische Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zeigte nun sogar Verständnis für die deutschen Steuerbehörden.

Selbst unter den führenden Bankern wächst nun die Einsicht, dass sich die heimischen Finanzinstitute auf eine Zeit nach dem Bankgeheimnis vorbereiten sollten. Wann und wie das Bankgeheimnis fällt, ist noch nicht klar, aber die fetten Jahre mit ausländischen Schwarzgeldern dürften vorbei sein.

Kommentare (0) Kommentar schreiben