Von wegen Pressefreiheit: Nigerian Style

Es passiert schon wieder! Alle Welt schaut auf Europa, diskutiert über Presse- und Meinungsfreiheit und in Nigeria geschieht das Unfassbare. Kaltschnäuzig verwehrt die Regierung von Goodluck Jonathan internationalen Journalisten die Einreise nach Nigeria, offensichtlich um die Berichterstattung über die wohl wichtigste Präsidentschaftswahl auf dem afrikanischen Kontinent in diesem Jahr zu erschweren. Anträge von mehr als 40 in Südafrika ansässigen internationalen Afrika-Korrespondenten (darunter TV Networks wie Sky und Agenturen wie Reuters und dpa sowie zahlreichen Print-Kollegen namhafter Zeitungen) wurden in diesen Tagen abgelehnt. Kollegen in Nairobi bekamen die gleichen Bescheide von der dortigen nigerianischen Botschaft. Sowohl britische als auch US Botschafter in Nairobi und Johannesburg haben sich nun eingeschaltet und offiziell in Abuja beschwert. Die Foreign Correspondents´Association in Südafrika hat nun eine offizelle Beschwerde veröffenticht. Selbst mit meinem gültigen 1 Jahres Visum war es umständlich die zusätzlich notwendige Medienakkreditierung in Abuja zu bekommen. Erst vor wenigen Wochen genoss Präsident Goodluck Jonathan das Privileg dem internationalen Rampenlicht zu entkommen, als die Sekte Boko Haram fast zeitgleich mit den Attentaten in Paris den Fischerort Baga überrannte und dem Erdboden gleichmachte. Opferzahlen bleiben weiterhin unklar. Flüchtlinge aus Baga haben mir gegenüber gesagt, sie hätten mehr als 1000 Tote gesehen. Nach tiefgehenden Recherchen in der nigerianischen Armee konnten wir in unseren Berichten zeigen, in welchem desolaten Zustand die nigerianische Armee ist. Zersetzt von Korruption und absolut mangelhafter Kampfbereitschaft sind Nigerias Soldaten ein leichtes Fressen für Boko Haram. 3 Bundesländer im Nordosten Nigerias sind derzeit schon unter Kontrolle von Boko Haram – dort kann nicht gewählt werden. Hinzu kommt, die Wahlkommission hat im Verlauf der vergangenen 12 Monate erst knapp über 42 der 68 Milllionen Wahlscheine ausgehändigt. Die Frage ob in der  größten Wirtschaftsnation Afrikas unter diesen Umständen faire und repräsentative Wahlen stattfinden können, muss von internationalen Wahlbeobachtern gestellt werden. Journalisten jedenfalls werden bis auf wenige Ausnahmen derzeit gezielt davon abgehalten darüber zu berichten.