Vielfalt und Vertrauen

Für eine bessere Auslandsberichterstattung

twitter_von_boschDie ersten Worte gelten den Lesern, Hörerinnen und Zuschauern. An der Tagung „Bessere Berichte aus dem Ausland: Ein Reality-Check“ haben sie zwar nicht teilgenommen. Doch ihre Erwartungen und Interessen bestimmten die Debatten dieses Tages.
Das Publikum hat ein Anrecht auf verlässliche, sorgfältige, umfassende und informative Auslandsberichterstattung. Journalisten, die aus dem Ausland berichten, wollen diese Qualität ebenso gewährleisten wie ihre Kolleginnen in den Inlandsredaktionen.
Wie können sie einander bei ihrer Arbeit unterstützen? Was gilt es zu bedenken und zu beherzigen in der Zusammenarbeit – eingedenk eines rasanten Wandels der Medienbranche, großen ökonomischen Drucks und veränderter Nutzung der Medien durch das Publikum?
Antworten auf diese Fragen haben 58 Korrespondenten und Auslandsredakteurinnen bei einem Arbeitstreffen in Berlin erarbeitet. Das Treffen fand statt am 26. September 2014 in den Räumen der Robert-Bosch-Stiftung, die dieses Treffen großzügig förderte.

WELTREPORTER.NET, das größte Netzwerk freier Auslandskorrespondenten im deutschsprachigen Raum, hatte zu diesem Treffen eingeladen. Und dokumentiert hier die Ergebnisse der Gespräche.

1. Transparenz

Leser müssen erkennen können, an welchem Ort ein Bericht oder eine Nachricht verfasst worden ist. Von der Korrespondentin vor Ort? Oder in der Redaktion, erstellt aus Nachrichten unterschiedlicher Quellen? Die „Ortsmarke“ am Textanfang gibt dazu Auskunft - und sie muss korrekt sein, im Interesse der Leser.

2. Langzeitkompetenz

Nur wer Land und Leute kennt – und zwar gut kennt und lange kennt, der kann fundierte Berichte liefern. Diese „Langzeitkompetenz“ ist ein eigener Wert, der honoriert werden soll, wenn über längere Zeiträume hinweg aus dem Land keine Berichte angefordert werden. Die Korrespondenten wiederum verpflichten sich, stets bestmöglich und vielfältig informiert zu sein.

3. Vielfalt

Themen, die jenseits der aktuellen Berichterstattung liegen, bereichern das redaktionelle Angebot an die Leser und Zuschauerinnen. Redaktionen wünschen sich daher solche Themen; die Korrespondenten machen diese Geschichten gern, wenn eine angemessene Honorierung der Artikel gewährleistet ist.

4. Vertrauen

Redakteure und Korrespondenten verpflichten sich zu maximal professioneller Kommunikation. Das heißt: schnellstmögliche Beantwortung von Mails, denkbar knappste (und natürlich verständliche) Darlegung von Themenwünschen (seitens der Redaktion) und Themenvorschlägen (seitens der Korrespondenten). Alle Beteiligten arbeiten ja unter hohem Zeitdruck.

Weder ein Themenwunsch noch ein Themenvorschlag darf an Dritte weitergereicht werden. Diese Vereinbarung ist Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Der Text, Fernseh- und Hörfunkbeitrag bleibt geistiges Eigentum des Korrespondenten. Die redaktionelle Bearbeitung geschieht, wenn dies möglich ist, in enger Abstimmung, immer jedoch in Absprache mit dem Autor/der Autorin.

5. Wandel

Die Mediennutzung des Publikums ändert sich (von Papier zu Mobile, vom Text zum Video – um nur zwei Beispiele zu nennen). Redaktionen konzipieren und erproben daher laufend neue Angebote. Über den Fortgang dieser Projekte sollen sie die Korrespondenten rechtzeitig informieren, auf dass diese das technisch und inhaltlich gewünschte Wort- oder Bildmaterial zuliefern können. Die Korrespondenten versichern, die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben – und regen an, ihnen Fortbildung bei großen Technikschulungen zu ermöglichen.

6. Fürsorge

Auslandsberichterstattung kann gefährlich sein. In Rechtsstreitigkeiten, bei Unfällen oder Problemen in Gefahrensituationen müssen Redaktionen Auslandskorrespondenten unterstützen, auch wenn diese auf freier Basis für sie arbeiten.

7. Exklusivität

Die Lebenshaltungskosten der Korrespondenten steigen; die Honorare sind seit Jahren nicht erhöht, oftmals sogar gesenkt worden. Daraus folgt, dass Korrespondenten ihre Texte seltener als früher nur einer Redaktion als Exklusivbeitrag anbieten können. Die Fairness gebietet, dies offenzulegen. Die Korrespondenten dürfen zugleich erwarten, dass auch eine Zweitverwertung angemessen honoriert wird. Redaktionen erwarten, dass die Korrespondenten bei (finanziell) aufwändigen Recherchen Budgetvorschläge erarbeiten. Ziel ist, dass die Recherche stattfindet und die Geschichte erscheint. Das gelingt eher, wenn sich mehrere Redaktionen die Kosten teilen.

8. Zukunft

Was in Berlin beim „Reality Check“ begann, muss weitergehen. Wir sprachen über Handwerk und Haltung, über Respekt und über manches Kleingedruckte. Alles war wichtig. Alles war erst ein Anfang.

Die im Netzwerk WELTREPORTER.NET zusammengeschlossenen Korrespondenten erklären Wunsch und Bereitschaft, die Debatte fortzusetzen.

Die Robert Bosch Stiftung hat die Durchführung des Projekts ermöglicht.
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