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In größter Not

Wer einmal am eisigen Mahlstrom des Dettifoss oder am kalbenden Gletscher Vatnajökull stand, der weiß, was Naturgewalten sind.  Die Isländer sind es gewohnt, den Elementen hilflos ausgeliefert zu sein. Doch ihr Tanz auf dem Vulkan fand mit dem Finanzbeben im Herbst 2008 ein jähes Ende.  Sturmfluten wurden ausgelöst, die nun über die 320 000 Insulaner hinweg rollen.  Die roten Brandfackeln der Demonstranten vor dem Amtssitz ihres Präsidenten  Ólafur Ragnar Grimson sind Zeichen der größten Not. Viele verloren Arbeit und Altersgelder, müssen um Haus und Auto bangen, weil sie hoffnungslos überschuldet sind.

Das Volk möge nun entscheiden, ob der vom Parlament beschlossene Plan zur Entschädigung ausländischer Kunden der Internetbank Icesave Bestand haben soll. Eines steht fest: Islands Banken – und notfalls die Regierung – müssen für die Pleite haften. Und die Gläubiger haben alle Trümpfe in der Hand. Verweigern sich die Isländer der Rückzahlung, stehen weitere Teilzahlungen des Hilfspakets in Frage. Und auch der Beitritt des Landes zur Europäischen Union.

Wenn nun der Souverän über den künftigen Kurs bestimmen soll, dann ist das auch eine Bankrotterklärung der Politik. Konservative und Fortschrittspartei hätten den Rückzahlungsplan um ein Haar schon im Parlament zu Fall gebracht. Ausgerechnet jene schüren jetzt die Massenproteste, die Island an den Rand des Abgrunds brachten. Indem sie junge Banker einfach machen ließen, mit denen sie einst die Schulbank teilten.  Vetternwirtschaft, Korruption und Mauschelei zwischen Politik und Hochfinanz sind das eigentliche Übel. Mit dem Plan, die rot-grüne Regierung zu stürzen, ist wohl auch die Hoffnung verbunden, von der Aufklärung dieser Machenschaften verschont zu bleiben. 

Regierungschefin Johanna Sigurdadottir betont, Island werde sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Ihr muss es nun gelingen, das revoltierende Volk bis zum 20. Februar von den bitteren Notwendigkeiten zu überzeugen. Gelingt es ihr, steht sie stärker da als je zuvor. Die Abrechnung in Island könnte endlich beginnen.

 

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Pornofrei und Spaß dabei

Skandinavien ist bekannt für seine Freizügigkeit und hier ist nicht eines der EU-Grundrechte gemeint. Sexshops in den USA heißen schonmal Scandinavian Bookshops und der Intimbereich wird bei den Simpsons Scandinavian Regions genannt. Dass Sexualität im Norden erheblich öffentlich erheblich lockerer gesehen wird als in südlicheren Teilen Europas ist kein reines Klischee. Ebenso stimmt dass Gleichstellung in Skandinavien besonders weit gediehen ist – die Frauenerwerbstätigenquote ist hoch, Väter kümmern sich ebenfalls um den Nachwuchs. Doch auch im Norden müssen dir Frauen mehr ran, Männer nehmen immer noch erheblich weniger Elternzeit als die Mütter. Man könne niemanden zwingen, sagt die dänische Gleichstellungsministerin. Zum Jahresende widmete sich die linksliberale Zeitung Politiken in einer Serie um den Stand des Feminismus in diesem Land (Dänemark). Gleichzeitig streiten Befürworter und Bekämpfer der skandinavischen Freizügigkeit über die Sexualisierung des Alltags. Während die akademische Feminismusdebatte in anderen Ländern wie Deutschland oder den USA umfassender geführt wird, ist der Norden vorne, was die Diskussion über die praktische Gleichstellung angeht. Dazu gehört auch: wieviel Sex darf in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wäre ein pornofrei und Spaß dabei nicht besser als Straßenreklame, die vor sexuellen Anspielungen geradezu ejakuliert? Neugierig geworden? In der Welt fasse ich hier die Debatte zusammen.

 

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MMX: HAPPY, HEALTHY & GLORIOUS

 

Die  verpflichtende Verschickung möglicher Grußkarten am Ende eines Jahres hält sich bei mir in Grenzen, vor allem wenn ich bedenke, dass ich einer doppelten Belastung unterliege. Denn da wären nicht nur die üblichen Weihnachts –und Neujahrsgrüße, nein, wie am Schnürchen folgen gleich danach die orthodoxe Weihnacht und das orthodoxe Neujahr. So weiß ich, im Prinzip, womit ich in der Zeit vom 24. Dezember bis zum 14. Januar beschäftigt bin. Nun aber, die Prinzipien sind so eine Sache, ihre Ausführung eine andere.

Das Weihnachtsfest habe ich schon verschlafen, das neue Jahr gerade noch geschafft. Mal sehen, wie ich es mit den Serben hinkriege. Eigentlich dürfte ich mich nicht beschweren, denn heute ist ja alles viel leichter. Kein handschriftlicher Gruß, keine Spucke auf  Briefmarke und Couvert. Doch auch das Internet raubt mir Zeit und erst heute, am 1. Januar werde ich alle meine deutschen Freunde mit einem Neujahrsgruß beglücken. Hoffentlich nicht zu spät. Die Serben sind in einer Woche dran, bis dahin sind meine Kräfte wieder gewachsen.

PS.

Oh, Gott, das auch noch: Gerade habe ich hier in Belgrad ein paar nette Chinesen kennengelernt. Es ging um das chinesische Neujahr. Tja, dann ist die diesjährige Qual um noch einen Monat verlängert: Die Chinesen feiern ihr „Frühlingsfest“ am 13. Februar und hoffentlich ist bis dahin meine Lust an Neujahrsgrüssen wieder erwacht…