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The impending disappearance of the world

The German-speaking global freelance journalism network weltreporter.net celebrated its 15th anniversary in Berlin with a panel discussion about foreign journalism. In the sold-out Grüne Salon of the Volksbühne more than 120 guests took part in the discussion with the theme “The impending disappearance of the world”. High quality foreign journalism is struggling due to the media crisis in Germany, where a lack of resources means risks are often outsourced to foreign correspondents. What does the future hold then in this situation?

The future of foreign journalism discussed (l-r) Bettina Rühl (Weltreporter Nairobi), Lutz Mükke (Reporter und media scientist), Marcus Bensmann (Correctiv) Jochen Wegner (editor Zeit online). © Rainer Stosberg

The world became so complicated and confusing that even long standing foreign correspondents are finding it harder to understand it, said Jochen Wegner, editor in chief of Zeit online. Bettina Ruehl, weltreporter.net spokesperson and freelance correspondent in Nairobi, had a different view: in fact, correspondents often foresee crises, but media are reluctant to publish or broadcast the reports as long as there is no major ‘bang’. Christina Schott (weltreporter in Indonesia) confirmed this assessment: the creeping Islamicisation in Southeast Asia, for example, is largely ignored, despite the threatening escalation.

Marcus Bensmann © Rainer Stosberg

Marcus Bensmann (Correctiv) pleaded for the increased use of social media: classical media use is being replaced by social and electronic media, and ultimately everyone could now be journalist and reader – provided they know how journalism works.
As an example, Bensmann cited the reporter factory of the foundation-financed research network Correctiv.

Full house in the Salon of the Volksbühne Berlin ©Rainer Stosberg

For reporter and media scientist Lutz Mükke, the classic correspondents remain indispensable. Only they could assume the bridging function needed to mediate events abroad to the public back home.

A young journalist asked in the debate: should I still become a foreign correspondent? The reporters’ advice: absolutely! There is hardly a more exciting job than reporting from abroad. With this in mind, reporters and audience raised champagne glasses at the end of the debate: “To the next 15 years!”

 

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Weltreporter-Forum 2016 – hier ist das Programm!

Das Programm des Weltreporter-Forums 2016 in Raiding/Burgenland steht!

Wir freuen uns mit unseren internationalen Gästen auf einen spannenden Sommer-Nachmittag auf dem Land. Das Programm des Weltreporter-Forums 2016 in Raiding/Burgenland steht!

 

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Vom Führer und siine Fru

Rebellierende Rockstars, Rassisten und ein phillipinisches Pin-up: Es ist High Noon in Kimdotcomland. Das bedeutet verschärftes Fremdschämrisiko. Bisher fühlten wir Deutschen uns am schönsten Arsch der Welt vor peinlicher Polit-Prominenz sicher. Doch wenn Kim Schmitzens Supersize-Skandale weiter eskalieren, muss ich mir ein sicheres Drittland suchen. Oder meine Herkunft verleugnen.

Ausgerechnet mein lokaler Lieblingsmusiker Aaron Tokona steigt als Kämpfer gegen den Gründer der neuen Internet-Partei in den Ring. Der Jimi Hendrix Neuseelands ließ sich wie andere Kollegen von Mr. Mega-Upload für gutes Geld anheuern, um dessen schlechte Musik aufzumöbeln. Die Wochen im Tonstudio waren nicht nur künstlerisch eine Qual, sondern eine bizarre Reise ins Reich Kim des Bösen. Tokona, der den vom FBI gejagten Internet-Krösus vorher als eine Art Robin Hood geschätzt hatte, verlor in kürzester Zeit jeden Respekt vor dem „narzisstischen Megalomaniac“. Der habe angeblich keinen Gang zum Klo ohne Bodyguards bewältigen können, werfe obszön mit Geld um sich und behandele Menschen wie Dreck. So weit, so schlecht, so normal im Showbusiness. Wenn da nicht das unheimliche Deutsche wäre: Narziss oder Nazi?

Das Image klebt an Dotkom, seit er prahlte, Hitlers „Mein Kampf“ zu besitzen und sich als „War of the Worlds“-Fan in SS-Helm ablichten ließ. Letzte Woche dann Tokonas Enthüllung: Im Tonstudio habe Kim fröhlich bei einem von den afro-amerikanischen Produzenten ausgerufenen „Rassistentag“ mitgemacht. Ein Insider-Scherz, der vielleicht ohne Folgen geblieben wäre, wenn der Boss die Musiker – darunter Printz Board von den Black Eyed Peas – nicht mit politisch unkorrekten „Golliwogs“ überrascht hätte. Das sind zu Recht geächtete „Negerpuppen“ aus Kolonialzeiten.

In den USA sind darüber noch keine Proteste entbrannt. Aber der linken Mana-Partei hier im Lande, die hauptsächlich aus Maori besteht, dürfte der Golliwog-Gag aufstoßen. Ausgerechnet mit der bodenständigen Proletarier-Truppe will Dotcoms Partei koalieren, um über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen – ein Duett, in etwa so stimmig wie Conchita Wurst singend mit dem Papst.

Kaum wurde die braune Wäsche im Wahlkampf gewaschen, da erreichte uns diese Nachricht aus „Coatesville Reichstag“, wie Kims Feinde seine protzige Villa außerhalb Aucklands nennen. „Mona und ich haben uns getrennt“, twitterte Dotcom an seine Fans. Eine „Familienangelegenheit“, er bitte um „Privatsphäre“. Die Mutter seiner fünf Kinder hatte er in einer Bar in Manila kennengelernt. Im Internet kursierten zuletzt Monas voreheliche Nacktfotos aus einem Herrenmagazin. Jetzt wird über die Finanzlage der Internet-Partei spekuliert. Denn Mona, die Handtaschen in der Preisklasse von Kleinwagen liebt, hat Anteile am Dotcom-Vermögen.

Zwei Tage später dann die Schock-Schlagzeile: „Kims exekutierte Freundin tritt im Fernsehen auf“. Was hat unser Big Bad Boy noch alles in petto? Welche Frauenleichen lagern im Party-Keller? War aber diesmal nur Nordkorea. Der kleine Kim.

 

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Im Ausland ist alles so anders…

Au weia, erst können die Russen kein Englisch und dann ist auch alles noch “ganz anders als in Deutschland”. “Verloren” fühlten sich die eingeflogenen Reporter! Das muss ein Schock für die Kollegen vom Spiegel gewesen sein. Einer, der immerhin die erste Seite wert war.

IMG_2332Hoffentlich konnte Kollege Bidder aus Moskau den eingeflogenen Reportern ein bisschen unter die Arme greifen, eventuell gar in der Landessprache das Fremdeln erleichtern.

Um künftige traumatische Erlebnisse in der Fremde zu vermeiden empfehlen wir: Freie Korrespondenten im Lande (wie sie zB über das Weltreporternetzwerk leicht zu finden sind), kennen sich gut aus, sprechen die örtliche Mundart und haben bereits funktionierende Internetanschlüsse.

 

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Im Netz von Kim dem Großen

Ich lebe nicht mehr in Neuseeland, sondern in Kimdotcomland. Es vergeht keine Woche, in der der berühmteste Deutsche im Lande mich nicht auf Trab hält. Seit dem algerischen Flüchtling und vermeintlichen Terroristen Ahmed Zaoui hat kein Fremder mehr diese Nation so aufgemischt, und das ist zehn Jahre her. Keiner außer Kim Dotcom, geboren Kim Schmitz. Kein Grund mehr zum Schämen, sondern Trittbrettfahren. Vielleicht sollte ich „embedded journalist“ in der Schlacht um das Reich Kim des Großen werden?

Es gehört zu meiner Korrespondentenpflicht, Schmitzens alte Heimat – voran die demnächst als Pilgerstätte geplante Wiege Kiel-Mettenhof – an dieser Stelle regelmäßig über den Wirbel zu unterrichten, den Mr. Mega-Upload inszeniert. In den Buchläden steht seine Biographie, „The Secret Life of Kim Dotcom“, mit einem Cover, das einen von Supermächten gejagten Weltall-Messias suggeriert. Auch von Aucklands Bussen grinst er breit, neben dem Titel „Good Times“: Kims neuer Song, dem Musikkritiker halbe Seiten gewidment haben, wenn auch nicht nur anbetend. „Ansteckend wie ein Tripper“ seien die Beats, der Text so „dumpf wie ein Eimer Sand“.

Bei so viel dubioser Promi-Präsenz bitte nicht angewidert wegklicken, sondern mit mir den Platz in der ersten Reihe einnehmen. Die Show geht jetzt erst richtig los. Wann jemals wieder wird es diese transkontinentale Achse der Internet-Befreiungsfront geben? Welcher Landsmann wurde je im Exil mit solchem Tamtam gefeiert und gleichzeitig vom FBI gejagt? Also: hinsetzen und megamäßig staunen, was man mit Chuzpe, Bullshit, dickem Polster und schlauen PR-Beratern alles aus sich machen kann. Oder zu deichseln versucht, um seine Auslieferung in die USA zu verhindern.

Sollte ich plötzlich nicht mehr auftauchen, dann gibt es dafür nur einen Grund: Auch ich bin plötzlich in „Dotcoms Netz“ gefangen. So nennen es hier die Zeitungen. Gerade kam heraus, dass Grünen-Chef Russel Norman Meetings mit dem digitalen Sonnenkönig hatte, um ihm die Gründung seiner Internet-Partei auszureden. Für die würde laut Umfrage jeder Fünfte im Lande stimmen. Dafür versichert die Opposition dem jetsettenden Anti-Öko, der dicke Wagen im PS-Rausch liebt, Unterstützung im Kampf gegen Hollywood. Auch der ehemalige Außenminister Winston Peters war mehrfach in Kims Villa. Über die Treffen schwieg er sich aus, es sei „Vertraulichkeit“ vereinbart worden. Er wiederum behauptet, von offizieller Seite beschattet worden zu sein. Der reinste Politthriller. Ende offen, in jeder Hinsicht.

Sollte dieser Blog plötzlich Aussetzer haben, was so tief embedded im Jahr des Großen Kim wahrscheinlich ist, dann steckt der neuseeländische Geheimdienst SIS hinter der Störung. Die Spionage-Firma ist zwar ab sofort in den Händen einer kompetenten und menschlich astreinen Frau. Aber trotz neuer Chefin traue ich den Agenten, die Dotcom illegal abhörten, alles zu. Wenn Menschen oder Texte verschwinden, liebe Whistleblower: Ich habe an dieser Stelle gewarnt. Bis dahin „Good Times“!

 

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Die gelbe Gefahr!

 

Aus aktuellem Anlass ein paar Worte zur »gelben Gefahr«, weil mir vorhin auf Facebook jemand Folgendes schrieb:

 

»Ich frage mich, warum der gelbe Hintergrund in Ihrem Facebook-Profilfoto, der aktuell als Kennzeichen der Muslimbrüder-Sympathisanten angesehen wird? Ich erwarte Neutralität von Journalistinnen und Journalisten!«

Nun, ähemm, das Foto steht so, wie es aussieht, seit April 2011 auf meiner Facebook-Seite, weil ich damals dachte, dass rot und gelb zusammen so’ne schöne Signalwirkung entfalten. Hat mir einfach gut gefallen. Dass es die Farbe der Muslimbrüder sein soll, ist mir unbekannt (seit GESTERN verwenden sie allerdings einen gelben Hintergrund in einem ihrer Protestlogos). Man könnte über den Vorwurf an mich lachen, wenn er nicht ein Beispiel dafür wäre, wie so manchem Ägypter (und Deutschen in Ägypten und Deutschen in Deutschland, der sich für Ägypten interessiert) in dieser Atmosphäre der Hysterie die Nerven durchgehen.

 

 

Ich richte ja nie meine Berichterstattung an den Stimmungswogen der Leute aus. Eine der Hauptfragen, die ich mir beim Recherchieren und Schreiben selber stelle, lautet: »Ist das, was ich sehe, jetzt wirklich das, was ich denke, was es ist…?« Will sagen: Es gibt ziemlich viele Gründe dafür, immer und überall kritisch unter die Oberfläche zu gucken. Was Ägypten betrifft, gilt das nicht nur für die Islamisten, auch für Militär, Sicherheitskräfte, Opposition usw. usf. Alles andere wäre journalistisch falsch (und außerdem sterbenslangweilig).

 

 

Ich weiß, dass das schwierig für jene ist, die nach einfachen ›Wahrheiten‹ dürsten, nach solchen, die am besten auch noch ihren Stimmungen und Erwartungen entsprechen. Ich verstehe das ja, aber es ist journalistisch nicht machbar. Ich erhalte auch Post, in denen Unterstellungen stehen wie: »Sie haben doch die Muslimbruderschaft immer geschont und die Gefahr verharmlost!« — Wahlweise steht statt Sie auch gern Ihr für »Ihr Journalisten«…

 

 

Wen es interessiert, ich verlinke hier mal ein paar meiner Beiträge, die ich eben auf die Schnelle rausgesucht habe. Das soll keine Rechtfertigungsein (dazu gibt es keinen Grund), sondern eine Ermunterung dazu, mal ein bisschen genauer in die deutschen Medien hineinzugucken oder hineinzuhören. Da gibt es bei meinen Kollegen (auch von WELTREPORTER.NET) ne ganze Menge zu entdecken, zum Beispiel in den Tageszeitungen und auf den öffentlich-rechtlichen Radiosendern (sehr empfehlenswert!) und zum Beispiel besonders auch bei Karim El-Gawhary.

 

 

Hier Links zu ARD-Hörfunkbeiträgen von mir aus dem Frühjahr und Winter:

 

 

Das folgende Stück hier wurde knapp drei Monate vor der Entmachtung Mursis gesendet, ich lasse einen ägyptischen Gesprächspartner erklären, warum er die Ideologie der Muslimbruderschaft für gefährlich & faschistisch hält :

 

 

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/04/12/drk_20130412_2248_aeceaafc.mp3

 

 

Hier zu Menschenrechtsverletzungen unter Mursi (April 2013):

 

 

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/02/11/drk_20130211_1214_7d7da371.mp3

 

 

Hier genau zur Hälfte der Amtszeit Mursis (Januar 2013), ebenfalls über Menschenrechtsverletzungen und repressive Politik:

 

 

http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten1410.html

 

 

Hier die ersten Massenproteste gegen Mursi & Muslimbruderschaft im Dezember 2012:

 

 

http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten-proteste110.html

 

 

Das sind einige von vielen Beispielen. Auf den Text-Webseiten gibt es jeweils immer auch ein Audio-Logo, auf das man klicken kann, um sich das jeweilige Stück anzuhören.

 

 

Mal auch ganz spannend für mich, in der Rückschau zu gucken, wie die eigene Berichterstattung damals aussah. ■

 

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Ägypten – das Reich der Phantasie

Dass die Wahrheit in Konflikten auf der Strecke bleibt, ist eine Binsenweisheit, ebenso wie die Tatsache, dass mit Informationen Politik gemacht wird. Geschenkt. Es gibt nichts, das ein Journalist nicht kritisch abklopfen muss.

 

Am 26. Januar 2011, dem zweiten Tag des ägyptischen Volksaufstandes gegen Mubarak, bin ich tagsüber zu drei Orten in der Nähe des ARD-Studios gegangen, für die Regimegegner Demos mit mehreren Tausend Menschen über Twitter und auf Facebook vermeldet hatten. An nicht einem der drei Orte traf ich auch nur einen einzigen Demonstranten an.

 

Bei Opferzahlen sieht’s nicht anders aus. Wem hohe Zahlen nutzen, der vermeldet hohe Zahlen, wem nicht, der nicht. Fotos von Kindern, die das ägyptische Militär angeblich bei ihren brutalen Angriffen gegen Mursi-Anhänger in Kairo tötete, erwiesen sich später als Bilder von Kinderleichen aus Syrien.

 

Diese Bilder waren auf Webseiten aufgetaucht, die der Muslimbruderschaft nahestehen. Andere Webseiten fanden die Quelle und stellten die Screenshots der ägyptischen sowie der syrischen Webseite nebeneinander –beide zeigen dasselbe Massakerfoto, nur mit einer anderen Bildunterschrift.

 

Ich habe aber auch schon Webseiten mit solchen Gegenüberstellungen gesehen, bei denen der »Beweis«, also der Screenshot von der Webseite mit dem angeblichen Originalfoto, eine Fälschung war – und das angeblich »entlarvte« Foto aber echt. Alles ziemlich verworren.

 

Gestern tauchten in Ägypten Fotos von Männern in Zivil auf, die mit Maschinengewehren bewaffnet am Rande von Demonstrationen durch Kairos Straßen liefen. Angeblich soll es sich um bewaffnete Mursi-Anhänger gehandelt haben. Das kann stimmen, ich habe selber in den letzten Wochen Mursi-Anhänger mit Waffen gesehen. Die Behauptung kann aber auch falsch sein. Andere Fotos von gestern zeigen Männer in Zivil und mit Maschinengewehren, die mit Polizisten in der Sonne stehen, plaudern und ganz offensichtlich zu ihnen gehören.

 

Zu welcher ‘Seite’ gehören Männer in Zivil, die in der Nähe von Protesten mit Waffen rumlaufen? Das Publikum entscheidet sich für die Antwort, die es hören will. Das ist der Hauptpunkt. Nur wenige der vielen Falschinformationen und Behauptungen dienen noch dazu, einen Beweis zu suggerieren. Sie sollen einfach nur Stimmungen beeinflussen, bei Leuten, die ohnehin schon in einer bestimmten Weise gestimmt sind.

 

Es ist inzwischen völlig egal, wie plausibel diese Behauptungen sind. Sie tauchen auf, sie putschen auf. Sie sind ein paar Stunden später schon wieder aus der Wahrnehmung verschwunden und haben ihren Zweck erfüllt. Im Zeitalter von Social Media und von Fernsehbildschirmen, die rund um die Uhr flimmern, erwartet niemand mehr, das irgendwas von dieser Informationsflut später dementiert oder entlarvt wird. Es guckt sich alles einfach so weg.

 

Seit Mittwoch wurden in Ägypten landesweit mehrere Dutzend Kirchen gestürmt, verwüstet und/oder in Brand gesteckt. Ich habe in Videoaufnahmen Täter gesehen, bei denen es sich mit ziemlicher Sicherheit um Sympathisanten von Mursi und der Muslimbruderschaft handelte – zur ‘Rache’ womöglich angefeuert durch die Reden, die wochenlang von der Protestcamp-Bühne an der Rabaa-al-Adawiyya-Moschee hallten und in denen aufs Übelste immer wieder auch gegen Christen gehetzt wurde.

 

Auf Aufnahmen von anderen der attackierten Kirchen sah ich Angreifer, die mit Pick-up-Trucks kamen und bei denen es sich unverkennbar um Baltagiyya-Schlägertrupps handelte, um jene meist jungen, verrohten Männer aus Armenvierteln, die seit Jahrzehnten für Funktionäre der Mubarak-Nomenklatura die Drecksarbeit machen, nicht selten vollgepumpt mit Bango (Marihuana), und die ein paar ägyptische Pfund für ihren Einsatz erhalten.

 

Eine ägyptische Koptin aus Beni Suef (die ich nicht kenne und für deren Äußerungen ich nicht bürgen kann) schrieb auf ihrer Facebook-Seite (mehrere Tausend Abonnenten): »Glaubt mir! Die, die bei uns im Ort die Kirchen anzündeten, waren Geheimdienstleute in Zivil und Männer von der NDP (Mubaraks 2011 aufgelöster Regierungspartei).« In einem Fernsehinterview an jenem Mittwoch erzählt ein koptischer Kirchenfunktionär aus Al-Minya, dass die Angriffe auf alle Kirchen im Ort exakt zur selben Zeit nach demselben Muster abliefen und vor allem in jenem Moment im Morgengrauen stattfanden, als in Kairo die brutale Räumung der Protestcamps der Mursi-Anhänger gerade begonnen hatte. Die Kopten riefen die Polizei an und baten um Schutz und Hilfe, aber bei keiner der überfallenen Kirchen habe sich die Polizei blicken lassen, bis zum Schluss nicht.

 

Es bleibt einem nichts weiter übrig, als sich auf all das irgendwie selber einen Reim zu machen – indem man so aufwändig und so kritisch wie möglich recherchiert und indem man die eigenen, Jahre langen Erfahrungen bei der Beurteilung hinzuzieht. Nach dem, was ich von den Überfällen auf die Kirchen gesehen habe, würde ich sagen: sowohl radikale, aufgehetzte Mursi-Sympathisanten als auch koordiniert agierende Angreifer, die Überfälle orchestrierten, die den Islamisten in die Schuhe geschoben werden können.

 

Vorfälle dieser und ähnlicher Art müssten von offizieller Seite untersucht werden. Nach jedem Blutbad der letzten zweieinhalb Jahre wurde schonungslose Aufklärung versprochen, aber ich kann mich an keinen einzigen Untersuchungsbericht erinnern. Und wenn es Pressekonferenzen gab, auf denen »Untersuchungsergebnisse« präsentiert wurden, waren sie keine einzige der Minuten wert, die man für sie opferte.

 

Im Oktober 2011 habe ich sechs Stunden lang aus nächster Nähe mit ansehen müssen (ich konnte den Ort nicht verlassen), wie das ägyptische Militär vor dem TV-Gebäude Maspero ein Massaker unter Teilnehmern einer Christendemonstration verübte. Ich sah Soldaten, die auf Menschen schossen (die dann getroffen zusammensackten), ich sah, wie gepanzerte Militärfahrzeuge über Demonstranten fuhren. Am Ende waren mindestens 27 Menschen tot.

 

Ein paar Tage später gaben Armeeoffiziere auf einer Pressekonferenz die offizielle Version der Militärs bekannt. Fast alles, was sie sagten, war praktisch das Gegenteil von dem, was ich selber gesehen hatte. Ähnliche Erfahrungen macht man immer wieder auch mit Erklärungen anderer Behörden. Es ist leider so, dass die Informationen offizieller Stellen in Ägypten keinen Wert haben. Sie können stimmen (und tun das womöglich hin und wieder auch), aber sie können ebenso gut auch komplett dem Reich der Phantasie entstammen. Man könnte sie eigentlich ignorieren. Sie helfen einem bei der Suche nach dem Hergang der Ereignisse keinen einzigen Millimeter weiter. ■

 

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Reif für die Insel – Backpacking damals und heute…

Die Gilis – drei kleine Inseln im Nordwesten von Balis Nachbarinsel Lombok –waren vor 15 Jahren mein ultimatives Ziel. Ich reiste zum ersten Mal mit dem Rucksack durch Indonesien und nachdem ich bereits zwei Monate in den Millionenstädten auf der Hauptinsel Java verbracht hatte, war das abgeschiedene Inselparadies genau der richtige Kontrast. Es gab keine befestigten Straßen, keine motorisierten Fahrzeuge, keine Geldautomaten, keine Post, eigentlich überhaupt nichts, was wir aus unserer so genannten zivilisierten Welt alles so kannten. Stattdessen gab es vor allem Sonne, Strand und Palmen, darunter kleine Bambusbungalows und Hängematten, Korallen und ab und zu sogar mal Schildkröten. Um dieses lebendige gewordene Klischee erleben zu können, war ich zwei Tage lang mit öffentlichen Bussen und Fähren von Bali aus unterwegs, stapfte mit meinem Rucksack durch nassen Sand und matschige Inselwege, duschte mit Salzwasser und aß jeden Tag gegrillten Fisch mit Chilisauce. Ich fand es großartig.

Als ich letzte Woche von Bali auf die Gilis übersetzte, war ich darauf vorbereitet auf der inzwischen zur Party-Insel avancierten Gili Trawangan nicht mehr viel Robinson-Feeling zu finden. Dennoch war ich geschockt: Auch der einst so unversehrte Oststrand der als „Familieninsel“ bekannten Gili Air war komplett zugebaut. Restaurants, Hotels, Tauchschulen reihen sich aneinander – allesamt auf befestigten Ufermauern. Erosion soll der Grund sein. Die kleinen Pferdekutschen verlangten fast zehn Euro um einmal um das winzige Eiland zu fahren, in Indonesiens Hauptstadt Jakarta kostet eine einstündige Taxifahrt von der Innenstadt zum Flughafen genauso viel. Der Kutscher erklärte mir während der Fahrt, dass praktisch alle unbebauten Grundstücke auf der Insel bereits aufgekauft seien, fast alle von Ausländern.

Doch nicht nur die Inseln haben sich verändert, auch die Reisenden. Vor allem die mit den Rucksäcken. Auf der gerade mal etwas mehr als einstündigen Fahrt mit dem Schnellboot von Bali (inzwischen gibt es mindestens acht Unternehmen, die täglich Hunderte von Touristen mit Hochgeschwindigkeitsbooten über einen der tiefsten Meeresgräben Indonesiens befördern) saßen zwei Backpackerinnen aus dem Ruhrpott neben mir, die sich bei den ersten Salzwasserspritzern unter einer Regenplane verkrochen, um ihr Make-up zu schonen. Dabei hatten sie sich extra die einzigen Außensitzplätze geschnappt, um ihre in Badeschlappen steckenden Füße in der Sonne zu bräunen. Natürlich sprang bei der Ankunft auch kein Passagier ins seichte Wasser, sondern alle warteten schön der Reihe nach, bis sie über einen beweglichen Steg auf den trockenen Teil des Strandes balancieren konnten. Als in meiner Unterkunft, ein einfaches Ressort mit Bambusbungalows und Strandbar, die WLAN-Verbindung ausfiel, war das für ein französisches Pärchen Grund genug, seine Sachen zu packen und in ein Ressort auf der anderen Seite der Insel zu ziehen – wo es ganz abgesehen davon auch warmes Wasser und Klimaanlage gab. Und nicht zu vergessen: „richtiges Essen“. Drei Tage mit Reis, Fisch und Gemüsecurry seinen ja nun wirklich genug.

 

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Zeit zum Spielen

Vor Kurzem fuhr ich in eine trostlose Gegend im Osten von Los Angeles, machte mich zwischen Schrottplätzen und Autowerkstätten auf die Suche nach einem neunjährigen Jungen, der derzeit Kinder, Eltern, Lehrer, Künstler und überhaupt alle inspiriert, die das Video über ihn angeschaut haben. Es zeigt Caine, der in den Sommerferien im Laden seines Vaters für gebrauchte Autoteile ausgeklügelte Spiele aus Pappe, Papier, Klebeband, Schnur und ein paar anderen Utensilien baut, die im Geschäft rumliegen. Er begann mit einem Basketballspiel gebaut aus Pappe und dem Netz, das Caine in seiner Lieblingspizzeria bekommen hat. Sein Lieblingsspiel ist die Greifmaschine aus einem Haken, einer Schnur und einem oben eingeritzten Pappkarton mit Sichtfenster aus Klebeband und bunten Preisen, nach denen Kunden angeln können. Doch: in der Gegend gibt es keine Fußgänger und der Vater macht seine Geschäfte inzwischen fast ausschließlich online. Deshalb hatte Caine lange keine Kunden – abgesehen von der Sekretärin oder mitfühlenden älteren Brüdern.

Bis zu dem Tag als Filmemacher Nirvan Mullick auf der Suche nach einem Türgriff für sein altes Auto den Laden betritt. Er sieht die Spielhalle aus Pappe, fängt an zu spielen, ist an seine Kindheit erinnert und beschließt einen Kurzfilm über Caine’s Arcade zu machen. Als Nirvan hört, dass Caine keine Kunden hat schafft er einen Event auf facebook – und Dutzende kommen um zu spielen. Es wird Caines glücklichster Tag in seinem neunjährigen Leben. Nirvan filmt alles und erzählt die Geschichte in einem liebevoll produzierten Film, den er ins Internet stellt.

Damit ändert sich das Leben aller Beteiligten – Caine bekommt eine facebookseite mit inzwischen über 112 tausend Fans, wird an Unis, zur NASA und zu Unternehmerkonferenzen eingeladen. Seine Eltern haben keine Zeit mehr mit Autoteilen zu handeln und jedes Wochenende wollen Hunderte Caine

s Spiele spielen. Es gibt inzwischen zwei Stiftungen in seinem Namen. Die eine sammelt Geld damit Caine studieren kann, die andere fördert Kinder mit erfinderischem Unternehmergeist.

Caine bleibt bei alledem auf dem Teppich. Mein Interview mit ihm wurde ziemlich kurz. Caine hat keine Geduld für viele Fragen, er will sich um seine Spiele und seine Kunden kümmern!

Wie wunderbar, dass er das alles gebaut hat ohne an Geld und Erfolg zu denken und  dass sich Filmemacher Nirvan Zeit zum Spielen genommen hat!

 

 

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“Arbeiten” in den Zeiten von Email …

Internet, höre ich oft, macht unsere Arbeit schneller und flexibler, vor allem erleichtert es die Kommunikation.
Wirklich? Nach einer Woche mit einem Duzend Gesprächen wie dem  Folgenden wage ich vorsichtig zu zweifeln:

– “Hi Cindy, für eine Reportage in Magazin Xy über TT würde ich gerne mit Dr Wz (Cindys Boss) sprechen. Wär das in den nächsten Tagen möglich?”
(Umrundet wird dieses Intro von dem in Australien üblichen Austausch über Wetter, Befinden der Gesprächspartner, deren letztes Wochenende, etc., die ich hier aus Gründen der Kürze weglasse).
– Was für eine großartige Idee! Wie war Ihr Name noch gleich?
– JJ
– Und wo sagten Sie noch…?
– bei XY… 
(jetzt liefere ich ein Exkurs zu Auflagenzahlen, Brillanz, Schlagkraft des besagten Objekts im Allgemeinen und der Glorie, die geplante Geschichte auch für Cindy und ihren Boss haben wird im Besonderen …  ps: das ist oft der Moment, in dem ich mich frage, ob ich wohl auch auf dem Isemarkt Allgäuer Bergkäse verkaufen könnte)
– How absolutely AMAZING!
(Cindy ist vor Glück überwältigt, es folgen diverse positive Ausrufe, die mein Anliegen ganz weit oben in die Kategorie “wunderbare Ereignisse der Woche” sortieren dürften)
–  Well, ja, ich denke auch das könnte interessant werden.

Jetzt hat Cindy eine Idee, die ihren Tag vergoldet:
–       Warum, liebe JJ, fassen Sie das alles nicht rasch für mich in einem E-mail zusammen und poppen es in meine Mailbox?
(Übersetzung: Cindy wird mein E-mail an Kylie in der Pressestelle weiterklicken, die mein E-mail in den Ordner “lästige Anfragen/zum Jahresende löschen” schiebt.)

– Warum, Cindy, kannst du uns nicht allen viel Zeit und Arbeit sparen und mich einfach zu Wz durchstellen, oder ihn bitten mich zurückzurufen. Er ist schließlich Regionalchef des Känguru-Schutz-Klubs und nicht der Kaiser von China. (Das sage ich natürlich nicht, sondern denke es nur, laut lüge ich:)– Kein Problem, das mache ich gerne, great talking to you, Cindy!

Zwei Tage später rufe ich Kylie in der Pressestelle an, wir werden ein ähnlich herzliches Gespräch führen. Zum Abschluss wird Kylie sagen:
– Warum fassen Sie das nicht rasch für mich in einem E-mail zusammen und werfen es in meine Mailbox …?

Ich lege auf. Dann denke ich dankbar darüber nach, wie Emails unsere Kommunikation erleichtern und beschleunigen, wie sie Alltag und Arbeit eigentlich überhaupt erst möglich machen… Und dann träume ich ganz kurz von jener altmodischen Epoche, in der Menschen noch miteinander telefonierten.

 

 

 

 

 

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Verwechslungsgefahr mit echten Seeräubern? Keine Zulassung für Taiwans Piratenpartei

Statt an die Erfolge ihrer deutschen Schwesterpartei anzuknüpfen, sind Taiwans Piraten vorerst an der Bürokratie gescheitert. Das Innenministerium blockierte die Zulassung mit der Begründung, die Bezeichnung „Piratenpartei“ könne den Eindruck erwecken, die Mitglieder seien wirklich Seeräuber. Außerdem bemängelten die Beamten nach einem Bericht von Taiwans Nachrichtenagentur CNA, der Name widerspreche den genannten Zielen der Partei, und Piraterie werde strafgesetzlich verfolgt.

Ähnlich wie in Europa wollen Taiwans Piraten sich für eine Reform des Urheberrechts, mehr Freiheit im Internet und Transparenz in der Verwaltung einsetzen. Parteigründer Tai Cheh will sich noch nicht geschlagen geben. Er werde Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen, sagte der Psychologie-Dozent. Die Regierung habe gar kein Recht, eine Parteigründung aufgrund des Namens abzulehnen. „Es geht hier um Redefreiheit. Die Regierung mischt sich ja auch nicht ein, wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben.“

Als wichtiger Standort der Computerindustrie könnte das fast komplett vernetzte Taiwan durchaus Wählerpotenzial für eine Piratenpartei bieten. Auch reagieren viele Taiwaner empfindlich auf mögliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit, denn das Land war jahrzehntelang per Kriegsrecht regiert worden. Erst 1986 gründete sich die erste Oppositionspartei, freie Parlamentswahlen gibt es seit 1992.

Die Erfolgsaussichten von kleinen Parteien sind in Taiwan aber traditionell gering. Taiwans Grüne, die sich ebenfalls für gesellschaftliche Modernisierung einsetzen, haben im Zuge von Fukushima bei den Wahlen im Januar mit 1,7% zwar ihren Stimmanteil vervierfacht, aber erneut den Sprung ins Parlament verpasst.

Der Einzug der deutschen Piratenpartei ins Berliner Abgeordnetenhaus hatte auch in Taiwan Wellen geschlagen – zumindest bei den berüchtigten Animateuren von NMA.tv (Video):

Was macht Taiwan so besonders, und wie lebt es sich in der einzigen Demokratie, in der Chinesisch Landessprache ist? Über meinen ungewöhnlichen Alltag habe ich ein kleines Buch geschrieben und mit vielen Fotos garniert.

Buch von Klaus Bardenhagen: Tschüß Deutschland, Ni hao Taiwan

Sie können einen Blick in mein Buch über Taiwan werfen und es bestellen – gedruckt oder als eBook im EPUB-Format für weniger als vier Euro.
 
berichtet seit 2009 aus Taiwan. Erfahren Sie mehr unter taiwanreporter.de oder folgen Sie ihm per Facebook und Twitter.

 

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Wetten, dass …

Sie wetten, wie schnell Krabben linksseitig in einen Kreis laufen, sie wetten auf Pferde, Hunde, Boxer, Würfel und zur Not die Flugrichtung der Fliege im Outbackpub  – Australier sind Weltmeister im Wetten. Im 21. Jahrhundert läuft das meiste Gewette natürlich online. Nicht ganz so romantisch wie einst Scheine wedelnd und mit Wettschein, but well. Aber wetten, dass Sie nicht wissen, worauf derzeit online und in anderen Wettbüros ebenfalls spekuliert wird? Ok. Hier kommt’s: Man setzt Geld auf den Termin der nächsten Wahl.

Nicht auf den Ausgang, das wär’ ja irgendwie noch sportlich. Gewettet wird, welchen TAG die neue Premierministerin Julia Gillard wohl für die Wahl festsetzen wird. Spannend was? Macht mir auch keinen echten Blutdruck, aber so isses. Irgendwo zwischen Cycling und Darts wird etwa bei sportingbet oder bei centrebet der Election date getippt. Theoretisch kann der übrigens an jedem möglichen Samstag bis 16. April 2011 sein. Nach der Entmachtung von Kevin Rudd im Juni wird aber gemunkelt, dass es eher früher als später an die Urnen geht. Nur $ 1,75 gibts daher pro Dollar, wenn man als Wahltag den letzten Augustsamstag vorhersagt. Für besonders unwahrscheinlich hält die Zockergemeinde den letzten Samstag im November (derzeit über 100 $ Gewinn pro Dollar). Ich wüsste ja zu gerne, ob die neue Staatschefin da auch ein paar Wetten laufen hat … 

 

 

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Wer hat Angst vorm schwarzen Facebook-Mann?

Am 7. Juni wurde in Alexandria der 28jährige Khaled Said von Polizisten aus einem Internetcafé gezerrt und zu Tode misshandelt. Brutale Polizeiwillkür ist in Ägypten keine Seltenheit. Wie bei anderen Anlässen zuvor, zeigt auch diese Tragödie, dass das Land zu jenen auf der Welt gehört, in denen Facebook als zentrales Protestmedium kaum noch wegzudenken ist. Die Gruppe »Wir alle sind Khaled Said« hat jetzt – nicht mal zwei Wochen nach dem tragischen Tod – 112.000 Mitglieder. Die Gruppe »Ich heiße Khaled Muhammad Said« bringt es auf fast 200.000.

Das Web 2.0 als Plattform des Widerstandes ist kein Novum in Ägypten. Über die Facebook-Gruppe »Mohamed ElBaradei« werden 252.000 Mitglieder in Echtzeit über die Aktionen der Reformkampagne des früheren Chefs der Atomenergiebehörde informiert. Im Fall Khaled Saids konnte der öffentliche Druck übers Web 2.0 bereits einen ersten Erfolg erzielen. Schwierig bleibt es trotzdem, in einem Polizeistaat wie Ägypten den Protest aus dem Internet ins wirkliche Leben zu tragen.

Die Sicherheitsdienste lesen ebenfalls Facebook. Wann immer ein Straßenprotest angekündigt wird, sind sie zur Stelle und ersticken die Aktion im Keim. Wie auch am Freitag um 17 Uhr. Die Facebook-Gruppe »Wir alle sind Khaled Said« hatte zu einem Schweigespaziergang an die Uferpromenaden gerufen – in Kairo an die Corniche am Nil, in Alexandria an jene am Mittelmeer. Aus Protest und Trauer sollten die Leute in in schwarzer Kleidung kommen.

Pünktlich um fünf stand in Kairo auch die Bereitschaftspolizei am Nilufer. Beamte in Uniform oder in Zivil und mit Sprechfunkgeräten schlenderten die Promenade hoch und runter. Viel Resonanz erzeugte der Aufruf nicht, schätzungsweise einhundert junge Leute liefen, schwarz gekleidet, das Ufer entlang oder standen an Brückengeländern und lasen im Koran.

Für die Polizisten eine absurde Situation. Wer protestierte, wer spazierte hier ganz normal an seinem arbeitsfreien Freitag? Immerhin sind schwarze T-Shirts, Jacken oder Abayas in Kairo nicht unüblich. Das Spektakel war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wie auf einem Kegelklubausflug zogen Gruppen ziviler Beamte in Bundfaltenhosen und vollgeschwitzten Herrenoberhemden die Promenade entlang und versuchten nervös, alle schwarzgekleideten Menschen wegzuschicken. Wie viel Zeit bleibt einem Regime noch, das solche lächerlichen Szenen produziert? Vieles in Ägypten erinnert mich derzeit an die späte DDR.

 

 

 

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Zensur: Von Deutschland lernen?

Über ein faszinierendes Abkommen zwischen Deutschland und dem Videoportal Youtube berichtet der türkische Telekommunikationsminister Yildirim – faszinierend für mich jedenfalls, denn ich habe davon noch nie gehört: Die deutsche Justiz, so der Minister, sei ständig online mit Youtube verbunden (was ja an sich keine Kunst ist, wenn sie denn Internet-Zugang hat). Über diesen direkten Draht verschicken deutsche Staatsanwälte demnach sofort eine Warnung, wenn ihnen ein Video nicht gefällt; wenn es dann nicht binnen 72 Stunden aus dem Netz verschwinde, werde es von Youtube gesperrt.

Mir kommt das etwas merkwürdig vor, aber ich kann das ebenso schwer nachprüfen wie all die anderen türkischen Internet-Nutzer, denen Yildirim das erzählt, weil Youtube für uns in der Türkei ja schon seit Jahren komplett gesperrt ist. Immerhin können wir uns jetzt denken, was Yildirim von den Youtube-Vertretern verlangen wird, die diese Woche nach Ankara kommen, um die Voraussetzungen für eine Aufhebung der Blockade zu sondieren – über die 15 Millionen Euro hinaus, die Ankara als Eintrittsgeld verlangt.

Sollte eine Einigung auf das von Yildirim skizzierte Modell hinauslaufen, wird Youtube personell kräftig aufstocken müssen, um all den Zensurwünschen der türkischen Staatsanwälte nachzukommen. Im World Wide Web sind hierzulande tausende Adressen gesperrt, darunter natürlich Dutzende kurdische Medien und linke Webseiten, aber auch allerlei unpolitische Seiten wie das internationale Anzeigenportal www.expatriates.com. Warum, das bleibt wie immer das Geheimnis der türkischen Behörden: Die Adresse sei auf Grundlage des türkischen Internet-Gesetzes vorbeugend geschlossen, lautet der kryptische Standard-Hinweis.

 

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Zensiert

Die türkische Datenautobahn erinnert fatal an die türkischen Autobahnen: Dauernd kommt einem etwas rückwärts entgegen. Mit dem Youtube-Verbot können wir nach zwei Jahren dank Yasaktube und ähnlicher Umgehungsstraßen ja einigermaßen leben. Mit der Sperrung aller möglichen kurdischen Seiten kommen wir auch klar, weil alle die Schleichwege kennen. Die PKK-nahe Ajansa Nuceyan a Firate zum Beispiel wechselt einfach die Domain-Endung, wenn sie wieder einmal von den türkischen Gerichten gesperrt wird. Derzeit erreichen wir in der Türkei sie unter www.firatnews.nu, nachdem www.firatnews.com und www.firatnews.eu gesperrt sind (wer letztere Adressen öffnen kann, befindet sich nicht in der Türkei). Gesperrte Zeitungen wie Gündem können wir immerhin mit Proxies wie Ktunnel lesen.

Aber nun bin ich endgültig in der Sackgasse gelandet: Um auf meinem Blog „Türkei-Reporter“ einen „social bookmarking button“ installieren zu können, müsste ich ihn vom Betreiber herunterladen können – und der ist gleich doppelt gesperrt. Zwei Provinzgerichte, in Denizli und in Burdur, haben beschlossen, dass der 30jährige israelische Software-Programmierer Hillel Stoler eine Gefahr für die Türkei darstellt. Warum, das bleibt – wie immer bei diesen Sperrungen – ihr Geheimnis und wird dem Nutzer nicht verraten. Auf die Facebook- und Twitter-Links muss ich also verzichten und bitte die geneigten Leser deshalb darum, meinen Blog manuell weiterzuempfehlen.

 

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Wegelagerer im Internet

Wenn ich durchs Internet surfe, höre ich Stimmen. Überall wird es mir zugeraunt und zugeflüstert: ‘Sign up! Register now! Wir sind an Ihrer Meinung interessiert! Hallo, melden Sie sich bitte an! Neu hier?’

Manchmal will ich unbedingt auf eine Webseite. Ein einziges Mal nur, um dort jetzt, aber danach nie wieder irgendetwas zu erfahren oder zu tun. Dann registriere ich mich schnell und fülle die Lochmasken mit lauter Quatsch aus. Ich denke mir Namen aus, ein fiktives Geburtsdatum, eine Postleitzahl, die mit meiner echten keine Ähnlichkeit hat, und wenn nötig, auch irgendwelche Phantasieinteressen. Meistens bin ich in den Achtzigern geboren – wer möchte nicht gern jünger sein. Mein Nettohaushaltseinkommen ist natürlich immer so hoch, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen wage. Es kam sogar schon vor, dass ich mir rasch ein GMX-eMail-Konto einrichtete, nur für diese eine Stunde. Um sicher zu gehen, dass ich später nicht etwa ungewollt Werbung erhalte.

Damit bin ich wahrscheinlich der Supergau aller Online-Marketingexperten. Also für jene Leute, die zu ihren Werbekunden gehen und behaupten, sie könnten so zielsicher wie nie zuvor genau die potentiellen Kunden erreichen, für die ihr Produkt entwickelt wurde.

Sagen wir mal, ich melde mich durchschnittlich zweimal pro Jahr irgendwo an, um hier oder da reinzukommen. Dann konnten in den letzten zehn Jahren Online-Marketing-Abteilungen 20 Persönlichkeitsprofile von einer Person sammeln, die ich bin. Ich bin zwanzig verschiedene Leute, die sich jeweils deutlich von mir unterscheiden, deren Infos die Online-Werber aber als ihren kostbarsten Datenschatz bezeichnen.

Wenn ich in Internetmarketing machen würde, täte ich den Tag jeden Morgen mit einem Gebet beginnen: Lieber Gott, lass bitte nie rauskommen, dass das alles nur eine Fiktion ist.

Ich bin ja nicht der einzige mit diesem Verhalten. Weil mich die Mysterien unseres Alltages interessieren, frage ich immer mal wieder rum. Bislang traf ich fast keinen, der seine realen Daten angibt, abgesehen vielleicht von der eMail-Adresse.

Aber nicht nur das. In anderthalb Jahrzehnten Dauereinsatz im Internet hat mein Gehirn eine Art Autopilot entwickelt. Während ich auf Webseiten zielgerichtet das finde, was ich suche, sorgt der Autopilot in meinem Kopf dafür, dass meine Augen nicht auf Werbung schauen und mein Zeigefinger nicht aus Versehen Banneranzeigen anklickt. Sollte sich trotz Popupblocker ein Werbefenster öffnen oder ins Bild schieben, schließt mein Autopilot es ohne mein Zutun. Webseiten, auf denen automatisch Audio-Reklamespots tönen oder tröten, macht er sofort komplett zu, noch bevor mich der Sound erschreckt.

Dabei finde ich ja gar nicht, dass Werbung schlecht ist. Medien und Werbung gehören zusammen wie Elmex und Aronal, und das ist gut so. Schlecht ist nur, dass Werbung im Internet inzwischen oft derart nervt, dass es an Nötigung grenzt. Bei Zeitschriften ergeht es mir anders. Immer wieder bleibe ich auf Anzeigenseiten hängen, weil mir die Fotos gefallen oder weil mich das Produkt interessiert. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich beim Durchblättern von Magazinen selbst entscheiden kann, was ich wann tue.

Ein Händler auf einem Touristenbasar in Oberägypten erzählte mir, dass er mehr verkaufe, seit er den vorbeilaufenden Touristen nicht mehr auf den Geist geht. Früher seien sie mit starrem Tunnelblick an seinem Shop vorbei geeilt. Eine Regel, die vielleicht auch Onlinewerber beherzigen sollten, könnte lauten: Die Internetuser nicht bedrängen, sich ihnen nicht in den Weg stellen, sie nicht vollquatschen, anmachen oder ihnen an den Ärmeln zerren.

 

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Mein Papa ist nicht korrupt!

Derzeit wird viel diskutiert über das Internet in China – das viele inzwischen Chinternet nennen, weil es sich dank der Paranoia gestrenger Propagandazaren zusehends abkapselt gegen geistige Verschmutzung aus dem Ausland. Youtube und Twitter müssen draußen bleiben. Doch Google bleibt vielleicht drin im Chinternet, sie verhandeln gerade mit der Regierung – und immer noch kann man bei der chinesischen Version der Suchmaschine google.cn auch Fotos vom Tiananmen-Massker 1989 finden. Wir wissen also nicht, wie es weitergeht.

 

 

Aber, ein kleiner Trost vielleicht, auch im Chinternet tauchen immer mal wieder interessante Blogs auf, die etwas bewegen und nicht sofort von den Zensoren getilgt werden. Blogger und Tausende aufgebrachte User bewirkten etwa kürzlich den Freispruch einer jungen Hostess in einem Provinzstädchen, die vor ein paar Monaten in Notwehr einen zudringlichen Parteifunktionär erstochen hatte. Derzeit aber findet mal ein ganz anderer Blog überraschende Aufmerksamkeit. Durch die chinesischen Medien geistern Berichte über einen Blog der 22-jährigen Wu Fangyi aus der Kleinstadt Shaoying in der Provinz Hunan. In den “Halt durch, Papa!” betitelten Einträgen verteidigt sie ihren Vater, ehemaliger Parteichef eines ländlichen Kreises von Shaoyang. Der steht wegen Korruption und Machtmissbrauch vor Gericht. Er sei aber unschuldig, sagt die Tochter. Er gehe nie in teure Restaurants oder zur Fußmassage und lebe in einer bescheidenen Beamtenwohnung. Um das zu beweisen, zeigt Wu Bilder ärmlicher Behausungen, die der Familie gehören sollen. Und sagt: “Ich habe immer wieder seine Tasche untersucht, und nie was anderes als Dokumente und Notizbücher darin gefunden.” Ihr eigenes Handy koste nur 200 Yuan, gut 20 Euro. So weit so gut. Das verblüffende: Nicht nur lasen bereits 830.000 User den Blog. Viele davon drückten der jungen Frau auch ihre Unterstützung aus, wie die lokalen Zeitungen schreiben. Dabei hassen die meisten Chinesen korrupte Offizielle. Es ist wohl mehr der Familiensinn, der Mitgefühl auslöst, die Sorge einer Tochter um ihren Papa kann jeder irgendwie verstehen.

Genauso viele andere sind laut den Berichten aber skeptisch: Die Fotos seien Fakes, der Mann wäre ja wohl kaum verhaftet worden, wenn es keine Beweise gebe. Das gleiche sagen auch Offizielle, bei denen die Parteizeitung China Daily nachgefragt hatte. Auch die Mutter der 22-Jährigen, eine Dorflehrerin, saß sechs Monate hinter Gittern und konnte sich mit 185.000 Yuan freikaufen. Die seien aus Familienersparnissen sagte sie der China Daily. Aha.

Keiner der Zeitungsberichte schreibt, auf welcher der tausenden chinesischen Bloghosts Wu Fangyi ihren Papa verteidigt. Den Blog selbst habe ich also nicht gefunden und kann daher seine Existenz nicht verifizieren und auch nicht sagen, ob ich Wu Fangyi glaubwürdig finde oder nicht. Was sagt uns das ganze also? Dass Korruption eines Familienvaters die ganze Familie korrumpiert? Dass es eigentlich nichts bringt, korrupt zu sein, wenn man das ganze schöne Geld versteckt und trotzdem in einer kleinen Butze haust? Oder dass Korruptionsvorwürfe im heutigen China ein prima Mittel für Denunzianten sind, unschuldige Familienväter hinter Gitter zu bringen? Wir wissen auch das nicht. Aber interessant wars.

 

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Wieviel Internet-Zensur braucht China?

…..gar keine, denken die meisten von uns. Und deshalb freuen wir uns alle über  Googles Ankündigung, die chinesischen Zensurspielchen nicht mehr mitmachen zu wollen. Endlich sei Google auf „der richtigen Seite der Geschichte“, jubelt die China- und Internetexpertin Rebecca MacKinnon heute im Wall Street Journal.

Aber natürlich heißt das nicht, dass Internetnutzer in China jetzt auf einmal alles über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989 lesen können. Oder über den Dalai Lama. Oder über die Charter 08. 

 Einen Tag nach der großen Google-News kann man bei „Gu Ge“ (das heisst so viel wie Korn- oder Erntelied und ist der chinesische Name von Google) unter google.cn zwar vielleicht mehr Suchergebnisse finden als früher – zum Beispiel Links zu den blutigen Bilder vom Juni 89. Aber die Seiten kann man innerhalb Chinas noch immer nicht öffnen. Denn die Filter, die die chinesischen Behörden in die Internet-Infrastruktur in China eingebaut haben – sowohl in die Hard- als auch in die Software  -, bleiben ja bestehen.

Und bestimmte Suchbegriffe bringen nach wie vor seltsame Ergebnisse. Ich habe das heute morgen ausprobiert. Auf der englisch-sprachige Seite von google.com werde ich unter dem Begriff „Human Rights in China“ sofort auf die Website der New Yorker Menschenrechtsorganisation verwiesen. Nicht so bei google.cn. Dort taucht die Website der Organisation in den Suchergebnissen gar nicht erst auf. Oder zumindest nicht auf den ersten drei oder vier Seiten.

Mmmh. Dabei steht doch selbst in der „Global Times“ heute drin, dass „die Informationsautobahn nicht nur sichere Fahrer braucht, sondern auch  freie Fahrt.“ Und weiter: „Der freie Fluß von Informationen sollte in einer Zivilgesellschaft Vorrang haben.“ Wow, ausgerechnet die „Global Times“, die doch zur „Volkszeitung“ gehört, die wiederum direkt der Kommunistischen Partei untersteht.

Aber natürlich ist die GT noch längst nicht zum Vorkämpfer der Meinungsfreiheit mutiert. Wäre ja zu schön. Weiter unten heisst es nämlich, „in einer Übergangsgesellschaft wie China ist Zensur gerechtfertigt.“ Nur wie viel, das ist offenbar strittig. Die Regierung müsse die „Vision“ haben, die „richtigen“ Kontrollmechanismen zur „richtigen“ Zeit aufzustellen. Was das in der Realität bedeuten soll, verrät das Blatt nicht. Schade. Man hätte doch zu gerne gewußt, was  das Maß an „richtiger“ Zensur sein sollte. Immerhin gesteht die GT noch ein, dass ein Rückzug von Google ein Riesenverlust für China wäre. 

 Ob Google.cn nun bleibt oder nicht, uns internationalen Pekingern bleibt auf jeden Fall noch der englische Google-Dienst. Nur,  auf die blockierten Seiten kommen wir damit auch nicht. Als da sind, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen: http://googleblog.blogspot.com/ (dort findet man das Statement von Google),  Human Rights in China, Human Rights Watch, Amnesty International, Reporters Without Borders, Deutsche Welle, BBC Chinese Service, Voice of American, Radio Free Asia, China Digital Times, Uighur World Congress, China Labour Bulletin, International Campaign for Tibet, Students for a Free Tibet…..ach ja, und  Facebook und Twitter und  YouTube, und und und …..

Ist das das ‘richtige’ Maß an Zensur? Global Times, discuss!

 

 

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Obama für alle

 

Jetzt ist er also wieder weg. Barack Obama. Zweieinhalb Tage China, jetzt ab nach Südkorea. „Was, hast du ihn wirklich gesehen`?“ Ungläubig schaute mich heute Vormittag einer der jungen Klamottenhändler auf dem Fake-Markt an.  „Ehrlich?“ Die Chinesen mögen den US-Präsidenten. So lässig ist hier nämlich kein Politiker. Nie.

Auf dem Markt wollte ich eigentlich nur schnell ein „Oba Mao“-T-shirt kaufen. Eines, das  Obama mit chinesischer Armeemütze zeigt. Und den Mao-Worten: “Dem Volke Dienen”.

Aber die Händler sind offenbar angewiesen worden, die despektierlichen Bekleidungsstücke nicht mehr anzubieten. Zumindest nicht jetzt. Also muß ich noch ein paar Tage warten. Dann ist Obama in weiter Ferne und die T-shirts sicher wieder in den Shops.

Ich zeige dem Händler das Foto, das ich gestern mit der Handy-Kamera gemacht habe. Obama bei der Pressekonferenz in der Großen Halle des Volkes. Hunderte von Journalisten. Irgendwo ganz weit weg der Präsident. Aber, ich habe ihn gesehen. In echt. Das zählt. „Toll!“, sagt der Händler.

In China, wo Politikern jegliches Charisma abgeht, hätte man auch gerne mehr Obama. Er ist cool. Und natürlich „shuai ge“, gutaussehend.

Doch ausser bei der steifen Pressekonferenz  gab es nur wenig echten Obama zu sehen. Und eine PK war es ja eigentlich gar nicht. Mehrfach waren wir vorher  ermahnt worden, auch ja keine Fragen zu stellen. Hu Jintao stand ja auch auf der Bühne und starrte ausdruckslos ins Publikum. Er mag sichtlich keine Fragen.

 

Den „echten“, lockeren Obama bekamen die meisten Chinesen erst gar  nicht zu sehen. Sein „town hall meeting“ mit Studenten in Schanghai wurde auf den landesweiten Fernsehsendern nicht gezeigt. Xinhua wollte erst live online übertragen und tat es dann doch nicht. Welcher Chinese wusste schon, dass man sich das Ganze auf der Website des Weißen Hauses hätte ansehen können? Und überhaupt, die Hälfte der handverlesenen Studenten waren Mitglieder der Kommunistischen Jugendliga, schreibt die New York Times. Vier Tage lang seien die Studenten auf die Begegnung mit Obama eingeschworen worden. Keine Fragen zu Tibet oder den Menschenrechten, hieß die Vorgabe. Und bitte, schön höflich bleiben. Genauso langweilig waren dann auch die meisten Fragen. „Town hall meetings“ oder Bürgerversammlungen sind anders. Lauter und unordentlicher.

Aber dennoch. Obama was here. Jetzt bleiben uns nur wieder die blutleeren Topkader der KP. Schade eigentlich.

 

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Ich will nicht deine Facebook-Freundin sein

“Nein, danke, ich will nicht deine Gesichtsbuchfreundin sein.” Bislang hat das einigermaßen geklappt. Okay, zwischen 6 Millionen australischen Nutzern dieser “sozialen Plattform” vereinsame ich natürlich langsam. Facebook-Feind zu sein, ist hier derzeit etwa so sozial kompatibel wie wenn man zu schimmligem Kürbiseintopf einlädt. Ebenso gut könnte ich sagen: Bugger off, ich will nie wieder in Gesellschaft Kaffee trinken, Geburtstag feiern, ins Kino, auf Parties, Politik diskutieren…

Da mir diese www-Seite aber aus etwa 20 bis 30 Gründen (die u.a. mit Privatsphäre zu tun haben und mit denen ich jetzt niemanden langweilen will) total suspekt ist, bleibe ich standhaft. Und freu mich insgeheim an den Vorteilen meiner gesichtslosen Existenz:  Mensch ohne ‘Profil’ zu sein, arm an twinkels und events, hat nämlich viele schöne Seiten: Ich muss weder die Fotos meiner Nachbarin beim Poledancing kommentieren, bleibe vor Unmengen von Blablabla verschont, und gestern habe ich die Einladung zum vierten “Baby-Shower” in diesem Jahr verpasst.

Noch kenne ich auch eine handvoll Leute, die Emails schreiben. Manche greifen sogar, wie in grauer Vorzeit, zum Telefonhörer wenn sie wissen / erzählen wollen wie’s so geht (statt zu signalisieren, man könne ja die “Facebook-Pinnwand” besuchen). Wie gesagt, mein Exil ist gut erträglich. Anders lautenden Warnungen zum Trotz habe ich auch nach wie vor Jobs. Neulich machte mir sogar ein NY Times Artikel Hoffnung, der unkte: der penetranten Seite gehen allmählich die Fans aus. Wow.

Allerdings geht meine plumpe Strategie (“Ich will da nicht rein”) nicht auf. Selbst als profillose und stadtbekannte FB-Hasserin spaziere ich durch das “soziale Netzwerk”, als sei ich Fan Nr 1: Party-Schnappschüsse, von denen ich nicht mal gemerkt habe, das sie gemacht wurden, Bilder beim Lifesaven am Strand, vom Pool, von Vorträgen, bei denen ich mich für die einzige mit Kamera gehalten hatte – ich bin bildreich präsent.

“Habe dich grade auf Facebook gesehen…”  ist Albtraumsatz meiner Montagnachmittage. Dann ruft mich Freundin Ch. an und berichtet die Ergebnisse ihrer büroalltäglichen, zweistündigen FB-Lektüre.

Die Krux ist: als nicht FB-Nutzer, kann man solche peinlichen Fotos weder löschen noch um deren Löschung bitten (sign on to be Andi’s Facebook friend first…) Wahrscheinlich werde ich mir bei Gelegenheit ein ‘Profil’ zulegen… nur um mich dann anderswo löschen zu können.

 

 

 

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Video-Portraits wider den Schmuse-Wahlkampf

Eine erfahrene Korrespondenten-Kollegin hatte mich gewarnt: „Wenn Du nach Deutschland zurück gehst, dann sag´ bloss nicht dauernd, `in den USA machen sie das aber so und so´.“ Das sei der sicherste Weg, um auf augenrollende Ablehnung  zu stossen. Ich habe ihren Rat sofort erfolgreich missachtet und preise seit meinem Umzug nach Berlin unermüdlich mein Lieblingsprojekt an. Die mehrfach ausgezeichnete Videoserie „OnBeing“, die die „Washington Post“ auf ihrer Webseite veröffentlicht, ist einfach zu gut, um ihre Idee nicht aufzugreifen. Mit großem Vertrauen in die Geschichten, die die Menschen zu erzählen haben, und ohne Angst, Fernsehkonventionen zu brechen, zaubert Jennifer Crandall dort jede Woche ein kleines Kunstwerk des modernen Multimedia-Journalismus.

Um so überraschter war ich, als ich bei der taz auf offene Ohren für meine Idee stieß, etwas Ähnliches in Deutschland umzusetzen. Heraus kam „Unerhört“, eine Serie von Videoportraits zum Bundestagswahlkampf. Die Idee dahinter ist, Leute aus der Zivilgesellschaft zu Themen zu Wort kommen zu lassen, die im aktuellen Schmuse-Zirkus zwischen Merkel und Steinmeier nicht oder nur oberflächlich vorkommen. Die taz veröffentlicht die knapp vierminütigen Stücke auf ihrem Youtube-Kanal nun im Tagesrhythmus bis zur Wahl, die Resonanz kann sich sehen lassen. Es ist wirklich nicht alles schlecht, was aus den USA kommt.

http://specials.washingtonpost.com/video/onbeing/

www.youtube.com/dietageszeitung

 

 

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Kleiner Sieg für die Zivil-Courage

Es passiert nicht oft, dass Chinas Blogger und Bürgerrechtsaktivisten Grund zum Feiern haben. Im Land mit der schärfsten Internetnetzensur der Welt, rechnet man schon gar nicht mehr damit, dass die Regierung auch mal klein beigeben könnte. Aber genau das ist jetzt passiert. Nur Stunden bevor am 1. Juli neue Vorschriften in Kraft treten sollten, wonach alle neuen Computer in China mit einer speziellen Filter-Software ausgestattet werden müssen, wurde das Vorhaben auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Die neue Software sollte eigentlich die chinesischen Internetnutzer vor Pornografie schützen – das zumindest behauptete die Regierung. Aber Chinas 300 Millionen Internet-User witterten – zu Recht – einen Angriff auf ihre Privatssphäre. 

Der Plan der Regierung wurde seit Wochen im Reich der der Mitte heiss diskutiert. Und das obwohl die Regierung die staatlichen Medien offenbar angewiesen hatte, der Debatte nicht allzuviel Raum zu geben. Aber selbst in den ansonsten regierungstreuen Blättern erschienen teilweise erstaunlich kritische Berichte über das Vorhaben.  

Auf dem Netz hatte sich der Widerstand schon früh formiert.  In dem Land, wo man ohne Proxy-Server keine einzige Webseite von Tibet- oder Menschenrechtsgruppen aufrufen kann, hatte es  gegen die Filtersoftware „Grüner Damm“ eine wahre Protestflut gegeben.  

Der ungewohnte Widerstand mutiger Blogger mag ein Grund gewesen sein, warum das Ministerium für Informationstechnologie in buchstäblich letzter Minute dann doch eingeknickt ist. Oder es war die Aussicht auf zermürbende Auseinandersetzungen mit den USA, die den freien Welthandel durch die zwangsweise Einführung der Software bedroht sahen. 

Aber der Sieg von Chinas Netizens über die Zensoren könnte nur von kurzer Dauer sein. Denn die „Grüner Damm“-Software ist nur ein Teil  einer groß angelegten Kampagne zur Internetkontrolle. So musste sich Google erst  in den vergangenen Wochen wiederholt vorwerfen lassen, „ungesunde“ und pornografische Inhalte zu verbreiten. Googles Suchmaschhine in China und andere Google-Dienste waren zweitweise nicht mehr nutzbar. 

Dennoch haben Chinas Bloggers für heute erst einmal Grund zum Feiern. Der Künstler Ai  Weiwei, der wegen der Filtersoftware für den 1. Juli zu einem eintägigen Internet-Boykott aufgerufen hatte, kann nun statt seiner ursprünglich geplanten Protest-Grillparty eine Siegesparty für die Zivilcourage feiern.  

 

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Unter schwarzer Flagge

Schwedens Piratenpartei ist stolze Siegerin der Europawahlen. Erstaunlich eigentlich, denn zu den meisten politischen Themen haben die Rebellen der Generation Internet keine Meinung. Dennoch holten sie aus dem Stand  7,1 Prozent der Stimmen. Unter großer Anteilnahme der jugendlichen Zielgruppe wollen die Freibeuter um Rick Falkvinge und Christian Engström nun auch auf dem Kontinent für Bürgerrechte und gegen immer neue Abhörgesetze, Spitzeltrojaner und Softwarepatente streiten. Die Partei entstand im Umfeld der Raubkopierer-Plattform „The Pirate Bay“ und hat allgemein ein Problem mit dem geistigen Eigentum.  Beobachter in Schweden rätseln nun, ob es sich nur um einen kurzweiligen Erfolg oder vielmehr um eine nachhaltige Protestbewegung handelt.

 

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Durchhalten gegen Scarlet

Manche Menschen spielen gegen Schachcomputer, dazu habe ich keine Zeit, ich muss gegen einen belgischen Telefoncomputer antreten. Meiner heißt übrigens Scarlet. Früher hieß er Euronet, wurde dann von Wanadoo aufgekauft, dann von Tiscali und schließlich von Scarlet. Da dachte ich auch noch, dass Scarlet ein richtiges Server-Unternehmen ist mit richtigen Menschen ist und nicht bloß ein Computer. Ursprünglich war daran gedacht, dass mich Scarlet mit dem Internet verbinden sollte. Am Anfang klappte das auch ganz gut. Aber Telefoncomputer schalten offensichtlich irgendwann selbständig in eine höhere Schwierigkeitsstufe. Scarlet hat dann angefangen, statt der Rechungen immer gleich Mahnungen mit Mahngebühren zu schicken. Das war eigenartig, weil Euronet alias Scarlet eine Einzugsermächtigung hatte. Ich habe dann viele Stunden meines Lebens in der Hotline-Warteschleife verbracht, habe E-Mails geschrieben und Briefe und wieder angerufen. Manchmal hörte ich tatsächlich menschliche Stimmen, die sagten, alles werde gut. Wurde aber nicht. Vor zwei Jahren habe ich gekündigt, seitdem ist Scarlet besonders böse mit mir, hat die Frequenz der Mahnschreiben erhöht und auch die Mahngebühren auf die Mahngebühren. Telefoncomputer führen offenbar ein streng abgeschottetes Eigenleben, halten sich für die Hotline ein oder zwei menschliche Sklaven, die nie ihren Namen sagen dürfen und deren Worte nichts wert sind. Eine Zeitlang habe ich es mit Bitten und Flehen versucht, dann wieder gütlich und später mit wüsten Drohungen. Die Scarlet-Sklaven hören sich das an, aber es passiert nichts. Meist bricht plötzlich die Leitung ab. Wahrscheinlich sitzt Scarlet in irgendeinem Erdloch in den Ardennen und lacht hysterisch, wenn ein Telefoncomputerspieler die Nerven verliert und die aufgelaufenen Mahngelder überweist. Dann wird der Mahngebührenzähler wieder auf Null gestellt und nach einem Monat geht das Spiel mit fünf Euro Einstiegsmahngebühr von vorne los. Bei mir sind inzwischen 150 Euro Mahnschulden aufgelaufen. Der neueste Trick von Scarlet ist eine holländische Inkassogesellschaft, die mit einem belgisches Gerichtsverfahren droht, wenn ich nicht sofort zahle. Ich bin etwas abgemagert, aber solange meine Frau meine nächtlichen Fieberattacken und die Schweißausbrüche erträgt, halte ich durch.

 

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Tanz den Mahatma

Eine Video-Parodie auf Mahatma Gandhi erregt zurzeit in Indien die Gemüter. Der Film, den der in New York lebende Entertainer Gautham Prasad produziert hat, trägt den Titel „Time to get sexy“ und zeigt einen als Mahatma verkleideten Clown beim Pole Dance in einer Striptease-Bar, in Begleitung schöner Frauen und bewaffnet mit einer Maschinenpistole.

Aufgeschreckt von den empörten Reaktionen, die die harmlose Parodie bereits im Web hinterlassen hat, überlegt die indische Regierung laut Zeitungsberichten, ob sie die Video-Website YouTube, auf der das Filmchen zu sehen ist, dazu auffordern soll, den Beitrag zu entfernen oder lieber gleich ganz blockieren soll. Von zwei lokalen Fernsehsendern, die den strippenden Gandhi gezeigt haben, forderte Informationsminister PR Dasmunsi forsch eine „profunde Entschuldigung“, die diese ihm auch prompt gewährten.

Nach zahlreichen Emails, die dem Künstler den Tod androhen, unterstützt inzwischen sogar Gautham Prasad auf seiner eigenen Website, „all diejenigen, die die indische Regierung dazu auffordern, das Video zu verbieten“. Eine bessere Werbung hätte er sich kaum wünschen können.

Nach Salman Rushdie, den dänischen Mohammad-Karikaturen und der Absetzung der Oper „Idomeneo“ in Berlin, scheint dieser Fall nun selbst zur Parodie einer stets erregungsbereiten Öffentlichkeiten zu werden, die sich vom Subjekt ihrer Erregung vollständig gelöst hat.

Ich hätte der indischen Regierung daher auch noch einige Vorschläge zur Rettung des Erbes Mahatma Gandhis zu machen:

– Die Entfernung aller entwürdigenden Statuen von öffentlichen Plätzen (siehe Foto)

– Den Druck neuer Banknoten (ohne Gandhi-Porträt)

– Die Abschaffung der Unberührbarkeit

– Die Zerstörung aller Atomwaffen

– Zwei nackte Frauen ins Bett jedes Politikers, damit diese wie Gandhi testen können, ob sie ihre fleischlichen Begierden überwunden haben

 

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Einmal oder zweimal schmunzeln

Auch ich bin Empfängerin dieser Mails, die ich nach Empfang innerhalb von 2 Sekunden sofort an 257654 Menschen verschicken soll. Sonst droht das Universum einzustürzen.

Ich tue es nicht, das Universum war bisher gnädig. Aber zwischendurch kursieren in Belgrad auch Schmunzelmails.

Jemand, der/die auch auf die Güte/den Groll des Universums wartet, hat folgende Mail in Serbisch geschickt: „Ich danke allen, die mit junk-mails an mich gedacht haben. Denn dank eurer Güte ist folgendes passiert:

Mein Laptop ist 172 mal abgestürzt, schon 23 mal habe ich Mahnbriefe meiner Firma erhalten. Wenn es so weitergeht, kann ich mir mit meinem Arbeitsvertrag die Schuhe putzen.Etwa 3000 Jahre Unglück habe ich gesammelt, 67 mal bin ich schon gestorben, weil ich die Mails nicht weitergeleitet habe.Das arme Mädchen Amy Bruce aus Vietnam oder Kambodscha oder so hat schon mein Jahresgehalt erhalten. Dank Microsoft, der die Mails verschickt haben wollte. Amy war mittlerweile 7000 mal im Krankenhaus. Sie ist noch immer, seit 1995, acht Jahre alt.Ich weiß endlich wie die ewige Liebe und das ewige Glück funktionieren: es reicht das Versenden der Mails an alle verfügbaren und sonst bekannten Adressen innerhalb von 3 Sekunden. Dabei muss man sich mit der rechten Hand am Rücken kratzen und gleichzeitig um einen Renault 4 hüpfen – gegen den Uhrzeigersinn. Dann klappt es.Ich habe alle 25 Bänder des Dalai Lama gelesen und habe 4690 Jahre Glück und Wohlstand gesammelt.Ich habe mindestens drei Tierarten vom Aussterben gerettet, besonders das weißrussische Einhörnchen.Ich warte noch immer auf eine Milliarde boukistanischer Golddukaten, die mir der unbekannte Milliardär versprochen hat, wenn ich genügend Mails an Ericsson und Nokia verschicke.

Und nun DANKE ICH ALLEN!

WICHTIG: wenn ihr in den nächsten 20 Sekunden diese Mails nicht an mindestens 860 Adressen verschickt, werdet ihr vom kosmischen Dinosaurus verschluckt, nicht nur ihr, auch eure Familie, zusammen mit der kleinen Amy Bruce, die wieder im Krankenhaus ist.“