BERLIN, Wednesday October 4th, 2006
Felix Zimmermann

Kleinstkredite in Tansania

Daressalam, Tansania. Eine Woche unterwegs mit einer Journalistengruppe. Es ging um Kleinstkredite und wie sie helfen können. Einer Seifenmacherin etwa, die mit 50 oder 100 US-Dollar eine vernünftige Maschine kaufen kann, um die Seife in handliche Stücke zu zerteilen. Dadurch kann sie den Produktionsprozess beschleunigen, mehr Seife herstellen und verkaufen – und schließlich mehr verdienen. „Schon mit 50 Dollar kann man hier eine Menge machen“, hieß es immer wieder.

Wir waren in den Usambarabergen im Norden, wir haben einen Abstecher nach Sansibar gemacht und sind durch Daressalam gelaufen. Viele Termine, viele Gespräche, viel gelernt über ein Land, von dem die meisten vorher gerade mal den Serengeti-Nationalpark und vielleicht noch den schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo kannten. Es ist der letzte Morgen vor der Abreise. Unsere Gruppe hat sich an der Rezeption des New Africa Hotel getroffen (das dort steht, wo in deutschen Kolonialzeiten das Hotel Kaiserhof stand), um die offenen Zimmerrechnungen zu begleichen.

Einer aus der Gruppe musste schon früh am Morgen zum Flughafen. Auf seiner Rechnung sind 50 US-Dollar offen. 50 US-Dollar für den Nachtportier, wie sich herausstellt. Der hatte unserem Kollegen auch so eine Art Kleinkredit gegeben, weil er Geld brauchte für die zwei Frauen, die er sich für die letzte Nacht in Daressalam mit aufs Zimmer genommen hatte. Der Unterschied ist nur: Knapp 100 Prozent der Kleinstkredite werden pünktlich zurückgezahlt.

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