OXFORD, Thursday December 6th, 2007
Corinna Arndt

Südafrika zum Nikolaustag

“Elvis, komm!” keift die Frauenstimme hinter unserem Zaun. “Aber sofort!” Elvis lässt die Hacke fallen, schnappt sich seine Jacke und rennt lost. Stolpert fast. “Yes, Madam!” Rüber zur Terrasse, greift sich den Spaten, stellt ihn an die Hauswand, rennt zum Tor. Ein Auto springt an, fährt davon.

Ruhe.

Mein Blick streift über den Garten. Der Rasen auf Rasengardemaß, die Blumenbeete frisch geputzt. Unsere südafrikanische Vermieterin besteht darauf, dass alles seine Ordnung hat hinterm Haus. Und weil ich ein Herz für grünen Wildwuchs habe, hat sie den “Jungen” vorbeigeschickt, den Garden Boy.

Elvis arbeitet seit mehreren Jahren für sie und hat irgendwie keinen Nachnamen. Elvis sorgt für eine elfjährige Tochter. Elvis gibt keine Widerworte, wenn er auf Englisch angeschrien wird, in einer Sprache, die er kaum versteht.

Elvis kann sich glücklich schätzen. Er hat einen Job (für 7 Euro am Tag). Er darf seine Regierung wählen (seit 1994). Er lebt in einem Land, dessen Verfassung die Würde des Menschen schützt und so ziemlich jede denkbare Diskriminierung unter Strafe stellt (Bill of Rights, § 9 und 10).

Am nächsten Tag eine Email der Vermieterin an mich: Ich hätte Elvis unerlaubt einen Rasenmäher gegeben. Ich solle ihn doch bitte nicht behandeln, als sei er ein Gärtner. “Das ist inkorrekt. Sein Gehirn kann so etwas nicht leisten. Ich bezahle ihn dafür, dass er jeden Morgen zur Arbeit kommt. Die meisten [lies: Schwarzen] schaffen nichtmal das.”

For the record: Kapstadt, 6. Dezember 2007, achtzehn Jahre minus zwei Monate nach Mandelas Freilassung – oder wie hieß nochmal der großväterliche Afrikaner mit den putzigen politischen Ideen…

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