{"id":117803,"date":"2024-01-30T18:55:24","date_gmt":"2024-01-30T17:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/arbeitsprobe\/wissenschaftler-gegen-trump\/"},"modified":"2024-05-30T20:04:30","modified_gmt":"2024-05-30T19:04:30","slug":"wissenschaftler-gegen-trump","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/wissenschaftler-gegen-trump\/","title":{"rendered":"Wissenschaftler gegen Trump"},"content":{"rendered":"<h2>&#8220;March for Science&#8221; als Reaktion auf Trumps Politik<\/h2>\n<p>Der Prozess der Politisierung der Wissenschaft begann schon kurz nach Trumps Amtsantritt im Januar 2017. Der &#8220;March for Science&#8221; brachte Hunderttausende auf die Stra\u00dfe. Trumps Leugnung des Klimawandels als chinesische Propaganda und die Ank\u00fcndigung, Umweltschutzgesetze zur\u00fcckzudrehen, brachten rund um den Globus Forscherinnen und Forscher auf die Stra\u00dfe. Sie ahnten noch nicht, wie weit Trumps Ignoranz gegen\u00fcber der Wissenschaft gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Trump nahm sich eineinhalb Jahre Zeit, um den Posten des Wissenschaftsberaters zu besetzen. Und von dem h\u00f6rte man dann nicht viel, erz\u00e4hlt Andrew Rosenberg von der &#8220;Union of Concerned Scientists&#8221;, einer kritischen Wissenschafts-Organisation. Die Organisation hat in den vergangenen vier Jahren die wissenschaftlichen S\u00fcnden der Trump-Regierung genauestens protokolliert. Auf ihrer Website listet sie 147 Angriffe auf die Forschung auf, von Personalia \u00fcber laxere Umweltgesetze bis hin zu offener Zensur. Vor allem die laxeren Umweltbestimmungen sind Rosenberg ein Dorn im Auge.<\/p>\n<p>Eine gemeinn\u00fctzige Organisation wie die &#8220;Union of Concerned Scientists&#8221; darf in den USA nicht direkt Partei f\u00fcr einen der Kandidaten ergreifen und f\u00fcr ihn Wahlkampf machen. Daher machen sie haupts\u00e4chlich Aufkl\u00e4rungsarbeit, vor allem zum Klimawandel und zur Bedrohung durch Atomwaffen.<\/p>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<h2>Wissenschaflter*innen geben traditionelle Zur\u00fcckhaltung auf<\/h2>\n<p>Traditionell halten sich amerikanische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit politischem Engagement zur\u00fcck, wenn ihre eigene Arbeit nicht betroffen ist. Das ist auch die Grundhaltung von Melanie Ott, einer deutschen Forscherin, die seit 30 Jahren in den USA arbeitet. An den Gladstone Institutes in San Francisco arbeitet sie in einem Gebiet, das bis vor ein paar Monaten v\u00f6llig unpolitisch war \u2013 in der Virologie.<\/p>\n<p>Diese traditionell unpolitische Position geben nun viele ihrer Kolleginnen und Kollegen zunehmend auf, wenn auch z\u00f6gernd. Zu ihnen geh\u00f6rt Thomas S\u00fcdhof, der 2013 den Nobelpreis f\u00fcr Medizin bekam, f\u00fcr seine Forschungen \u00fcber die Signalleitungen im Gehirn. S\u00fcdhof, der wie Melanie Ott die amerikanische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt und seit vielen Jahren an der Universit\u00e4t Stanford lehrt, hat zusammen mit 80 anderen Nobelpreistr\u00e4gern in einer knappen Erkl\u00e4rung dazu aufgerufen, bei dieser Wahl das Kreuz bei Joe Biden zu machen. Trump und seine Regierungsbilanz werden darin nicht einmal erw\u00e4hnt. Doch S\u00fcdhof ist der Meinung, dass es unter dem Pr\u00e4sidenten noch schlimmer gekommen ist, als viele bef\u00fcrchtet haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaftler*innen kandidieren f\u00fcr politische \u00c4mter<\/h2>\n<p>Die Corona-Pandemie machte auch die Forschungen von Melanie Ott pl\u00f6tzlich gesellschaftlich relevant. Sie hatte bis dahin vor allem am Aids-Virus gearbeitet, jetzt stellt sie ihr Labor ganz in den Dienst des Kampfs gegen den neuen Erreger. Zusammen mit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/wissen\/nobelpreis-chemie-2020-crispr-cas-genforschung-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Jennifer Doudna<\/a>, die 2020 einen Chemie-Nobelpreis f\u00fcr die Entdeckung der CRISPR \/Cas9-Technik erh\u00e4lt, entwickelte Ott einen preiswerten Schnelltest f\u00fcr das Virus, der auf Crispr basiert.<\/p>\n<p>Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben es nicht bei Petitionen und Aufrufen gelassen. Sie kandidieren \u2013 aus Protest gegen Trumps Politik und Einstellung zu Forschung und Wissenschaft \u2013 selbst f\u00fcr politische \u00c4mter, wie Nancy Goroff, die f\u00fcr einen Wahlbezirk im Bundesstaat New York ins Repr\u00e4sentantenhaus einziehen will. Die Demokratin w\u00e4re dort die erste weibliche Abgeordnete mit Doktortitel.<\/p>\n<p>Schon bei den Zwischenwahlen vor zwei Jahren zogen neun neue Abgeordnete mit wissenschaftlichem Abschluss ins Parlament ein. Sieben davon waren Demokraten, und sie hatten die Unterst\u00fctzung einer Organisation namens \u201c314 Action\u201d. Benannt nach den ersten drei Stellen der Kreiszahl Pi \u2013 typischer Wissenschaftshumor. Ziel ist es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Kandidaten f\u00fcr \u00f6ffentliche \u00c4mter zu rekrutieren, von der Stadtverwaltung bis hinauf zur Bundesebene, und sie zu qualifizieren, damit sie auch gew\u00e4hlt werden. Und das bereits mit Erfolg, sogar in Staaten, die vorher keinen Demokraten gew\u00e4hlt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Republikanische Partei: fest im Griff wissenschaftsfeindlicher Trump-Anh\u00e4nger<\/h2>\n<p>\u201c314 Action\u201d ist nicht per Definition eine Organisation der Demokratischen Partei, aber in der Praxis hat sie bisher nur Kandidatinnen und Kandidaten dieser Partei gef\u00f6rdert. Gibt es denn keine vern\u00fcnftigen konservativen Wissenschaftler? Das schon, doch die republikanische Partei sei so stark im Griff der wissenschaftsfeindlichen Trump-Anh\u00e4nger, dass vern\u00fcnftigere Stimmen Schwierigkeiten h\u00e4tten, sich durchzusetzen, so Laura Helmuth, die Chefredakteurin von\u00a0<em>Scientific American<\/em>.<\/p>\n<div>\n<div><\/div>\n<div>Die symbolische Unterzeichnung des UN-Klimaabkommens am Tag der Erde 2016 in New York &#8211; hier John Kerry mit Enkeltochter &#8211; ein Jahr, bevor Trump das Abkommen k\u00fcndigteImago\u00a0imago\/Xinhua<\/div>\n<\/div>\n<p>Einer der wenigen bekannten konservativen Sozialwissenschaftler ist Robert Mather. Er schreibt in der Zeitschrift\u00a0<em>Psychology Today<\/em>\u00a0eine Kolumne mit dem Namen\u00a0<em>&#8220;The conservative social psychologist&#8221;<\/em>. Auf die Frage, wieso denn die Universit\u00e4ten mehrheitlich links seien, hat der Sozialpsychologe keine wirkliche Antwort. Aber sobald eine solche Mehrheit einmal besteht, w\u00fcrden ein Herdentrieb und die zunehmende Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft dazu f\u00fchren, dass sich die Linkslastigkeit stabilisiere. Und einseitige Wissenschaft durch demokratisch orientierte Forschende, vor allem in den Sozialwissenschaften, ist schlechtere Wissenschaft, findet Mather.<\/p>\n<p>Mather ist Fan von Pr\u00e4sident Trump. Bezogen auf die Covid-19-Pandemie sind sich die Demokraten in den USA, aber auch viele Menschen im westlichen Teil der Welt einig, dass der Pr\u00e4sident verantwortlich ist f\u00fcr viele tausend Menschenleben. Der Republikaner Mather sieht das anders. Seiner Ansicht nach h\u00e4tte Trump nichts vor den B\u00fcrgern verborgen und die Wissenschaft stets gen\u00fcgend einbezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Unis kritisieren Trumps Einreisestopp f\u00fcr Menschen aus muslimischen L\u00e4ndern<\/h2>\n<p>Wissenschaft lebt vom internationalen Austausch. 40 Prozent der amerikanischen Nobelpreistr\u00e4ger waren Immigranten. Die Trump-Regierung hat Einreisestopps f\u00fcr Menschen aus einer Reihe mehrheitlich muslimischer L\u00e4nder verh\u00e4ngt, was viele Universit\u00e4ten kritisiert haben. Der Pr\u00e4sident betont bei jeder Gelegenheit, dass amerikanische Interessen Vorrang haben, \u201cAmerica First\u201d. Gleichzeitig beteuert er, dass das Land f\u00fcr hoch qualifizierte Forscher weiterhin offen sein soll, falls er mit seiner Einwanderungsreform zum Zuge kommt. Doch diese Reform hat nie stattgefunden.<\/p>\n<p>Sollte Trump abgew\u00e4hlt werden, dann werden die USA einen Pr\u00e4sidenten haben, der der Wissenschaft offener gegen\u00fcbersteht. Joe Biden hat angek\u00fcndigt, das Land wieder auf den Kurs zu bringen, den es vorher hatte. So einfach l\u00e4sst sich aber die Uhr nicht zur\u00fcckdrehen. Nobelpreistr\u00e4ger Thomas S\u00fcdhoff sieht mit Sorge, dass von jungen Leuten fast alle, die in seinen Augen intelligent, engagiert, ehrgeizig, interessiert sind, nichts mit Kultur und Wissenschaft zu tun haben wollen.<\/p>\n<p>Sollte Joe Biden die Wahl gewinnen, muss sein Team erst einmal Wiederaufbauarbeit leisten: Die USA sollen sich nach seinem Willen wieder aufs Pariser Klimaabkommen verpflichten und die Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation wieder aufleben lassen. Auch zu Hause gilt es, die Tr\u00fcmmer aufzur\u00e4umen. Vier Jahre Trump, aber auch vier Jahre Protest, haben die Welt f\u00fcr viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entscheidend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/avdlswr-a.akamaihd.net\/swr\/swr2\/wissen\/sendungen\/wissen\/swr2-wissen-20201102-wissenschaftler-gegen-trump.m.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Link zum Audiobeitrag<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swr2\/wissen\/201102-wissenschaftler-gegen-trump-100.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Link zum Sendemanuskript<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":117882,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117803","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117882"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117803"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}