{"id":117810,"date":"2024-01-30T18:55:24","date_gmt":"2024-01-30T17:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/arbeitsprobe\/der-traum-von-null-muell\/"},"modified":"2024-02-02T01:55:23","modified_gmt":"2024-02-02T00:55:23","slug":"der-traum-von-null-muell","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/der-traum-von-null-muell\/","title":{"rendered":"Der Traum von Null M\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Deutschen trennen M\u00fcll &#8211; doch das System steckt voller Widerspr\u00fcche. In den USA setzt die Abfallindustrie auf k\u00fcnstliche Intelligenz. Ist \u201eNull M\u00fcll&#8221; eine Utopie?\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Von Christoph Dr\u00f6sser und Max Rauner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>SWR2, 14.10.2019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Joghurtbecher aus Plastik, Aluminium und Papier, er ist in Deutschland nicht nur eine Verpackung. Er ist ein Symbol. Ein Symbol f\u00fcr das gut gemeinte deutsche M\u00fclltrennungswesen, das oft wie ein Schildb\u00fcrgerstreich wirkt. Einen leeren Joghurtbecher korrekt wegzuwerfen ist eine Wissenschaft f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Doch die M\u00fclltrennungsmoral sinkt. Verpackungen, Restm\u00fcll und K\u00fcchenabf\u00e4lle geraten durcheinander. Von der viel beschworenen Kreislaufwirtschaft ist Deutschland weit entfernt. Etwa die H\u00e4lfte der Haushaltsabf\u00e4lle landet in der Verbrennung. Fast eine Million Tonnen Altplastik wurden bis vor kurzem nach China exportiert.<\/p>\n<p>Der Fehler liegt im System<\/p>\n<p>Das Grundproblem des deutschen Abfallsystems ist die politisch verordnete Aufspaltung des M\u00fclls. F\u00fcr Verpackungen wie den Joghurtbecher oder Konservendosen ist seit 1992 die Privatwirtschaft zust\u00e4ndig. Das sind derzeit acht Unternehmen, die sogenannten dualen Systeme, darunter der einstige Monopolist &#8220;Der gr\u00fcne Punkt&#8221;.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Restm\u00fcll dagegen sind die Gemeinden und St\u00e4dte zust\u00e4ndig, er wird in der Regel verbrannt. Der Plastikblumentopf ist keine Verpackung und geh\u00f6rt offiziell in den Restm\u00fcll, obwohl er doch aus demselben Kunststoff besteht wie der Joghurtbecher.<\/p>\n<p>Manche Regionen haben Abhilfe geschaffen, indem sie eine &#8220;Wertstofftonne&#8221; f\u00fcr alle m\u00f6glichen Kunststoffe und Metalle eingef\u00fchrt haben, egal ob Blumentopf, Zahnb\u00fcrste, Aludeckel oder Kneifzange. Doch der Versuch der letzten Bundesregierung, die Wertstofftonne in ganz Deutschland einzuf\u00fchren, ist gescheitert.<\/p>\n<p>Null M\u00fcll, Zero Waste<\/p>\n<p>Diesen Slogan der kalifornischen Abfallindustrie gibt es neuerdings auch in Deutschland: Der Berliner Senat hat das Leitbild &#8220;Zero Waste&#8221; in seinen Koalitionsvertrag geschrieben. Deponien sind in Deutschland weitgehend abgeschafft, hier hie\u00dfe Zero Waste: Kein M\u00fcll mehr in die Verbrennung. Alles soll recycelt, kompostiert oder repariert werden. Man wolle die Restm\u00fcllmenge in der grauen Tonne drastisch reduzieren, hei\u00dft es im Berliner Koalitionsvertrag. Nicht jeder ist von diesem Ziel begeistert.<\/p>\n<p>In einer Studie f\u00fcr das Umweltbundesamt hat Peter Quicker, Professor f\u00fcr Energierohstoffe an der Universit\u00e4t Aachen, berechnet, in welchen Anlagen hierzulande Abf\u00e4lle verbrannt werden, um daraus Strom oder W\u00e4rme oder beides zu gewinnen. Ergebnis: knapp vier Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland werden mit Abfall gedeckt. Und wenn dadurch \u00d6l und Gas eingespart werden, sei dies auch f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p>Doch mit einer Ausnahme: Organischer Abfall enth\u00e4lt wertvolles Phosphor &#8211; ein Element, das Pflanzen zum Wachstum brauchen und das in D\u00fcngemitteln steckt, aber zunehmend knapp wird. Wird organischer Abfall verbrannt, geht das Phosphor verloren. Mehr Biotonnen braucht das Land also, da sind sich Forscher, Umweltverb\u00e4nde und Abfallindustrie einig.<\/p>\n<p>San Francisco hat vor sechs Jahren versprochen, bis 2020 den M\u00fcll auf Null zu reduzieren. \u00dcber 80 Prozent des unsortierten M\u00fclls, der in Deutschland gr\u00f6\u00dftenteils verbrannt wird, werden beispielsweise in San Jose herausgeholt und getrennt.<\/p>\n<p>Deutschland ist von einer echten Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt<\/p>\n<p>Zweiter Pluspunkt f\u00fcr Kalifornien: der Ausbau der automatischen M\u00fclltrennung, auch mit Robotern und K\u00fcnstlicher Intelligenz. W\u00fcrde man alle organischen Abf\u00e4lle in die Biotonne werfen, k\u00f6nnte man im Prinzip den trockenen Rest in eine zweite Tonne schmei\u00dfen, sortiert werden diese Wertstoffe dann in der Recycling-Fabrik. Das probieren einige kalifornische St\u00e4dte schon aus.<\/p>\n<p>Verglichen mit anderen L\u00e4ndern, machen Deutschland und Kalifornien vieles richtig, aber von einer echten Kreislaufwirtschaft sind beide noch weit entfernt.<\/p>\n<p>Das Ziel von &#8220;Zero Waste&#8221; wird auch in den n\u00e4chsten Jahren nur dann funktionieren, wenn man sich die Zahlen sch\u00f6n rechnet. Solange wir M\u00fcll produzieren, wird ein Rest bleiben, der weder wiederverwertbar noch kompostierbar ist. Aber das muss uns ja nicht davon abhalten zu versuchen, diesem Ideal m\u00f6glichst nahe zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swr2\/wissen\/swr2-manuskript-wissen-2019-10-14-der-traum-von-null-muell-100.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Das komplette Manuskript<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dropbox.com\/s\/secx3b95owoydct\/swr2-wissen-20191014-0830-der-traum-von-null-muell.m.mp3?dl=0\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Das Feature anh\u00f6ren<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":117887,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117810","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117810","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117810"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}