{"id":117812,"date":"2024-01-30T18:55:25","date_gmt":"2024-01-30T17:55:25","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/arbeitsprobe\/ausgebremstes-altern-er-will-ewig-leben\/"},"modified":"2024-01-30T19:49:37","modified_gmt":"2024-01-30T18:49:37","slug":"ausgebremstes-altern-er-will-ewig-leben","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/ausgebremstes-altern-er-will-ewig-leben\/","title":{"rendered":"Ausgebremstes Altern &#8211; Er will ewig leben"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Jeder muss mal gehen, doch Hank Pellissier will nicht. Der Kalifornier ist Proband einer besonderen Verj\u00fcngungskur: Der Forscher Greg Fahy behauptet, ihn j\u00fcnger gemacht zu haben. Steht bald das Lebensende vor dem Aus?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er habe es geschafft, Probanden seiner Studie zweieinhalb Jahre j\u00fcnger zu machen: Diese Resultate stellte Greg Fahy, der Chef der kalifornischen Firma Intervene Immune, bereits im Juli auf einer Konferenz in New York vor. Damals nahmen nur Experten und wenige Medien seine Forschung zur Kenntnis.<\/p>\n<p>Aber seit im September sein Artikel in einer Fachzeitschrift erschien und das Magazin &#8220;Nature&#8221; dar\u00fcber berichtete, kann sich Fahy vor Anfragen nicht mehr retten. &#8220;Die Reaktion war explosiv&#8221;, sagt der Forscher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein unbekanntes Organ <\/strong><\/p>\n<p>Der Fokus von Fahys Arbeit ist die Thymusdr\u00fcse. Die wenigsten wissen, wo dieses Organ sitzt: im Brustkorb. Es ist aber lebenswichtig: &#8220;Hier werden Zellen aus dem Knochenmark in sogenannte T-Zellen verwandelt, die gegen Bakterien, Viren, Krebs und andere Angreifer k\u00e4mpfen, die uns umbringen wollen&#8221;, erkl\u00e4rt Fahy.<\/p>\n<p>Die Dr\u00fcse spiele eine wichtige Rolle im Alterungsprozess: &#8220;Der Thymus beginnt nach der Pubert\u00e4t zu degenerieren, unser T-Zellen-Vorrat schwindet, wir werden krank und sterben.&#8221;<\/p>\n<p>Erst M\u00e4use, dann Menschen<\/p>\n<p>Schon 1986 war an M\u00e4usen gezeigt worden, dass eine Thymus-Transplantation alte M\u00e4use wieder j\u00fcnger machen kann. Fahy setzte es sich zum Ziel, den Thymus, der bei \u00e4lteren Menschen nur noch aus Fettgewebe besteht, zu regenerieren und damit das Altern auszubremsen.<\/p>\n<p>Er fand neun Freiwillige &#8211; er nannte sie die &#8220;Thymonauten&#8221; &#8211; die ein Jahr lang einen Cocktail aus drei bekannten Wirkstoffen zu sich nahmen. Die wichtigste Komponente war das menschliche Wachstumshormon hGH. Dazu kamen zwei Stoffe, die Nebenwirkungen dieses Hormons mildern sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00c4usserlich und innerlich verj\u00fcngt <\/strong><\/p>\n<p>Einer der Probanden war Hank Pellissier, ein heute 67-j\u00e4hriger Kalifornier. Der z\u00e4hlt sich schon lange zu den Transhumanisten, die versuchen, unsere verg\u00e4ngliche Lebensform hinter sich zu lassen ( siehe Textbox unten). Er war deshalb sofort bereit, als Versuchskaninchen zu fungieren.<\/p>\n<p>Er stellte fest, dass er sich im Verlauf des Versuchs immer kr\u00e4ftiger f\u00fchlte &#8211; was nicht \u00fcberraschend ist, denn das Wachstumshormon l\u00e4sst die Muskeln schwellen. Aber es gab noch weitere Effekte.<\/p>\n<p>Seine Mutter stellte fest, dass auf einer kahlen Stelle seines ansonsten ergrauten Sch\u00e4dels wieder braune Haare zu spriessen begannen. Und da war noch eine seltsame Nebenwirkung: &#8220;Ich wurde manchmal von Musik \u00fcberw\u00e4ltigt und fing regelrecht an zu weinen, zum Beispiel im Supermarkt&#8221;, erz\u00e4hlt Pellissier. &#8220;Ich habe die Musik tiefer als je zuvor empfunden.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><br \/>\nZweieinhalb Jahre j\u00fcnger <\/strong><\/p>\n<p>Im fMRT-Scanner war zu sehen, dass die Thymusdr\u00fcse der Probanden wieder deutlich gewachsen war. Dann bestimmte Greg Fahy das biologische Alter seiner Probanden mit Hilfe mehrerer epigenetischer Tests. Dabei geht es um eine Art Markierung im Erbgut, die sich im Laufe des Lebens ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Das verbl\u00fcffende Ergebnis: Am Ende des Versuchs war der K\u00f6rper seiner Probanden eineinhalb Jahre j\u00fcnger als zu Beginn des Versuchs. Ber\u00fccksichtigt man, dass zwischendurch ein Kalenderjahr vergangen war, betr\u00e4gt der Netto-Effekt sogar zweieinhalb Jahre.<\/p>\n<p>Fahy will nun schnellstens neue und gr\u00f6ssere Testreihen mit diverseren Probandengruppen durchf\u00fchren. Da er keine neu entwickelten Medikamente testet, sondern zugelassene Wirkstoffe benutzt, werden seine Versuchsreihen von der US-Medikamentenaufsichtsbeh\u00f6rde FDA schnell genehmigt. Und nat\u00fcrlich will er mit seiner Firma den Drogen-Cocktail irgendwann verkaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><br \/>\nEin Wendepunkt?<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Wenn wir recht behalten, k\u00f6nnte dies ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte sein&#8221;, schw\u00e4rmt Greg Fahy. &#8220;Noch nie ist bei Tieren, geschweige denn bei Menschen das Altern gem\u00e4ss diesem anerkannten Standard umgekehrt worden.&#8221;<\/p>\n<p>Dann merkt er, dass er doch den Mund recht voll genommen hat, und wird wieder zum eher bescheidenen Forscher.<\/p>\n<p>Bescheidenheit ist auch angesagt. Zwar hat es keine grunds\u00e4tzliche Kritik an der Arbeit gegeben &#8211; aber Skeptiker weisen auf die M\u00e4ngel hin, die Fahy auch offen eingesteht: Der Versuch hatte nur wenige Probanden, s\u00e4mtlich M\u00e4nner um die 60.<\/p>\n<p>Es gab keine Kontrollgruppe, idealerweise mit Menschen, die ein Placebo gespritzt bekommen. Und ob das mit epigenetischen Daten gemessene Alter der Probanden wirklich bedeutet, dass ihre Lebenserwartung gestiegen ist, muss sich noch erweisen. Bis zu einer Pille gegen das Altern ist der Weg noch weit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/wissenschaftsmagazin\/audio\/verjuengungs-studie-zu-sensationell-um-wahr-zu-sein?id=d1ff7d43-9902-4e3c-bba8-dc0d86d3689fhttp:\/\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der zugeh\u00f6rige Radiobeitrag<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117812","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117812"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}