{"id":117825,"date":"2024-01-30T18:55:25","date_gmt":"2024-01-30T17:55:25","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/arbeitsprobe\/us-wahl-2016-der-einfluss-der-russischen-tweets-war-wenn-ueberhaupt-begrenzt\/"},"modified":"2024-01-30T22:03:04","modified_gmt":"2024-01-30T21:03:04","slug":"us-wahl-2016-der-einfluss-der-russischen-tweets-war-wenn-ueberhaupt-begrenzt","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/us-wahl-2016-der-einfluss-der-russischen-tweets-war-wenn-ueberhaupt-begrenzt\/","title":{"rendered":"US-Wahl 2016: &#8220;Der Einfluss der russischen Tweets war, wenn \u00fcberhaupt, begrenzt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/2023-02\/us-presidential-election-2016-donald-trump-russia-influence-twitter-trolls\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Read the English version here.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dass Donald Trump im Jahr 2016 zum US-Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde, lag auch daran, dass russische Akteure \u00fcber Anzeigen und Social-Media-Posts die W\u00e4hlerschaft beeinflusst hatten &#8211; das ist jedenfalls der Tenor ganzer B\u00fccher zum Thema. Tats\u00e4chlich wiesen Forscher <\/strong><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/internet\/2017-10\/us-wahlkampf-russland-anzeigen-facebook-donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>immer wieder nach<\/strong><\/a><strong>, dass es gro\u00df angelegte<\/strong><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2018-12\/us-wahl-2016-russland-einmischung-soziale-medien\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong> Anstrengungen aus Russland gab<\/strong><\/a><strong>, in sozialen Netzwerken Stimmung f\u00fcr Trump und gegen Hillary Clinton zu machen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwieriger zu messen ist, wie gro\u00df der Einfluss der russischen Trollbotschaften tats\u00e4chlich war. Schon seit einiger Zeit gibt es Hinweise aus der Forschung, <\/strong><a href=\"https:\/\/www.cjr.org\/the_media_today\/researchers-fake-news-exaggerated.php\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>dass ihre Wirkung eher \u00fcbersch\u00e4tzt wurde<\/strong><\/a><strong>. <\/strong><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-022-35576-9\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>Eine aktuelle Studie, ver\u00f6ffentlicht im Fachmagazin &#8220;Nature Communications&#8221;<\/strong><\/a><strong>, kommt nun ebenfalls zu dem Ergebnis: Die russischen Anstrengungen bei Twitter hatten so gut wie keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.janzilinsky.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>Jan Zilinsky<\/strong><\/a><strong> ist einer der Autoren der Studie. Der aus der Slowakei stammende \u00d6konom arbeitet an der School of Social Sciences &amp; Technology an der TU M\u00fcnchen. Dort besch\u00e4ftigt er sich mit der Frage, wie die Meinungsbildung von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern beeinflusst wird.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: Sie haben gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern in einer Studie versucht abzusch\u00e4tzen, wie sich die russischen Versuche, auf Einfluss auf die US-Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2016 zu nehmen, ausgewirkt haben. Was genau haben Sie untersucht?<\/p>\n<p>Jan Zilinsky: Einige Kollegen von unterschiedlichen Instituten und ich interessieren uns seit einiger Zeit f\u00fcr den Einfluss sozialer Medien auf das Wahlverhalten. Schon vor 2016 machte man sich Sorgen um Desinformation. Deshalb haben wir 2016 rund 1.500 Menschen zu ihrer politischen Meinung befragt, erst im April und dann noch einmal im Oktober, kurz vor der Wahl in den . Und nach der Wahl haben wir sie gefragt, f\u00fcr wen sie gestimmt haben.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: Woher wussten Sie, welchen Informationen die Menschen auf Twitter ausgesetzt waren?<\/p>\n<p>Zilinsky: Wir haben sie um Erlaubnis gebeten, uns auf Twitter anzusehen, wem sie folgen. So konnten wir ihren m\u00f6glichen Feed rekonstruieren. Wir kannten also jeden Tweet, der in ihrer Zeitleiste gelandet sein k\u00f6nnte &#8211; weil sie einem bestimmten Account gefolgt sind oder Retweets gesehen haben.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: Zu dieser Zeit war \u00fcber die aus gesteuerten Social-Media-Aktivit\u00e4ten noch nicht allzu viel bekannt.<\/p>\n<p>Zilinsky: Aber nach der Wahl ver\u00f6ffentlichte Twitter Informationen \u00fcber die Identit\u00e4t von Twitter-Konten, die mit der russischen Agentur f\u00fcr Internetforschung in Verbindung gebracht wurden.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-07\/russland-trolle-enthuellung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Einer mutma\u00dflich vom russischen Staat gelenkten Trollfabrik<\/a>, die sich auf manipulative Social-Media-Inhalte spezialisiert hat.<\/p>\n<p>Zilinsky: Wir k\u00f6nnen also zur\u00fcckgehen und \u00fcberpr\u00fcfen, ob jemand mit Inhalten von diesen Konten in Kontakt gekommen ist. Und dann k\u00f6nnen wir uns ansehen, ob sich ihre politischen Einstellungen ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: Und was waren die wichtigsten Ergebnisse?<\/p>\n<p>Zilinsky: Wir haben zwei Erkenntnisse gewonnen. Die erste war, dass es stark konzentriert war, wer nicht authentische Tweets &#8211; also Tweets, von denen Twitter sagt, sie seien russische Desinformation &#8211; \u00fcberhaupt sehen konnte. Nur zehn Prozent der Twitter-Nutzer, deren Newsfeed wir untersucht haben, konnten diese Tweets theoretisch sehen, 90 Prozent der Personen sahen praktisch keine russischen Tweets. Das zweite Ergebnis: Personen, die vielen dieser Tweets ausgesetzt waren, wurden dadurch nicht st\u00e4rker polarisiert. Sie sahen deshalb keinen gr\u00f6\u00dferen Unterschied zwischen Clinton und Trump. Sie \u00e4nderten auch ihre Wahlabsicht nicht h\u00e4ufiger als andere. Das deutet darauf hin, dass der Einfluss der russischen Tweets, wenn \u00fcberhaupt, nur sehr begrenzt war.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE: Diese zehn Prozent, die die meisten Tweets erhielten, waren laut Ihrer Studie meist sehr konservativ. Die russischen Tweets waren zugunsten Trumps. Es ist doch nicht besonders verwunderlich, dass die nicht von Trump zu Clinton gewechselt sind, oder?<\/p>\n<p>Zilinsky: Wir haben uns den Inhalt der Tweets nicht angeschaut. Vielleicht war die Taktik, einfach Twitter mit jeder Art von verwirrendem oder polarisierendem Inhalt zu fluten. <a title=\"Link: https:\/\/thehill.com\/policy\/national-security\/438576-thousands-of-russian-accounts-targeted-sanders-voters-to-help-elect\/\" href=\"https:\/\/thehill.com\/policy\/national-security\/438576-thousands-of-russian-accounts-targeted-sanders-voters-to-help-elect\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Es gibt Untersuchungen<\/a>, die darauf hindeuten, dass linke W\u00e4hler von Bernie Sanders mit Anti-Clinton-Botschaften angesprochen wurden, vielleicht in der Hoffnung, sie dazu zu bringen, f\u00fcr die Kandidatin der gr\u00fcnen Partei, Jill Stein, zu stimmen oder gar nicht w\u00e4hlen zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<h2>&#8220;Wir k\u00f6nnen da einfach keinen Effekt beobachten&#8221;<\/h2>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Hat das funktioniert? Konnten die russischen Desinformationstweets die Radikalisierung und Polarisierung verst\u00e4rken? Etwa, um die Wahlbeteiligung bei den W\u00e4hlern der Demokraten zu verringern und bei den Republikanern zu erh\u00f6hen?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Wir k\u00f6nnen nichts dazu sagen, inwiefern dadurch die Wahlbeteiligung beeinflusst wurde. Die meisten unserer Teilnehmer haben gew\u00e4hlt. Was die Polarisierung angeht: Eine Theorie besagt, dass die russischen Tweets einen Teil der Befragten davon \u00fcberzeugt haben, dass Clinton weit links steht, und einen anderen, dass Trump weit rechts steht. Und wir k\u00f6nnen da einfach keinen Effekt beobachten. Au\u00dferdem legt die sozialwissenschaftliche Forschung nahe, dass Menschen, die w\u00fctend sind oder eine andere starke emotionale Reaktion zeigen, eher zur Wahl gehen. Und die schon erw\u00e4hnte Absicht, die eher linksgerichteten Demokraten vom W\u00e4hlen abzuhalten, indem man Horrorgeschichten \u00fcber Hillary Clinton erz\u00e4hlt, scheint \u00fcberhaupt nicht funktioniert zu haben. Schlie\u00dflich haben diese W\u00e4hler unserer Studie zufolge praktisch gar keine russischen Desinformationstweets zu Gesicht bekommen.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Sie haben Twitter untersucht, weil Sie Zugang zu deren Daten hatten. Aber\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/jackholmes0\/status\/1612473114255826944\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">viele Leute sagen<\/a>, dass\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/facebook\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Facebook<\/a>\u00a0im Mittelpunkt der russischen Manipulationsversuche stand.<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Wir haben eine \u00dcberschlagsrechnung gemacht und sch\u00e4tzen, dass der Anteil der Facebook-Nutzer, die diese russischen Postings gesehen haben, \u00e4hnlich hoch war wie bei Twitter. Allerdings ist es auf Facebook nicht so leicht, solche Beitr\u00e4ge weiterzuverbreiten und zu verst\u00e4rken, wie auf Twitter. Das hat damit zu tun, dass Nutzer auf Facebook mehr Postings von Leuten sehen, die sie auch im wirklichen Leben kennen, sodass sie nicht so schnell zuf\u00e4llig mit fremden Beitr\u00e4gen in Ber\u00fchrung kommen.<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Ihre Studie wird nun zur politischen Argumentation genutzt: Glenn Greenwald, der die Dokumente von Edward Snowden ver\u00f6ffentlicht hat,\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ggreenwald\/status\/1612484732436025351\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">twitterte<\/a>\u00a0nach der Lekt\u00fcre Ihrer Studie: &#8220;Russiagate war \u2013 und ist \u2013 eine der verr\u00fccktesten und abwegigsten Verschw\u00f6rungstheorien der Neuzeit.&#8221; Haben die liberalen Medien und Politiker Verschw\u00f6rungstheorien verbreitet, als sie auf den russischen Einfluss hinwiesen?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Der Sieg von Trump im November 2016 war f\u00fcr sehr viele Menschen ein schockierendes Ereignis. Das war ein fruchtbarer Boden f\u00fcr alle m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungen und Theorien dar\u00fcber, wie das passieren konnte. Aber wenn wir Verschw\u00f6rungstheorien generell f\u00fcr sch\u00e4dlich halten, dann habe ich kein Problem damit, jede unbewiesene Erkl\u00e4rung f\u00fcr ein \u00fcberraschendes Wahlergebnis zu kritisieren.<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Ihr Co-Autor Joshua Tucker\u00a0<a title=\"Link: https:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2023\/01\/2016-us-election-outcome-russian-social-media-trolls\/672836\/\" href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2023\/01\/2016-us-election-outcome-russian-social-media-trolls\/672836\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sagte dem US-Magazin\u00a0<em>Atlantic<\/em><\/a>, dass die Studie nur ein kleiner Teil eines komplizierten Puzzles sei und sie nicht zwangsl\u00e4ufig darauf hindeute, dass die russischen Bem\u00fchungen keinen Einfluss auf das Ergebnis von 2016 hatten. Sehen Sie das anders?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Wir beleuchten nur einen kleinen Teil dieses gr\u00f6\u00dferen Puzzles. Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Akteure, etwa die Ver\u00f6ffentlichung gehackter E-Mails, trugen im Herbst 2016 zu einer Anti-Clinton-Stimmung bei. Aber es waren oft inl\u00e4ndische Akteure, die Ger\u00fcchte und Fehlinformationen verbreitet haben. Ich bin besorgt, dass ausl\u00e4ndische Bedrohungen manchmal \u00fcberbewertet werden und man die Akteure im Inland aus den Augen verliert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h2>&#8220;Fakeprofile sind nicht die politische Bedrohung Nummer eins&#8221;<\/h2>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0In Ihrer Studie schreiben Sie, dass die Debatten \u00fcber die russische Einmischung generell das Vertrauen in die Integrit\u00e4t des Wahlsystems geschw\u00e4cht h\u00e4tten und dass das &#8220;mit der Bereitschaft der Amerikaner zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte, Behauptungen \u00fcber Wahlbetrug bei der Wahl 2020 zu akzeptieren&#8221;. Die Leute auf der Linken, die von einer russischen Einmischung reden, haben also indirekt die Zweifel am Sieg Joe Bidens gesch\u00fcrt, die zu den Unruhen vom 6. Januar f\u00fchrten?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Das ist m\u00f6glich. Aber es gibt auch eine allgemeine Tendenz unter W\u00e4hlern, sich \u00fcber Wahlergebnisse zu beschweren, wenn der eigene Kandidat gescheitert ist. Joseph Uscinski, ein Politikwissenschaftler der University of Miami,\u00a0<a title=\"Link: https:\/\/news.miami.edu\/stories\/2018\/10\/are-conspiracy-theories-for-losers.html\" href=\"https:\/\/news.miami.edu\/stories\/2018\/10\/are-conspiracy-theories-for-losers.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sagt zum Beispiel<\/a>, dass &#8220;Verschw\u00f6rungstheorien etwas f\u00fcr Verlierer&#8221; seien.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Sollen US-Beh\u00f6rden und Plattformen denn weiterhin die Einflussnahme von au\u00dfen bek\u00e4mpfen?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Ich denke, dass Social-Media-Unternehmen Fakeprofile auf ihren Plattformen bek\u00e4mpfen sollten. Sie sind sicherlich problematisch, aber nicht unbedingt die politische Bedrohung Nummer eins.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Im Grunde genommen sagen Sie, dass Menschen ihre Meinung nicht aufgrund einer relativ bescheidenen Anzahl von Beitr\u00e4gen in den sozialen Medien \u00e4ndern, oder?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Die Menschen lassen sich einfach nicht gerne \u00fcberreden. Es ist zwar m\u00f6glich, ihre Meinung ein wenig zu ver\u00e4ndern \u2013 aber um den Preis, dass sie den \u00dcberbringer der Botschaft danach weniger m\u00f6gen. Sie k\u00f6nnten den Menschen etwa Informationen geben, wie sich der Zugang zur Gesundheitsversorgung dank Obamacare verbessert hat. Sie werden danach diese Politik vielleicht etwas positiver sehen, aber sie beurteilen den Informationsaustausch im Nachhinein als negativ.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Soziale Medien machen es erst m\u00f6glich, den Menschen sehr gezielte, auf ihr pers\u00f6nliches Profil abgestellte Anzeigen zu pr\u00e4sentieren. Die\u00a0<a title=\"Link: https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt-652492646668\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt-652492646668\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#8220;psychologische Bombe&#8221; der personalisierten Werbung gilt manchen als das Geheimnis hinter Trumps Wahlerfolg<\/a>. Wie effektiv sind solche Kampagnen?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Die meisten B\u00fcrger und W\u00e4hler lehnen die Vorstellung ab, dass sie gezielt angesprochen werden. Wenn sie also den Verdacht haben, eine Anzeige aufgrund ihrer demografischen Merkmale zu sehen, k\u00f6nnte sie das sogar gegen den jeweiligen Kandidaten einnehmen. In der Politikwissenschaft ist dazu bisher nur wenig geforscht worden. Aber wenn es um Wirtschaft und Marketing geht, sind die Menschen oft sehr misstrauisch gegen\u00fcber Werbung, die offenbar auf sie pers\u00f6nlich ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Sie haben in Ihrer Studie auch darauf hingewiesen, dass die von Ihnen beobachteten Verbreitungsmuster \u2013 nur wenige Nutzer bekommen den L\u00f6wenanteil der Postings zu sehen \u2013 generell typisch f\u00fcr Fake News und Verschw\u00f6rungstheorien sind. Insbesondere, dass nur eine kleine Gruppe von Menschen daf\u00fcr empf\u00e4nglich ist, es aber keinen Einfluss auf die allgemeine \u00f6ffentliche Stimmung hat.<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Einige meiner Co-Autoren haben in einer Studie speziell das Verhalten beim Teilen von Fake News untersucht und festgestellt, dass konservativere und \u00e4ltere Nutzer sozialer Medien eher auf den &#8220;Teilen&#8221;-Knopf klicken. Das gilt aber nicht f\u00fcr jede Verschw\u00f6rungstheorie. Wir untersuchen hier in M\u00fcnchen gerade die Verbreitung von Desinformationen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Der beste Pr\u00e4diktor daf\u00fcr, dass jemand so etwas teilt, ist der Glaube, dass wir nicht wirklich in einer Demokratie leben und dass eine geheime Gruppe die Regierung kontrolliert.<\/p>\n<p>ZEIT ONLINE:\u00a0Die US-Wahl 2024 steht vor der T\u00fcr. Trump hat seine Kandidatur bereits angek\u00fcndigt. Was erwarten Sie: Werden wir wieder \u00fcber russische Bots und Fake-Accounts diskutieren?<\/p>\n<p>Zilinsky:\u00a0Die russische Invasion der Ukraine hat die Lage entscheidend ver\u00e4ndert. Russland ist isolierter und genie\u00dft noch weniger Vertrauen als zuvor. Nach den Midterm-Wahlen hat das US-Repr\u00e4sentantenhaus nun einen Sonderausschuss eingerichtet, der den angeblichen Onlineeinfluss Chinas untersuchen soll. Es w\u00fcrde mich nicht \u00fcberraschen, wenn zunehmend \u00fcber den chinesischen Einfluss auf die sozialen Medien diskutiert wird. Vielleicht wird es auch Bem\u00fchungen geben, TikTok zu verbieten. Der republikanische Senator Marco Rubio\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rubio.senate.gov\/public\/index.cfm\/2022\/12\/rubio-gallagher-introduce-bipartisan-legislation-to-ban-tiktok\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">hat bereits ohne Beleg behauptet, TikTok w\u00fcrde Wahlen manipulieren, und will den Dienst gesetzlich verbieten lassen<\/a>. Viele junge Leute w\u00fcrden sich \u00fcber ein solches Verbot \u00e4rgern und vielleicht die Republikaner bestrafen wollen, vor allem wenn das Verbot auf Verschw\u00f6rungstheorien basiert. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Wahlbeteiligung einer bestimmten Gruppe stark ansteigen wird.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":117848,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117825","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117825"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}