{"id":117907,"date":"2024-04-30T11:27:14","date_gmt":"2024-04-30T10:27:14","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=117907"},"modified":"2024-05-08T07:57:15","modified_gmt":"2024-05-08T06:57:15","slug":"wer-allem-zustimmt-hat-nichts-zu-sageninterview-mit-nadine-gordimer","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/wer-allem-zustimmt-hat-nichts-zu-sageninterview-mit-nadine-gordimer\/","title":{"rendered":"&#8220;Wer allem zustimmt, hat nichts zu sagen&#8221;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Ein Interview zum 90. Geburtstag der Literaturnobelpreistr\u00e4gerin. Nadine Gordimer \u00fcber ihr Leben, den Kampf gegen die Apartheid und ihre Kritik an der ANC-Regierung. TagesWoche | 21.11.2013<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Hohes Alter allein ist keine Leistung. Was z\u00e4hlt, ist, was man aus den Jahren gemacht hat.&#8221; Mit diesen Worten gratulierte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nadine_Gordimer\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Nadine Gordimer<\/a> ihrem Freund <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nelson_Mandela\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Nelson Mandela<\/a> vor Jahren zu seinem 90. Geburtstag. Am 20. November wurde die Grande Dame der s\u00fcdafrikanischen Literatur selber 90 &#8211; und keine Frage: Auch sie hat sehr viel in ihrem Leben gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nobelpreis.org\/Literatur\/gordimer.htm\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Als sie 1991 mit dem Literaturnobelpreis<\/a> ausgezeichnet wurde, hiess es in der W\u00fcrdigung, ihre &#8220;epische Dichtung&#8221; habe der &#8220;Menschheit einen grossen Nutzen erwiesen&#8221;, die tiefen Einblicke in das historische Geschehen h\u00e4tten dazu beigetragen, dieses Geschehen zu formen. Angesichts ihres hohen Alters wirkt Nadine Gordimer mittlerweile zwar zart und zerbrechlich, von ihrer Wortgewalt hat sie jedoch nichts verloren. Ebenso engagiert, wie sie fr\u00fcher als Aktivistin dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apartheid\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Apartheid-Regime<\/a> die Stirn bot, erhebt sie heute ihre Stimme gegen die ANC-Regierung, wenn es um Fragen der Meinungsfreiheit oder sozialen Gerechtigkeit geht. Beim Besuch in ihrem Haus in Johannesburg wird sofort klar: Nadine Gordimer hat nichts von ihrem Kampfgeist verloren. (Anm: Nadine Gordimer starb im Juli 2014).<\/p>\n<p><em>Frau Gordimer, Sie sitzen auch mit 90 noch jeden Vormittag am Schreibtisch und arbeiten. Ist das Schreiben wie ein Lebenselixier f\u00fcr Sie?<\/em><\/p>\n<p>Das Schreiben war sicherlich schon immer die Antriebsquelle in meinem Leben. Schreiben kann man nicht lernen, auch wenn das einige Leute schockieren mag. Ebenso wenig wie man jemandem beibringen kann, ein Weltklasse-Operns\u00e4nger zu werden. Wer in der Mail\u00e4nder Scala auftritt, wird mit einzigartigen Stimmb\u00e4ndern geboren. Womit Schriftsteller geboren werden, weiss ich nicht. Diese Gabe ist einfach vorhanden, und man versp\u00fcrt den Drang, sie auch zu nutzen.<\/p>\n<p><em>Sie sp\u00fcrten diesen Drang schon sehr fr\u00fch. Als Sie gerade einmal 15 Jahre alt waren, wurde Ihre erste Kurzgeschichte ver\u00f6ffentlicht. Was bedeutete es damals f\u00fcr Sie, diese Gabe bei sich zu entdecken?<\/em><\/p>\n<p>Es bedeutete einfach, dass ich zu schreiben begann &#8211; ohne Ber\u00fchrungs\u00e4ngste oder zu denken, dass ich daf\u00fcr vielleicht studieren m\u00fcsste. Ich hatte grosses Gl\u00fcck, dass meine Mutter mir immer als Kind vorgelesen hatte. Der Instinkt des Schreibens wird durch Lesen geweckt und gen\u00e4hrt. Man entdeckt die Macht des Wortes in sich selbst, findet heraus, wie man eigene Gef\u00fchle und die anderer mit Worten ausdr\u00fccken kann. Das ist der erste Schritt zur Entwicklung von Charakteren. Seit ich sechs Jahre alt war, war ich eine begeisterte, ja uners\u00e4ttliche Leserin. In der kleinen Bergbaustadt, in der ich aufwuchs (Springs, bei Johannesburg &#8211; Anm. der Red.), gab es eine Bibliothek f\u00fcr Kinder. Sie bedeutete mir alles. W\u00e4re ich ein schwarzes Kind gewesen, h\u00e4tte ich dort nicht hinein gedurft und w\u00e4re vielleicht auch nie Schriftstellerin geworden.<\/p>\n<p><em>Das war die Zeit der Apartheid, deren Auswirkungen auf das Zusammenleben und das Leben des Einzelnen stehen im Mittelpunkt Ihrer Romane, Erz\u00e4hlungen und Essays. \u00dcber die Rolle von Schriftstellern haben Sie einmal sinngem\u00e4ss gesagt, dass man seiner Gesellschaft, seinem Land am Besten dient, wenn man so gut schreibt, wie man kann.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Das gilt f\u00fcr andere Berufsgruppen ebenso. Ein Arzt hilft den Menschen, indem er sie von Krankheiten heilt. F\u00fcr uns Schriftsteller geht es darum, das Leben zu erforschen, herauszufinden, worum es im Kern geht. In diesen Erkenntnissen besteht der Nutzen unserer Arbeit f\u00fcr die Menschen.<\/p>\n<p><em>Sie sehen sich in gewisser Weise als Forscherin?<\/em><\/p>\n<p>Ja, in gewisser Weise. Es ist eine Erforschung des Selbst, der menschlichen Seele und dessen, was sie ausmacht. Dazu geh\u00f6rt zun\u00e4chst der Einfluss der Familie, des Umfeldes und schliesslich der Gesellschaft, in der man lebt. Unser gesamtes Leben wird von den Gesetzen, den gesellschaftlichen Normen und der politischen Struktur des Landes gepr\u00e4gt, in dem wir leben. Ich wuchs in einem Land auf, in dem all dies sehr intensiv und konfliktgeladen war.<\/p>\n<p><em>Und noch immer ist&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Leider, ja.<\/p>\n<p><em>In Ihrem ersten Roman &#8220;Entzauberung&#8221; (1953) entdeckt eine junge weisse S\u00fcdafrikanerin, in welchen Zust\u00e4nden ihre schwarzen Landsleute w\u00e4hrend der Apartheid leben. Inwiefern spielte dieser Kontrast in Ihrer Familie eine Rolle?<\/em><\/p>\n<p>Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Meine Mutter geh\u00f6rte dem Roten Kreuz an und half einigen Kliniken in den riesigen schwarzen Townships. Aber dabei blieb es. Es hatte keine sp\u00fcrbare Auswirkung auf unseren Alltag. Ich bin zwar froh, dass sie wenigstens etwas tat, denn viele ihrer Zeitgenossinnen unternahmen \u00fcberhaupt nichts. Aber mir gen\u00fcgte es nicht, nur hin und wieder irgendwo etwas Wohlt\u00e4tiges zu tun. F\u00fcr mich geh\u00f6rt es untrennbar zusammen, was man denkt und wie man sein Leben f\u00fchrt, sowohl privat als auch \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p><em>Mehrere Ihrer B\u00fccher wurden wegen Ihrer kritischen Haltung vom Apartheid-Regime zensiert. Sie engagierten sich damals auch aktiv f\u00fcr den <\/em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Afrikanischer_Nationalkongress\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Afrikanischen Nationalkongress (ANC)<\/em><\/a><em> und werden deshalb h\u00e4ufig als &#8220;politische&#8221; Autorin bezeichnet. Ein Begriff, den Sie ablehnen. Warum?<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist ein &#8220;politischer Autor&#8221; jemand, der aus sozialtheoretischer Sicht \u00fcber Politik schreibt. Das habe ich nie getan. Ich habe hin und wieder Artikel oder Kommentare geschrieben und nat\u00fcrlich auch politische Positionen vertreten. Als Weisse in einem Land, in dem eine schreckliche Unterdr\u00fcckung herrschte, ging das nicht anders. Wie kann man angesichts solcher Verh\u00e4ltnisse stumm bleiben?<\/p>\n<p><em>Stumm sind Sie heute ebenfalls nicht. Jetzt kritisieren Sie die ANC-Regierung.<\/em><\/p>\n<p>Aber ich bin l\u00e4ngst nicht mehr so kritisch wie zu Zeiten der Apartheid. Wie k\u00f6nnte ich das sein.<\/p>\n<p><em>Trotzdem schonen Sie die ehemaligen Freiheitsk\u00e4mpfer, die heute an der Macht sind, nicht. In Ihrem neuesten Roman &#8220;Keine Zeit wie diese&#8221; (2012) geht es unter anderem um den Verrat an Idealen, um Korruption und Machtmissbrauch unter S\u00fcdafrikas amtierenden Pr\u00e4sidenten Jacob Zuma.<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcbe ich in dem Buch Kritik; aber weiterhin, indem ich das Leben der Menschen erforsche. Ich bin keine Ja-Sagerin. Wer allem zustimmt, lernt nichts und hat nichts zu sagen. Keine Gesellschaft ist perfekt. Ich war und bin sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass wir die Apartheid besiegt haben und ich meinen kleinen, im Vergleich zu anderen sehr kleinen, Teil dazu beitragen konnte. Aber im R\u00fcckblick war es naiv von uns anzunehmen, dass sich nach der Apartheid alle sofort wunderbar verstehen w\u00fcrden, dass es keine rassistischen Vorurteile und keine Unterdr\u00fcckung mehr g\u00e4be. Wir h\u00e4tten es aufgrund unserer Geschichte besser wissen m\u00fcssen. Die Unterdr\u00fcckung der Schwarzen hat 1652 begonnen, als die Niederl\u00e4ndische Ostindien-Kompanie zum ersten Mal am Kap der guten Hoffnung anlegte. Danach kamen die Missionare aus allen Teilen der Welt. Im Austausch f\u00fcr den christlichen Glauben nahmen sie das ganze Land an sich.<\/p>\n<p><em>Ist die Tatsache, w\u00e4hrend des Freiheitskampfes nur die Abschaffung des Regimes im Blick zu haben und nicht \u00fcber die weitere Zukunft nachzudenken, nicht ein Schicksal, das die meisten Befreiungsbewegungen teilen?<\/em><\/p>\n<p>Das ist tr\u00f6stlich, dass Sie das sagen. Ich dachte, wir w\u00e4ren vielleicht besonders nachl\u00e4ssig gewesen. Es ist doch offensichtlich, dass man nicht alle Entwicklungen seit dem 17. Jahrhundert r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann, indem man schlicht sagt: &#8220;Jetzt haben wir das Wahlrecht.&#8221; Aber es war trotzdem wunderbar, es f\u00fcr uns alle zu erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Wie erinnern Sie sich an diesen historischen Tag der ersten demokratischen Wahlen in S\u00fcdafrika 1994?<\/em><\/p>\n<p>Oh, ich erinnere mich noch sehr gut daran! Das Wahlb\u00fcro war nur zwei Blocks von hier in einer kleinen Kirche eingerichtet worden. Als wir die Strasse hinunterliefen, konnten wir kaum glauben, dass wir tats\u00e4chlich w\u00e4hlen gingen, mit Menschen aller Hautfarben. Wissen Sie, die M\u00e4nner, die damals hier die Wohnungen und H\u00e4user putzten, mussten alle &#8211; ebenso wie die H\u00e4ftlinge in den Gef\u00e4ngnissen &#8211; Hosen tragen. In dieser Uniform standen sie nun direkt neben uns in der Schlange, um das gleiche Recht auszu\u00fcben wie wir. Ihr Name wurde in die Liste eingetragen, und sie gaben ihre Stimme ab. Nelson Mandela, ein aussergew\u00f6hnlicher Mensch, wurde zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Es war wundervoll. Dieses Gef\u00fchl hielt eine Weile an; wenn man zum Beispiel auch vor dem Postschalter gemeinsam mit schwarzen S\u00fcdafrikanern in einer Schlange stand, nicht mehr nach Hautfarben getrennt, oder im Zug nebeneinander sass. Ich denke, das ist unsere einzige Entschuldigung daf\u00fcr, dass wir damals nicht an die enormen sozialen und wirtschaftlichen Probleme dachten, an denen sich ja nichts ge\u00e4ndert hatte. Wir hatten nicht erwartet, dass all jene Menschen, die unter furchtbaren Bedingungen in den Slums hausten, so lange auf bessere H\u00e4user warten m\u00fcssten.<\/p>\n<p><em>Kam es Ihnen damals auch nicht in den Sinn, dass es vielleicht Generationen brauchen w\u00fcrde, bis die rassistischen Vorurteile und Vorbehalte in den K\u00f6pfen verschwunden sind?<\/em><\/p>\n<p>Das war das Irrwitzige. Wir, diejenigen, die diese Vorurteile gar nicht hatten, haben nicht daran gedacht, dass die Rassentrennung ja nicht nur in den K\u00f6pfen, sondern auch r\u00e4umlich bestand. Die Kinder waren beispielsweise nie gemeinsam auf eine Schule gegangen. Durch die Tatsache, dass wir so lange in getrennten Wohnvierteln leben mussten, \u00e4nderte sich daran auch erstmal nichts. Weisse Kinder gingen hier auf die Schule, schwarze dort. Unsere Idee, dass sich das alles einfach aufl\u00f6sen w\u00fcrde, war also ein M\u00e4rchen. Damit m\u00fcssen wir uns heute auseinandersetzen. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass es doch noch wahr wird.<\/p>\n<p><em>Momentan sieht es allerdings so aus, als k\u00f6nnte das sehr lang dauern. Unter anderem ist die hart erk\u00e4mpfte Meinungsfreiheit in Gefahr. Mit dem vom ANC lancierten &#8220;Gesetz zum Schutz staatlicher Information&#8221; k\u00f6nnten wichtige Informationen zensiert und korrupte Machenschaften vertuscht werden. Whistleblowern drohen harte Strafen. Erinnert Sie das an die Zensur w\u00e4hrend der Apartheid?<\/em><\/p>\n<p>Es ist eine unglaubliche R\u00fcckkehr in die Vergangenheit. F\u00fcr mich ist es unfassbar. Unsere Freiheit h\u00e4ngt davon ab, dass wir uns frei \u00e4ussern k\u00f6nnen und dass wir wissen, was in unserem Land geschieht. Was die Regierung in unserem Namen tut, welche Bed\u00fcrfnisse des Landes und der Bev\u00f6lkerung von ihr ignoriert werden. Bedroht ist nicht nur die Pressefreiheit, was an sich schon schrecklich genug w\u00e4re, sondern jegliche Formen der Kommunikation, die ebenso zur Meinungsfreiheit geh\u00f6ren. Deshalb ist dieses Gesetz so gef\u00e4hrlich. Ich habe noch vor ein paar Tagen mit meinen Genossen dar\u00fcber gesprochen. Die Bezeichnung Genosse benutze ich \u00fcbrigens in ihrer urspr\u00fcnglichen Bedeutung; das hat nichts damit zu tun, ob jemand Kommunist ist. Ich habe ihnen gesagt, dass wir nicht aufgeben d\u00fcrfen, selbst wenn unsere Kritik und unser Protest bislang scheinbar nicht viel ausrichten konnten.<\/p>\n<p><em>Wie erkl\u00e4ren Sie sich, dass der ANC als ehemalige Befreiungsbewegung, die selbst unter der Zensur gelitten hat, nun ein solches Gesetz vorantreibt?<\/em><\/p>\n<p>Es geht um Macht; die fatale Anziehungskraft der Macht. Es ist wirklich tragisch, dass eben diese Regierung jetzt die Meinungsfreiheit unterdr\u00fccken will; jeden Gedanken, mit dem sie nicht einverstanden ist. Es ist, als w\u00fcrde man den Menschen einen Maulkorb verpassen und ihren gleichzeitig Augen und Ohren verschliessen, so dass sie nur noch ein St\u00fcck Fleisch sind. Sie bekommen nur jene Informationen, die der Staat freigegeben hat. Sie m\u00fcssen alles akzeptieren, was die Regierung ihnen sagt, da ihnen jegliche M\u00f6glichkeit fehlt, sich selbst eine Meinung zu bilden. Der Hintergrund dieses Vorstosses ist aber noch desillusionierender: Das Ausmass der Korruption auf h\u00f6chster Ebene. Denn man muss sich fragen, warum die Regierung die Informationen kontrollieren will. Wir w\u00fcrden dann beispielsweise nicht wissen, wie viel Geld f\u00fcr Nkandla, den Wohnsitz des Staatspr\u00e4sidenten ausgegeben wurde. Die Leute, die momentan an der Macht sind, wollen tun und lassen, was sie wollen, ohne daf\u00fcr kritisiert zu werden. Sie wollen sich nicht daf\u00fcr rechtfertigen m\u00fcssen, dass viele Tausend Menschen obdachlos sind oder unter verheerenden Bedingungen leben. Sie wollen lieber noch ein Kino in der Residenz des Pr\u00e4sidenten einrichten. Stellen Sie sich vor, wie viele normale Wohnh\u00e4user mit diesem Geld stattdessen errichtet werden, wie viele Menschen endlich einen Stromanschluss und eine ordentliche Toilette bekommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><em>Die Wut, die Unzufriedenheit und die Entt\u00e4uschung \u00fcber diese Zust\u00e4nde nehmen in S\u00fcdafrika zu. In Ihrem Roman &#8220;Keine Zeit wie diese&#8221; beschreiben Sie die Desillusionierung eines schwarz-weissen Paares, das f\u00fcr ein besseres Leben nach der Apartheid gek\u00e4mpft hat und nun mit ansehen muss, wie die Ideale von fr\u00fcher verraten werden. Ergeht es Ihnen \u00e4hnlich?<\/em><\/p>\n<p>Ich mache nicht den gesamten ANC f\u00fcr diese Entwicklung verantwortlich. Der ANC ist die Bewegung, mit der ich mein gesamtes politisch bewusstes Leben verbunden bin. Doch leider steht die F\u00fchrungsriege, die daf\u00fcr verantwortlich ist, stellvertretend f\u00fcr die gesamte Partei. Als Mitglied ist es tats\u00e4chlich sehr desillusionierend zu sehen, wie der ANC vollkommen falsche Entscheidungen und Massnahmen trifft; insbesondere wenn Aspekte der Apartheid wiederholt werden.<\/p>\n<p><em>Viele Ihrer Landsleute wandern deshalb aus. Das Thema Emigration hat Sie in Ihren B\u00fcchern schon mehrfach besch\u00e4ftigt. Allerdings sind Sie trotz Apartheid, der momentanen politischen Desillusionierung und eines \u00dcberfalls in Ihrem Haus immer in S\u00fcdafrika geblieben. Warum?<\/em><\/p>\n<p>Ich geh\u00f6re hierher. Obwohl einige meiner schwarzen Bekannten mich auslachen, wenn ich, als Weisse, das behaupte. Meine Genossen, die mich besser kennen, tun das allerdings nicht.<\/p>\n<p><em>Ihr Leben ist eng, fast untrennbar, mit der Geschichte Ihrer Heimat S\u00fcdafrika verbunden. Wie wollen Sie hier dereinst in Erinnerung bleiben?<\/em><\/p>\n<p>Das Beste in mir, alles Erw\u00e4hnenswerte steckt in meinen B\u00fcchern. Meine Erkenntnisse und mein Bestreben, das Leben zu verstehen. Was meine eigene Person betrifft, so ist es wie mit einer Blume: Man pfl\u00fcckt sie, die Knospe \u00f6ffnet sich, sie bl\u00fcht und vergeht dann langsam. Andere werden nachwachsen. Ich bin Atheistin. Aber ich hatte trotzdem ein sehr erf\u00fclltes Leben.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>TagesWoche | 21.11.2013<\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117907","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/64"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117907"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}