{"id":117971,"date":"2024-02-05T06:42:29","date_gmt":"2024-02-05T05:42:29","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=117971"},"modified":"2024-04-30T10:56:14","modified_gmt":"2024-04-30T09:56:14","slug":"mosambik-wie-informelle-arbeiter-ueber-eine-digitale-plattform-mehr-jobs-finden","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/mosambik-wie-informelle-arbeiter-ueber-eine-digitale-plattform-mehr-jobs-finden\/","title":{"rendered":"Mosambik: Wie informelle Arbeiter \u00fcber eine digitale Plattform mehr Jobs finden"},"content":{"rendered":"<div>\n<div><em>Der formale Arbeitsmarkt ist in Mosambik winzig. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung lebt von Gelegenheitsjobs und Dienstleistungen. Fr\u00fcher war es f\u00fcr sie schwierig, Kunden zu finden. Ein lokales Start-Up hat daf\u00fcr eine digitale L\u00f6sung gefunden. Sie ist kostenlos und kommt ohne Internet, Daten und Smartphones aus. Die Wirkung ist gro\u00df.<\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<p>Minoca Adau Macucule beugt sich \u00fcber ihre K\u00fchltruhe und holt einen Plastikbeh\u00e4lter mit Salgados heraus. Die gef\u00fcllten Teigtaschen geh\u00f6ren zu ihren Spezialit\u00e4ten, ihre Kochk\u00fcnste sind in der gesamten Nachbarschaft bekannt. \u201eWenn jemand einmal probiert hat, dann will er direkt, dass ich f\u00fcr die n\u00e4chste Familienfeier koche&#8221;, erz\u00e4hlt die 29-J\u00e4hrige. Sie lebt in Maxaquene, einem dichtbesiedelten Viertel der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Von ungeteerten Stra\u00dfen aus f\u00fchrt ein Labyrinth schmaler Gehwege zu H\u00e4usern wie ihrem, ges\u00e4umt von Mauern, die die kleinen Grundst\u00fccke voneinander abgrenzen.<\/p>\n<\/div>\n<div><strong>K\u00f6chin findet Kunden \u00fcber die digitale Plattform<br \/>\n<\/strong>Macucule wohnt hier mit ihrem Mann und ihrer zweij\u00e4hrigen Tochter. Sie teilen sich ein kleines Schlafzimmer, die T\u00fcr st\u00f6\u00dft fast an den Plastiktisch neben der K\u00fchltruhe. Die K\u00fcche ist winzig: Zwischen Gasherd, einem kleinen Ofen auf einem Regal, T\u00f6pfen und Sch\u00fcsseln, passen kaum zwei Personen. Macucule bereitet hier nicht nur die Mahlzeiten f\u00fcr ihre kleine Familie vor, sondern auch f\u00fcr Kund*innen. Und die wohnen nicht mehr nur in der Nachbarschaft. \u201eDie Salgados bringe ich sp\u00e4ter zu einer Kundin in die Innenstadt&#8221;, sagt Macucule. Auf die Frage, woher sie die Frau kenne, zeigt sie auf ihr Smartphone.Vor f\u00fcnf oder sechs Jahren, so genau erinnert sich Macucule nicht mehr, traf sie zuf\u00e4llig auf Mitarbeiter eines Mobilfunkkonzerns, die f\u00fcr die digitale Plattform <a href=\"https:\/\/www.biscate.co.mz\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Biscate<\/a> warben. \u201eDiese M\u00e4nner sagten, dass ich dar\u00fcber mehr Arbeit finden k\u00f6nnte&#8221;. Zuerst war sie etwas skeptisch, aber dann lie\u00df sie sich \u00fcberzeugen. \u201eEs gab viele T\u00e4tigkeiten zur Auswahl. Aber ich habe mich nat\u00fcrlich als K\u00f6chin registrieren lassen&#8221;. Das ging sogar mit einem altmodischen Handy &#8211; damals konnte sie sich noch kein Smartphone leisten. Sie tippte den Code ein, den ihr die M\u00e4nner gaben, ihren Namen, Wohnort, Berufserfahrung und Ausbildung. \u201eSie erkl\u00e4rten mir, dass Kunden diese Informationen sehen und etwas bei mir bestellen k\u00f6nnen&#8221;, erkl\u00e4rt Macacule. Und so war es auch.<\/p>\n<p><strong>\u201eJetzt verdiene ich mein eigenes Geld&#8221;<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Unter den ersten war eine mosambikanische Firma, die Salgados f\u00fcr eine Betriebsfeier bestellte. Macucule betont, sie sei f\u00fcr den Job von der Firma sogar mit \u201eeiner richtigen Uniform&#8221; ausgestattet worden. \u201eDa wurde mir klar, dass das hier eine echte Chance ist&#8221;. Bis heute bekommt sie regelm\u00e4\u00dfig Anrufe von Neukund*innen, die sie \u00fcber die Plattform gefunden haben, wer zufrieden war, empfiehlt sie weiter. Das Gesch\u00e4ft laufe wirklich gut, sagt Macucule. \u201eF\u00fcr die Leute in der Nachbarschaft habe ich oft umsonst gekocht. Jetzt verdiene ich mit dem Kochen mein eigenes Geld&#8221;.<\/p>\n<p>Sobald sie sich mit ihren Kund*innen \u00fcber den Preis geeinigt hat, bekommt sie die H\u00e4lfte als Vorschuss. Damit kauft sie die Zutaten ein und bezahlt die Fahrt mit einem Minibustaxi in die Innenstadt. Bezahlt wird ebenfalls mit dem Handy, \u00fcber den mobilen Service <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/M-Pesa\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">M-Pesa<\/a>, der in Kenia entwickelt wurde. Der Vorteil: dazu sind weder ein Bankkonto noch ein Smartphone notwendig. Beides ist in L\u00e4ndern wie Mosambik keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Zwei Viertel weiter, in Chamanculo, bereitet sich auch Mario Baptista auf seinen Arbeitstag vor. Der 26-J\u00e4hrige repariert und wartet Klimaanlagen, die hier in den Subtropen in vielen B\u00fcro- und Privath\u00e4usern installiert sind. Nach einer technischen Ausbildung in einem Betrieb bekam er keine Arbeitsstelle und machte sich notgedrungen selbstst\u00e4ndig. Gl\u00fccklicherweise habe er direkt zu Anfang \u00fcber das Radio von Biscate erfahren. \u201eMein Onkel, der fr\u00fcher den gleichen Job gemacht hat, musste viel Zeit daf\u00fcr aufwenden, nach Kunden zu suchen. F\u00fcr mich ist das einfacher: Die Kunden sehen mein Profil auf der Plattform und rufen mich direkt an&#8221;, sagt er.<\/p>\n<p>Seit 2016 k\u00f6nnen Arbeiter*innen und Kund*innen Biscate nutzen. Knapp 70.000 Arbeiter*innen haben sich seitdem landesweit auf der Plattform registriert. Die Mehrheit von ihnen ist j\u00fcnger als 35 Jahre. Die Plattform wurde vom mosambikanischen Start-Up <a href=\"https:\/\/www.ux.co.mz\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">UX Information Technologies<\/a> entwickelt, das zuvor die App <a href=\"https:\/\/www.emprego.co.mz\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Emprego<\/a> auf den Markt gebracht hatte, eine digitale Jobb\u00f6rse: Firmen k\u00f6nnen dort offene Stellen inserieren, qualifizierte Arbeitssuchende ihre Profile hochladen. Doch damit werde man nur einem Bruchteil des gesamten Arbeitsmarkts in seiner Heimat gerecht, erkl\u00e4rt UX-Co-Gr\u00fcnder Tiago Borges Coelho. \u201eIn Mosambik leben 32 Millionen Menschen, 14 Millionen davon sind im erwerbst\u00e4tigen Alter, aber es gibt nur etwa eine Millionen Arbeitspl\u00e4tze&#8221;.<\/p>\n<p>Viele B\u00fcrger*innen haben weder einen Schulabschluss noch eine formale Ausbildung. Damit bleibt ihnen nur der sogenannte informelle Arbeitsmarkt. \u201eDas sind Arbeiter, die bei den Beh\u00f6rden nicht registriert sind, kein festes Einkommen und keine soziale Absicherung haben. Sie \u00fcberleben von Gelegenheitsjobs&#8221;, so die Definition des Gr\u00fcnders. Dieser informelle Sektor ist in wenig industrialisierten, landwirtschaftlich gepr\u00e4gten L\u00e4ndern besonders gro\u00df, in Mosambik stellt er Sch\u00e4tzungen zufolge <a href=\"https:\/\/www.worldeconomics.com\/National-Statistics\/Informal-Economy\/Mozambique.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00fcber ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts<\/a> dar. Er pr\u00e4gt den Alltag und das Stadtbild.<\/p>\n<p>Biscate bedeutet in der Umgangssprache Gelegenheitsjob. Arbeiterinnen und Arbeiter aus insgesamt 18 Berufsgruppen k\u00f6nnen ihre Dienstleistungen anbieten, beispielweise Schreiner, Schneider, Polsterer, Kosmetiker. Im Gegensatz zu ihren selbstgemalten Werbeschildern an B\u00e4umen oder Mauern, sind ihre digitalen Profile landesweit sichtbar.<\/p>\n<p>Seit der Gr\u00fcndung gab es auf der Plattform \u00fcber 314.000 Anfragen von Kund*innen, knapp 24.000 Jobs wurden abgeschlossen. Bei der Entwicklung sei es nicht darum gegangen, eine besonders schicke App zu bauen, sondern den Zugang zu der digitalen Plattform so leicht wie m\u00f6glich zu gestalten, sagt UX-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u00c9der Paulo. \u201eWir haben uns f\u00fcr die USSD-Technologie entschieden, weil sie die gr\u00f6\u00dfte Reichweite hat&#8221;.<\/p>\n<p>\u00dcber <a href=\"https:\/\/blog.ussd.directory\/how-ussd-works-an-explainer\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">USSD<\/a> k\u00f6nnen Nachrichten zwischen einem Mobiltelefon und einer Anwendung im Netzwerk gesendet und \u00fcber einfache Auswahlmenus Einstellungen vorgenommen werden. Dazu braucht es keinen Internetzugang und keine Daten. Durch eine Partnerschaft mit einem der f\u00fchrenden Mobilfunkunternehmen kann das UX-Team diese Plattform sogar kostenfrei anbieten &#8211; f\u00fcr Arbeiter*innen und Kund*innen. Das ist zentral in einem Land wie Mosambik, das zu den \u00e4rmsten der Welt z\u00e4hlt. \u201eLeider k\u00f6nnen wir trotzdem rund 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung nicht erreichen, die \u00c4rmsten in unserem Land&#8221;, sagt Borges Coelho. Denn Sch\u00e4tzungen zufolge haben nur 50 bis 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u00fcberhaupt ein Mobiltelefon, von ihnen wiederum nur 20 Prozent Zugang zu Smartphones und Internet.<\/p>\n<p>Mario Baptista geh\u00f6rt zu dieser Minderheit. Auf seinem Smartphone hat er die App installiert. So kann er sein Profil sehen und wie die Kund*innen seine Arbeit bewertet haben. Daf\u00fcr gibt es drei Kriterien: Preis, Qualit\u00e4t, Tempo und eine Kommentarfunktion. Seine Kund*innen sind demnach \u00e4u\u00dferst zufrieden mit seiner Arbeit, sie loben unter anderem seine Professionalit\u00e4t. \u201eEs ist sehr wichtig, dass ich gute Bewertungen bekomme. Das gibt mir Selbstvertrauen und ich bekomme mehr Kunden&#8221;, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Biscate erleichtert Kunden die Suche nach Dienstleistern<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Einer seiner Kunden ist Jo\u00e3o Paolo Meque. Er habe schon etliche Arbeiter \u00fcber Biscate gefunden, f\u00fcr alle Arbeiten, die zuhause so anfielen, erz\u00e4hlt er. Nicht immer sei die Erfahrung so gut gewesen, wie mit Mario Baptista. \u201eAber generell sind dort nur Leute registriert, die wirklich Arbeit brauchen und auch auf Qualit\u00e4t Wert legen. Sie wissen, dass sie bewertet und nach diesen Bewertungen ausgew\u00e4hlt werden&#8221;, sagt Meque. F\u00fcr Kunden wie ihn sei es dadurch wesentlich leichter, jemanden zu finden. Fr\u00fcher sei er auf die Empfehlungen aus seinem Bekanntenkreis angewiesen gewesen.<\/p>\n<p>Der 41-J\u00e4hrige arbeitet in einer Kurierfirma und parallel dazu auch selbst\u00e4ndig als Lieferfahrer. \u201eWenn ich selbst zu viel zu tun habe, buche ich einen Fahrer \u00fcber Biscate&#8221;, sagt er. Dadurch gehen ihm keine Auftr\u00e4ge verloren und er schafft Arbeit f\u00fcr andere. In schlechteren Zeiten hat die App auch schon genutzt, um selbst Jobs zu finden. \u201eAber zurzeit l\u00e4uft es so gut, dass ich es keinen Leerlauf gibt&#8221;, sagt Meque.<br \/>\nWeltbank bescheinigt das Wertsch\u00f6pfungspotenzial<\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/documents1.worldbank.org\/curated\/en\/933731622622709586\/pdf\/Study-of-the-Biscate-Jobs-Platform-in-Mozambique-World-Bank-Let-s-Work-Program-Mozambique.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie der Weltbank<\/a> aus dem Jahr 2021 belegt die positive Wirkung von Biscate: Demnach hat sich das monatliche Einkommen der befragten Arbeiter*innen nach der Registrierung im Durchschnitt mehr als verdoppelt. Au\u00dferdem tendierten Kund*innen nun eher dazu, einen Biscateiro anzuheuern, statt diese T\u00e4tigkeiten selbst zu erledigen. Laut den Autori*innen der Studie weisen diese Ergebnisse auf \u201edas Wertsch\u00f6pfungspotenzial der Plattform f\u00fcr die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt&#8221; in Mosambik hin.<\/p>\n<p>Das freut Tiago Borges Coelho nat\u00fcrlich, aber der 40-J\u00e4hrige \u00fcbt auch Kritik. Er h\u00e4lt nichts von einer \u201e\u00fcbertriebenen Erfolgsstory&#8221;, sondern mahnt dazu, realistisch zu bleiben. Daten seien f\u00fcr sein Team dazu da, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob etwas funktioniere oder nicht. \u201eAls wir uns diese Daten genauer angesehen haben, war klar, dass nicht etwa 70.000 Arbeiter ihr Einkommen verdoppelt, sondern 20 Prozent von ihnen das zehnfache verdient haben&#8221;. Sprich: nur ein kleiner Teil nimmt deutlich mehr Geld ein, f\u00fcr viele andere hat sich dagegen nichts oder kaum etwas ver\u00e4ndert. \u201eDas hei\u00dft, dass die Mehrheit nicht den vollen Nutzen aus unserer Plattform ziehen kann. Einerseits, weil es einfach nicht genug Arbeit f\u00fcr alle gibt, aber auch wegen der Biases der Algorithmen&#8221;, erkl\u00e4rt Borges Coelho.<\/p>\n<p><strong>Gerechtere Algorithmen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das System werde entsprechend st\u00e4ndig angepasst und verbessert. Als Beispiel nennt er die Tatsache, dass jene Arbeiter, die sich wie Mario Baptista schon vor Jahren registriert und entsprechend viele Bewertungen haben, ganz oben auf der Auswahlliste erscheinen. \u201eDer Bias besteht darin, dass Kunden sich eher f\u00fcr einen solchen Arbeiter entscheiden, als f\u00fcr einen am Ende der Liste&#8221;, sagt er. Sein Team arbeite nun daran, neuen Arbeitern eine gerechtere Chance zu geben. Sie k\u00f6nnten beispielsweise f\u00fcr einen gewissen Zeitraum auf einen oberen Listenplatz r\u00fccken, um besser sichtbar zu sein.<\/p>\n<p>Unter dem Strich sei sein Team aber nat\u00fcrlich sehr stolz auf das, was sie bereits erreicht h\u00e4tten. \u201eIn der Summe erhalten die registrierten Arbeiter*innen jedes Jahr etwa 1,2 Millionen US-Dollar \u00fcber unsere Plattform. Wenn man bedenkt, dass wir kein Betriebsbudget f\u00fcr Biscate haben, ist eine soziale Wirkung in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung durchaus eine Leistung&#8221;, sagt der UX-Co-Gr\u00fcnder.<\/p>\n<p><strong>Biscate konnte GIZ als Partner gewinnen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Firma ist nun dabei, die Plattform auszubauen. Zwar k\u00f6nnen sich bereits Arbeiter*innen im ganzen Land registrieren, allerdings nur rund um die urbanen Zentren. \u201eWir wollen auch informelle Arbeiter in l\u00e4ndlichen Gegenden erreichen. Unsere Strategie besteht darin, erstmal zu recherchieren, welche Bed\u00fcrfnisse die Menschen dort haben und welche Dienstleistungen f\u00fcr sie relevant sind&#8221;, sagt UX-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u00c9der Paulo. F\u00fcr dieses Vorhaben konnte die GIZ, die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit GmbH als Partner gewonnen werden. Alexandra Oppermann leitet im GIZ-B\u00fcro in Maputo im Auftrag der Bundesregierung ein <a href=\"https:\/\/www.giz.de\/de\/weltweit\/67975.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Projekt<\/a> zur F\u00f6rderung der Besch\u00e4ftigung von Jugendlichen im l\u00e4ndlichen Raum. Sie sei von der L\u00f6sung, die Biscate bietet \u201esofort sehr begeistert gewesen&#8221;, weil damit auch \u201eLeute unterst\u00fctzt werden, sich st\u00e4rker zu formalisieren und sich weiterzuentwickeln&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Die USSD-Technologie ist besonders breitenwirksam<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Pilotprojekt findet nun in den beiden Provinzen Sofala und Nampula statt. Die GIZ habe dort zun\u00e4chst eine Baseline-Studie durchgef\u00fchrt, erz\u00e4hlt Oppermann. Das Ergebnis: Weniger als 10 Prozent der Leute dort haben ein Smartphone und angesichts der Armut k\u00f6nnen sich viele kein Prepaid-Guthaben leisten. \u201eSie nutzen dann in erster Linie die Taschenlampe und den Taschenrechner ihres Smartphones&#8221;, so Oppermann.<\/p>\n<p>Hier kommt die USSD-Technologie ins Spiel. \u201eDas ist eine Technologie, die in der Breite sehr wirksam ist, weil sie auch mit einfachen Handys funktioniert&#8221;, betont Oppermann. Voraussetzung sei, \u201edass die Menschen einen Zugang zum Mobilfunknetz haben&#8221;. Das Pilotprojekt konzentriere sich daher auf l\u00e4ndliche Gebiete, die wachsen und in denen auch eine gewisse wirtschaftliche Aktivit\u00e4t herrsche.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind auf dem Land auch andere Dienstleistungen gefragt als in den St\u00e4dten. Die GIZ unterst\u00fctzt UX dabei herauszufinden, welche Services dort konkret funktionieren k\u00f6nnten. Als Beispiel nennt Oppermann das Zur\u00fcckschneiden von Cashew-B\u00e4umen, mit dem sich der Ertrag f\u00fcr die Kleinbauern steigert. Das sei ein \u201esehr guter Job f\u00fcr Jugendliche&#8221;, weil er leicht zu erlernen sei und trotz der Saisonalit\u00e4t einen relativ gro\u00dfen Markt habe. \u201eDa kommt Biscate als Plattform ins Spiel, damit Angebot und Nachfrage zueinander finden&#8221;, sagt Oppermann. Sie hofft, dass Jugendliche Biscate in Zukunft nutzen werden, um Besch\u00e4ftigungs- und Einkommensm\u00f6glichkeiten zu finden. UX-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Paulo spricht davon, das Angebot von derzeit 18 auf einhundert Berufsgruppen auszuweiten, die \u201eauf die Bed\u00fcrfnisse der Mehrheit informeller Arbeiter in Mosambik zugeschnitten sind&#8221;.<\/p>\n<p>\u201eArme Menschen wollen nicht wie Bettler behandelt werden&#8221;<\/p>\n<p>Diese Strategie zeichne vor Ort entwickelte L\u00f6sungen wie Biscate aus, f\u00fcgt Tiago Borges Coelho hinzu. \u201eEs \u00e4rgert mich, wenn gro\u00dfe, internationale Entwicklungsprogramme einfach annehmen, was die Leute brauchen, ohne sie zu konsultieren&#8221;. Indem man sie als Hilfsempf\u00e4nger und Beg\u00fcnstigte bezeichne, nehme man ihnen die M\u00f6glichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen. Anders verhalte es sich mit Unternehmen, die Produkte entsprechend der lokalen Bed\u00fcrfnisse entwickeln. \u201eSo bekommen die Leute genau das, was sie brauchen. Auch arme Menschen wollen Konsumenten sein. Sie wollen nicht wie Bettler behandelt werden&#8221;, betont er.<\/p>\n<p>Sein Team wolle zu einer entsprechenden Ver\u00e4nderung des Entwicklungssektors und der dort herrschenden Machtverh\u00e4ltnisse beitragen. Es k\u00f6nne nicht sein, dass internationale Hilfsorganisationen den Gro\u00dfteil ihres Budgets f\u00fcr Personal- und Reisekosten aufgeben w\u00fcrden. \u201eDiese NGOs verdienen viel Geld mit unserer Armut&#8221;, sagt Borges Coelho. Au\u00dferdem habe er als Mosambikaner ein anderes Interesse daran, dass sich die Lebensbedingungen seiner Landsleute verbesserten, als jemand, der nur f\u00fcr ein paar Jahre aus dem Ausland entsandt werde. Entscheidend sei am Ende die messbare Wirkung und wie nachhaltig die angesto\u00dfenen Ver\u00e4nderungen im Alltag seien.<\/p>\n<p>Entsprechend interessiert ist das UX-Team an direktem Feedback von Kund*innen und Arbeiter*innen, um Biscate weiter zu verbessern. Mario Baptista w\u00fcnscht sich beispielsweise eine Verbesserung der Kommentarfunktion. Denn immer wieder bek\u00e4me er auch Bewertungen von Leuten, f\u00fcr die er nie gearbeitet habe. Au\u00dferdem m\u00fcsse die Plattform besser beworben werden. \u201eViele Leute wissen davon nichts&#8221;, sagt Baptista. Dabei biete die App einen Weg aus der Armut. \u201eIch habe so viel verdient, dass ich ein Haus kaufen konnte&#8221;, sagt er stolz. Er bezahle es zwar noch ab, aber viele andere k\u00f6nnten davon nur tr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit st\u00e4rkt Frauen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6chin Minoca Adau Macucule betont, dass es vor allem f\u00fcr Frauen wichtig sei ihr eigenes Geld zu verdienen. \u201eEs ist schlecht, finanziell abh\u00e4ngig zu sein. Man muss dann um alles bitten, selbst wenn man nur etwas zu essen kaufen oder zum Friseur gehen will&#8221;, sagt Macucule. Sie konnte sich von ihrem Einkommen beispielsweise die K\u00fchltruhe leisten. Als n\u00e4chstes will sie in einen gr\u00f6\u00dferen Ofen investieren, um Backwaren wie Muffins anbieten zu k\u00f6nnen. \u201eMein Gesch\u00e4ft w\u00e4chst nach und nach. Manchmal habe ich so viele Auftr\u00e4ge, dass ich eine Freundin bitte, mir zu helfen. Das Geld teilen wir uns dann&#8221;, sagt sie.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nne sie sich in Zukunft sogar ein eigenes Team leisten und dann als Kundin andere Biscateiros besch\u00e4ftigen. Sie mache jedenfalls kr\u00e4ftig Werbung f\u00fcr die Plattform: \u201eIch sage, dass jeder, Frauen und M\u00e4nner sich registrieren k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen nicht f\u00fcr jemand anderes arbeiten, Jobs sind ja ohnehin schwer zu finden. Sie k\u00f6nnen \u00fcber Biscate Arbeit finden und selbstst\u00e4ndig Geld verdienen&#8221;. Ihre Erfahrung beweise, dass das m\u00f6glich sei. Macucule greift nach ihrer Tasche und den eingepackten Salgados, nimmt ihre kleine Tochter auf den Arm und macht sich auf den Weg zu ihrer Kundin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ver\u00f6ffentlicht am 26.05.2023, Riffreporter<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel ist Teil der Afrika-Reporter<\/em><em>&#8211;<\/em><a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/international\/lessons-africa-sdg-hunger-armut-bildung-technik-sammlung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Serie <\/em><\/a><em>&#8220;<\/em><em>Lessons from Africa&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>Das Projekt wurde gef\u00f6rdert von dem European Journalism Center, durch das Programm Solutions Journalism Accelerator. Dieser Fonds wird unterst\u00fctzt von der Bill und Melinda Gates Foundation. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":117976,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117971","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/64"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117976"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117971"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}