{"id":117972,"date":"2024-02-05T06:45:06","date_gmt":"2024-02-05T05:45:06","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=117972"},"modified":"2024-04-30T11:53:21","modified_gmt":"2024-04-30T10:53:21","slug":"internet-fuer-alle-ein-dorf-in-suedafrika-springt-ueber-die-digitale-kluft","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/internet-fuer-alle-ein-dorf-in-suedafrika-springt-ueber-die-digitale-kluft\/","title":{"rendered":"Internet f\u00fcr alle: Ein Dorf in S\u00fcdafrika springt \u00fcber die digitale Kluft"},"content":{"rendered":"<div>\n<div><em>Zenzeleni Community Networks ist der erste Internetanbieter in S\u00fcdafrika, der einer Kooperative geh\u00f6rt. Es baut und verwaltet sein eigenes Netzwerk. Die B\u00fcrger*innen haben einen preiswerten Zugang zum Internet und nutzen ihn f\u00fcr die Entwicklung ihrer Gemeinde.<br \/>\n<\/em><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens, wenn Nontsokolo Sigcau aufwacht, wirft sie zuerst einen Blick auf ihr Smartphone. Die Gro\u00dfmutter schaut nach, ob die Internet-Verbindung funktioniert. \u201eDas ist eine meiner Pflichten&#8221;, sagt sie. Denn auf ihrem Grundst\u00fcck ist der zentrale Hotspot ihres Dorfs installiert. \u201eWenn ich keinen Zugang habe, dann sind meine Nachbarn auch offline&#8221;, erkl\u00e4rt Sigcau. Und das seien sie lang genug gewesen.<\/p>\n<p><strong>Mankosi liegt in einer abgelegenen Region<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Sie tritt aus der T\u00fcr: Ihr Haus liegt auf einem der vielen H\u00fcgel von Mankosi, einer Gemeinde aus insgesamt 12 D\u00f6rfern an S\u00fcdafrikas Wild Coast. Etwa 5000 Menschen leben hier, Sigcaus Nachbarn wohnen weit verstreut in traditionellen, grasgedeckten Rundh\u00e4usern, teils erg\u00e4nzt durch modernere rechteckige H\u00e4user mit Blechd\u00e4chern. In der weiten Graslandschaft weiden K\u00fche, Bauern bewirtschaften kleine Felder. Bis zur n\u00e4chsten Teerstra\u00dfe ist es weit, unbefestigte Stra\u00dfen und Fu\u00dfpfade f\u00fchren durch die Gemeinde.<\/p>\n<p>Die Gegend geh\u00f6rt zu den \u00e4rmsten in S\u00fcdafrika. W\u00e4hrend der Apartheid war sie Teil des Homelands Transkei, aber auch nach der demokratischen Wende 1994 lie\u00df die erhoffte Entwicklung auf sich warten. Erst vor ein paar Jahren wurden die H\u00e4user an das Stromnetz angeschlossen, Wasser gibt es bis heute nur aus kommunalen H\u00e4hnen, die sich mehrere Haushalte teilen. Auch um ein Mobilfunksignal zu empfangen, musste man fr\u00fcher weit laufen, sagt Sigcau. \u201eDas waren dunkle Zeiten. Wir waren von der Welt abgeschnitten&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Zenzeleni bedeutet: Mach es selbst<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Aber das alles ist nun Geschichte. \u201eWir haben uns selbst geholfen&#8221;, sagt Sigcau und strahlt dabei \u00fcber das ganze Gesicht. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern hat sie <a href=\"https:\/\/zenzeleni.net\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Zenzeleni Community Networks<\/a> gegr\u00fcndet, den ersten Internetanbieter S\u00fcdafrikas, der einer Kooperative geh\u00f6rt und nicht, wie \u00fcblich, einem der gro\u00dfen Telekommunikationskonzerne. Zenzeleni bedeutet in der Sprache isiXhosa so viel wie \u201emach es selbst&#8221;.<\/p>\n<p>Vom Internet habe sie zu Beginn keinen Schimmer gehabt, erz\u00e4hlt Sigcau. Es sei eine \u201ewunderbare Erfindung&#8221;. Schlie\u00dflich k\u00f6nne man heute fast alles online erledigen.<\/p>\n<p>Sigcau brennt darauf, zu erkl\u00e4ren, wie ihr System funktioniert. Auf dem Dach des kleinen Ladens, der zu ihrem Grundst\u00fcck geh\u00f6rt, ist ein Solarpanel installiert, das den Hotspot mit Strom versorgt. Sigcau deutet auf eine runde Antenne an der Hauswand: \u201eSie empf\u00e4ngt das Signal von unserem Turm, leitete es an meinen Hotspot weiter und der teilt es dann mit meinen Nachbarn.&#8221; Das drahtlose Mesh-Netzwerk ihrer Kooperative besteht aus mehreren miteinander verbundenen sogenannten Knoten, die das Signal in der weitl\u00e4ufigen Ortschaft \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>Um die Instandhaltung des Netzwerks k\u00fcmmern sich die Dorfbewohner<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Sigcau betritt den kleinen Laden und geht an S\u00e4cken mit Maismehl und Plastikcontainern mit Speise\u00f6l vorbei in einen Lagerraum. In einer Holzkiste sind das Modem und die Batterien untergebracht, als Backup f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/international\/suedafrika-energiekrise-stromausfall-gesundheit-krankenhaus-loadshedding\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Stromausf\u00e4lle<\/a>, die in S\u00fcdafrika nahezu an der Tagesordnung sind. \u201eHier kann es manchmal einen Wackelkontakt geben, oder eine neue Batterie muss her&#8221;, sagt Sigcau. Wenn sie die Verbindung nicht wiederherstellen kann, ruft sie einen der drei Techniker ihres Netzwerks an.<\/p>\n<p>Sinethemba Lukozi ist einer von ihnen. Der 33-J\u00e4hrige ist an diesem Tag zur Inspektion ins rund 40 Kilometer entfernte Nomadola, zu einem der beiden Mobilfunkmasten des Netzwerks gefahren. Mit einem Seil gesichert, einen Helm auf dem Kopf, klettert er nach oben und pr\u00fcft die Kabelverbindungen. Das Signal wird vom Universit\u00e4tscampus in der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Stadt Mthatha \u00fcbertragen, dort ist das Netzwerk seit 2017 an das Glasfasernetz angeschlossen. Der Mast steht auf halber Strecke nach Mankosi hoch oben auf einem H\u00fcgel. \u201eDie Sichtverbindung ist f\u00fcr diese Art Netzwerk zentral&#8221;, erkl\u00e4rt Lukozi.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hat er im Lager eines Supermarkts in Mthatha gearbeitet. Dass er nun in seinem eigenen Dorf arbeiten und zu dessen Entwicklung beitragen kann, erf\u00fcllt ihn mit Stolz. \u201eUnsere Eltern hatten keine Bildungschancen und auch wir kaum. Unsere Kinder sollen sich in der digitalen Welt zurechtfinden. In der Stadt habe ich erfahren, wie wichtig das heutzutage ist&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Das Netzwerk bietet Fortbildungen und Perspektiven<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Zenzeleni Community Networks hat seine technische Grundausbildung bezahlt und schickt ihn auch regelm\u00e4\u00dfig zu Fortbildungen. Das ist Teil des Modells: Die achtk\u00f6pfige Kooperative, der Sigcau angeh\u00f6rt, k\u00fcmmert sich um Verwaltung, Betrieb und Instandhaltung des Netzwerks. Parallel dazu wurde eine Non-Profit-Organisation gegr\u00fcndet, die f\u00fcr Aus- und Weiterbildung zust\u00e4ndig ist, F\u00f6rdergelder eintreibt und als Interessensvertretung fungiert.<\/p>\n<p>Gerade erst sei er von einem sechsw\u00f6chigen Kurs in Kapstadt zur\u00fcckgekehrt, erz\u00e4hlt Lukozi. So etwas h\u00e4tte er fr\u00fcher nicht einmal zu tr\u00e4umen gewagt. \u201eIch lerne jeden Tag etwas Neues dazu, beispielsweise auch \u00fcber Buchf\u00fchrung. Das hat mir neue Zukunftsperspektiven er\u00f6ffnet&#8221;.<\/p>\n<p>Begonnen hat alles vor zehn Jahren mit einer Begegnung von zwei jungen M\u00e4nnern: dem lokalen Aktivisten Masibulele Jay Siya und dem spanischen Studenten <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Carlos-Rey-Moreno\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Carlos Rey Moreno<\/a>. Der studierte damals Informations- und Kommunikationstechnologien f\u00fcr Entwicklung, kurz ICT4D, an der University of the Western Cape und kam f\u00fcr eine Fallstudie nach Mankosi. \u201eIch habe Carlos gesagt, dass wir daran interessiert sind, aber nur wenn die lokale Bev\u00f6lkerung auch etwas davon hat&#8221;, erinnert sich Siya, der damals f\u00fcr eine lokale Entwicklungsorganisation arbeitete.<\/p>\n<p><strong>Das Netzwerk sollte vor allem preiswert sein<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>So entstand die Idee f\u00fcr den Aufbau eines eigenen Netzwerks, das zuverl\u00e4ssig und preiswert sein sollte. Damals habe man nur auf bestimmten H\u00fcgeln Mobilfunksignale empfangen und auch diese Verbindung sei nicht stabil gewesen, erz\u00e4hlt Siya. Zudem sind Telekommunikationskosten und Datenpreise in S\u00fcdafrika so teuer wie in kaum einem anderen afrikanischen Land. \u201eDie Kosten waren unerschwinglich f\u00fcr die Dorfbewohner&#8221;, sagt Siya. Sie betrugen damals \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/309379706_Alternatives_for_Affordable_Communications_in_rural_South_Africa_Innovative_regulatory_responses_to_increase_affordable_rural_access\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ein F\u00fcnftel ihres Einkommens<\/a>. Bis heute leben die meisten Einwohner von sozialen Beihilfen, wie Renten oder Kindergeld. Die wenigen vorhandenen Mobiltelefone wurden von allen genutzt: \u201eWer einen Anruf erwartet hat oder selbst anrufen wollte, musste mit den Besitzern vorher einen Termin ausmachen&#8221;, sagt Siya.<\/p>\n<p><strong>Die \u00e4ltere Generation war schneller \u00fcberzeugt als die j\u00fcngere <\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem waren l\u00e4ngst nicht alle Einwohner von Beginn an von der Idee eines Community-Netzwerks, ohne die Beteiligung eines der gro\u00dfen Telekommunikationskonzerne, \u00fcberzeugt. \u201eSo etwas gab es damals einfach noch nicht und die meisten glaubten auch nicht, dass es m\u00f6glich sei&#8221;, sagt Siya. \u00dcberraschenderweise war es die \u00e4ltere Generation, die ihn bei seinem Vorhaben unterst\u00fctzte. \u201eSie sagten mit ganz deutlich, dass sie zwar nichts von der Technologie verstehen, mir aber vertrauen und es probieren wollen, damit ihre Kinder und Enkel es einmal einfacher haben.&#8221;<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung dieses Community Netzwerks sei \u201ehistorisch&#8221; gewesen, betont Shaun Pather, ICT4D-Professor an der <a href=\"https:\/\/www.uwc.ac.za\/study\/all-areas-of-study\/departments\/department-of-information-systems\/overview\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">University of the Western Cape<\/a> und Vorsitzender von Zenzelenis Non-Profit-Organisation. Die s\u00fcdafrikanische Regierung habe zwar bereits 2007 einen Plan verabschiedet, mit dem der Mehrheit der B\u00fcrger ein \u201eEintritt ins Informationszeitalter&#8221; erm\u00f6glicht werden sollte. Aber es hapert wie so oft an der Umsetzung. Der letzten <a href=\"https:\/\/www.statssa.gov.za\/publications\/P0318\/P03182019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Erhebung der Statistikbeh\u00f6rde<\/a> zufolge hat in rund 63 Prozent der Haushalte zumindest eine Person Zugang zum Internet. Diese Zahl umfasst auch jene, die \u00f6ffentliche Hotspots nutzen. Einen Anschluss zuhause hat nur eine Minderheit, mehr als die H\u00e4lfte gehen \u00fcber ihr Mobiltelefon online.<\/p>\n<p><strong>Die digitale Kluft bleibt weiter tief<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit leiden Sch\u00e4tzungen zufolge 2,9 Milliarden Menschen, ein Drittel der Weltbev\u00f6lkerung, unter der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/agenda\/2022\/05\/how-to-counter-the-global-digital-divide\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">digitalen Spaltung<\/a>, obwohl 95 Prozent in der Reichweite eines mobilen Netzwerks leben. Zu einem universellen Zugang geh\u00f6re unter anderem auch, dass er erschwinglich sei, betont Pather. \u201eIch sch\u00e4tze, dass vor diesem Hintergrund etwa 60 Prozent der Haushalte in S\u00fcdafrika keinen Zugang haben. Denn auch wenn er prinzipiell m\u00f6glich ist, bleibt er bedeutungslos, wenn man ihn sich nur f\u00fcr eine kurze Zeit im Monat leisten kann&#8221;. Die hohen Kosten in S\u00fcdafrika erkl\u00e4rt er unter anderem mit Preisabsprachen unter den gro\u00dfen Telekommunikationskonzernen: \u201eSie machen Profite in urbanen Zentren, mit Kunden, die es sich leisten k\u00f6nnen. Es gibt f\u00fcr sie keinen Anreiz, sich auch um \u00e4rmere Gegenden wie Mankosi zu k\u00fcmmern&#8221;.<\/p>\n<p>Zenzeleni Community Networks war 2014 die erste Kooperative, die von der Regulierungsbeh\u00f6rde, Independent Communications Authority of South Africa (ICASA), eine Ausnahmegenehmigung erhielt. Die wenigen lokalen Unternehmen, darunter ein Backpackers-Hostel, haben Abos abgeschlossen, die Einwohner kaufen Voucher, die einen Monat g\u00fcltig sind. 25 Rand (ca. 1,40\u20ac) kostet die Flat-Rate, daf\u00fcr bekommt man bei den gro\u00dfen Anbietern nicht einmal 240MB. Ein weiterer Vorteil: Das Geld geht nicht an Konzerne, sondern bleibt in den D\u00f6rfern. Etwa 350 Voucher verkaufen die Mitglieder der Kooperative in Mankosi jeden Monat, in Ferienzeiten, wenn viele junge Leute im Dorf sind, verdoppelt sich diese Zahl nahezu. F\u00fcr je 20 Voucher erhalten die Verk\u00e4ufer 150 Rand (ca. 8,40\u20ac), der Rest wird in die Instandhaltung und die Wartung des Netzwerks investiert.<\/p>\n<p>Nachdem ein erschwinglicher Zugang zum Internet vorhanden ist, geht es darum, es auch f\u00fcr die Entwicklung der Gemeinde zu nutzen. Die University of the Western Cape begleitet das Projekt wissenschaftlich. Gerade sei eine Studie zu den Auswirkungen des Netzwerks abgeschlossen worden, erz\u00e4hlt Shaun Pather. Die Datenauswertung sei noch nicht abgeschlossen, aber eines stehe fest: \u201eDas Netzwerk kommt der Community zugute, etwa f\u00fcr die Verbesserung ihrer Lebensverh\u00e4ltnisse, der Suche nach Arbeitspl\u00e4tzen und der Kommunikation mit Regierungsbeh\u00f6rden&#8221;.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Schritt nach vorn sei die Einrichtung eines gemeinschaftlich genutzten solarbetriebenen Computerlabors, das vor rund einem Jahr mit Hilfe von Sponsorengeldern eingerichtet wurde. In der wissenschaftlichen Literatur sei gut belegt, dass ein solch kommunaler Ort den sozialen Zusammenhalt st\u00e4rke, betont Pather. Es gebe keine andere \u201eDorfgemeinschaft mit dieser Demografik in S\u00fcdafrika&#8221;, die einen erschwinglichen Zugang zum Breitband-Internet und nun auch ein solarbetriebenes Computer-Labor f\u00fcr die Ausbildung habe. \u201eDas ist historisch&#8221;, betont er.<\/p>\n<p>Das Computerlabor mit der Solaranlage auf dem Dach ist in einem Geb\u00e4ude samt umgebautem Schiffscontainer auf dem Gel\u00e4nde der \u00f6rtlichen Schule untergebracht &#8211; ein Kontrast zu der sonstigen Ausstattung, die wie in allen staatlichen Schulen mager ist, vor allem in l\u00e4ndlichen Regionen wie dieser. So gibt es beispielsweise keinen Sportplatz und nur Plumpsklos f\u00fcr die 595 Kinder der Klassen eins bis neun. Entsprechend gro\u00df ist die Begeisterung \u00fcber den neuen Computerraum.<\/p>\n<p><strong>Internet-Kompetenz wird ausgebaut<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Drinnen unterrichtet Yoleka Libalele ein paar Sch\u00fclerinnen. F\u00fcr die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung in Mankosi hat sie einen eigenen Kurs konzipiert, der \u201ebei Null&#8221; anf\u00e4ngt. \u201eMir ist aufgefallen, dass sie zwar Smartphones haben, aber ihr Wissen extrem begrenzt ist&#8221;, sagt Libalele. Zum Beispiel k\u00f6nnen sie zwar einen Link \u00f6ffnen, aber im Internet nicht gezielt nach Informationen suchen. Sie schauen sich Musik-Videos auf YouTube an, kennen aber die vielen digitalen Lernprogramme nicht. Auch Email-Programme sind neu f\u00fcr sie, bislang nutzten sie nur Kurznachrichtendienste. Denn einen eigenen Computer besitzen die wenigsten Familien in dieser Gegend.<\/p>\n<p>Konzentriert tippt die Siebtkl\u00e4sslerin Bulela Qatsi ein Bewerbungsschreiben in ein Textverarbeitungsprogramm. \u201eIch bin schon etwas schneller geworden. Zu Anfang sah es so aus, als w\u00fcrde ich Bohnen pfl\u00fccken&#8221;, erz\u00e4hlt sie etwas verlegen. Mittlerweile geht nicht nur das Tippen schneller, die Sch\u00fclerin kann Texte auch abspeichern und kennt die Grundlagen der Tabellenkalkulation. Das M\u00e4dchen strahlt \u00fcber das ganze Gesicht: \u201eMit diesen Kenntnissen kann ich mich bald f\u00fcr die weiterf\u00fchrende Schule bewerben und sp\u00e4ter vielleicht f\u00fcr die Universit\u00e4t. Und das alles Online, ohne, dass ich hinfahren muss&#8221;.<\/p>\n<p>Das spornt an. Schulleiter Vuyani Babala erz\u00e4hlt, dass sich der Notendurchschnitt seiner Sch\u00fcler verbessert hat, unter anderem in Englisch. Wer etwas nicht versteht, kann \u00dcbersetzungsprogramme im Internet nutzen, die mittlerweile auch f\u00fcr ihre Muttersprache isiXhosa existieren.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen profitieren von dem Computerlabor. \u201eUnsere Lehrer haben zwar vom Bildungsministerium Laptops erhalten, aber einige hatten bislang Ber\u00fchrungs\u00e4ngste&#8221;, erz\u00e4hlt Babala. Auch sie werden nun unterrichtet. Er selbst habe gerade erst gelernt, wie man Daten vor unberechtigtem Zugriff sch\u00fctzt und Passw\u00f6rter verwaltet.<\/p>\n<p>Das kleine Labor mit 11 Desktop-Computern und 20 Laptops ist also immer gut ausgelastet. Vormittags werden Sch\u00fcler*innen ab der f\u00fcnften Klasse im Rotationsprinzip unterrichtet, nachmittags und am Samstag steht es den Dorfbewohner*innen offen. Noch sei viel Unterst\u00fctzung notwendig, sagt Yoleka Libalele. Die h\u00e4ufigsten Anliegen: Kopien, Ausdrucke, Jobsuche im Internet und vor allem Online-Formulare zur Beantragung staatlicher Gelder. Fr\u00fcher mussten die Einwohner*innen aus Mankosi daf\u00fcr ins rund 70 Kilometer entfernte Mthatha fahren. Zwei Stunden lang \u00fcber \u00fcberwiegend unbefestigte Stra\u00dfen, f\u00fcr einen Fahrtpreis von 200 Rand (ca. 11\u20ac), der in etwa einem Zehntel der staatlichen Rente entspricht. Geld, das sie nun sparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ein Internet-Zugang kann Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferdem finden im Computer-Labor Kurse f\u00fcr all jene statt, die eine Gesch\u00e4ftsidee haben. Die 31-J\u00e4hrige Lisa Maliwa hat daran teilgenommen. Ihre Idee: Ein Catering-Service f\u00fcr gro\u00dfe Anl\u00e4sse im Dorf. Eine gute K\u00f6chin sei sie bereits, aber es gebe immer viel dazuzulernen: \u201eIch habe beispielsweise \u00fcber YouTube-Tutorials gelernt, wie man Muffins backt&#8221;. Zuvor kannte sie fast ausschlie\u00dflich traditionelle Gerichte. In dem Kurs hat sie auch gelernt, wie sie Einnahmen und Ausgaben kalkuliert und soziale Medien f\u00fcr die Werbung nutzen kann. Einen ersten Auftrag konnte sie bereits ergattern.<\/p>\n<p>Das Internet sei aber nicht nur etwas f\u00fcr junge Leute, betont Nontsokolo Sigcau. Mit anderen Mitgliedern der Kooperative bewirtschaftet sie ein Gem\u00fcsefeld, nur ein paar Meter entfernt, am Hang vor dem Computerraum. \u201eWenn die Ernte gut ausf\u00e4llt, machen wir ein Foto und verbreiten es \u00fcber Whatsapp oder soziale Medien&#8221;. Die lokalen Produkte seinen g\u00fcnstig, die Kunden k\u00e4men aus der Gegend. Sigcau schnipst mehrmals mit den Fingern, um zu verdeutlichen wie schnell Spinat, Bohnen und S\u00fc\u00dfkartoffeln ausverkauft sind.<\/p>\n<p>Heute arbeitet Sigcau jedoch nicht auf dem Feld, sie hat sich schick gemacht, denn das Labor wird ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme endlich feierlich eingeweiht. Durch die Covid-Pandemie hatte sich der Termin verschoben. Die alte Frau geht in eines der Klassenzimmer, in dem sich die Dorfbewohner versammelt haben, einige in Festkleidung, andere in Arbeitsklamotten und Gummistiefeln. Auch Professor Pather, Co-Gr\u00fcnder Siya, lokale Politiker und Vertreter der traditionellen Autorit\u00e4ten sind gekommen. Das Zenzeleni Community Network feiert an diesem Tag, was es bereits erreicht hat, mit Tanz, Gesang und vielen Ansprachen.<\/p>\n<p>Dabei steht auch die Nachhaltigkeit im Vordergrund, die Tatsache, dass es, wie Sigcau ausdr\u00fcckt \u201enichts f\u00fcr Mahala &#8220;, also umsonst gibt, damit das Netzwerk weiterwachsen kann. Ihre Kooperative hat einen Preis von 50 Rand (ca. 2,80\u20ac) im Monat f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler festgelegt, ein Computer-Kurs f\u00fcr Erwachsene kostet 350 Rand (knapp 20\u20ac), eine Stunde Internet 5 Rand und eine Fotokopie 1 Rand.<\/p>\n<p><strong>Es gibt nichts umsonst<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Teil der Dorfbewohner*innen verstehe jedoch nicht, warum sie etwas zahlen sollten, sagt Co-Gr\u00fcnder Jay Siya. Sie dachten, dass dem Projekt das Geld einfach zufliege, teilweise gibt es Neid und Misstrauen. \u201eSie waren an Projekte von au\u00dfen gew\u00f6hnt, die etwas kostenlos anbieten&#8221;. Das aber sei nicht nachhaltig, schlie\u00dflich m\u00fcssten Ger\u00e4te gewartet werden und Techniker bezahlt werden, die eine Familie zu ern\u00e4hren h\u00e4tten. \u201eBis heute haben das nicht alle verstanden. Millionen von S\u00fcdafrikanern sitzen zuhause und warten darauf, dass man ihnen Dinge umsonst gibt. Das ist ein Problem in unserer Gesellschaft&#8221;, sagt Siya.<\/p>\n<p>Die Regierung habe in der Bev\u00f6lkerung Erwartungen geweckt, die sie nicht erf\u00fclle, beispielsweise, Jobs zu schaffen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in S\u00fcdafrika, die selbst B\u00fcrger*innen mit Universit\u00e4tsabschl\u00fcssen betreffe, m\u00fcsse man die Dinge selbst in die Hand nehmen, betont Siya. Ziel des Netzwerks ist es, entsprechende Chancen zu er\u00f6ffnen. \u201eEs ist ein langsamer Prozess des Umdenkens, in Richtung einer Kreislaufwirtschaft&#8221;, so Siya.<\/p>\n<p><strong>Um nachhaltig zu sein, muss das Netzwerk wachsen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Da sich an der Preisgestaltung nichts \u00e4ndern soll, m\u00fcsse das Netzwerk weiterwachsen, betont Shaun Pather. Denn mit dem Verkauf von 25-Rand-Vouchern allein k\u00f6nne es sich nicht finanzieren. Etwa 15.000 Rand nimmt das Netzwerk monatlich ein, die Ausgaben sind ebenso hoch, f\u00fcr den Ausbau bleibt nichts \u00fcbrig &#8211; ein neuer Mast beispielsweise kostet das Zehnfache. \u201eBisher waren wir von F\u00f6rdergeldern abh\u00e4ngig, jetzt entwickeln wir ein richtiges Gesch\u00e4ftsmodell&#8221;, sagt Pather.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Entwicklung hat die Non-Profit-Organisation gerade eine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin eingestellt: Noxolo Mbokoma, eine ehemalige Investmentbankerin mit Wurzeln in der Ostkap-Provinz. Auch sie ist zu den Feierlichkeiten nach Mankosi gereist und betont: \u201eDie Zukunft liegt in Euren H\u00e4nden&#8221;. Sie will ihre Kontakte nutzen, um den notwendigen Ausbau des Netzwerks m\u00f6glich zu machen. Zentral seien eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite, mehr Hotspots und mehr Masten.<\/p>\n<p>2019 wurde mit Zithulele bereits eine zweite Gemeinde angeschlossen. Sie ist dichter besiedelt als Mankosi, mehr kleine Unternehmen sind dort ans\u00e4ssig, au\u00dferdem gibt es ein Krankenhaus, das ebenfalls Interesse signalisiert hat, an das Netzwerk angeschlossen zu werden. Schon jetzt werden dort mehr Abos und Voucher verkauft, als in Mankosi. \u201eMarketing wird nun wichtiger als je zuvor&#8221;, sagt Jay Siya, der sich gerade entsprechend weiterbildet. Dabei m\u00fcssten die Vorteile dieses Netzwerk im Vergleich zu jenen, die von au\u00dfen kommen, vermittelt werden. Die Tatsache, dass Zenzeleni Community Netzworks ein eigenst\u00e4ndiger Internetanbieter ist, sei nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen, betont Siya. \u201eEs bedeutet, dass wir wirklich frei sind. Dass wir erstmals die Kontrolle \u00fcber unsere eigene Entwicklung haben. Dass jedes Kind in dieser Gegend eine Chance bekommt, zu lernen, was es m\u00f6chte. Dass wir eine Stimme haben und endlich das Gef\u00fchl haben, dass wir Teil dieses Landes und der Welt sind&#8221;.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>In S\u00fcdafrika entstehen weitere Community Netzwerke<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika hat das Projekt bereits Nachahmer gefunden, in unterschiedlichen Regionen haben sich andere <a title=\"Link: https:\/\/www.researchgate.net\/figure\/Community-Networks-in-Africa_fig1_309291449\" href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/figure\/Community-Networks-in-Africa_fig1_309291449\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Community Networks<\/a> gegr\u00fcndet. \u201eIch bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben&#8221;, sagt Nontsokolo Sigcau. Sie habe in der Vergangenheit viele Projekte kommen und gehen sehen, aber Zenzeleni sei geblieben und wachse weiter. Fr\u00fcher galt die Gegend als r\u00fcckst\u00e4ndig, niemand habe sich f\u00fcr ihr Dorf und seine Bewohner interessiert, aber nun k\u00e4men Leute von \u00fcberall her, um zu lernen. Ihre Enkelin klettert auf ihren Schoss. \u201eSie wird es besser haben als wir. Sie kann studieren und muss daf\u00fcr nicht einmal wegziehen. Sie kann online lernen&#8221;, betont die Gro\u00dfmutter. Das sei all die harte Arbeit wertgewesen und das motiviere ihre Kooperative auch die n\u00e4chsten H\u00fcrden zu nehmen. Zenzeleni habe sie \u201evon der Dunkelheit ins Licht gef\u00fchrt&#8221;. Es sei ihr Erbe f\u00fcr die kommenden Generationen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ver\u00f6ffentlicht am 25.11.2022, Riffreporter.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel ist Teil der Afrika-Reporter<\/em><em>&#8211;<\/em><a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/international\/lessons-africa-sdg-hunger-armut-bildung-technik-sammlung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Serie <\/em><\/a><em>&#8220;<\/em><em>Lessons from Africa&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>Das Projekt wurde gef\u00f6rdert von dem European Journalism Center,<br \/>\ndurch das Programm Solutions Journalism Accelerator. Dieser Fonds wird<br \/>\nunterst\u00fctzt von der Bill und Melinda Gates Foundation. <\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":117977,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-117972","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/117972","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/64"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117977"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117972"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117972"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=117972"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}