{"id":118057,"date":"2024-02-05T14:07:34","date_gmt":"2024-02-05T13:07:34","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118057"},"modified":"2024-02-05T14:07:34","modified_gmt":"2024-02-05T13:07:34","slug":"neues-bildungsgesetz-in-spanien-die-vielsprachigkeit-steht-auf-dem-pruefstand","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/neues-bildungsgesetz-in-spanien-die-vielsprachigkeit-steht-auf-dem-pruefstand\/","title":{"rendered":"Neues Bildungsgesetz in Spanien &#8211; Die Vielsprachigkeit steht auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Eine Demo gegen das neue Bildungsgesetz in Barcelona. Auf der Pla\u00e7a de Francesc Maci\u00e0 fahren ein paar Dutzend Autos im Kreis. Manche halten Spanienfahnen aus den Fenstern, andere blaue Pappschilder mit der Aufschrift, &#8220;auch auf Spanisch&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Unsere Kinder haben das Recht, auf Spanisch unterrichtet zu werden, aber in Katalonien ist das nicht m\u00f6glich&#8221;, schallt es vom Band. Dann zuckelt der Tross im Schritttempo die Avinguda Diagonal, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, entlang. Die Stimme geh\u00f6rt Ana Losada. Sie hat die motorisierte Demo organisiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Proteste gegen das neue Bildungsgesetz<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass das neue Bildungsgesetz, das neunte in der Geschichte des demokratischen Spaniens, &#8220;Spanisch&#8221; nicht explizit als Unterrichtssprache erw\u00e4hnt, h\u00e4lt Losada f\u00fcr einen gravierenden R\u00fcckschritt einer ihrer Meinung nach ohnehin verfehlten Bildungspolitik:<\/p>\n<p>&#8220;Das neue Gesetz steht auf Seiten derjenigen, die das Spanische aus der Schule ausschlie\u00dfen m\u00f6chten. Dabei hatten viele gehofft, dass dieses Gesetz jetzt endlich die Rechte aller B\u00fcrgerinnen sch\u00fctzen w\u00fcrde, nicht nur der Katalanisch-, Baskisch- oder Galizisch-Sprechenden. Wir wollten ein Gesetz, das Spanisch im gleichen Ma\u00df wie die anderen offiziellen Sprachen Spaniens als Unterrichtsprache garantiert.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Spanien gibt der Staat zwar den Rahmen der Bildungspolitik vor, die konkrete Ausgestaltung aber obliegt den autonomen Regionen. Im zweisprachigen Katalonien werden seit den 1980er Jahren fast alle F\u00e4cher auf Katalanisch unterrichtet: Mathematik ebenso wie Geschichte oder Naturkunde. &#8220;Immersi\u00f3 Ling\u00fcistica&#8221; nennt sich dieses System, auf Deutsch etwa: Sprachbad. Dadurch sollte die w\u00e4hrend der Franco-Diktatur aus dem \u00f6ffentlichen Leben verbannte Regionalsprache wiederbelebt werden. Ziel ist, dass alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nach Ende der Schulpflicht beide Amtssprachen gleicherma\u00dfen beherrschen.<\/p>\n<p>Da sich das Katalanische im Vergleich zur Weltsprache Spanisch in der schw\u00e4cheren Position befindet, m\u00fcsse es besonders gef\u00f6rdert und gesch\u00fctzt werden, so der Grundgedanke. Das System gilt als Erfolgsmodell: Inzwischen sprechen 85 Prozent der katalanischen Bev\u00f6lkerung neben Spanisch auch Catal\u00e0, 65 Prozent &#8211; vor allem die J\u00fcngeren &#8211; geben an, die Sprache auch korrekt schreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Ana Losada, die mit ihren T\u00f6chtern zu Hause Spanisch spricht, f\u00fchlt sich durch diese Politik diskriminiert. &#8220;Als meine Tochter in die Vorschule kam, hat sie die Laute und Schreibweise nur auf Katalanisch gelernt. Fast alle Geschichten, das gesamte Vokabular war auf Katalanisch. Sie kam nach Hause und sagte: &#8220;Dieser Tisch ist nicht \u201arojo&#8217;, rot, sondern \u201avermell'&#8221;. Und ich habe gesagt: &#8220;Nein, dieser Tisch ist \u201arojo&#8217; und \u201avermell&#8217;: Die Zweisprachigkeit, die es in der Gesellschaft gibt, spiegelt sich in der Schule einfach nicht wider.&#8221;<\/p>\n<p>Ana Losada hat damals bei der Direktorin protestiert und erreicht, dass an der Schule ihrer Tochter ein Grundlagenfach auf Spanisch unterrichtet wird. Denn dies erm\u00f6glicht ein Grundsatzurteil des Verfassungsgerichts von 2010: Wenn Eltern es explizit w\u00fcnschen, muss mindestens ein Viertel des Stoffes auf Spanisch unterrichtet werden. Losada war die Einzige an der Schule, die mehr Spanisch forderte. &#8220;Im Elternchat hat man mich beleidigt und meine Tochter wurde fast ein Dreivierteljahr zu keinem Kindergeburtstag mehr eingeladen&#8221;,\u00a0erz\u00e4hlt\u00a0 Losada und schimpft: &#8220;Es geht doch nicht um die F\u00f6rderung des Katalanischen. Sie wollen einfach das Spanische verdr\u00e4ngen und unsere Kinder dazu zwingen, ausschlie\u00dflich eine Sprache zu sprechen, die nicht ihre Muttersprache ist. So kontrollieren sie auch die Inhalte: In katalanischen Schulen wird das Bild eines unterdr\u00fcckerischen Spaniens gezeichnet, das die Rechte der Katalanen immer wieder angreift und verletzt. Das geistige R\u00fcstzeug, das vermittelt wird, entfernt unsere Kinder vom Rest Spaniens.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>&#8220;Verletzung der Rechte aller Spanierinnen und Spanier&#8221;<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als &#8220;Dem\u00fctigung&#8221; und &#8220;Verletzung der Rechte aller Spanierinnen und Spanier&#8221; bezeichnet In\u00e9s Arrimadas, die Chefin der rechtsliberalen Ciudadanos, das neue Bildungsgesetz. Die Partei ist f\u00fcnftst\u00e4rkste Kraft im spanischen Parlament. Gegr\u00fcndet wurde sie 2006 in Katalonien &#8211; aus Protest gegen die katalanische Sprachpolitik.<\/p>\n<p>Als im spanischen Kongress im November vergangenen Jahres das Bildungsgesetz mit knapper Mehrheit angenommen wird, klopfen die Abgeordneten von Ciudadanos gemeinsam mit den Vertretern der konservativen Volkspartei und der rechtsextremen Vox auf die Tische. Einige skandieren &#8220;Freiheit&#8221;, &#8220;Freiheit&#8221;. Dass im neuen Gesetz &#8220;Spanisch&#8221; nicht mehr ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wird, ist zwar nur ein Nebenaspekt. Auch in Vorl\u00e4ufergesetzen fehlte der Hinweis auf die Sprache. Aber die w\u00fctenden Proteste der Opposition zeigen, wie sehr das Thema Sprache polarisiert.<\/p>\n<p>&#8220;In Katalonien k\u00f6nnen wir seit langem unsere Kinder nicht auf Katalanisch und Spanisch einschulen, weil wir in Spanien seit Jahrzehnten von Parteien regiert werden, die unsere sprachlichen Rechte nicht sch\u00fctzen&#8221;, so Arrimadas nach der Abstimmung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i><br \/>\n&#8220;Verletzungen der Sprachrechte der Katalaninnen und Katalanen&#8221;<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der katalanische Verein &#8220;Plataforma per la Llengua&#8221;, der sich als &#8220;NGO des Katalanischen&#8221; versteht, kontert solche Vorw\u00fcrfe mit dicken Dossiers, in denen er seinerseits die &#8220;Verletzungen der Sprachrechte der Katalaninnen und Katalanen&#8221; auflistet: Beschwerden \u00fcber Polizisten, die sich weigern eine Anzeige auf Katalanisch aufzunehmen. \u00dcber Unternehmen, deren Kundenbetreuung nur Spanisch spricht. Berichte \u00fcber Beleidigungen und Beschimpfungen, weil jemand Katalanisch gesprochen hat.<\/p>\n<p>Die Debatte ist nicht neu. Aber seit vor ein paar Jahren die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung zum bestimmenden Faktor der Politik wurde, hat sich der Ton versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Elvira Riera bedauert diese Entwicklung. Die Soziolinguistin hat die Sprachpolitik der Region von 2004 bis 2011 mitgestaltet und erinnert daran, dass urspr\u00fcnglich ein breiter gesellschaftlicher Grundkonsens \u00fcber das Schulmodell bestand. &#8220;Das System sollte in erster Linie die Benachteiligung von Kindern aus zugewanderten Familien verhindern. Denn die Kinder aus spanischsprachigen Familien, die aus dem Rest des Landes zugezogen waren, stammten meistens aus \u00e4rmeren Schichten als die katalanischsprachigen Familien, die schon seit Generationen hier lebten. Aber es ging nicht nur um soziale, sondern auch um nationale Rechte: Nach Francos Tod sollte Katalanisch wieder zur legitimen Sprache der Institutionen werden: Man war sich einig dar\u00fcber, dass das unverzichtbarer Bestandteil der Demokratisierung Spaniens sein musste. Die K\u00e4mpfe um soziale und nationale Rechte gingen also Hand in Hand.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch das ist lange her. Spanien hat seit 1978 eine demokratische Verfassung, Katalanisch ist &#8211; wie auch Baskisch und Galizisch &#8211; in den jeweiligen Regionen als Amtssprache l\u00e4ngst etabliert. Politische Debatten, Fernsehnachrichten, Rundschreiben \u00fcber neue Parkverordnungen, Schulzeugnisse: all das gibt es auf Euskera, Galego oder eben Catal\u00e0. Und gerade weil diese Sprachen von den Institutionen so gehegt und gepflegt werden, regt sich Widerstand gegen sie, glaubt Elvira Riera: &#8220;Weil Katalanisch l\u00e4ngst Teil des Systems ist, wird die Sprache eben nicht mehr mit dem Kampf um eine gerechte Sache in Verbindung gebracht. Und je mehr Katalanisch als Systemsprache wahrgenommen wird, desto st\u00e4rker verteidigen diejenigen, die sich damit nicht abfinden wollen, ihr Recht auf Einsprachigkeit.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt laut Riera im institutionellen Design und im Selbstverst\u00e4ndnis Spaniens. &#8220;Der spanische Staat hat sich immer nur mit einer Sprache identifiziert, mit &#8220;castell\u00e0&#8221;, mit Spanisch. Er hat seine Vielsprachigkeit nie als Teil seiner nationalen Identit\u00e4t begriffen.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Sprachpolitik als Identit\u00e4tspolitik<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Eine Sprache, eine Nation!&#8221; Beschreibt diese Formel Spaniens Selbstverst\u00e4ndnis? In der Verfassung ist das Verh\u00e4ltnis der Landessprachen untereinander in Artikel 3 definiert:<\/p>\n<p>&#8220;Kastilisch ist im ganzen Staat die offizielle spanische Sprache. Alle Spanier haben die Pflicht, sie zu kennen und das Recht, sie zu verwenden. Die anderen spanischen Sprachen sind in den jeweiligen autonomen Gemeinschaften gem\u00e4\u00df der jeweiligen Autonomiestatute ebenfalls offiziell. Die verschiedenen sprachlichen Modalit\u00e4ten Spaniens werden als Kulturgut respektiert und gesch\u00fctzt.&#8221;<\/p>\n<p>Kastilisch als eine von mehreren &#8220;spanischen Sprachen&#8221;, &#8220;verschiedene sprachliche Modalit\u00e4ten&#8221;: Die etwas schwammige Formulierung ist um Ausgleich bem\u00fcht und darum charakteristisch f\u00fcr die spanische Verfassung. In monatelangen Verhandlungen rang man nach Francos Tod um Kompromisse, die die Forderungen der Opposition erf\u00fcllen, zugleich die ehemaligen Unterst\u00fctzer der Diktatur nicht allzu sehr vor den Kopf sto\u00dfen sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Die Verfassungsv\u00e4ter haben darauf verzichtet, Spanisch einen besonderen Symbolcharakter als identit\u00e4tsstiftende Sprache zu geben. Das war die Antwort auf die damaligen Forderungen des katalanischen, baskischen und &#8211; in etwas geringerem Ma\u00df &#8211; auch des galizischen Nationalismus. Zugleich aber etabliert dieser Artikel die Vorherrschaft des Spanischen im ganzen Staatsgebiet. Es gibt eine ganz klare Hierarchie zwischen der Sprache, die alle kennen m\u00fcssen und nutzen d\u00fcrfen &#8211; und den anderen Sprachen, f\u00fcr die das nicht gilt&#8221;, sagt Jos\u00e9 del Valle, der als Hispanist an der City University New York zu Sprache, Nation, Identit\u00e4t forscht. Die autonomen Gemeinschaften kompensierten dieses Ungleichgewicht, in dem sie in den Autonomiestatuten ab 1979 die besondere Stellung der Regionalsprache als &#8220;lengua propia&#8221;, als &#8220;eigene Sprache&#8221; verankerten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor allem in Katalonien und im Baskenland, wo Parteien regierten, die sich Nation und Vaterland gro\u00df auf die Fahnen geschrieben hatten, gingen Sprach- und Identit\u00e4tspolitik ab da Hand in Hand. Sie wurden zum Hebel eigenstaatlicher Ambitionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Regionale Sprachen profitieren vom &#8220;Sprachbad&#8221;-Modell<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Folgt man den offiziellen Statistiken, profitierte zumindest die Sprache davon. Im Baskenland sprach Mitte der 1970er Jahre lediglich jeder F\u00fcnfte Euskera. Heute sind es \u00fcber 28 Prozent. F\u00fcr eine Sprache, die weder aus dem Romanischen noch einer anderen indogermanischen Sprachfamilie stammt, ein beachtlicher Erfolg. Im Baskenland k\u00f6nnen Eltern w\u00e4hlen, in welcher Sprache ihre Kinder unterrichtet werden sollen. Die Ikastolas, in denen &#8211; dem katalanischen Modell folgend &#8211; fast ausschlie\u00dflich auf Baskisch unterrichtet wird, sind am beliebtesten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anders in Galizien, wo seit Beginn der Demokratie fast ununterbrochen die konservative Volkspartei Partido Popular das Sagen hat. Vor zehn Jahren hat die Regionalregierung das &#8220;Sprachbad&#8221;-Modell abgeschafft. An den Schulen wird seitdem zur H\u00e4lfte auf der einen, zur anderen H\u00e4lfte auf der anderen Sprache unterrichtet. F\u00e4cher wie Mathematik oder Physik m\u00fcssen auf Spanisch unterrichtet werden. 44 Prozent der Jugendlichen geben inzwischen an, nie oder nur sehr selten Galego zu sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Die Sprachpolitik in Galizien ist eher von Selbsthass als von Selbstliebe gepr\u00e4gt. Man hat die Besonderheit Galiziens \u00fcber K\u00e4se und Wein, \u00fcber gastronomische Produkte vermittelt und wie w\u00e4hrend der Diktatur v\u00f6llig negiert, was unsere Identit\u00e4t als Land ausmacht. Viele Galizier haben ihre Kinder auf Spanisch erzogen, weil sie sich davon einen sozialen Aufstieg versprachen. Galizisch galt und gilt als Dorfsprache, als Sprache der Armen. Katalanisch dagegen war eine Sprache des B\u00fcrgertums&#8221;, sagt Guadi Galego. Die Musikerin dichtet und singt seit mehr als zwanzig Jahren in ihrer Muttersprache. F\u00fcr ihr in allen Sprachen der iberischen Halbinsel gesungenes Album &#8220;Immersion&#8221; erhielt sie letztes Jahr einen Preis f\u00fcr die &#8220;F\u00f6rderung der vielsprachigen Wirklichkeit Spaniens&#8221;.<\/p>\n<p>Verliehen wird die Auszeichnung nicht vom Kulturministerium, sondern von den mehrsprachigen autonomen Gemeinschaften. Spanien hat zwar bereits 1992 die Europ\u00e4ische Charta zum Schutz der Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet. In vielen Aspekten aber verstehen sich nicht Staat oder Regierung, sondern die Regionen als Garant f\u00fcr Spaniens Sprachenvielfalt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Madrid oder Barcelona tritt Guadi Galego meist vor einem kleinen, treuen Stammpublikum auf. Viele Veranstalter scheuten sich, sie einzuladen, weil sie eben nicht auf Spanisch oder einer anderen Weltsprache wie Englisch oder Franz\u00f6sisch singt. &#8220;So ist nun einmal der Markt&#8221;, sagt Galego: Um dessen Regeln zu \u00e4ndern, brauche es politischen Willen. Doch der fehle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Spanisch gilt als n\u00fctzlicher<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Soziolinguisten Jos\u00e9 del Valle ist das bezeichnend. Auch in den Debatten um die Sprach- und Schulpolitik taucht immer wieder der Marktwert der Sprache auf:\u00a0 &#8220;Der spanische Sprachnationalismus geht nicht mehr wie im 19. Jahrhundert von der strukturellen \u00dcberlegenheit des Spanischen aus, sondern von dessen N\u00fctzlichkeit. Weil so viele Menschen auf der ganzen Welt Spanisch sprechen, ist es den anderen Sprachen \u00fcberlegen. F\u00f6rdert man Katalanisch, Baskisch und Galizisch, geht das &#8211; so das falsche Argument &#8211; auf Kosten des Spanischen. Und das widerspreche dem Gemeinwohl.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die verfassungsrechtliche Vormachtstellung des Spanischen und eine Unterteilung in n\u00fctzliche und unn\u00fctze Sprachen im \u00f6ffentlichen Diskurs: F\u00fcr Jos\u00e9 del Valle ist das Teil des Problems. Dass sich durch das neue Bildungsgesetz daran etwas \u00e4ndert, glaubt er nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Wir sind stolz auf unsere Sprachen. F\u00fcr uns sind sie Ausdruck der Einheit und nicht Grund f\u00fcr Spaltung.&#8221; Mit diesen Worten verteidigte Mar\u00eda Luz Mart\u00ednez Seijo von den spanischen Sozialisten das neue Gesetz im November. Die spanische Linksregierung sieht es auch als Zugest\u00e4ndnis an die Vielsprachigkeit des Landes. Doch um diese Vielsprachigkeit tats\u00e4chlich als Wert zu verankern, brauche es sehr viel mehr, so del Valle.<\/p>\n<p>&#8220;Spaniens Zivilgesellschaft muss ein neues Bewusstsein f\u00fcr den Wert seiner Vielsprachigkeit entwickeln. F\u00fcr einen Andalusier, eine Andalusierin darf es nicht mehr unvorstellbar sein, Baskisch oder Katalanisch oder Galizisch zu lernen. Und wie erreicht man so einen Bewusstseinswandel? Nat\u00fcrlich \u00fcber die Bildung. In den Lehrpl\u00e4nen im gesamten Land m\u00fcsste die Vielsprachigkeit Thema sein.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Ansicht ist auch Merc\u00e8 Vilarrubias. Die Sprachwissenschaftlerin aus Barcelona fordert ein spanienweites Sprachgesetz. Der Staat, nicht die autonomen Gemeinschaften m\u00fcssten die Sprachpolitik gestalten. Um die Sprache zu entideologisieren, m\u00fcsse man sie dem Zugriff der nationalistischen Parteien entziehen. Das hat Vilarrubias, selbst katalanische Muttersprachlerin, in ihrer Heimat einiges an Kritik eingebracht. &#8220;In Spanien sind Nationalismen linguistische Nationalismen: Die Sprache ist es, die uns voneinander unterscheidet. Das haben sich die nationalistischen Parteien zunutze gemacht. Die Staatseliten stammen eben \u00fcberwiegend aus Madrid. Sie sprechen nur Kastilisch und kennen sich mit dem Thema nicht aus. Daher haben sie vers\u00e4umt, einen eigenen Diskurs zu entwickeln.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viersprachige Beschilderung aller staatlichen Geb\u00e4ude, Staatsakte, die grunds\u00e4tzlich mit Worten in allen offiziellen Sprachen beginnen &#8211; das w\u00e4ren f\u00fcr Vilarrubias Ansatzpunkte f\u00fcr einen bewussteren Umgang. Doch allein bei Symbolpolitik d\u00fcrfe es nicht bleiben.<\/p>\n<p>&#8220;Vor allem aber brauchen wir ein Schulfach, in dem die sprachliche Vielfalt des Landes gezeigt wird &#8211; nicht als Problem, sondern als Reichtum, als Wert unseres Landes.&#8221;<\/p>\n<p>Der Streit um Spaniens Sprachen; er muss auch da beigelegt werden, wo er am lautesten ausgefochten wird &#8211; in der Schule. Bisher sind es nur wenige, die in dem polarisierten Land Spaniens Vielsprachigkeit als gemeinsamen Wert verteidigen. Doch immerhin: Es gibt diese Stimmen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118057","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118057"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}