{"id":118058,"date":"2024-02-05T13:46:39","date_gmt":"2024-02-05T12:46:39","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118058"},"modified":"2024-02-05T13:46:39","modified_gmt":"2024-02-05T12:46:39","slug":"eintrittsgeld-fuer-die-wolkenstadt-tomas-saraceno-in-barcelona","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/eintrittsgeld-fuer-die-wolkenstadt-tomas-saraceno-in-barcelona\/","title":{"rendered":"Eintrittsgeld f\u00fcr die Wolkenstadt? Tomas Saraceno in Barcelona"},"content":{"rendered":"<div>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-118058-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/weltreporter.net\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/eintrittsgeld_fuer_die_wolkenstadt_tomas_saraceno_in_dlf_20220421_1525_a0521a0e.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/weltreporter.net\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/eintrittsgeld_fuer_die_wolkenstadt_tomas_saraceno_in_dlf_20220421_1525_a0521a0e.mp3\">https:\/\/weltreporter.net\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/eintrittsgeld_fuer_die_wolkenstadt_tomas_saraceno_in_dlf_20220421_1525_a0521a0e.mp3<\/a><\/audio>\n<\/div>\n<p>Ganz oben im 130 Meter hohen z\u00e4pfchenf\u00f6rmigen Wolkenkratzer Torre<br \/>\nGl\u00f2ries spannt sich ein Netz aus Drahtseilen in denen halbtransparente,<br \/>\nbegehbare Kapseln h\u00e4ngen. Pfade aus Strickleitern f\u00fchren durch das Gespinst von<br \/>\nPolyedern. Die Arbeiter werkeln, Tom\u00e1s Saraceno lungert auf einem<br \/>\nKunststoffkissen am Boden und philosophiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8220;Die Spinne: Wo beginnt und wo endet ihr K\u00f6rper? Ich stelle mir<br \/>\ngerne vor, dass auch das Netz zum K\u00f6rper der Spinne geh\u00f6rt. Das l\u00e4sst sich<br \/>\nnat\u00fcrlich \u00fcbertragen: Unser K\u00f6rper, unsere Verantwortung f\u00fcr unser Handeln,<br \/>\nendet ja auch nicht an unserem physischen K\u00f6rper.&#8221; <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bereits in seinem Berliner Cloudcities-Projekt spielten<br \/>\nNaturmetaphern eine Rolle. Hier lie\u00df der Argentinier seine Besucher in seifenblasenartigen<br \/>\nBiosph\u00e4ren schweben. In Aerocene Pacha erhebt sich eine Pilotin in einem<br \/>\nschwarzen, nur von der Sonne erw\u00e4rmten Hei\u00dfluftballon \u00fcber der argentinischen<br \/>\nSalzw\u00fcste. Die Bereitschaft, den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren, geh\u00f6rt f\u00fcr<br \/>\nSaraceno dazu. Denn Perspektivwechsel funktionierten nur, wenn man seinen<br \/>\nStandpunkt \u00e4ndert. Und eine neue Sicht auf die Welt sei nun einmal zwingend<br \/>\nnotwendig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8220;Es gibt Kulturen, die die Natur nur als Ressource f\u00fcr sich selbst<br \/>\nnutzen, und Kulturen, die sich als Teil des Ganzen sehen. Der wei\u00dfe, westliche,<br \/>\npatriarchalische und kapitalistische Mensch muss wieder lernen zu verstehen,<br \/>\nwie dieses Netz des Lebens gewebt ist.&#8221; <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitalismuskritik im Zentrum des Kapitalismus. Die Torre Gl\u00f2ries,<br \/>\nin dem Saraceno sein begehbares Netz weben l\u00e4sst, geh\u00f6rt dem b\u00f6rsennotierten<br \/>\nUnternehmen Merlin Properties, einem der Auftraggeber des Projekts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8220;Oh,<br \/>\nviste d\u00f3nde estamos? En el imperio capitalista del muuundo! D\u00f3nde mejor que<br \/>\nhacerlo!&#8221; <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kein Platz w\u00e4re passender f\u00fcr sein Projekt als dieser, sagt Tom\u00e1s<br \/>\nSaraceno. In Museen predige er in der Regel vor Gleichgesinnten, aber mit<br \/>\ndieser Auftragsarbeit erreiche er eine ganz andere Klientel: Unternehmer aus<br \/>\nBarcelonas hippem New-Economy-Viertel, Touristen auf der Jagd nach<br \/>\ninstagram-tauglichen Spots.\u00a0 Dann steht<br \/>\ner auf, verabschiedet sich von einem \u201eSe\u00f1or Merlin\u201c. Der wei\u00dfhaarige Herr hei\u00dft<br \/>\nnicht wirklich so, aber er ist hier zweifellos einer der Chefs. Saraceno<br \/>\nseufzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8220;Ich habe den ganzen Morgen damit verbracht, zu erkl\u00e4ren, wie wir<br \/>\ndiesen Ort in einen allen zug\u00e4nglichen Raum verwandeln k\u00f6nnen. Keiner von uns<br \/>\nbraucht doch irgendwelche Eintrittsgelder! Wir k\u00f6nnten diesen Ort doch der<br \/>\nStadt schenken! Sie haben mich angeguckt und den Kopf gesch\u00fcttelt, wegen der<br \/>\nSponsoren, der Partner.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eintrittsgelder! Wie bei der Sagrada Familia! Ein Unding, findet<br \/>\nder K\u00fcnstler. Er redet sich in Rage und wirkt dabei ein wenig wie die Fliege,<br \/>\ndie im klebrigen Netz der Geldgeber zappelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8220;Zumindest die Anwohner sollten doch diesen Platz nutzen k\u00f6nnen!<br \/>\nMan k\u00f6nnte Quoten festlegen: 90 Prozent der Besucher m\u00fcssen aus Barcelona<br \/>\nstammen! Das w\u00e4re doch auch die Chance f\u00fcr einen nachhaltigeren Tourismus. Wir<br \/>\nk\u00f6nnen es uns doch eigentlich gar nicht mehr leisten, von einem Ort zum anderen<br \/>\nzu jetten, um Touristenattraktionen zu besichtigen. Wie sollen wir denn mit<br \/>\ndiesem Lebensstil die Arten sch\u00fctzen?&#8221; <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie hoch der Eintritt f\u00fcr Cloud Cities Barcelona sein wird, ist<br \/>\nwenige Wochen vor Einweihung noch offen (25 Euro, Stand 26.4.). Saraceno hat es immerhin geschafft,<br \/>\nein monatliches Kontingent an Gratis-Tickets f\u00fcr sozial Schwache auszuhandeln.<\/p>\n<p>Der Aufzug rumpelt hundert Meter in die Tiefe. Die Pressefrau<br \/>\nf\u00fchrt noch schnell durch den k\u00fcnftigen Museumsshop, in dem es B\u00fccher und, so<br \/>\nsagt sie \u201eanspruchsvolle Souvenirs\u201c geben wird, zur Abrundung der \u201eExperience<br \/>\nauf Barcelonas bestem Aussichtsspot\u201c. Tom\u00e1s Saraceno h\u00f6rt das nicht. Er bleibt<br \/>\nlieber oben, in seiner Wolkenstadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118058","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118058","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118058"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}