{"id":118064,"date":"2024-02-05T14:02:51","date_gmt":"2024-02-05T13:02:51","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118064"},"modified":"2024-02-05T14:02:51","modified_gmt":"2024-02-05T13:02:51","slug":"terrorgruppe-eta-der-lange-weg-zum-frieden-im-baskenland","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/terrorgruppe-eta-der-lange-weg-zum-frieden-im-baskenland\/","title":{"rendered":"Terrorgruppe ETA &#8211; Der lange Weg zum Frieden im Baskenland"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Jahrzehntelang versetzte die ETA Spanien in Angst und Schrecken &#8211; bis zum wegweisenden Waffenstillstand vor 10 Jahren. 2018 schliesslich zwang auch die baskische Zivilgesellschaft das Ende des Terrors herbei, und die ETA l\u00f6ste sich auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Gorka Landaburu am 15. Mai 2001 die Morgenpost \u00f6ffnete, zerfetzte eine Sprengstoffladung mehrere Fingerglieder an beiden H\u00e4nden. Auch sein Geh\u00f6r und ein Auge wurden gesch\u00e4digt. Die Terrororganisation ETA (&#8220;Euskadi ta Askatasuna&#8221;, baskisch f\u00fcr &#8220;Baskenland zur Freiheit&#8221;) hatte dem baskischen Journalisten eine Briefbombe geschickt, nachdem dieser in seinen Artikeln immer wieder das Morden der separatistischen Organisation verurteilte.<\/p>\n<p>Noch aus dem Krankenhaus wandte er sich damals an die Terroristen: &#8220;Wenn ihr mich zum Schweigen bringen wollt, h\u00e4ttet ihr meine Zunge abschneiden m\u00fcssen. Ich bleibe im Baskenland, bis Frieden herrscht.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kann Terror mit Gewalt beendet werden?<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Worte hatten eine doppelte politische Botschaft. Denn Landaburu arbeitete damals nicht nur als Journalist, sondern geh\u00f6rte auch zu den Aktivistinnen und Aktivisten der Initiative &#8220;Gesto por la paz&#8221; (&#8220;Geste f\u00fcr den Frieden&#8221;). Jedes Mal, wenn die ETA wieder zugeschlagen hatte, rief Landaburu dazu auf, in der \u00d6ffentlichkeit den Toten und Verletzten zu gedenken &#8211; schweigend, ohne politische Parolen, ohne Parteiabzeichen.<\/p>\n<p>Die \u00dcberzeugung dahinter: Terror endet nur, wenn beide Seiten auf Gewalt verzichten. &#8220;Wie die Ameisen haben wir daf\u00fcr gearbeitet, dass sich diese Erkenntnis im Baskenland durchsetzt&#8221;, erz\u00e4hlt der Journalist heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gewaltfrei dank starker Zivilgesellschaft<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zeit hat ihm Recht gegeben: Die ETA ist heute Geschichte. Zwar hatten auch jahrzehntelange Polizeiarbeit und juristische Verfolgung den Apparat der separatistischen Untergrundorganisation geschw\u00e4cht. In erster Linie aber zwang die baskische Zivilgesellschaft das Ende des Terrors herbei, indem sie der Gewalt den Boden entzog. &#8220;Wir haben gelernt, dass wir uns \u00fcber alle ideologischen Grenzen hinweg verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, solange wir auf Gewalt verzichten&#8221;, erkl\u00e4rt der Aktivist Paul R\u00edos. &#8220;An diesem Grundkonsens r\u00fcttelt heute so gut wie niemand mehr.&#8221;<\/p>\n<p>R\u00edos war in den 1990er-Jahren Sprecher der Organisation Elkarri und Koordinator ihrer Nachfolgerin Lokarri. Den Initiativen gelang es, Vertretende fast aller Parteien zu Gespr\u00e4chen zusammenzubringen. Auch Vertreterinnen und Vertreter der ETA-Sympathisierenden, die linksnationalistischen Izquierda Arbetzale, waren mit dabei.<\/p>\n<p>Zwar scheiterten die drei damals initiierten Friedensinitiativen. Aber sie liessen das politische Umfeld der Terrororganisation erkennen, dass f\u00fcr Gewalt als Mittel der Politik kein Platz mehr war. &#8220;Um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, musste das politische Umfeld der ETA schliesslich seine Strategie \u00e4ndern&#8221;, so R\u00edos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ETA delegitimiert sich selbst<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als einer der Wendepunkte gilt der Mord an Miguel \u00c1ngel Blanco im Juli 1997. Die ETA hatte den 29-j\u00e4hrigen Politiker der konservativen Volkspartei entf\u00fchrt, um die R\u00fcckf\u00fchrung s\u00e4mtlicher inhaftierter Militanten ins Baskenland zu erzwingen. Nach Ablauf einer 48-st\u00fcndigen Frist t\u00f6teten die Entf\u00fchrenden ihre Geisel mit einem doppelten Kopfschuss.<\/p>\n<p>Hatten fr\u00fcher viele aus Angst oder aus Sympathie f\u00fcr den Traum von der Unabh\u00e4ngigkeit geschwiegen, protestierten nun auch im Baskenland Hunderttausende gegen den Terror. Die ETA habe sich sukzessive selbst delegitimiert, stimmen Landaburu und R\u00edos \u00fcberein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann endlich: die Aufl\u00f6sung<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwar bem\u00fchten sich auch die unterschiedlichen Regierungen in Madrid um ein Ende des Terrors. Letztlich aber f\u00fchrten weder die unter Felipe Gonz\u00e1lez begonnenen Geheimverhandlungen noch die Null-Toleranz-Politik von Jos\u00e9 Mar\u00eda Aznar oder der Anti-Terror-Pakt zum Erfolg: Die ETA l\u00f6ste sich am 3. Mai 2018 selbst auf.<\/p>\n<p>Das Vorfeld daf\u00fcr bot die internationale Friedenskonferenz unter Leitung des ehemaligen UN-Generalsekret\u00e4rs Kofi Annan. F\u00fcnf Friedensnobelpreistr\u00e4ger riefen die ETA im Oktober 2011 dazu auf, die Gewalt einzustellen. Drei Tage nach Abschluss verk\u00fcndete die Terrororganisation einen unbefristeten Waffenstillstand.<\/p>\n<p>Die damals verabschiedete Marschroute sah abschliessende Verhandlungen zwischen ETA-Vertretenden und der spanischen Regierung vor. Wegen eines Regierungswechsels kam es nie dazu. Bis die Organisation den Beh\u00f6rden Waffen, Patronen und drei Tonnen Sprengstoff aush\u00e4ndigte, sollten noch sechs weitere Jahre vergehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der baskische Sonderweg &#8211; ein Erfolgsmodell?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Unser Friedensprozess war vielleicht langwieriger und komplexer als der vergleichbarer Konflikte, aber genau das ist seine St\u00e4rke&#8221;, glaubt Paul R\u00edos. Der Aktivist und Friedensforscher verweist auf Studien, nach denen 65 Prozent der Friedensabkommen scheitern, wenn allein Regierungsvertretende mit den Terroristen verhandeln. &#8220;Je st\u00e4rker die Zivilgesellschaft beteiligt ist, desto stabiler das Ergebnis.&#8221;<\/p>\n<p>Auch Gorka Landaburu, der die Gewalt der ETA am eigenen Leib erfahren hat, ist vom Erfolg des baskischen Sonderwegs \u00fcberzeugt. &#8220;Wir m\u00f6gen uns heute dar\u00fcber streiten, wie der Opfer und T\u00e4ter des Konflikts gedacht werden soll. Aber alle sind sich dar\u00fcber klar, dass sich diese Gewalt nie mehr wiederholen darf.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118064","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118064"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}