{"id":118067,"date":"2024-02-05T14:06:21","date_gmt":"2024-02-05T13:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118067"},"modified":"2024-02-05T14:06:21","modified_gmt":"2024-02-05T13:06:21","slug":"spanien-macho-land-von-wegen","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/spanien-macho-land-von-wegen\/","title":{"rendered":"Spanien: Macho-Land? Von wegen!"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>\u00a0Ein Mann folgt einer Frau mit wenigen Metern Abstand. Anz\u00fcglich kommentiert er ihren K\u00f6rper, stellt ihr mit &#8220;Ts, ts, ts&#8221;-Rufen nach. Sie verschnellert den Schritt. Was in Deutschland unangenehmer Alltag f\u00fcr viele Frauen ist, ist in k\u00fcnftig strafbar: Als sexuelle Bel\u00e4stigung kann die Frau sein Verhalten zur Anzeige bringen. Das Gesetzespaket zur &#8220;sexuellen Freiheit&#8221; versch\u00e4rft auch das Sexualstrafrecht an entscheidender Stelle: Wenn ein Mann mit einer Frau Sex hat, die nicht eindeutig zustimmt, vergewaltigt er sie. In Spanien gilt nun also: Nur Ja hei\u00dft Ja. Bisher erkannten Richter in F\u00e4llen, in denen sich M\u00e4nner an Frauen vergingen, die unter Drogeneinfluss standen oder unerw\u00fcnschten Sex ver\u00e4ngstigt \u00fcber sich ergehen lie\u00dfen, oft nur &#8220;sexuellen Missbrauch&#8221;.<\/p>\n<p>Als Meilenstein in Sachen Frauenrechte feierte Spaniens Gleichstellungsministerin Irene Montero das Gesetz. Bereits Mitte Mai hatte die Regierung einen Gesetzentwurf verabschiedet, der eine Krankschreibung bei starken Menstruationsbeschwerden erleichtern soll. Ein Vorsto\u00df mit Signalwirkung: Spanien w\u00e4re das erste europ\u00e4ische Land mit einem solchen Gesetz.<\/p>\n<p>Das s\u00fcdeurop\u00e4ische Land ist immer wieder Vorreiter in Sachen Frauenrechte. Der Ansatz: Was im Bett, was in Wohn- oder Schlafzimmer oder auf der Stra\u00dfe zwischen Mann und Frau passiert, ist keine Privatsache, sondern eine politische Angelegenheit. W\u00e4hrend es in Deutschland f\u00fcr Debatten sorgt, wenn eine Au\u00dfenministerin ihre Politik als &#8220;feministisch&#8221; bezeichnet, hat sich Spanien die St\u00e4rkung der Frauenrechte schon seit Langem auf die Fahne geschrieben. Dass ausgerechnet ein Land, das in der Vorstellungswelt vieler Mitteleurop\u00e4er immer noch als katholisches Macho-Land firmiert, Ernst macht mit feministischer Politik, ist kein Widerspruch: Spaniens Frauen haben sich ihre Rechte \u00fcber Jahrzehnte so hart erk\u00e4mpfen m\u00fcssen, dass sie sie sich jetzt nicht mehr nehmen lassen.<\/p>\n<p>In Deutschland wird Gewalt gegen Frauen durch Schlagw\u00f6rter und -zeilen wie &#8220;Beziehungsdrama&#8221;(M\u00e4rkische Oderzeitung) oder &#8220;Musste sie sterben, weil sie die Scheidung wollte?&#8221; (BILD, BZ) immer noch in die pers\u00f6nliche, individuelle Sph\u00e4re eingeordnet. In Spanien hingegen gilt Gewalt gegen Frauen seit fast zwei Jahrzehnten als strukturelles, und damit als gesamtgesellschaftliches Problem. Bereits 2004 verabschiedete das Madrider Parlament einstimmig ein Gesetz zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. &#8220;Das so zu benennen, war ein mutiger Schritt, der uns europaweit zum Vorbild gemacht hat&#8221;, sagt Luc\u00eda Avil\u00e9s, Expertin f\u00fcr Frauenrechte und leitende Richterin am Zweiten Strafgericht in Matar\u00f3. Spezialgerichte k\u00fcmmern sich seit der Verabschiedung des Gesetzes um die Verurteilung von kleineren Delikten wie Beleidigungen sowie die Ermittlung bei schwereren Taten. In Strafprozessen gilt der Grundsatz: Verletzt oder t\u00f6tet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin, dann wird das h\u00e4rter bestraft, als wenn zwei M\u00e4nner sich pr\u00fcgeln oder eine Frau einen Mann t\u00f6tet.<\/p>\n<p>Bis zu 50-mal h\u00e4tten Juristen damals pr\u00fcfen lassen, ob die sch\u00e4rfere Bestrafung der m\u00e4nnlichen T\u00e4ter den Gleichheitsgrundsatz verletze, erkl\u00e4rt die Richterin Avil\u00e9s. In einem Grundsatzurteil von 2008 befand das <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/verfassungsgericht\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Verfassungsgericht<\/a>: Nein, das sei keine Diskriminierung von M\u00e4nnern. Schlie\u00dflich werde so lediglich eine strukturelle Ungerechtigkeit ausgeglichen. Seitdem hat Spanien das Regelwerk schrittweise ausgebaut. Seit 2015 sch\u00fctzt es auch Kinder. Ein Mann, der seine Frau misshandelt hat, verwirkt Sorge- und Besuchsrecht. Das ist richtig, findet Avil\u00e9s. &#8220;Wer die Rechte der Mutter verletzt, verletzt damit automatisch auch die Rechte der Kinder.&#8221; Derzeit pr\u00fcft die Regierung auf ihre Initiative hin, ob auch unterlassene Alimentezahlungen als geschlechtsspezifische Gewalt gewertet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch in Sachen Gewaltpr\u00e4vention hat Spanien Pionierarbeit geleistet. W\u00e4hrend in Deutschland geschlechtsspezifische Gewalt erst jetzt <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/femizide-studie-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">in Studien<\/a> evidenzbasiert analysiert wird, erfasst Spanien schon seit 2007 alle Daten zu geschlechtsspezifischer Gewalt systematisch, von geringf\u00fcgigen Delikten wie Beleidigungen oder Drohungen bis hin zu schwerer k\u00f6rperlicher Gewalt. Ein Team aus Wissenschaftler*innen hat aus dem inzwischen mehr als 700.000 Anzeigen umfassenden Fundus ein Protokoll zur individuellen Risikobewertung entwickelt. Es hei\u00dft VioGen und wird jeder Frau, die bei der Polizei Hilfe sucht oder Anzeige erstattet, in Form eines Fragenkatalogs vorgelegt. Wurde der Partner oder Ex-Partner selbst als Kind misshandelt? Hat er in der Vergangenheit Tiere gequ\u00e4lt? Mit Selbstmord gedroht? Basierend auf den Antworten ermittelt ein Algorithmus die Bedrohungslage und verh\u00e4ngt Schutzma\u00dfnahmen. Sie reichen von einfachen Empfehlungen \u00fcber Kontaktsperre bis zum 24-Stunden-Polizeischutz.<\/p>\n<p>&#8220;Menschen k\u00f6nnen sich irren. Aber wenn Entscheidungen basierend auf Daten getroffen werden, dann verringert das die Fehlerquote&#8221;, erkl\u00e4rt Polizeikommissarin Mar\u00eda-Jes\u00fas Cantos. Sie leitet die VioGen-Stelle des spanischen Innenministeriums und ist daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass neue Erkenntnisse in die Protokolle implementiert werden. Hat der Mann die Frau zum Beispiel gew\u00fcrgt, wird das als erh\u00f6htes Risiko gewertet, selbst wenn die Frau das nur auf Nachfrage erw\u00e4hnt und anderen Taten gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zumisst. Denn die Statistik zeigt, dass Strangulationsversuchen oft T\u00f6tungsdelikte folgen. Cantos ist vom Erfolg der maschinengesteuerten Risikobewertung \u00fcberzeugt: Die Zahl der Anzeigen steige jedes Jahr um acht bis zehn Prozent, das Vertrauen in die Institutionen wachse. Laut Cantos ein Indiz daf\u00fcr, dass die Dunkelziffer sinke. Immer noch werden in Spanien Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet &#8211; 2021 waren es 44 &#8211; ; aber es sind <a href=\"https:\/\/es.statista.com\/estadisticas\/599214\/numero-de-victimas-mortales-por-violencia-de-genero-espana\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sehr viel weniger<\/a> als die durchschnittlich \u00fcber 70 in den ersten Jahren der Erhebungen. &#8220;Jede get\u00f6tete Frau ist eine zu viel&#8221;, sagt Cantos, &#8220;aber wir sind auf dem richtigen Weg.&#8221; Vor wenigen Monaten hat die Polizeikommissarin eine Delegation der franz\u00f6sischen Regierung empfangen, die im Nachbarland ein \u00e4hnliches System einf\u00fchren will.<\/p>\n<p>Wenn effizienter Schutz durch Gesetze m\u00f6glich ist, warum haben andere europ\u00e4ische L\u00e4nder das spanische Modell nicht schon l\u00e4ngst kopiert? Sicherlich spielt politischer Unwillen eine Rolle. Doch den gab und gibt es in Spanien auch. Spaniens progressive Gesetze sind nicht der Erfolg einer Partei, die sich feministische Politik auf die Fahnen geschrieben hat. Sie sind der Erfolg einer breiten und jahrelangen gesellschaftlichen Mobilisierung.<\/p>\n<p>Die Gesetze zur geschlechtsspezifischen Gewalt gehen auf die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung \u00fcber den Mord an Ana Orantes im Jahr 1997 zur\u00fcck. Die 60-j\u00e4hrige Frau war von ihrem Ex-Mann mit Benzin \u00fcbergossen und lebendig verbrannt worden. Zwei Wochen zuvor hatte sie in einem Fernsehinterview \u00fcber die Misshandlungen, die sie und ihre Kinder w\u00e4hrend der vierzig Jahre anhaltenden Ehe erlitten hatten, erz\u00e4hlt. Die konservative Regierung tat den Mord als Einzelfall ab. Das entfachte die Wut Tausender Spanierinnen und Spanier, die auf die Stra\u00dfe gingen. Sie forderten Schutz f\u00fcr die Opfer h\u00e4uslicher Gewalt. Zivilgesellschaftliche Organisationen begannen, F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt zu dokumentieren, um die These vom Einzelfall zu widerlegen. Die ersten Gesetze gegen geschlechtsspezifische und h\u00e4usliche Gewalt aus dem Jahr 2004 sind der Erfolg dieser jahrelangen Mobilisierung.<\/p>\n<p>Das &#8220;Nur Ja hei\u00dft Ja&#8221;-Gesetz hat eine \u00e4hnlich tragische Geschichte. Pamplona im Juli 2016: Beim j\u00e4hrlichen Stiertreiben ist die Stadt im Ausnahmezustand. Auf dem Nachhauseweg vom Stra\u00dfenfest wird eine 18-J\u00e4hrige von f\u00fcnf M\u00e4nnern angesprochen. Sie gehen ein St\u00fcck des Wegs gemeinsam, dann dr\u00e4ngen die f\u00fcnf die junge Frau in einen Hauseingang. &#8220;La Manada&#8221;, das Rudel, haben die M\u00e4nner ihre WhatsApp-Gruppe genannt. Sie penetrieren die Frau vaginal, anal und oral und filmen sich dabei. Das Opfer lassen sie halbnackt, verst\u00f6rt und weinend zur\u00fcck, die SIM-Karte ihres Handys haben sie zuvor entfernt. Der Fall kommt vor Gericht. Das Urteil: Da die Frau keinen &#8220;erkennbaren Widerstand&#8221; geleistet habe, verurteilen die Richter die M\u00e4nner nur wegen sexuellen Missbrauchs zu neun Jahren Haft. Tagelang gehen in Barcelona, und Pamplona Zehntausende junge Frauen auf die Stra\u00dfe. Sie skandieren &#8220;Ich glaube dir, Schwester&#8221; und &#8220;Nur ja hei\u00dft ja.&#8221; Das &#8220;La Manada&#8221;-Urteil hat der Oberste Gerichtshof inzwischen revidiert, die T\u00e4ter verb\u00fc\u00dfen wegen Vergewaltigung derzeit eine 15-j\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe. Die Reform des Sexualstrafrechtes soll \u00e4hnliche Urteile k\u00fcnftig unm\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Dass Spaniens Frauenbewegung bei solchen Gr\u00e4ueltaten immer wieder Tausende mobilisiert, hat historische Ursachen. Das Trauma der Franco-Diktatur hat das Bewusstsein f\u00fcr strukturelle Ungerechtigkeit gesch\u00e4rft. W\u00e4hrend in den 1970er-Jahren in Paris und London die Frauenbewegung die Stra\u00dfen eroberte, fristeten die Spanierinnen ein Dasein zwischen Kirche, K\u00fcche und Kindern. General Francisco Franco regierte das Land seit seinem Sieg im B\u00fcrgerkrieg (1936-1939) nach den rigiden Moralvorstellungen der katholischen Kirche. Frauen konnten ohne die Zustimmung ihres Ehemannes oder Vaters weder ein Konto er\u00f6ffnen noch arbeiten gehen. Erst 1978, drei Jahre nach dem Tod des Diktators, schrieb Spanien in seiner demokratischen Verfassung den Gleichheitsgrundsatz fest, die Vormundschaft des Ehemannes entfiel, der Einfluss der Kirche auf Erziehung und Gesetzgebung wurde zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Das Land erlebte in wenigen Jahren einen Modernisierungsschub. Es war der Versuch, so schnell wie m\u00f6glich zum Rest Westeuropas aufzuschlie\u00dfen. 1977 wurde die Antibabypille als Verh\u00fctungsmittel legalisiert; 1981 das Recht auf Scheidung eingef\u00fchrt: ein Meilenstein in einem Land, in dem w\u00e4hrend der Diktatur jede Ehe vor dem Altar besiegelt werden musste.<\/p>\n<p>Auch wenn die Erinnerung an die Franco-Diktatur im Alltag der meisten Spanierinnen und Spanier kaum eine Rolle mehr spielt, ist sie sehr pr\u00e4sent, wenn es um Frauenrechte geht. 2014 erwog die damalige konservative Regierung eine Versch\u00e4rfung des Abtreibungsrechts: Schwangerschaftsabbr\u00fcche sollten nicht mehr grunds\u00e4tzlich bis zur 14. Schwangerschaftswoche, bei Gesundheitsrisiken bis zur 22., straffrei bleiben, wie es ein seit 1985 geltendes Gesetz vorsah, sondern nur bei Vergewaltigung oder schweren k\u00f6rperlichen oder psychologischen Risiken durch die Schwangerschaft m\u00f6glich sein. Auch konservative Frauen f\u00fchlten sich an die Zeit unter Franco erinnert, in der unverheiratete Frauen aus verm\u00f6genden Familien zum Abbruch nach London reisten und die weniger verm\u00f6genden heimlich und unter Lebensgefahr abtrieben. Die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung \u00fcber den R\u00fcckschritt war so gro\u00df, dass der Justizminister zur\u00fccktrat und die konservative Volkspartei lediglich eine dreit\u00e4gige Bedenkfrist und bei minderj\u00e4hrigen Frauen die Zustimmungspflicht der Eltern durchsetzen konnte. Beide \u00c4nderungen wurden durch die Reform der Linkskoalition inzwischen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht.<\/p>\n<p>Ein feministisches Paradies ist Spanien nicht<\/p>\n<p>Der Stolz auf das Erreichte zeigt sich auch bei der Berufst\u00e4tigkeit. Ab Mitte der 1970er-Jahre dr\u00e4ngten die Spanierinnen massiv in die Universit\u00e4ten und auf den Arbeitsmarkt. Bis heute w\u00e4chst der Anteil erwerbst\u00e4tiger Frauen stetig an. Zu Hause bleiben oder auf Zuverdienst umsatteln, weil der Mann (mehr) Geld verdient? Das ist f\u00fcr kaum eine Spanierin eine Option. Denn das w\u00e4re ja &#8220;wie unter Franco&#8221;. Das \u00e4ndert sich auch nicht, wenn Kinder da sind. Nach der Elternzeit gehen die meisten M\u00fctter zur\u00fcck in den Job, und zwar in Vollzeit. Nur 21 Prozent w\u00e4hlen <a href=\"https:\/\/www.mites.gob.es\/ficheros\/ministerio\/sec_trabajo\/analisis_mercado_trabajo\/situacion-mujeres\/Mujeres-y-Mercado-de-Trabajo-2020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mutterschaftsbedingt ein Teilzeitmodell<\/a> &#8211; in den 19 L\u00e4ndern der Eurozone sind es 39,6 Prozent.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat das auch wirtschaftliche Gr\u00fcnde: Die bezahlte Elternzeit endet in Spanien bereits 16 Wochen nach der Geburt. Erst seit Kurzem haben auch V\u00e4ter Anspruch darauf &#8211; und k\u00f6nnen die Zeit, in der ein Elternteil beim S\u00e4ugling zu Hause bleibt, um insgesamt zehn Wochen verl\u00e4ngern. Danach beginnt der Berufsalltag, in der Regel f\u00fcr beide Eltern: Gerade in den teuren spanischen Gro\u00dfst\u00e4dten und Ballungsr\u00e4umen braucht es meist zwei arbeitende Menschen, um das Familienauskommen zu sichern. Doch die h\u00f6here Vollzeitbesch\u00e4ftigung von Frauen ist nicht nur wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen geschuldet, auch sie ist Ergebnis des \u00f6ffentlichen Kampfes vieler Spanierinnen f\u00fcr Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt, bessere Betreuung und mehr Elternzeit f\u00fcr V\u00e4ter. Das Ergebnis: Der unbereinigte Gender Pay Gap, die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes zwischen M\u00e4nnern und Frauen aller Berufsgruppen, ist in Spanien mit neun Prozent <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/Europa\/DE\/Thema\/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales\/Arbeitsmarkt\/Qualitaet-der-Arbeit\/_dimension-1\/07_gender-pay-gap.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">nur halb so gro\u00df<\/a> wie in Deutschland.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Arbeit, wenn die Kinder noch im S\u00e4uglingsalter sind &#8211; das geht nur bei entsprechenden Betreuungsm\u00f6glichkeiten. Und die gibt es in Spanien. Das Vorschulalter beginnt mit drei Jahren, Fremdbetreuung im ersten Jahr &#8211; durch Gro\u00dfeltern oder Kita &#8211; ist die Regel. Auch im Kleinen wird delegiert. Die Tatsache, dass in Deutschland &#8220;selbstgekauft&#8221; eigentlich keine valide Kuchen-Option f\u00fcr Kindergeburtstage ist, entlockt Spanierinnen in der Regel ein ungl\u00e4ubiges Kichern. Eine \u00dcbersetzung f\u00fcr den Begriff &#8220;Rabenmutter&#8221; gibt es nicht.<\/p>\n<p>Spanien aufgrund all dieser fortschrittlichen Entwicklungen ein feministisches Paradies zu nennen w\u00e4re dennoch zu weit gegriffen. Die Care-Arbeit ruht immer noch \u00fcberwiegend auf Frauenschultern. Laut <a href=\"https:\/\/observatoritreball.gencat.cat\/web\/.content\/generic\/documents\/treball\/estadistica\/enquesta_qualitat_condicions_treball\/edicio2021\/arxius\/Enquesta-qualitat-i-condicions-treball_ed2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">einer aktuellen Umfrage<\/a> des katalanischen Arbeitsinstituts verbringen Frauen werkt\u00e4glich eine Stunde mehr mit Putzen, Waschen, Aufr\u00e4umen als M\u00e4nner; nach einer \u00e4lteren spanienweiten Studie opfern M\u00e4nner 11, Frauen 20 Stunden w\u00f6chentlich f\u00fcr die Hausarbeit. Und auch politisch gibt es Gegenwind: Die rechtsradikale Vox, immerhin drittst\u00e4rkste Fraktion im Parlament, will unter anderem das Gesetz zum Schutz geschlechtsspezifischer Gewalt abschaffen. Auf YouTube mokieren sich Influencer wie t\u00edo blanco hetero (&#8220;wei\u00dfer Hetero-Typ&#8221;) oder Roma Gallardo vor einem Millionenpublikum \u00fcber gendergerechte Sprache und angebliche Falschanzeigen. Aber auch wenn der Ton sich versch\u00e4rft: Der gesetzliche Rahmen, das Ger\u00fcst f\u00fcr feministische Politik, steht. Und Spaniens Frauen sind stark genug, ihn zu verteidigen.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118067","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118067"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}