{"id":118068,"date":"2024-02-05T14:13:13","date_gmt":"2024-02-05T13:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118068"},"modified":"2024-02-05T14:13:13","modified_gmt":"2024-02-05T13:13:13","slug":"spanien-wenige-impfgegner-viel-solidaritaet","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/spanien-wenige-impfgegner-viel-solidaritaet\/","title":{"rendered":"Spanien: Wenige Impfgegner, viel Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Ein Sonntagnachmittag an der Strandpromenade von Barcelona. Kellner und Kellnerinnen balancieren Tabletts mit dampfenden Calamares und frisch gezapftem Bier, am Eingang der Restaurants warten kleinere Gruppen auf Einlass. Nach einem Impfpass oder Test fragt niemand. Warum auch? Die Sieben-Tage-Inzidenz in Katalonien liegt derzeit bei 28,56 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, nur etwas \u00fcber dem landesweiten Schnitt von 26,7. Und im EU-Vergleich steht mit 155 Dosen pro 100 Einwohner ganz weit oben: <a title=\"Link: https:\/\/www.mscbs.gob.es\/profesionales\/saludPublica\/ccayes\/alertasActual\/nCov\/documentos\/Informe_GIV_comunicacion_20211105.pdf\" href=\"https:\/\/www.mscbs.gob.es\/profesionales\/saludPublica\/ccayes\/alertasActual\/nCov\/documentos\/Informe_GIV_comunicacion_20211105.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">88,7 Prozent der \u00fcber 12-J\u00e4hrigen sind vollst\u00e4ndig geimpft, 90,4 Prozent haben zumindest eine Dosis erhalten<\/a> (Stand 5. November). Laut dem medizinischen Fachjournal The Lancet k\u00f6nnte <a title=\"Link: https:\/\/www.thelancet.com\/action\/showPdf?pii=S2213-2600%2821%2900495-1\" href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/action\/showPdf?pii=S2213-2600%2821%2900495-1\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das Land als eines der ersten die Herdenimmunit\u00e4t erreicht<\/a> haben und die Pandemie hinter sich lassen.<\/p>\n<p>Was macht Spanien besser als der Rest der Welt? Diese Frage bekommen die Epidemiologinnen und Epidemologen des Landes in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt. Am\u00f3s Garc\u00eda, Pr\u00e4sident der spanischen Gesellschaft f\u00fcr Immunologie, hat darauf eine einfache Antwort: &#8220;Wir haben nicht nur ein exzellentes staatliches Gesundheitssystem, das trotz der K\u00fcrzungen gut funktioniert, sondern auch eine vorbildliche Impfkultur &#8211; ganz ohne Impfpflicht.&#8221;<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Altersgruppen gibt es einen empfohlenen Impfkalender mit Gratisimpfungen. &#8220;Allein im Herbst verabreichen wir jedes Jahr in zwei Wochen Millionen Grippeimpfungen. Das hat f\u00fcr die Pandemie geschult&#8221;, sagt Garc\u00eda.<\/p>\n<p>Impfgegner und -gegnerinnen gibt es im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich kaum, auch nicht bei den Corona-Impfungen. Weniger als ein Prozent, etwas mehr als 327.000 Menschen, haben auf die Spritze gegen Covid-19 bisher verzichtet, gab die Gesundheitsministerin k\u00fcrzlich auf eine parlamentarische Anfrage bekannt. Auch <a title=\"Link: http:\/\/www.cis.es\/cis\/export\/sites\/default\/-Archivos\/Marginales\/3320_3339\/3334\/es3334mar.pdf\" href=\"http:\/\/www.cis.es\/cis\/export\/sites\/default\/-Archivos\/Marginales\/3320_3339\/3334\/es3334mar.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das monatliche Stimmungsbarometer des Meinungsforschungsinstituts CIS<\/a> zeigt \u00e4hnliche Daten. Von den 5,4 Prozent, die angeben, noch nicht geimpft zu sein, wollen 43 Prozent es tun, sobald sie an der Reihe seien. Nur ein verschwindend geringer Teil derjenigen, die keine Impfung wollen, negiert die Existenz der Krankheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei war die Skepsis gegen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2021\/35\/mrna-impfstoffe-bekaempfung-krankheiten-covid-19-krebs-aids-malaria-molekularbiologie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mRNA-Impfungen<\/a> auch in Spanien zun\u00e4chst gro\u00df. Noch im Oktober 2020 wollten sich laut einer internationalen Befragung des Markforschungsunternehmens Ipsos lediglich 64 Prozent der Spanierinnen und Spanier impfen lassen. Europaweit waren es nur in Frankreich weniger.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr den Stimmungswandel: Die Covid-19-Impfkampagne hat nach ersten Anlaufschwierigkeiten z\u00fcgig und reibungslos funktioniert. Priorisiert wurde strikt nach Altersgruppen, die \u00c4ltesten und Schw\u00e4chsten zuerst. Der Erfolg lie\u00df sich an den rapide sinkenden Sterbezahlen ablesen. Infrage gestellt hat diese Methode niemand. &#8220;In einem katholisch gepr\u00e4gten Land wie Spanien haben Eltern und Gro\u00dfeltern einen hohen Stellenwert&#8221;, sagt der Epidemiologe Manuel Franco. &#8220;F\u00fcr die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit war klar, dass die Schw\u00e4chsten zuerst geimpft werden m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p>Dabei wirkte auch das Trauma der ersten Welle nach. Als sich w\u00e4hrend des harten Lockdowns wochenlang eine gespenstische Stille \u00fcber das Land legte, starben Zehntausende allein in Altersheimen oder Krankenh\u00e4usern. Diese Bilder hat niemand vergessen. &#8220;W\u00e4hrend in Deutschland Gesundheit oft als Privatsache behandelt wird, steht in Spanien der gesamtgesellschaftliche Aspekt im Mittelpunkt&#8221;, sagt Franco, der in Berlin und Alcal\u00e1 de Henares studiert hat. &#8220;Solidarit\u00e4t ist ein wichtiger Wert.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaum jemand fiel durchs Raster<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Spanien ausgerechnet beim Thema Organisation als Vorbild gilt, macht Wissenschaftlerinnen und Epidemiologen besonders stolz. Hebel zum Erfolg war dabei auch der hohe Grad an Digitalisierung im Gesundheitswesen. Grundpfeiler des steuerfinanzierten Systems sind die lokalen Gesundheitszentren. Wer krank ist, wird dort vom zust\u00e4ndigen Familienarzt behandelt oder an die Fach\u00e4rztin, den Facharzt unter demselben Dach verwiesen. Patientinnenakten werden elektronisch erfasst, sodass alle behandelnden Mediziner darauf Zugriff haben. Einen gesetzlich festgelegten Minimaldatensatz stellen die f\u00fcr Gesundheit zust\u00e4ndigen Regionen den nationalen Beh\u00f6rden bereit. Das hat die Organisation der Covid-19-Kampagne erleichtert: &#8220;Die Beh\u00f6rden wussten nicht nur genau, wie viele Vakzine sie wohin schicken mussten, sondern wussten auch, wie und wo sie die Empf\u00e4nger erreichen&#8221;, sagt Franco. Statt selbst zum Telefon greifen zu m\u00fcssen, wurden die Spanierinnen und Spanier per Smartphone \u00fcber ihren pers\u00f6nlichen Impftermin informiert oder per Telefon oder Brief benachrichtigt. So fiel kaum jemand durchs Raster. Auch die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2021-11\/corona-booster-impfungen-auffrischungsimpfung-faq\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Boosterimpfungen<\/a> werden nach derselben Methode verabreicht.<\/p>\n<p>Dass sich in Deutschland viele vor zu viel Digitalisierung f\u00fcrchten, verwundert Spaniens Experten ebenso wie Berichte \u00fcber Impfskepsis beim Pflegepersonal. Krankenpflege ist in Spanien ein vierj\u00e4hriges Studium, der Umgang mit Spritzen und Vakzinen geh\u00f6rt zu den Kernkompetenzen von Pflegerinnen und Pflegern. &#8220;Sie sind der Muskel unseres Systems&#8221;, sagt Garc\u00eda. Er kenne niemanden aus dem Gesundheitswesen, der sich nicht habe impfen lassen.<\/p>\n<p>Allerdings erreicht auch das spanische Impfsystem nicht alle. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie oder Madrid scheuen vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner der \u00e4rmeren Viertel die Spritze. Dabei gehe es nicht um ein grunds\u00e4tzliches Misstrauen gegen das Vakzin, sondern um Existenz\u00e4ngste, sagt Manuel Franco: &#8220;Viele haben schlicht Angst, sich wegen m\u00f6glicher Nebenwirkungen f\u00fcr ein paar Tage krank melden zu m\u00fcssen und so vielleicht ihren Job zu verlieren.&#8221; Am\u00f3s Garc\u00eda sorgt sich vor allem um die 20- bis 40-J\u00e4hrigen. Dort ist die Quote mit 77,7 beziehungsweise 76,5 Prozent vollst\u00e4ndig Geimpfter am niedrigsten. &#8220;Sie haben kaum Risikoempfinden&#8221;, sagt der Epidemiologe. Impfzelte sollen Abhilfe schaffen, auf den Kanarischen Inseln f\u00e4hrt der &#8220;vacuguagua&#8221; durch die Bezirke, ein zum mobilen Impfzentrum umgebauter Touristenbus. Doch, so der Pr\u00e4sident der spanischen Gesellschaft f\u00fcr Immunologie: &#8220;Viel zu tun ist zum Gl\u00fcck nicht mehr.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118068","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118068"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}