{"id":118070,"date":"2024-02-05T14:14:32","date_gmt":"2024-02-05T13:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118070"},"modified":"2024-02-05T14:14:32","modified_gmt":"2024-02-05T13:14:32","slug":"luxushotels-auf-den-balearen-luxus-wasser","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/luxushotels-auf-den-balearen-luxus-wasser\/","title":{"rendered":"Luxushotels auf den Balearen: Luxus Wasser"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Das Zafiro Palace Hotel in Andratx wirbt auf seiner Webseite mit Superlativen. 13 Pools! 304 Suiten, teils mit privaten Rooftop Pools! Die Anlage im Westen der Insel ist umgeben von \u00fcppigen G\u00e4rten und gr\u00fcnem Rasen &#8211; und der Golfplatz liegt gleich nebenan. Das im Fr\u00fchsommer vergangenen Jahres er\u00f6ffnete F\u00fcnfsterneresort ist das letzte einer ganzen Reihe von Luxushotels, mit denen die Urlaubsinsel endg\u00fcltig ihr Ballermann-Insel-Image abstreifen will: Spa-K\u00fcbel statt Sangr\u00eda-Eimer, Loungebetten am Pool statt bierseliges Layla-Gegr\u00f6le. Doch der Wandel kostet: Wasser, viel Wasser.<\/p>\n<p>Laut einer <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/09669582.2022.2079652\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">aktuellen Studie<\/a> der Universit\u00e4t in Palma (UIB) verbraucht der Tourismus auf den knapp einen von vier Litern Trinkwasser auf den Balearen, fast genauso viel wie die Landwirtschaft. Und je mehr Sterne hinter dem Hotelnamen blinken, desto h\u00f6her ist in der Regel der Verbrauch. Am heftigsten schl\u00e4gt dabei das Spa zu Buche.<\/p>\n<p>&#8220;In einem F\u00fcnfsternehotel liegt der Verbrauch pro Gast und \u00dcbernachtung zwischen 500 und 600 Litern, in einem Dreisternehotel bei 300 bis 400 Litern&#8221;, sagt Geograf Celso Garc\u00eda. &#8220;Und die Luxussiedlung Santa Ponsa verschlingt 1.000 Liter pro Person und Tag j\u00e4hrlich.&#8221; Der Wissenschaftler ist Leiter der Forschungsgruppe, die die Daten des touristischen Rekordjahrs 2019 mit denen des pandemiebedingten Lockdowns 2020 verglichen hat. Damals kamen 87,4 Prozent weniger Touristinnen und Touristen auf die Balearen. Nicht nur die Wirtschaftsleistung sank um 24,2 Prozent, auch die Kurve des Wasserverbrauchs fiel steil ab. Allerdings gab es zwischen den einzelnen Gemeinden gro\u00dfe Unterschiede: W\u00e4hrend in Alc\u00fadia im Norden der Insel der Wasserverbrauch um 60 Prozent zur\u00fcckging, waren es in Playa de Palma, wo sich entlang des ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Ballermanns Hotel- und Apartmentanlagen konzentrieren, nur 16 Prozent. &#8220;Die Hotels dort konsumieren weniger Wasser, als viele denken&#8221;, erkl\u00e4rt Garc\u00eda diesen Unterschied. &#8220;Die meisten H\u00e4user wurden in den letzten Jahren saniert und haben Systeme zur Reduktion des Wasserverbrauchs eingef\u00fchrt.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ist Partytourismus etwa \u00f6kologisch vertr\u00e4glicher?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist das Werben um die kaufkr\u00e4ftige Klientel also der falsche Weg und der Partytourismus die \u00f6kologisch vertr\u00e4glichere Alternative? Celso Garc\u00eda ist vorsichtig mit solchen Pauschalurteilen. &#8220;Zumindest beim Wasserverbrauch ist der Qualit\u00e4tstourismus nicht die bessere Alternative, aber was den Energiekonsum, die M\u00fcllberge und die Belastung der Bev\u00f6lkerung betrifft, stimmt das nicht unbedingt. Im Endeffekt ist es die schiere Masse an Menschen, die das Urlaubsgesch\u00e4ft f\u00fcr die Balearen zum Problem macht&#8221;, sagt der Wissenschaftler. In den beiden Rekordjahren vor der Pandemie kamen jeweils \u00fcber 16,4 Millionen Touristen und Touristinnen auf die Inseln. Und alles deutet darauf hin, dass die Bilanz nach der coronabedingten Pause \u00e4hnlich ausfallen wird. Am Flughafen landen die Urlaubsjets wieder im Minutentakt; Bars und Restaurants sind voll und an der Playa de Palma sammelt die Stadtreinigung jeden Morgen Tonnen von M\u00fcll ein. &#8220;Wir sind wieder am Limit&#8221;, sagt Garc\u00eda. Auch was die Ressource Wasser betreffe.<\/p>\n<p>Auf den Balearen stammt der Gro\u00dfteil des Trinkwassers aus unterirdischen Reservoirs, in denen sich das Regenwasser der Wintermonate sammelt. Im Idealfall speichern sie ausreichend Wasser, um die langen, trockenen Sommermonate zu \u00fcberstehen. Doch das Gleichgewicht ist gest\u00f6rt. Denn es wird nicht nur mehr Wasser entnommen als zur\u00fcckflie\u00dft. Klimakrisenbedingt bleibt durch weniger Niederschl\u00e4ge und steigende Temperaturen auch der Nachschub aus. Zugleich verschlechtert sich durch eindringendes Meerwasser die Qualit\u00e4t des Grundwassers. Garc\u00eda klickt durch das <a href=\"https:\/\/www.caib.es\/sites\/aigua\/es\/pagina_dinici-6476\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Wasserportal<\/a> der Regionalregierung, zur Grafik mit dem aktuellsten Stand. Der Pegelstand ist rot markiert. Im Juni waren die Reservoirs nur gut zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt.<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Beschr\u00e4nkungen sind n\u00f6tig<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>&#8220;Wenn es wieder so weiter geht, k\u00f6nnte es irgendwann nicht<br \/>\nmehr reichen&#8221;, f\u00fcrchtet der Wissenschaftler. Auf Entsalzungsanlagen ausweichen l\u00e4sst sich<br \/>\nnur begrenzt. Die Produktion ist energieintensiv, die Wartung teuer. Und selbst<br \/>\nwenn alle acht Entsalzungsanlagen der Inseln auf Hochtouren laufen, erzeugen<br \/>\nsie maximal 45 Millionen Kubikmeter Trinkwasser j\u00e4hrlich. Allein der Bedarf der<br \/>\nBev\u00f6lkerung \u2013 ohne Landwirtschaft, ohne Industrie \u2013 betr\u00e4gt 120 Millionen Kubikmeter.<br \/>\n&#8220;Auf lange Sicht wird es nicht ohne Beschr\u00e4nkungen gehen&#8221;, sagt der Forscher.<\/p>\n<p>Das wei\u00df auch die Regionalregierung. Das Balearen-Parlament<br \/>\nhat <a title=\"Link: https:\/\/www.zeit.de\/news\/2022-01\/18\/hotels-auf-mallorca-sollen-gruener-werden\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2022-01\/18\/hotels-auf-mallorca-sollen-gruener-werden\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">im Fr\u00fchjahr ein neues Tourismusgesetz verabschiedet, das die Exzesse des<br \/>\nMassentourismus stoppen soll<\/a>. Zu den derzeit 600.000 Betten d\u00fcrfen in den<br \/>\nn\u00e4chsten vier Jahren keine neuen dazu kommen, danach soll schrittweise abgebaut<br \/>\nwerden: Nur wenn in einem Hotel zwei Betten wegfallen, darf anderswo ein neues<br \/>\naufgestellt werden. Um die j\u00e4hrlichen Emissionen zu senken, sollen Heiz\u00f6lkessel<br \/>\ndurch Erdgas- oder Elektrokessel ersetzt werden. Und auch am Wasser wird<br \/>\ngespart: In Hotels m\u00fcssen k\u00fcnftig alle Toiletten mit Sp\u00fclk\u00e4sten mit Sparkn\u00f6pfen,<br \/>\nalle Armaturen in Dusche, Bad und Waschbecken mit Durchflussbegrenzern oder<br \/>\nanderen Reduktionsmechanismen ausgestattet sein. Erstmals soll auch die Hotelkategorie<br \/>\nan den Umgang mit der Ressource Wasser gekoppelt werden. \u00d6kologisches<br \/>\nBewusstsein soll belohnt werden. Wird in einem Hotel Regenwasser f\u00fcr die<br \/>\nBew\u00e4sserung des Gartens genutzt, tr\u00e4gt das zu einer h\u00f6heren Klassifizierung<br \/>\nbei. Es ist ein Versuch, Qualit\u00e4tstourismus und Nachhaltigkeit unter einen Hut<br \/>\nzu bringen.<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Als &#8220;gut gemeint, aber schlecht ausgef\u00fchrt&#8221; kritisiert ihn Margalida<br \/>\nRamis von der Umweltschutzorganisation GOB. &#8220;Letztlich gibt bei der Klassifizierung<br \/>\nder Rooftop Pool oder das Spa-Angebot den Ausschlag. Die Hoteliers werden also<br \/>\ndurch die gleiche Norm auf der einen Seite zu mehr Nachhaltigkeit ermuntert,<br \/>\nnoch viel st\u00e4rker aber zu ressourcenintensiven Angeboten&#8221;, sagt die Umweltsch\u00fctzerin. Sinnvoller als das<br \/>\nZuckerl f\u00fcr umweltbewusste Hoteliers w\u00e4ren strengere Vorschriften f\u00fcr alle<br \/>\ngewesen. Nicht nur im Luxussegment, auch in der Mittelklasse kollidiert<br \/>\nMallorcas Qualit\u00e4tsoffensive mit Nachhaltigkeit. Dar\u00fcber hat sich Ramis<br \/>\nk\u00fcrzlich mit einem Zimmerm\u00e4dchen unterhalten. Mit Blick auf die Wasserrechnung<br \/>\nlie\u00dfen viele Mittelklassehotels vor Jahren die St\u00f6psel der Badewannen entfernen.<br \/>\nG\u00e4ste sollten so vom stundenlangen Plantschen abgehalten und zur kurzen Dusche gedr\u00e4ngt<br \/>\nwerden. Jetzt sind die schwarzen Gummipl\u00f6ppel offenbar massiv zur\u00fcck. &#8220;Qualit\u00e4t<br \/>\nhat f\u00fcr viele eben immer noch in erster Linie mit unbegrenztem Zugang zu<br \/>\nRessourcen zu tun&#8221;, sagt Ramis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit benutztem Duschwasser den Garten w\u00e4ssern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch<br \/>\nmit Ma\u00dfregelungen tut sich die Tourismusbranche schwer.<br \/>\n&#8220;Wir k\u00f6nnen unsere G\u00e4ste zu nichts zwingen&#8221;, sagt Fernando Mart\u00edn,<br \/>\ntechnischer<br \/>\nDirektor der Hipotel-Gruppe. Das mallorquinische Familienunternehmen<br \/>\nbetreibt<br \/>\nauf der Insel 18 H\u00e4user \u2013 vom famili\u00e4ren All-Inclusive-Hotel bis zum<br \/>\nLuxusresort f\u00fcr Golffreunde, Spa inklusive. Die meisten G\u00e4ste stammen<br \/>\naus Deutschland.<br \/>\nUnd auch wenn das spanische Klischee den Deutschen ein gesteigertes<br \/>\nUmweltbewusstsein nachsagt, blieb auch in seinen Hotels gern mal ein<br \/>\nWasserhahn<br \/>\noffen. &#8220;Wer im Urlaub ist, ist eben in allen Aspekten im Urlaub&#8221;, sagt<br \/>\nMart\u00edn.<br \/>\nAlso \u00fcbernehme man stellvertretend das Sparen. In den zwei<br \/>\nF\u00fcnfsterneh\u00e4usern<br \/>\nder Kette wird das Grauwasser, also das Wasser aus Duschen, Waschbecken<br \/>\noder Sp\u00fclen f\u00fcr die Bew\u00e4sserung der G\u00e4rten aufbereitet. Und f\u00fcr die auf<br \/>\nden<br \/>\nBalearen notwendige Entkalkung setze man auf technologisches Know-how.<br \/>\nStatt das<br \/>\nWasser mit Salz zu entkalken, verwendet man Kohlendioxid und ein Harz,<br \/>\ndas den<br \/>\nKalk herausfiltert. Bei der traditionellen Methode geht durch die<br \/>\nentstehende<br \/>\nSalzlauge pro 30 Liter entkalktes Wasser ein Liter verloren, durch das<br \/>\nselbst entwickelte System kein einziger. Bei einem Wasserverbrauch von<br \/>\n90.000<br \/>\nLitern spare man so immerhin 3.000 Liter t\u00e4glich. &#8220;Das Verfahren ist<br \/>\nzwar f\u00fcnfmal so teuer wie das traditionelle und rechnet sich allenfalls<br \/>\nauf lange<br \/>\nSicht&#8221;, sagt Martin, &#8220;aber wir machen das aus \u00dcberzeugung.&#8221;<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Und auch das Luxushotel<br \/>\nZafiro Palace behauptet von sich, verantwortungsvoll mit der Ressource<br \/>\nWasser umzugehen. Mit 108 Hektolitern t\u00e4glich sei der Verbrauch f\u00fcr eine<br \/>\nAnlage dieser Gr\u00f6\u00dfe &#8220;vern\u00fcnftig&#8221;, schreibt die Hoteldirektion auf<br \/>\nAnfrage. Tats\u00e4chlich liegt er mit etwas \u00fcber 590 Litern pro \u00dcbernachtung<br \/>\nund Suite laut Geograf Celso Garc\u00eda im Mittelfeld.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Margalida Ramis l\u00e4chelt, wenn sie von solchen<br \/>\nSelbstverpflichtungen h\u00f6rt. &#8220;Letztlich sind das alle Pflaster, aber sie stillen<br \/>\ndie Blutung nicht&#8221;, sagt die Umweltsch\u00fctzerin. Man sei man l\u00e4ngst in einem Szenario, in dem Sparma\u00dfnahmen<br \/>\nnicht reichten. &#8220;Alle Bem\u00fchungen, den Tourismus \u00f6kologisch vertr\u00e4glicher zu<br \/>\ngestalten, werden nichts bringen, wenn nicht zugleich bereits jetzt<br \/>\nzur\u00fcckgebaut wird.&#8221; Doch der politische Spielraum daf\u00fcr ist eng begrenzt. Und am<br \/>\nKonsumverhalten hat sich bisher kaum etwas ge\u00e4ndert. &#8220;Ein Spa einzurichten, ist<br \/>\nf\u00fcr jeden Hotelier eine ruin\u00f6se Investition \u2013 nicht nur, was den<br \/>\nWasserverbrauch betrifft&#8221;, sagt Fernando Mart\u00edn von Hipotels. &#8220;Aber bei den<br \/>\nBuchungen wird danach gefragt, ohne geht es einfach nicht.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118070","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118070"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}