{"id":118074,"date":"2024-02-05T13:54:50","date_gmt":"2024-02-05T12:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118074"},"modified":"2024-02-05T13:54:50","modified_gmt":"2024-02-05T12:54:50","slug":"wassermangel-in-spanien-eine-stadt-sitzt-auf-dem-trockenen","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/wassermangel-in-spanien-eine-stadt-sitzt-auf-dem-trockenen\/","title":{"rendered":"Wassermangel in Spanien: Eine Stadt sitzt auf dem Trockenen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>\u00a0Samuel Reyes hat die Zukunft direkt vor Augen: Von seinem B\u00fcro blickt der Chef der katalanischen Wasserbeh\u00f6rde \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/barcelona\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Barcelonas<\/a> Skyline zum Hafen. Regnet es bis zum Fr\u00fchjahr nicht ausreichend, sollen dort Tanklastschiffe anlegen, um die Anderthalb-Millionen-Einwohner-Metropole mit Trinkwasser zu versorgen. 60.000 Kubikmeter Wasser k\u00f6nnten zwei Schiffe von Tarragona, Palma oder Marseille nach Barcelona fahren und vom Hafen aus in die Leitungen pumpen, ein Drittel des t\u00e4glichen Bedarfs. Ein teures, aufwendiges Verfahren, aber die Vorbereitungen daf\u00fcr laufen. &#8220;Wir m\u00fcssen f\u00fcr alles ger\u00fcstet sein&#8221;, sagt Reyes.<\/p>\n<p>Nach 40 Monaten D\u00fcrreperiode wird in Barcelona das Trinkwasser knapp. Die Stauseen im Landesinnern, aus denen die Gro\u00dfstadt normalerweise ihr Trinkwasser bezieht, sind nur zur 17 Prozent gef\u00fcllt. Die Meerwasser-Entsalzungsanlage am Prat de Llobregat &#8211; die europaweit gr\u00f6\u00dfte, die ausschlie\u00dflich Trinkwasser produziert &#8211; l\u00e4uft seit anderthalb Jahren auf Hochtouren, doch ihre Kapazit\u00e4t ist begrenzt. Ende November hat die Regionalregierung den Vor-Notstand ausgerufen. Die Menge an Trinkwasser, die die Wasserwerke pro Tag und Person bereitstellen, ist auf 210 Liter begrenzt worden, Krankenh\u00e4user, Schulen, Handel und Industrie einberechnet. In der ganzen Stadt pl\u00e4tschert kein Zierbrunnen mehr und die Gr\u00fcnfl\u00e4chen vertrocknen: Auch sie d\u00fcrfen nicht mehr bew\u00e4ssert werden. Kann der Tanklaster das Wasserproblem l\u00f6sen?<\/p>\n<p>Samuel Reyes wei\u00df, dass die Idee nur der sprichw\u00f6rtliche Tropfen auf den hei\u00dfen Stein ist. Man arbeite an einer krisenresistenten Struktur, die Barcelona f\u00fcr Wasserknappheit r\u00fcsten soll. &#8220;Aber bis die steht, vergeht eben Zeit und die m\u00fcssen wir \u00fcberbr\u00fccken.&#8221; 2,4 Milliarden Euro investiert die Regionalregierung in den n\u00e4chsten Jahren, dazu kommt noch eine halbe Milliarde aus Madrid. Mit dem Geld werden zwei neue Entsalzungsanlagen gebaut, Fertigstellung Ende 2027 und 2028. Entlang der katalanischen K\u00fcste sollen neun Anlagen entstehen, die Abwasser so aufbereiten, dass es als Trinkwasser und zur Bew\u00e4sserung von Parks und Sportst\u00e4tten gebraucht werden kann.<\/p>\n<p>Wasser-Recycling nennt sich die Methode. Sie ist ein wichtiger Baustein in den Pl\u00e4nen der Regionalregierung. Dazu wird gereinigtes Abwasser aus der Kl\u00e4ranlage in einen Fluss gepumpt, einige Kilometer sp\u00e4ter wieder entnommen und zu Trinkwasser aufbereitet. Der Umweg \u00fcber den Fluss ist notwendig, weil die EU-Richtlinie eine direkte Einspeisung ins Netz verbietet. 2022 hat man das Verfahren zum ersten Mal getestet, am Llobregat, der Barcelona im S\u00fcden begrenzt. Inzwischen wird ein Viertel des Trinkwassers, das aus dem Hahn flie\u00dft, so erzeugt. Am Bes\u00f2s, der Barcelona im Norden umflie\u00dft, plant die Regionalregierung nun ein \u00e4hnliches System. Auch dort soll Wasser aus der Kl\u00e4ranlage flussaufw\u00e4rts gepumpt und mit dem Flusswasser vermischt werden. Allerdings will man dort das Wasser nicht direkt entnehmen, sondern es zun\u00e4chst ins Grundwasser sickern lassen und diese Vorkommen dann \u00fcber Brunnen anzapfen. Der gro\u00dfe Vorteil von Recyclingwasser gegen\u00fcber Meerwasserentsalzung sind die Kosten: Der Energieaufwand ist geringer, das technische Verfahren weniger aufwendig. &#8220;Bisher flie\u00dfen j\u00e4hrlich 500 Kubikhektometer Abw\u00e4sser ungenutzt ins Mittelmeer. Das ist doch eine Riesenverschwendung&#8221;, sagt Reyes. Der Plan: Bis 2040 soll die H\u00e4lfte davon wiederverwendet werden. &#8220;Dadurch werden wir in Katalonien langfristig das Wasserangebot sichern: f\u00fcr Industrie, Landwirtschaft und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.&#8221;<\/p>\n<div>\n<p>Lluis Basteiro blickt eher<br \/>\nskeptisch auf solche Prognosen. Der Bauingenieur geh\u00f6rt zur Plattform<br \/>\nAigua \u00e9s Vida (Wasser ist Leben), einem Zusammenschluss von NGOs und<br \/>\nUmweltorganisationen, und leitet ein kommunales B\u00fcndnis f\u00fcr<br \/>\nWasserverwaltung in \u00f6ffentlicher Hand. &#8220;Die Regionalregierung tut viel,<br \/>\num das Wasserangebot zu sichern, aber kaum etwas, um die Nachfrage zu<br \/>\nsenken&#8221;, kritisiert er. &#8220;Dabei ist das Einsparpotenzial enorm.&#8221; Basteiro<br \/>\nhat dabei nicht so sehr die Privathaushalte im Sinn. Barcelonas<br \/>\nB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger haben den t\u00e4glichen Pro-Kopf-Verbrauch von 136<br \/>\nLiter Anfang des Jahrtausends auf 105 Liter reduziert.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Aber w\u00e4hrend kaum ein<br \/>\nStadtbewohner noch beim Z\u00e4hneputzen das Wasser laufen lasse, pl\u00e4tschere<br \/>\nin Hotels die kostbare Ressource noch munter aus dem Hahn und am Hafen<br \/>\nf\u00fcllen Kreuzfahrtschiffe ihre Tanks f\u00fcr den Trip \u00fcbers Mittelmeer auf.<br \/>\n&#8220;Wo Trinkwasser knapp ist, sollten wasserintensive Aktivit\u00e4ten wie<br \/>\nTourismus grunds\u00e4tzlich nicht gef\u00f6rdert werden&#8221;, so Basteiro. Doch<br \/>\nMa\u00dfnahmen, die das Wirtschaftswachstum gef\u00e4hrden, schlie\u00dft die<br \/>\nRegionalregierung grunds\u00e4tzlich aus. Zwar m\u00fcssen Industrie und<br \/>\nLandwirtschaft derzeit 15 beziehungsweise 40 Prozent Wasser einsparen,<br \/>\ndoch die Auflagen gelten nur f\u00fcr das aktuelle Szenario. Ein Fehler,<br \/>\nglaubt Basteiro: &#8220;Ohne strukturelle \u00c4nderungen werden wir unsere<br \/>\nWasserprobleme langfristig nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p>Wie<br \/>\nviel Wasser der Tourismus in Barcelona tats\u00e4chlich verschwendet, ist<br \/>\nschwer zu ermitteln. Ein Tourist in einem F\u00fcnfsternehotel verbrauche<br \/>\nf\u00fcnfmal so viel Wasser wie ein Stadtbewohner, hei\u00dft es in einer <a href=\"https:\/\/www.institutmetropoli.cat\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00e4lteren Studie<\/a><br \/>\ndes Stadtforschungszentrums der autonomen Universit\u00e4t Barcelona. In den<br \/>\nvergangenen Jahren habe man Millionen investiert, mit dem Ergebnis,<br \/>\ndass er Pro-Kopf-Verbrauch mit 163 Litern nur &#8220;unwesentlich&#8221; \u00fcber dem<br \/>\nDurchschnitt liege, kontert der Hotelverband. Genaue Daten hat auch die<br \/>\nkatalanische Wasserbeh\u00f6rde nicht. Sie listet den Verbrauch nicht nach<br \/>\nBranchen, sondern Unternehmen. In den vergangenen Tagen hat sie Tausende<br \/>\nGro\u00dfkunden angeschrieben und daran erinnert, dass die Sparauflagen doch<br \/>\nbitte eingehalten werden sollen. Sanktionen sind bisher nur gegen<br \/>\nKommunen verh\u00e4ngt worden, nicht gegen Unternehmen.<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&#8220;Sanfte P\u00e4dagogik&#8221; nennt<br \/>\nSamuel Reyes von der katalanischen Wasseragentur das. Von einem<br \/>\ngrundlegenden Umdenken, wie es die Plattform Aigua \u00e9s Vida fordert, h\u00e4lt<br \/>\ner nichts. &#8220;In welche Richtung sich ein Land entwickelt, dar\u00fcber sollte<br \/>\ndoch nicht das Wasservorkommen entscheiden, sondern Gesellschaft und<br \/>\nPolitik.&#8221; Auch bei Wasserknappheit k\u00f6nne die Wirtschaft wachsen \u2013 selbst<br \/>\nwenn daf\u00fcr Tankschiffe das Trinkwasser transportieren m\u00fcssen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":67,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118074","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/67"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118074"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}