{"id":118386,"date":"2024-02-13T12:56:16","date_gmt":"2024-02-13T11:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=118386"},"modified":"2024-02-13T13:01:16","modified_gmt":"2024-02-13T12:01:16","slug":"wut-in-der-wueste","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/wut-in-der-wueste\/","title":{"rendered":"Wut in der W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Videos hat sie sich vermummt; ein Pal\u00e4stinatuch verdeckt Haare und Mund. Doch ihre w\u00fctende Stimme und die schwarzen Augen bleiben unverkennbar. Mal auf Arabisch, mal auf Englisch erkl\u00e4rt Adan Al Hjooj in die Kamera, was um sie herum geschieht, hier in der W\u00fcste im S\u00fcden Israels, dem Negev. Wieso M\u00e4nner und Frauen skandieren:<\/p>\n<p>\u00abDas ist unser Land! Beduinenland!\u00bb Und wieso hinter ihr auf dem Erdwall Soldat:innen mit Maschinengewehren stehen. Es sind nur ein paar Instagram-Storys, die sie \u00fcber den \u00c4ther schickt, doch mit diesen wird die 19-j\u00e4hrige Beduinin zum Gesicht eines Protests, der im Fr\u00fchling 2022 viral wird. Erstmals gehen Beduininnen f\u00fcr alle Welt sichtbar neben \u2013 ja, vor ihren M\u00e4nnern auf die Strasse, um f\u00fcr die Rechte ihrer Gemeinschaft zu k\u00e4mpfen. Ausl\u00f6ser ist ein Projekt, das nur auf den ersten Blick harmlos wirkt: Der J\u00fcdische Nationalfonds pflanzt im Auftrag der Regierung B\u00e4ume in die W\u00fcste. \u00abLandschaftspflege und Umweltschutz, eine j\u00fcdische Tradition zum Feier- tag Tu Bischwat\u00bb, lautet die offizielle Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Doch was auf der Karte wie \u00f6des Niemandsland aussieht, sind in Realit\u00e4t die Felder eines beduinischen Dorfs. Eines von 35 nicht-anerkannten D\u00f6rfern, deren Einwohner:innen stets bangen, dass wie- der ein Haus abgerissen wird; die weder an Wasser noch Strom angeschlossen sind, von medizinischer Versorgung oder Schulen ganz zu schweigen. F\u00fcr den ans\u00e4ssigen Klan, die al-Atrash-Familie, steht fest, dass es sich um eine Massnahme handelt, sie von ihrem Land zu vertreiben. Wieder einmal. Oder wie die israelische Zeitung \u00abHaaretz\u00bb schreibt: \u00abDer Staat Israel f\u00fchrt immer noch einen Krieg um den Negev, aber dieses Mal erobert er ihn von seinen eigenen B\u00fcrgern.\u00bb<\/p>\n<p>Gut 75 Jahre ist er her, der Israelische Unabh\u00e4ngigkeitskrieg,\u00a0 den\u00a0 die\u00a0 Pal\u00e4stinenser:innen\u00a0 als \u00abNakba\u00bb beklagen, \u00abdie grosse Katastrophe\u00bb, als die meisten der indigenen Halbnomad:innen vertrieben wurden oder f lohen. Von den bis zu 90 000 Beduin:innen, die bis dahin im Negev lebten, blieben lediglich 11 000. Sie waren dem jungen Staat ein Dorn im Auge, sollten sesshaft gemacht werden. Dort, wo sie m\u00f6glichst wenig im Weg waren. Schliesslich hatte Staatsgr\u00fcnder Ben Gurion grosse Pl\u00e4ne f\u00fcr die W\u00fcste: Sie sollte \u00abzum Bl\u00fchen\u00bb gebracht werden. Also siedelte die Armee die Klans in eine Art Reservat im Norden des Negev um. Sp\u00e4ter verpachtete der israelische Staat ihnen L\u00e4ndereien, die geflohenen oder vertriebenen Beduin:innen geh\u00f6rten. Noch sp\u00e4ter wurden urbane Townships etabliert \u2013 ohne Felder oder Weidegrund \u2013 aber auch ohne Jobs. Da- f\u00fcr mit neuen Verpflichtungen wie Wasser, Strom und Steuern. Heute leben zwar wieder etwa 300 000 Beduin:innen in der W\u00fcste, nur die H\u00e4lfte davon allerdings in diesen anerkannten Siedlungen. Und die meisten unter der Armutsgrenze.<\/p>\n<p>\u00abIch war so stolz auf uns Frauen\u00bb, sagt Adan Al Hjooj zwei Monate nach den Strassenprotesten. Mit offenen Locken und in Jeans sitzt sie unter einem Zeltdach aus Ziegenhaar, wie es einst ihre Vorfahrinnen als Schutz vor Sonne und Wind gewebt haben. Das Zelt steht im Garten des Desert Embroidery Centers, einer lokalen Frauen-Initiative, ge- gr\u00fcndet von ihrer Mutter Amal. Adans Aktivismus kommt nicht von ungef\u00e4hr: Es waren Frauen wie ihre Mutter, die einen Wandel angefeuert haben, den Soziolog:innen in seinem Tempo f\u00fcr weltweit einzigartig halten. Viele Jahre lang hatten die Beduininnen die h\u00f6chsten Geburtenraten in Israel \u2013 und eine der h\u00f6chsten in der Welt. In nur zwanzig Jahren ist die Rate von \u00fcber zehn Kindern pro Frau auf unter f\u00fcnf gesunken. Parallel dazu stieg das Bildungsniveau der Frauen rapide. \u00abEs entwickelt sich eine weibliche beduinische Mittelschicht\u00bb, sagt Sa- rab Abu-Rabia-Queder, seit 2006 die erste israelische Beduinin mit Doktortitel.<\/p>\n<p>Das Dorf Lakiya k\u00e4mpft nicht mehr um Anerkennung, es wurde 1985 als permanente Siedlung f\u00fcr beduinische Familien bestimmt. Doch der Unterschied zu den j\u00fcdischen Orten im Negev ist auff\u00e4llig: Weniger Platz, mehr M\u00fcll, kein landwirtschaftliches Ger\u00e4t. Nur ein paar H\u00fchner flattern \u00fcber die Strasse. Weil die Negev-W\u00fcste rund sechzig Prozent des israelischen Staatsgebiets ausmacht, wird immer noch an Ben Gurions Vision festgehalten, sie mit allen Mitteln urbar zu machen. W\u00e4hrend es heute fast 200 j\u00fcdische Gemeinden gibt, mit wenig Einwohner:innen und aufwendig bew\u00e4sserten Obst- und Gem\u00fcseplantagen, dr\u00e4ngen sich die Beduin:innen in Siedlungen mit Tausenden von Menschen und kaum Ackerland.#<\/p>\n<p>Doch \u00fcber den d\u00fcnnwandigen H\u00e4uschen unten im Dorf s\u00e4umen auch ein paar Familienh\u00e4user mit fantasievollen Fassaden die H\u00fcgelkuppe, in den Einfahrten blitzen SUVs in der Sonne. Hier ist Adan mit ihrem Zwillingsbruder aufgewachsen, bis sie neun Jahre alt waren. Dann zogen sie mit ihrer Mutter nach Kanada, wo diese ihre Doktorarbeit abschloss. Was blieb, war das schlechte Gewissen, sagt Adan. Zwar ist ihr Vater als Anwalt gut situiert, seine Familie jedoch stammt aus dem Nachbarsdorf Awajan, in dem die Bulldozer der Armee alle paar Monate ein anderes Haus plattmachen. Zuletzt das ihrer Tante.<\/p>\n<p>Als Adan im vorletzten Sommer f\u00fcr ein Zwischenjahr nach Israel kam, war klar, dass sie sich engagieren wollte; am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, Beduinin in Israel zu sein. Mit ihrem Bruder unterrichtet sie Englisch an einer Dorfschule, f\u00fcr eine weitere NGO, die ihre Mutter vor vielen Jahren gegr\u00fcndet hat. \u00abWer h\u00e4tte gedacht, dass ich so schnell selbst meinen Platz als Aktivistin finden w\u00fcrde?\u00bb, sagt Adan. Beim ersten Protest standen sie und ihre Mutter noch allein mit den M\u00e4nnern auf der Strasse. Adan hielt das Mikrofon. \u00abErst wollten mir die M\u00e4nner nicht nachsprechen. Nur, weil ich eine Frau bin.\u00bb<\/p>\n<p>Doch als sich die Demonstration ins Dorf verlagerte, wo die B\u00e4ume gepflanzt werden sollten, sassen da schon die daheimgebliebenen Frauen mit ihren Kindern auf dem Feld und wehrten sich gegen die Soldaten. \u00abSie verhafteten Kinder\u00bb, sagt Adan. \u00abMeine Mutter jagten sie sogar mit dem Pferd.\u00bb Bei der zweiten Demo ein paar Tage sp\u00e4ter kamen dann Tausende, darunter viele Frauen und M\u00e4dchen. Obwohl der Protest dieses Mal angemeldet und genehmigt war, schossen die Soldaten Tr\u00e4nengas, L\u00e4rmgranaten und Gummigeschosse in die Menge. Der Druck kam auch aus den eigenen Reihen. Proteste gegen Landnahme und Bulldozer der Armee sind traurige Tradition im Negev. Aber nicht alle Beduin:innen sehen es gerne, dass M\u00e4dchen wie Adan oder die Al-Atrash-T\u00f6chter pl\u00f6tzlich an der Frontlinie vor Soldat:innen und Kameras stehen. Bis dato hielten sich die Frauen im Hintergrund, oft in eigens aufgestellten Zelten. Ihre Pr\u00e4senz schien vielen als unz\u00fcchtig; Aktivistinnen, die sich gegen Polygamie und Kinderehe aussprachen, wurden so- gar ausgeladen.<\/p>\n<p>Etwas habe sich ver\u00e4ndert, sagt Adan. Die Frauen hatten sich pl\u00f6tzlich stark gef\u00fchlt, hatten verstanden, dass sie den Kampf um ihr Land nicht den M\u00e4nnern \u00fcberlassen wollen. Was schliesslich nutze es, wenn sich Frauen im patriarchalischen System der Beduinen behaupten, aber ohne Bushaltestelle im Dorf weder eine h\u00f6here Schule erreichen noch eine Stelle in der n\u00e4chsten j\u00fcdischen Stadt annehmen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>All das versuchen die zwei an diesem Vormittag israelischen Journalist:innen zu vermitteln. Viel Zeit haben diese nicht. Es stehen noch andere Stationen auf dem Plan, ein offizieller Pressetrip anl\u00e4sslich des Welt-Frauentags, die PR-Frauen sind nerv\u00f6s. Aber Amal ist Profi. Sie hat eine geschliffene Geschichte parat. Sie erz\u00e4hlt von der nur vermeintlichen Trag\u00f6die, als f\u00fcnftes M\u00e4dchen geboren zu sein. Immerhin eignete sie sich so fr\u00fch F\u00fchrungsqualit\u00e4ten an:<\/p>\n<p>\u00abIch war schon im Alter von sechs Jahren Chefin von f\u00fcnfzig Schafen, drei K\u00fchen und einem Esel.\u00bb Mit diesen streifte sie durch die H\u00fcgel vor Lakiya und gew\u00f6hnte sich an eine Freiheit, die sie nicht mehr missen wollte. \u00abWir wollen dasselbe Recht haben wie die J\u00fcdinnen und Juden\u00bb, schliesst Amal: \u00abSelbst entscheiden, ob wir in Tel Aviv oder in der W\u00fcste leben. Einen B\u00fcrojob haben oder Schafe z\u00fcchten.\u00bb Als Adan ihre kurze Rede h\u00e4lt, platzt die Mutter fast vor Stolz, und als ihr die Tochter auch noch selbstbewusst widerspricht, reicht Amals dunkler Lippenstift von einem Ohr zum anderen. Adan fin- det n\u00e4mlich, dass die Beduin:innen die W\u00fcste nicht aufgeben sollten: \u00abUnsere Kultur w\u00e4re l\u00e4ngst ausgel\u00f6scht worden, h\u00e4tten wir nicht an unserem Lebensstil festgehalten!\u00bb Viele Fragen stellen die Journalist:innen nicht. Wichtiger ist ihnen das Foto von Amals alter Mitstreiterin Huda Sana, die im schwarzen Hidschab auf dem Boden hockt und traditionelle Stickkunst vorf\u00fchrt. Solange es bei Folklore und Kamelritten am Strassenrand bleibt, wirbt Israel gern mit der beduinischen Kultur als touristisches Highlight.<\/p>\n<p>Die F\u00fcnfzigj\u00e4hrige wohnt gleich nebenan in einem schlichten Haus. Erst, als alle abgezogen sind, erz\u00e4hlt sie in fl\u00fcssigem Englisch, dass die j\u00fcdischen Besucher:innen immer wissen wollten, wer die NGO denn nun von j\u00fcdischer Seite unterst\u00fctze. \u00abSie wollen nicht glauben, dass wir Beduininnen das alles selbst auf die Beine gestellt haben!\u00bb<\/p>\n<p>28 Jahre ist es her, dass sich die Frauen zusammentaten, um der Generation ihrer M\u00fctter zu helfen, sich selbst zu helfen. Also den Frauen, die Zelte und Ziegenherden gegen enge Wohnschachteln und arbeitslose Ehem\u00e4nner eintauschen mussten. Sie wieder zu stolzen Produzentinnen zu machen, wie Amal es ausdr\u00fcckt. Heute versorgt das Center 150 Beduininnen mit einem kleinen Einkommen. Be- sonders die eingeheirateten und damit statuslosen Pal\u00e4stinenserinnen aus Gaza oder dem Westjordanland sind darauf angewiesen, und noch mehr: die von ihren M\u00e4nnern verstossenen Erstfrauen. Es ist immer noch \u00fcblich, dass manche Beduinen zwei oder drei Mal heiraten. F\u00fcr die Erstfrauen eine Dem\u00fctigung, egal, ob sie bei ihrem Mann bleiben oder nicht.<\/p>\n<p>Sie sei sehr stolz auf ihre Arbeit, sagt Huda. Doch sie sei keine Amal mit Doktortitel, die ihre Kinder ermutigt, zu Protesten zu gehen. \u00abAdan und ihr Bruder werden irgendwann nach Kanada zur\u00fcckkehren\u00bb, glaubt sie. \u00abMeine Kinder leben in Israel, sie m\u00fcssen in der j\u00fcdischen Gesellschaft zurechtkommen.\u00bb Dass es dabei nicht einfach um Anpassung geht, wurde ihr kurz nach der Hochzeit klar. Damals zog die junge Familie kurzzeitig in eine j\u00fcdische Stadt. Drei Monate habe sie darum gek\u00e4mpft, ihren Sohn im n\u00e4chsten Kindergarten unterzubringen. \u00abAber wieso? Wir sind hier j\u00fcdisch\u00bb, hatte man ihr geantwortet. Als sie sich endlich durchgesetzt hatte, merkte sie, wie ungl\u00fccklich ihr Sohn war, als der ein- zige Beduine. Sie zogen nach Lakiya zur\u00fcck. Die Fragen ihrer Kinder blieben.<\/p>\n<p>\u00abWieso haben wir sowas nicht?\u00bb, l\u00f6chern sie Huda, wenn sie mal das Einkaufszentrum in der W\u00fcstenmetropole Beer Scheva besuchen. Sportkurse, F\u00f6rdereinrichtungen, Spielpl\u00e4tze \u2013 selbst die anerkannten Ortschaften werden von der Regierung aussen vor gelassen, was soziale und praktische Infrastruktur angeht.<\/p>\n<p>Am deutlichsten wird die Kluft in der Stadt Ra- hat, der mit rund 70 000 Einwohner:innen gr\u00f6ssten Beduinen-Siedlung, nur eine halbe Stunde von Beer Scheva entfernt. Was in Lakiya idyllisch erscheint \u2013 die ausfransenden R\u00e4nder, an denen Verschlag und Kamel auf Haus und Jeep, die Armut der Abgeh\u00e4ngten auf den Wohlstand der Wenigen trifft: Hier wirkt es wie eine postapokalyptische Filmkulisse.<br \/>\nNun, nach dem Winterregen, heben sich die T\u00e4ler in saftigem Gr\u00fcn vom W\u00fcstenhimmel ab. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man ein weidendes Pferd in der B\u00f6schung \u2013 und dann den M\u00fcll, durch den es stakst. Haushaltsm\u00fcll, Sperrm\u00fcll und absurde Mengen von Bauschutt. Letzterer erkl\u00e4rt sich schnell bei einer Fahrt durch die Stadt: An jeder Ecke wird ein neues Wohnhaus hochgezogen.<\/p>\n<p>Rahat besteht aus 33 durchnummerierten Vierteln. Das Gold der Kuppeln einer nagelneuen Moschee gleisst \u00fcber brutalistisch-br\u00f6ckelnde Rondells. Futuristische Laternen beugen sich \u00fcber Strassen, die noch asphaltiert werden m\u00fcssen. Junge M\u00e4nner kauern vor Wellblech-Verschl\u00e4gen und rauchen. Ab und an verirrt sich eine Schafherde im Stadtzentrum. Es gibt einen bunten Markt, aber nur eine Handvoll Restaurants. Und auch die sind neu: Ausser Haus essen bedeutet, dass es daheim nicht schmeckt. Oben in der Neustadt sitzt eine Frau auf der frisch-zementierten Terrasse und schnibbelt Gem\u00fcse. Die silberne Delfin-Skulptur \u00fcber dem Eingangstor aus hellem Jerusalem-Kalk habe ihr Mann ausgesucht. Als sie das Grundst\u00fcck planten, h\u00e4tten sie nur daran gedacht, endlich f\u00fcr jedes Kind ein Zimmer zu haben, seufzt die Frau mit einem L\u00e4cheln: \u00abWir waren dumm, wir haben ganz vergessen, Platz f\u00fcr einen Garten zu lassen.\u00bb Doch statt wie fr\u00fcher die Nachbarsfrauen zum Plaudern sind da bisher sowieso nur hohl\u00e4ugige Geb\u00e4ude und Kabelboxen.<\/p>\n<p>\u00abIn die Neustadt\u00bb, erkl\u00e4rt Hiba al-Huzeil ein wenig sp\u00e4ter in ihrem B\u00fcro, \u00abziehen junge Familien, die es modern und anonym m\u00f6gen.\u00bb Dort entstehe gerade eine neue Art von Beduin:innen-Kultur. Nicht schlechter, anders eben. Hiba selbst lebt im \u00e4ltesten Viertel von Rahat, gleich am Stadteingang. Immerhin ist sie eine Huzeil, geh\u00f6rt zum \u00e4ltesten Klan von Rahat, und steht damit in der Stammeshierarchie ganz oben. Es werde sehr darauf achtgegeben, dass das Land in der Familie bleibe, sagt sie. Dass sich die Klans nicht mischen. \u00dcberhaupt habe jede einzelne der vielen Grossfamilien andere Werte und Sitten. Man kleide sich anders und nutze andere Begriffe, manchmal sogar einen ganz eigenen Dialekt, der immer noch auf die urspr\u00fcngliche Herkunft aus Saudiarabien, Anatolien oder den Sinai verweist. Allerdings habe sie fr\u00fcher alle Familien gekannt in der Stadt. \u00abAls Kinder haben wir allein draussen ge- spielt\u00bb, sagt sie: \u00abEs war sorgenfreier.\u00bb<\/p>\n<p>Die 34-J\u00e4hrige tr\u00e4gt eine schwarze Strickm\u00fctze, die wie ihr Pulli mit Glitzersteinchen \u00fcbers\u00e4t ist. Sie organisiert im Gemeindezentrum der Stadt Kurse f\u00fcr M\u00e4dchen und Frauen: Es geht um Zugang zu Bildung, Eintritt in die Arbeitswelt, gewaltfreie Kommunikation in der Familie. Sie ist im achten Monat schwanger, aber das ist nicht der Grund, wieso sie aktuell von ihren Mitarbeiter:innen mit Samthandschuhen angefasst wird. \u00abWie macht sich Youssef?\u00bb, fragt ihre Assistentin. \u00abEr ist tapfer\u00bb, sagt Hiba und zeigt ein Zeitungsbild, auf dem ihr 7-J\u00e4hriger angeschlossen an Schl\u00e4uche im Krankenhausbett liegt. Er h\u00e4lt eine goldene Patrone in die Linse. Die Familie war gerade beim Einkaufen, als die Schiesserei losging. Sie st\u00fcrmten ins Auto zur\u00fcck, und mitten auf der Hauptstrasse passierte es dann. Eine Kugel schlug durchs Fenster und verpasste knapp Youssefs Halsschlagader.<\/p>\n<p>Eine Fehde zwischen beduinischen Klans, hiess es sp\u00e4ter. Die Angreifenden kamen aus dem Norden Israels und kannten sich nicht aus in Rahat, sagt Hiba. Ihre Familie sei einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. \u00abDie arabischen Gemeinden in Israel erleben in den letzten Jahren einen Anstieg der Gewalt, der haupts\u00e4chlich auf das organisierte Verbrechen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist\u00bb, meldete eine Zeitung dazu. \u00abArabische Israelis geben der Polizei die Schuld, die ihrer Meinung nach nichts unternimmt und Familienfehden, mafi\u00f6se Revierk\u00e4mpfe und h\u00e4usliche Gewalt weitgehend ignoriert.\u00bb Der distanzierte Ton sagt alles. J\u00fcdische Israelis meiden Orte wie Rahat, wenn sie nicht gerade nach g\u00fcnstigen Zahn\u00e4rzt:innen suchen.<\/p>\n<p>Hiba musste nie um ihre Rechte k\u00e4mpfen. Als Jugendliche spielte sie im Verein Fussball. Ihre Hoch- zeit mit 18 Jahren geschah aus Liebe, sagt sie. Ihren Mann hatte sie im Psychologiestudium kennenge- lernt. Ihr Bruder wiederum ist mit der Tochter einer<br \/>\nSchweizerin verheiratet, die ausserhalb Rahats mit ihrem Mann in einer Art Alpen-Chalet die h\u00f6flichsten Schafe des Negevs z\u00fcchtet: \u00abDie warten sogar f\u00fcrs Futter in der Schlange.\u00bb<\/p>\n<p>Durch ihre Arbeit wisse sie nat\u00fcrlich, dass es auch andere Familien gibt, sagt Hiba. Dass junge Frauen immer noch innerhalb des Klans zwangsverheiratet werden, ja, am liebsten innerhalb der Kernfamilie. Ein Grund, wieso es in Rahat drei Schulen f\u00fcr Kinder mit Erbdefekten gibt. Dass lange nicht alle Eltern es gern sehen, wenn ihre T\u00f6chter allein auf der Strasse sind, selbst wenn sie nur f\u00fcrs Gemeindezentrum einer alten Frau aus der Nachbarschaft helfen. \u00abGerade sprechen die M\u00e4dchen noch vom Studium, dann geben sie dir eine Hochzeitseinladung.\u00bb Das bringe sie um, sagt Hiba.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gebe es immer mehr junge M\u00e4nner, die sich eine Frau w\u00fcnschen, die studiert hat, ihren Teil zum Einkommen beitr\u00e4gt, zum Status der Familie. Weil Jobs rar sind in Rahat, wagten sich immer mehr M\u00e4dchen in die Naturwissenschaften oder Ingenieursberufe. Schliesslich ist das j\u00fcdische Beer Sheva nebenan ein Hightech-Hub. \u00abWenn heute ein Mann eine Zweitfrau will, dann l\u00e4sst sich die erste eben scheiden\u00bb, sagt Hiba. Fr\u00fcher sei es tabu gewesen, \u00fcber h\u00e4usliche Gewalt zu sprechen, heute kennen die Frauen ihre Rechte. Seit ein paar Jahren gebe es sogar ein Gesetz, dass die Erstfrau einen finanziellen Ausgleich verlangen kann, wenn ihr Mann nochmal heiraten will. Sie merke den jun- gen Frauen ein neues Selbstbewusstsein an, sagt Hiba: \u00abSie wissen sich auszudr\u00fccken, verhehlen ihre Erfolge nicht.\u00bb Oben in der Neustadt sehe man sie nun sogar auf der Strasse joggen.<\/p>\n<p>Umso mehr \u00e4rgert es sie, dass die israelischen Me- dien Rahat stets von der d\u00fcstersten Seite zeigten. Fernsehkameras auf vernachl\u00e4ssigte Kinder oder den alten Scheich mit vier Frauen richten, anstatt \u00c4rzt:innen oder Rechtsanw\u00e4lt:innen zu interviewen. Auf den Stall und die Zeltplane zoomen, anstatt das neue Fitnessstudio f\u00fcr Frauen zu fotografieren. Oder das Schwimmbad. Bevor das er\u00f6ffnet wurde, mussten sie mit den Kindern in die j\u00fcdischen Orte und waren dort nicht immer willkommen. Hiba bleibt verhalten, wenn sie dar\u00fcber spricht. Sie wolle Schranken abbauen, nicht verh\u00e4rten. Deswegen la- den sie \u00fcber das Gemeindezentrum auch regelm\u00e4ssig j\u00fcdische Jugendgruppen ein.<\/p>\n<p>Bis 2005 war Rahat nicht einmal ans israelische Busnetz angebunden. Es gab keine eigene Bankfiliale. Von einer Zweigstelle der Sozialversicherung nicht zu reden. \u00abWahrscheinlich dachten sie: Ach, die Beduinen haben doch ihre Kamele!\u00bb, sagt Elham Elkamalat und rollt die Augen \u00fcber dem blauen Kajal. Sie selbst hatte jedenfalls kein Kamel, als sie mit 18 Jahren an ihren Cousin in Rahat verheiratet wurde. Zwar kannte sie die Stadt von Verwandtschaftsbesuchen, aber der Umzug war doch ein Kulturschock. Aufgewachsen ist die F\u00fcnfzigj\u00e4hrige in einer kleinen beduinischen Community in der Stadt Ramle bei Tel Aviv.<\/p>\n<p>Sie ist noch ein wenig aufgedreht, gerade hat sie eine j\u00fcdische Reisegruppe durch Rahat gef\u00fchrt. Letzte Station ist immer ihre Freundin Jmalat, die in ihrem kleinen H\u00e4uschen eine Gaststube eingerichtet hat, und erst mit Hummus, H\u00fchnernierchen, Kebab und Auberginen vom Grill aufwartet, und schliesslich mit ihren selbst gemischten Hautcr\u00e8mes. Dazu erz\u00e4hlt sie der Gruppe, wie ihr Kleinunternehmen ihren Status in der Gesellschaft, aber vor allem auch in den Augen ihres Mannes aufgewertet hat. Der sitzt daneben und nickt sch\u00fcchtern.<\/p>\n<p>Reiseleiterin Elham hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Geschichten in Rahat zu finden. Als sie 2006 die ersten mutigen Tourist:innen empfing, war sie noch selbst die Story. Schnell begriff sie: Die Leute wollen kein Museum \u2013 das es in Rahat sowieso nicht gibt. Sie wollen traditionelles Essen und nat\u00fcrlich den Shouk besuchen. Und sie sind neugierig: Hat dein Mann mehr als eine Frau? Wie ist es, eine schwarze Beduinin zu sein?<\/p>\n<p>Elham z\u00e4hlt sich zur Minderheit der Minderheit, den \u00abAfro-Beduin:innen\u00bb. Seitdem ihre Schwester ein DNA-Test-Kit aus den USA geordert hat vermuten sie, dass ihre Ahn:innen aus dem Sudan stammen. Dass es nicht mal eine m\u00fcndliche Ge- schichte gibt, auf die sich die dunkelh\u00e4utigen Beduin:innen berufen k\u00f6nnen, liegt daran, dass sie kein eigener Klan sind, erkl\u00e4rt Elham. \u00abWir wurden immer als Leibeigene der weissen Klans gesehen.\u00bb Vermutlich wurden ihre Vorfahr:innen von weitreisenden H\u00e4ndlern in Sansibar eingekauft. Selbst heute noch werden die Afro-Beduin:innen in Rahat als \u00abel-Abd\u00bb bezeichnet, als \u00abSklaven\u00bb. In den Vierteln der angesehenen Klans haben sie keinen Platz. Statt- dessen leben sie wie ihre Freundin Jmalat in Rahats einziger \u00abgemischter\u00bb und deutlich \u00e4rmsten Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Dabei hatten ihre Eltern einst die grosse Freiheit gesucht in Rahat, erz\u00e4hlt Elham. Noch bis in die Sechziger hatten sie als Anh\u00e4ngsel ihres weissen Klans in der N\u00e4he des Beduinendorfs Hura gelebt. Doch als sie nach Rahat zogen, war da noch keine Stadt, es gab keine Jobs, schon gar nicht f\u00fcr sie \u2013 also zogen sie weiter in den arabischen Vorort Ramle bei Tel Aviv.<\/p>\n<p>Anfangs waren es vor allem Frauengruppen, die sich f\u00fcr Elhams Geschichten interessierten, inzwischen kommen Schulklassen, Soldat:innen, Rent- ner:innen \u2013 oder wie gestern: Polizistinnen in Elternzeit. \u00abDer Bildungsbeauftragte hatte die Idee, um die M\u00fctter zu ermutigen, wieder mit der Arbeit anzufangen.\u00bb Elham kichert. Sie findet es unheimlich befriedigend, dass sich die israelische Polizei ihre Beduininnen zum Vorbild nimmt.<\/p>\n<p>Und noch mehr: Dass die Regierung selbst sie seit 2016 f\u00fcr einige der Touren bezahlt. Anl\u00e4sslich der \u00abRamadan Nights\u00bb, einer Initiative, um j\u00fcdischen Tourist:innen mit Wasserpfeifen, hausgemachtem Essen und viel Folklore die Scheu vor den Beduin:innen zu nehmen. Immerhin ist es dieselbe Regierung, der sie f\u00fcnf Jahre lang Briefe schrieben, um endlich eigene Bushaltestellen zu bekommen. Damals war Elham Koordinatorin bei einer arabisch-j\u00fcdischen Organisation, die sich f\u00fcr die Rechte der Beduin:innen einsetzte. Ohne \u00f6ffentlichen Nahverkehr waren alte Leute und Frauen v\u00f6llig isoliert. Einige konnten nicht mal ihre Sozialhilfe oder Rente im j\u00fcdischen Beer Sheva abholen. \u00abWir gingen zu den Medien und ins Parlament und machten jede Menge L\u00e4rm\u00bb, sagt Elham. Schliesslich konnten sie sogar einen Bank- Vorsitzenden \u00fcberzeugen, endlich eine Filiale in Ra- hat zu er\u00f6ffnen. \u00abEr hatte Angst vor \u00dcberf\u00e4llen\u00bb, sagt Elham. Tats\u00e4chlich sei die Filiale heute eine mit dem gr\u00f6ssten Umsatz im Land. \u00abRahat ist das Tel Aviv der Beduin:innen\u00bb, erkl\u00e4rt Elham: \u00abAm Sams- tag kommen die Leute von \u00fcberall her, um auf dem Markt einzukaufen.\u00bb<\/p>\n<p>Sie findet es verr\u00fcckt, dass Israelis in der T\u00fcrkei oder in Dubai Urlaub machen, aber nerv\u00f6s werden, wenn sie das Stadtschild von Rahat sehen. \u00abViele wissen nicht einmal, dass wir Moslems sind!\u00bb, sagt Elham. Deswegen stehen auch die Moschee und ein Gespr\u00e4ch mit einem Imam auf ihrem Tour-Plan.<\/p>\n<p>So selbstbewusst Elham ihre Reisegruppen durch den Markt f\u00fchrt, dabei mit lauter Stimme auf Hebr\u00e4isch oder Englisch erz\u00e4hlt, dass Frauen noch bis vor nicht allzu langer Zeit gar nicht allein auf den Markt gehen durften \u2013 sie f\u00fchlt sich dabei stets beobachtet. Aus diesem Grund schaltet sie das Telefon stumm und nimmt Anrufe nur im Haus an. \u00abWenn ich in der \u00d6ffentlichkeit telefoniere, denken die Leute, es sei ein Liebhaber.\u00bb<\/p>\n<p>Bis M\u00e4rz 2020 hatte sie ihre Ehe als erfolgreich arrangiert bezeichnet. Immerhin waren vier Kinder daraus hervorgegangen. Dann erreichte die Pandemie die Beduinenstadt. \u00abMein Vergehen war, dass ich das Haus verliess, um einen Covid-Test zu machen\u00bb, sagt Elham. Ihr Mann habe sich hintergangen gef\u00fchlt, obwohl er selbst Sanit\u00e4ter ist. Aus Sorge vor Gerede? Sie weiss es bis heute nicht. Als sie nach Hause kam, wurde er so aggressiv, dass Elham die Polizei rief. Nachdem er die Beamten an der T\u00fcr abgewimmelt hatte, sprach er nach islamischem Recht die Scheidung aus. Drei Worte gen\u00fcgten.<\/p>\n<p>Nach beduinischer Tradition kehrt die Frau nach der Scheidung zu ihrem eigenen Klan zur\u00fcck. Aber Elham war 48 Jahre alt, hatte ein eigenes Unter-nehmen, f\u00fchlte sich unabh\u00e4ngig. Zudem sorgte sie sich, dass ihr \u00e4ltester Sohn mit dem helleren Teint seines Vaters in ihrem Klan als Aussenseiter betrachtet w\u00fcrde. \u00abIch musste meinen Br\u00fcdern versprechen, mich selbst zu versorgen und keinen zweiten Ehe- mann zu nehmen\u00bb, sagt Elham. Vor dem islamischen Gericht einigte sie sich mit ihrem Ex auf das geteilte Sorgerecht.<\/p>\n<p>Weil sie in Rahat keine Wohnung fand, zog sie erstmal nach Beer Sheva. \u00abIch biete den Vermieter:in- nen hier keine Sicherheit, ohne Mann und Klan.\u00bb In der j\u00fcdischen Stadt habe sie Nachbarn aus Eritrea oder Russland, und niemanden k\u00fcmmere es, wann sie abends nach Hause komme.<\/p>\n<p>Doch ihr Mann widerrief die Scheidung, und seit- dem geht es hin und her. Elham will nicht zur\u00fcck. Aber ohne die Erlaubnis ihres Mannes bekommt sie nicht mal einen Arzttermin f\u00fcr ihre Kinder: \u00abDer Richter glaubt, dass mein Mann das Opfer ist.\u00bb Selbst mit ihren alten Freundinnen sei es schwierig geworden in Rahat, sagt Elham. Ihre M\u00e4nner sehen sie nun als Ungl\u00fccksbringerin, sorgen sich, dass sie einen schlechten Einfluss habe auf ihre Frauen.<\/p>\n<p>Sie wirkt pl\u00f6tzlich sehr m\u00fcde. Die Tage haben nie genug Stunden f\u00fcr Elham, die Termine am Isla- mischen Gericht wahrnehmen muss, ihre Touren gibt, nebenbei an der Open University Verwaltung studiert und dabei st\u00e4ndig zwischen Beer Sheva und Rahat pendelt. Weil ihr Ex darauf bestand, besuchen ihre zwei J\u00fcngsten weiterhin die Grundschule in Rahat. Er wolle nicht, dass sie nur Hebr\u00e4isch sprechen, sagt Elham. Ihr selbst ist es vor allem wichtig, dass die Kinder Englisch lernen. \u00abEnglisch war meine Br\u00fccke.\u00bb Schon als F\u00fcnftkl\u00e4sslerin habe sie im Fernsehen entdeckt, dass es da draussen noch andere dunkelh\u00e4utige Menschen gibt. Menschen, die als sch\u00f6n und umschw\u00e4rmt und erfolgreich gelten. Ihre Heldinnen heissen Whitney Houston und Oprah Winfrey. \u00abSie haben mich ermutigt, ich selbst zu sein. Nicht das Eigentum eines Mannes oder eines Klans.\u00bb <\/p>\n<p>Auf Adans Instagram ist es seit den Strassenprotesten vor einem Jahr wieder ruhiger geworden. Im Negev finden keine Demonstrationen mehr statt. Mit der Gewalt der Soldat:innen sei das Momentum der Bewegung verloren gegangen, sagt sie. Student:in- nen f\u00fcrchten, aus der Uni geschmissen zu werden; Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder verletzt werden. Adan will erst mal die Familie in Kanada besuchen. Vorher macht sie noch einen Abstecher ins Westjordanland, will ein paar Original-Pal\u00e4stinat\u00fccher kaufen, um sie als Geschenke mitzubringen. Denn noch etwas hat sich ge\u00e4ndert, seit #savenegev ein Hashtag ist. \u00abZuvor sassen wir Beduin:innen im Konflikt zwischen den St\u00fchlen\u00bb, erkl\u00e4rt sie. Nicht mal die Exil-Pal\u00e4stinenser:innen in ihrem politischen Jugendclub in Kanada hatten sie als echte Gleichgesinnte gesehen: \u00abDu hast doch einen israelischen Ausweis!\u00bb, sagten sie.<\/p>\n<p>Seit den Protesten folgt ihr Muna al-Kurd auf Instagram und bekundet Solidarit\u00e4t mit den Beduin:innen. Die 18-J\u00e4hrige wurde im vergangenen Sommer selbst erst zum Sprachrohr der Enteigneten aus Ostjerusalem, dann aller Pal\u00e4stinenser:innen \u2013 und hielt die internationalen Medien f\u00fcr Monate in Atem. Auf einem ihrer letzten Posts f\u00e4hrt Adan Ski in den Bergen \u00fcber Montreal, mit der rotgr\u00fcnweissen Pal\u00e4stinaflagge in der Hand. Vielleicht hat die alte Mistreiterin ihrer Mutter Recht, und sie wird nicht zur\u00fcckkommen. Schliesslich m\u00f6chte Adan bald in Kanada Internationale Politik studieren, um Beduin:innen und anderen marginalisierten Gemeinschaften eine Stimme zu geben. Eins hat sie jetzt schon gezeigt: Die Enkelinnen der vertriebenen Beduin:innen von 1948 sind nicht mehr auf israelische Bushaltestellen angewiesen, um f\u00fcr ihre Rechte einzutreten.<\/p>\n<p><em>2022 genehmigte die Regierung die Gr\u00fcndung von vier neuen j\u00fcdischen Siedlungen im Negev, f\u00fcnf weitere sind geplant. Grossz\u00fcgige Ortschaften mit wenig Einwohner:innen und viel Ackerland. Dazu eine Stadt, die 100 000 Ultraorthodoxe beherber- gen soll. Etwa zur gleichen Zeit formierte sich unter F\u00fchrung eines ultrarechten Aktivisten eine j\u00fcdische B\u00fcrgerwehr; \u00abzum Schutze des Negev\u00bb.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":103,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-118386","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/118386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118386"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=118386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}