{"id":119549,"date":"2024-05-29T22:24:07","date_gmt":"2024-05-29T21:24:07","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=119549"},"modified":"2025-03-06T20:17:04","modified_gmt":"2025-03-06T19:17:04","slug":"119549","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/119549\/","title":{"rendered":"Vor den Wahlen in Mexiko: F\u00fcrsorge mit Kalk\u00fcl"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\"><span class=\"is-inline\">Zielsicher prescht der Haifisch aus den Tiefen des Meeres hervor. Er kommt n\u00e4her, immer n\u00e4her, zeigt seine Z\u00e4hne und schwimmt rasant auf die Scheibe des Aquariums zu. Das Glas scheint vor den Augen der Besucher zu splittern, doch dann bleibt das Tier wie erstarrt stehen. Nichts passiert mehr. Der Hai ist eine Computeranimation, und die ist genau an dieser Stelle zu Ende.<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\">Die sechsj\u00e4hrige Liliana beobachtet das Spektakel aufmerksam; sie l\u00e4sst sich keine Angst ein\u00adjagen: Sie kennt die virtuelle Show schon und wei\u00df, dass das Unterwasserschauspiel nicht bedrohlich ist. Ihr kleiner Bruder Liam h\u00fcpft derweil auf dem Boden hin und her: der interaktive Boden reagiert, im gr\u00f6\u00dften virtuellen Aquarium Lateinamerikas werden Wellen sichtbar. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden die Freizeitanlage \u201eBarco Utop\u00eda\u201c besuchen. Sie wohnen gleich um die Ecke, ein paar Stra\u00dfen weiter, in Iztapalapa, dem \u00e4rmsten und bev\u00f6lkerungsreichsten Bezirk von Mexiko-Stadt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\">Eingezw\u00e4ngt zwischen dem vierspurigen Autobahnring der Megametropole, einer vielbefahrenen Br\u00fccke und einer weiteren Verkehrsachse, hat sich das \u201eUtopieschiff\u201c seinen Platz erobert. Der L\u00e4rm der dr\u00f6hnenden Motoren, das st\u00e4ndige Hupen und die lauten Sirenen, mit denen sich die \u00adPolizei durch die Autokolonnen k\u00e4mpft, sind in dem in Schiffsform gebauten Zentrum kaum zu h\u00f6ren. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesem Nachmittag gekommen sind, informieren sich auf Videow\u00e4nden <a class=\"link in-text-link\" href=\"https:\/\/taz.de\/Angriffe-von-Milizen-und-Mafia\/!6001921\/\">\u00fcber den Klimawandel<\/a>, didaktisch angelegte Installationen thematisieren Geschlechterrollen und sexuelle Gewalt. In einem gro\u00dfen Saal werden Computerschulungen angeboten, im Hof gibt es ein Freilichtkino. Alle Angebote sind kostenlos.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\">Ideal f\u00fcr Melissa Zurita, die Mutter von Liliana und Liam. \u201eIch habe nicht das Geld, um den Kindern Musik- oder Sportunterricht zu bezahlen\u201c, sagt sie. Als sie selbst klein war, habe sie nicht gewusst, was eine Bibliothek sei: \u201eMeinen Kindern wird es anders gehen.\u201c Die 40-J\u00e4hrige tr\u00e4gt an diesem extrem hei\u00dfen Tag im Mai eine d\u00fcnne schwarze Hose und eine wei\u00dfe Bluse mit indigenen Mustern, ihre dunklen Haare hat sie zusammengebunden.<\/p>\n<div class=\"column is-12 is-flex-direction-column-mobile is-flex-direction-row is-flex  mgt-medium mgt-xsmall-mobile pt-medium pb-medium-large pb-large-xlarge-mobile pb-xlarge-xxlarge image-overflow-left image-overflow-left-mobile  webelement-wrapper picture webelement-pos-4 mobile-order-6\" data-pos=\"4\" data-for=\"picture\">\n<figure id=\"lightbox--standard\" class=\" image articleCorpusLeft\ntextwide  konvektion-M\n no-static-aspect-ratio \npswp-gallery pswp-gallery--single-column  \"><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/1200\/Mexiko-Wahl-2.jpeg\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"800\"><img decoding=\"async\" title=\"Eine Frau h\u00e4lt ihre Kinder an den H\u00e4nden\" src=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/14\/Mexiko-Wahl-2.jpeg\" alt=\"Eine Frau h\u00e4lt ihre Kinder an den H\u00e4nden\" height=\"997\" \/><\/a><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Melissa Zurita und ihre Kinder kommen regelm\u00e4\u00dfig in das \u201eUtopieschiff\u201c. Kostenlose Angebote f\u00fcr \u00e4rmere Familien gibt es sonst kaum<span class=\"  typo-fotocredit  \"><span class=\"credit-name \">Foto: Wolf-Dieter Vogel<\/span><\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\">Sie hat die Entwicklung des Barco Utop\u00eda verfolgt, seit vor einigen Jahren der erste Stein gesetzt wurde. \u201eWir haben schon an der Er\u00f6ffnung teilgenommen und sind bis jetzt immer wieder dort\u201c, sagt sie. Ihr Mann verl\u00e4sst sehr fr\u00fch das Haus und kommt erst sp\u00e4t zur\u00fcck, weil er eineinhalb Stunden braucht, um zur Arbeit in einem anderen Stadtteil zu kommen. Melissa Zurita muss sich also den ganzen Tag alleine um die Kinder k\u00fcmmern. Da ist das Schiff um die Ecke eine gro\u00dfe Hilfe. \u201eDaf\u00fcr bin ich Clara unendlich dankbar.\u201c<\/p>\n<h2 id=\"seilbahn-freizeitangebote-und-bunte-fl-chen\" class=\"typo-r-subhead-longread headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-8\">Seilbahn, Freizeitangebote und bunte Fl\u00e4chen<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\">Clara. Alle nennen Clara Brugada nur bei ihrem Vornamen. An jedem zweiten Laternenpfahl des Bezirks und auch an Zuritas Garagent\u00fcr h\u00e4ngt ein Plakat, das f\u00fcr die 60-J\u00e4hrige wirbt. Die Politikerin der Morena-Partei von Pr\u00e4sident Andr\u00e9s Manuel L\u00f3pez Obrador will Regierungschefin von Mexiko-Stadt werden. Mit Claudia Sheinbaum, der Kandidatin f\u00fcr die Nachfolge L\u00f3pez Obradors, bildet sie das Spitzenteam der linken Partei.<\/p>\n<p><a class=\"link in-text-link\" href=\"https:\/\/taz.de\/Wo-2024-gewaehlt-wird\/!5981102\/\">Am kommenden Sonntag wird gew\u00e4hlt<\/a>, und Brugada hat gro\u00dfe Chancen, das Rennen zu machen. Dabei zeichnet sie eines besonders aus: Als B\u00fcrgermeisterin von Iztapalapa, dem wichtigsten Wahlbezirk von Morena, hat die Politikerin in den vergangenen Jahren viel f\u00fcr die Armutsbev\u00f6lkerung geleistet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\">Nach dem Vorbild der kolumbianischen Stadt Medell\u00edn lie\u00dfen Brugada und Sheinbaum, die bis zum Beginn ihres Wahlkampfs die Hauptstadt regierte, eine Seilbahn bauen, die einige arme Viertel an das U-Bahn-System und damit auch an die Innenstadt anbindet. Mit 10,6 Kilometer L\u00e4nge ist die Bahn die l\u00e4ngste Lateinamerikas. Wer von den blauen Kabinen des <em>Cableb\u00fas<\/em> auf die anarchische Ansammlung von H\u00e4usern, H\u00f6fen und verwinkelten Stra\u00dfen herunterschaut, hat ganz Iztapalapa im Blick.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\">Die bunten Fl\u00e4chen, die von dort aus zu sehen sind, verweisen auf ein weiteres Projekt Brugadas: Die B\u00fcrgermeisterin lie\u00df zahlreiche Dachterrassen mit Bildern bemalen. Tausende weitere Werke einheimischer K\u00fcnstler zieren die Mauern. Manche zeigen aztekische Helden, indigene Frauen oder bunte Fantasiefiguren. Andere propagieren Frauenrechte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\">Zu den hervorstechenden Initiativen der Politikerin z\u00e4hlen <em>Utop\u00edas<\/em>wie das Schiff, auf dem sich Liliana und Liam gerade vergn\u00fcgen. Zw\u00f6lf solcher \u201eEinheiten zur Transformation und Organisation von Inklusion und sozialer Harmonie\u201c sind in ihrer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Regierungszeit in dem Bezirk entstanden. F\u00fcnf weitere sollen dieses Jahr fertiggestellt werden. Gro\u00dfe Anlagen bieten dort Platz f\u00fcr Fu\u00dfball, Tennis oder Skaten. Wo bislang keine \u00f6ffentlichen B\u00e4der existierten, gibt es Schwimm- und Planschbecken. Einige der \u201eUtopien\u201c verf\u00fcgen \u00fcber Arztpraxen, und alle bieten psychologische Unterst\u00fctzung von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Auch Hilfe f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige, Musikunterricht und Gymnastik f\u00fcr \u00e4ltere Menschen gibt es hier.<\/p>\n<h2 id=\"in-iztapalapa-leben-rund-zwei-millionen-menschen\" class=\"typo-r-subhead-longread headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-17\">In Iztapalapa leben rund zwei Millionen Menschen<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\">Die meisten der Anlagen befinden sich auf ehemals brachliegenden Gel\u00e4nden. So auch das Utopieschiff. \u201eHier war fr\u00fcher alles duster, es gab kein Licht\u201c, sagt Projektleiter Oscar Ga\u00e9l G\u00f3mez, w\u00e4hrend er Liliana, Liam und ihre Mutter durch die drei Stockwerke des Schiffs begleitet. \u201eDie Kids trafen sich, um Drogen zu nehmen, Bier zu trinken und zu \u00dcberf\u00e4llen loszuziehen.\u201c Auch Melissa Zurita erinnert sich an das einst verwahrloste St\u00fcck Land. \u201eManchmal stand hier ein Zirkus, der viel Eintritt verlangte\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eDoch sonst kamen die Leute nur, um zu trinken.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\">\u201eDas Geb\u00e4ude wurde als Schiff gebaut, um Interesse zu wecken\u201c, erkl\u00e4rt G\u00f3mez das <em>Barco Utop\u00eda<\/em>. \u201eDenn viele Menschen in Iztapalapa werden wohl nie in ein richtiges Schiff steigen.\u201c Der Mittdrei\u00dfiger arbeitet schon lange in dem Bezirk im Osten der Hauptstadt. Hunderttausende, die vom Land in die Stadt migriert sind, haben sich hier in den 1960er und 70er Jahren niedergelassen. Inzwischen leben fast zwei Millionen Menschen in dem Bezirk. Viele m\u00fcssen jeden Monat k\u00e4mpfen, um \u00fcber die Runden zu kommen. Fortbildungen und anspruchsvolle Kultur k\u00f6nnen sie sich nicht leisten. Genau da setzt das Schiff an, in dem dort alle Angebote kostenlos angeboten werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\">Liliana und Liam sind mittlerweile in den R\u00e4umen angelangt, in denen Kinder lernen, sich \u00adgegen sexuelle Angriffe in der Familie zu sch\u00fctzen. \u201eWenn jemand etwas tut, was dir nicht gef\u00e4llt, musst du klar Nein sagen\u201c, hei\u00dft es auf einer Zeichnung. Nebenan zeigen Videoinstallationen die Folgen der Erderw\u00e4rmung: \u00dcberschwemmungen, Waldbr\u00e4nde, W\u00fcsten. Doch G\u00f3mez geht es nicht nur ums Aufkl\u00e4ren: \u201eWir wollen den Jugendlichen, die ja besonders f\u00fcr Gewalt und Kriminalit\u00e4t anf\u00e4llig sind, bessere Lebensperspektiven bieten.\u201c Dazu m\u00fcsse man den \u00f6ffentlichen Raum anders besetzen, erkl\u00e4rt er und meint damit die Belebung heruntergekommener Orte ebenso wie Wandmalereien. Das Konzept sei erfolgreich, sagt er. \u201eDie Gewalt hat in Iztapalapa um die H\u00e4lfte abgenommen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\">Diese Zahl ist umstritten und erscheint sehr hoch gegriffen. Das Statistikamt Inegi gibt an, dass in dem Bezirk 45 Prozent weniger Morde ver\u00fcbt worden seien. Demnach w\u00fcrde aktuell etwa jeden zweiten Tag ein Mensch eines unnat\u00fcrlichen Todes sterben. Doch staatliche Angaben sind mit Vorsicht zu genie\u00dfen. So gehen mindestens 100.000 vermisste Menschen, die von Kriminellen verschleppt wurden und nie wieder aufgetaucht sind, nicht in diese Statistik ein \u2013 obwohl viele von ihnen tot sein d\u00fcrften.<\/p>\n<h2 id=\"lampen-und-polizeistreifen-f-r-das-sicherheitsgef-hl\" class=\"typo-r-subhead-longread headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-23\">Lampen und Polizeistreifen f\u00fcr das Sicherheitsgef\u00fchl<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\">Dennoch: Nach der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Amtszeit der B\u00fcrgermeisterin Brugada f\u00fchlen sich \u201enur\u201c noch etwa 70 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner unsicher. Vor vier Jahren waren es 88 Prozent. \u201eKann sein, dass die Gewalt weitergegangen ist, so wie \u00fcberall, aber ich habe nichts Schlechtes erlebt\u201c, sagt Melissa Zurita. Allein weil die Stadt sch\u00f6ner und nachts heller geworden sei, f\u00fchle sie sich sicherer. Und wegen der vielen Polizisten und Nationalgardisten, die hier patrouillieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\">Diese Sicherheitsma\u00dfnahmen d\u00fcrften ma\u00dfgeblich daf\u00fcr gesorgt haben, dass der Bezirk ruhiger erscheint als fr\u00fcher. Brugada hat die Zahl der Polizeistreifen verdoppelt, etwa dreimal so viele Beamtinnen und Beamte sind im Einsatz. Zudem lie\u00df sie auf schlecht beleuchteten Stra\u00dfen Lampen aufstellen und 9.000 \u00dcberwachungskameras installieren. Diese Initiativen, vor allem auch die <em>Utop\u00edas<\/em>, kosten viel Geld, und kaum eine andere Lokalregierung Mexikos erh\u00e4lt in diesem Ausma\u00df Hilfe wie die von Iztapalapa. Das hat einen einfachen Grund: Der Bezirk ist in Mexiko-Stadt die wichtigste Bastion der Morena-Partei und dessen Pr\u00e4sidenten L\u00f3pez Obrador.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-26\">W\u00e4hrend der Staatschef wegen seiner aggressiven Hetze gegen Mittelstand, Intellektuelle und Oppositionelle in anderen Stadtteilen Zustimmung verloren hat, bleibt das Vorzeigeviertel Iztapalapa stabil in Morena-Hand.<\/p>\n<div class=\"column is-12 is-flex-direction-column-mobile is-flex-direction-row is-flex  mgt-medium mgt-xsmall-mobile  pt-medium pb-medium-large pb-large-xlarge-mobile pb-xlarge-xxlarge image-overflow-right-mobile image-overflow-right  webelement-wrapper picture webelement-pos-20 mobile-order-27\" data-pos=\"20\" data-for=\"picture\">\n<figure id=\"lightbox--standard\" class=\" image articleCorpusRight \ntextwide  konvektion-M\n no-static-aspect-ratio \npswp-gallery pswp-gallery--single-column  \"><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/1200\/35432039-3-4.jpeg\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"800\"><img decoding=\"async\" title=\"Ein mann steht an einem Marktstand, an dem Kakteenbl\u00e4tter verkauft werden\" src=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/14\/35432039-3-4.jpeg\" alt=\"Ein mann steht an einem Marktstand, an dem Kakteenbl\u00e4tter verkauft werden\" height=\"997\" \/><\/a><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Juan Villanueva arbeitet auf einem Markt im Viertel. Er kritisiert die Sozialpolitik des linken Pr\u00e4sidenten<span class=\"  typo-fotocredit  \"><span class=\"credit-name \">Foto: Wolf-Dieter Vogel<\/span><\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-28\">Und die Partei k\u00fcmmert sich um \u201eihr\u201c Viertel: So ist zu erkl\u00e4ren, warum hier die Sicherheit zugenommen hat, w\u00e4hrend viele Regionen Mexikos angesichts der Gewalt krimineller Organisationen, Korruption und Straflosigkeit v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle geraten sind. Nicht zuletzt die bisherige Regierungs\u00adchefin von Mexiko-Stadt, Sheinbaum, hat Iztapalapa stark unterst\u00fctzt. Deren potenzielle Nachfolgerin Brugada verspricht nun, in der Metropole hundert <em>Utop\u00edas<\/em> zu errichten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\">Auch Juan Villanueva ist dem Bezirk eng verbunden. Aber was die Sicherheit betrifft, ist der 77-J\u00e4hrige weniger optimistisch. \u201eAuch in den besseren Gegenden passiert es, dass dich ein 15-J\u00e4hriger in deinem Auto stoppt, dir eine Knarre an den Kopf h\u00e4lt und dir die Uhr oder das Portemonnaie abnimmt\u201c, sagt er. Villanueva, oranges Hemd, schwarze Hose, Schnauzer, Sombrero, vermietet auf dem Gro\u00dfmarkt von Mexiko-Stadt Duschen f\u00fcr Lkw-Fahrer, die von au\u00dferhalb kommen und ausruhen m\u00fcssen. Das Gesch\u00e4ft l\u00e4uft gut.<\/p>\n<h2 id=\"ein-markt-f-r-hunderttausende\" class=\"typo-r-subhead-longread headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-31\">Ein Markt f\u00fcr Hunderttausende<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-32\">Eigentlich besitzt er eine Wohnung in einem anderen Bezirk. Doch seit seine Frau gestorben ist und die Kinder aus dem Haus sind, verbringt er oft Tag und Nacht auf dem weltweit gr\u00f6\u00dften Markt f\u00fcr Obst, Gem\u00fcse, Blumen und andere Produkte. Seit die Mega-Anlage 1982 in Iztapalapa er\u00f6ffnet wurde, arbeitet er hier. \u201eEs gibt keinen Ort, an dem ich mich besser f\u00fchle\u201c, sagt er, w\u00e4hrend er, auf einen Stock gest\u00fctzt, von einem Stand zum anderen l\u00e4uft. Hier ein paar Worte, dort freundliche Gr\u00fc\u00dfe, viele kennen ihn. Mit Stolz erz\u00e4hlt er von den Superlativen des <em>Central de Abastos<\/em>, der zu einer Stadt in der Stadt geworden ist: von den \u00fcber 100.000 Tonnen Waren, die t\u00e4glich angekarrt werden und die die gesamte Metropole versorgen, von den 70.000 Besch\u00e4ftigten und von den 300.000 Menschen, die hier jeden Tag ein und aus gehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-33\">\u201eDie Menschen aus Iztapalapa sind die Lebensadern des Marktes\u201c, beschreibt Villanueva und zeigt auf den Busbahnhof, auf dem die Arbeiterinnen und Arbeiter ankommen. Auch sie lebten gef\u00e4hrlich: \u201eDie Busse werden immer wieder \u00fcberfallen, und auch im Markt gibt es st\u00e4ndig Raub\u00fcberf\u00e4lle und Erpressungen\u201c, klagt er.<\/p>\n<div class=\"column is-12 is-flex-direction-column-mobile is-flex-direction-row is-flex  mgt-medium mgt-xsmall-mobile pt-medium pb-medium-large pb-large-xlarge-mobile pb-xlarge-xxlarge image-overflow-left image-overflow-left-mobile  webelement-wrapper picture webelement-pos-25 mobile-order-34\" data-pos=\"25\" data-for=\"picture\">\n<figure id=\"lightbox--standard\" class=\"image articleCorpusLeft textwide konvektion-M no-static-aspect-ratio pswp-gallery pswp-gallery--single-column verticalAspectRatio\"><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/1200\/Mexiko-Wahl-3.jpeg\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"1800\"><img decoding=\"async\" title=\"Eine Frau sitzt in einem B\u00fcro, sie tr\u00e4gt ein lustiges T-shirt mit dem Aufdruck eines H\u00fcndchens\" src=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7027574\/14\/Mexiko-Wahl-3.jpeg\" alt=\"Eine Frau sitzt in einem B\u00fcro, sie tr\u00e4gt ein lustiges T-shirt mit dem Aufdruck eines H\u00fcndchens\" height=\"443\" \/><\/a><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Claudia Renter\u00eda wirft der Politik Unt\u00e4tigkeit vor: \u201eSie ignoriert uns.\u201c<span class=\"  typo-fotocredit  \"><span class=\"credit-name \">Foto: Wolf-Dieter Vogel<\/span><\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\">Das best\u00e4tigen auch andere, die er als Interessenvertreter der H\u00e4ndler bei seinem Rundgang trifft. Etwa Claudia Renter\u00eda, die gerade im B\u00fcro Abrechnungen macht, w\u00e4hrend ihre Besch\u00e4ftigten einen Lkw mit gr\u00fcnen Tomaten entladen. \u201eSelbst in den G\u00e4ngen wird gestohlen, und obwohl es Beweise gibt, tut die Polizei nichts\u201c, sagt sie. Dann erinnert sie daran, wie Sheinbaum einmal den Markt besucht habe. Nichts sei danach passiert. Weder die Probleme der M\u00fcllentsorgung noch die der Unsicherheit seien gel\u00f6st. \u201eSie ignorieren uns\u201c, kritisiert Renter\u00eda die Politiker*innen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-36\">Villanueva sieht das anders. Die Stadtregierung, die f\u00fcr den Markt mit verantwortlich ist, habe 400 Kameras installiert. Au\u00dferdem habe sie eine Photovoltaik-Anlage eingebaut, erkl\u00e4rt der 77-J\u00e4hrige und zeigt auf die vielen Solarpanels auf den D\u00e4chern. \u201eDie aktuelle Administration ist die beste seit 25 Jahren\u201c, ist er \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\">Wenn er aber \u00fcber Iztapalapa und den Markt hinausblickt, h\u00e4lt er nicht viel von der Morena-Partei. Er verweist auf das Gesundheitssystem, das heruntergekommen sei. Tats\u00e4chlich ist die Tatsache, dass der Diabetiker \u00fcberhaupt noch mit seinem Stock durch die Markthallen laufen kann, ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. Sein Gesch\u00e4ft wirft genug ab, und so konnte er sein angeschlagenes Bein f\u00fcr teures Geld in einem privaten Krankenhaus operieren lassen. W\u00e4re er von den staatlichen Hospit\u00e4lern abh\u00e4ngig gewesen, h\u00e4tte er es wohl verloren. \u201eDie Ger\u00e4te waren nicht gepflegt, manche sogar abgeschaltet, und es fehlte an \u00c4rzten und Medizin\u201c, berichtet er.<\/p>\n<h2 id=\"kritik-an-der-politik-des-linken-pr-sidenten\" class=\"typo-r-subhead-longread headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-38\">Kritik an der Politik des linken Pr\u00e4sidenten<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-39\">Mit der Sozialpolitik des linken Pr\u00e4sidenten kann Villanueva wenig anfangen. Durch ein von L\u00f3pez Obrador geschaffenes Programm erhalten alle Menschen \u00fcber 65 Jahren monatlich umgerechnet 125 Euro staatliche Unterst\u00fctzung, eine Art Grundrente. Villanueva h\u00e4lt nichts von diesem Gie\u00dfkannenprinzip. \u201eAnstatt allen ein paar Pesos zu geben, sollte L\u00f3pez Obrador in das Gesundheitssystem investieren\u201c, kritisiert er.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahrzehnt war Villanueva in der Friedensbewegung aktiv. Zehntausende gingen damals auf die Stra\u00dfe und zogen mit Karawanen durchs Land, um gegen die ausufernde Gewalt zu protestieren. Vor seiner Amts\u00fcbernahme setzten sich deren Vertreter mit L\u00f3pez Obrador zusammen, um Konzepte zur \u00dcberwindung der Gewalt zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Einmal im Amt, ignorierte der Staatschef die Vorschl\u00e4ge. \u201eDer Pr\u00e4sident markiert eine Linie: Hier sind die Guten, und hier die Schlechten\u201c, kritisiert er den Populismus des Staatschefs. Vor allem aber st\u00f6rt ihn, dass die Regierung nicht jene unterst\u00fctze, die sich wie er aus eigener Kraft heraus bem\u00fchten, wirtschaftlich voranzukommen. F\u00fcr ihn ist klar, dass er am Sonntag die Kandidaten der b\u00fcrgerlich-rechten Opposition w\u00e4hlen wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-45\">Doch f\u00fcr die Mehrheit in Iztapalapa ist das keine Option. Clara Brugada, so denken viele hier, hat ihnen nicht nur mehr Chancen auf ein w\u00fcrdiges Leben gegeben, sie hat auch das Ansehen des Bezirks ver\u00e4ndert. Lange Zeit galt er als M\u00fcllplatz von Mexiko-Stadt, als Hort der Kriminalit\u00e4t und Gewalt. Heute sind nicht wenige stolz auf ihren Bezirk. Wenn sich die lokale, erfolgreiche Cumbia-Band \u201eLos Angeles Azules\u201c auf ihren Konzerten mit dem Slogan \u201eAus Iztapalapa f\u00fcr die Welt\u201c ank\u00fcndigt, hat das f\u00fcr die Leute aus dem Bezirk gro\u00dfe Bedeutung. \u201eFr\u00fcher hat sich niemand f\u00fcr Iztapalapa interessiert, heute kommen Leute aus anderen Gegenden, um die <em>Utop\u00edas<\/em> zu sehen\u201c, sagt Zurita. \u201eManche Freunde sagen, das gibt es doch nur in der Ersten Welt.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-46\">Die Mutter ist mit ihren Kindern mittlerweile weitergezogen, raus aus dem Schiff mit dem digitalen Aquarium, in das unweit gelegene <em>Utop\u00eda Libertad<\/em>. Dort gibt es viel Platz, um drau\u00dfen zu spielen, es gibt eine Tierfarm, ein Planetarium. Alle Geb\u00e4ude wurden nachhaltig gebaut. Allerdings befindet sich die \u201eUtopie Freiheit\u201c ironischerweise direkt neben einem Gef\u00e4ngnis, die Wacht\u00fcrme der Haftanstalt grenzen an das Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-47\">Malereien an der Wand, die den Knast von der \u201eFreiheit\u201c trennt, erinnern daran, dass in der <em>Utop\u00eda Libertad<\/em> vergangenes Jahr ein Treffen der <a class=\"link in-text-link\" href=\"https:\/\/taz.de\/Aktivistin-ueber-feministisches-Netzwerk\/!5928321\/\">\u201eFeministischen Internationale\u201c<\/a> ausgerichtet wurde. Ganz im Sinne von Clara Brugada, die die Metropole zur \u201efeministischen Stadt\u201c machen will. Neben den Bildern von Frauenrechtlerinnen verweist ein Satz an der Wand auf die Utopie der <em>Utop\u00edas<\/em>: \u201eF\u00fcr eine Welt, in der wir sozial gleich und menschlich verschieden sind.\u201c Auch deshalb sind die Projekte f\u00fcr Zurita wichtig. \u201eEs ist gut\u201c, sagt sie, \u201ewenn schon die Kinder lernen, dass alles allen geh\u00f6ren sollte.\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":95,"featured_media":119550,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-119549","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/119549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/95"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/119550"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119549"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=119549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}