{"id":119988,"date":"2024-06-17T09:49:52","date_gmt":"2024-06-17T08:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=119988"},"modified":"2024-06-17T09:49:52","modified_gmt":"2024-06-17T08:49:52","slug":"konflikt-um-taiwan-ein-selfie-und-seine-geschichte","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/konflikt-um-taiwan-ein-selfie-und-seine-geschichte\/","title":{"rendered":"Konflikt um Taiwan: Ein Selfie und seine Geschichte"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Das Treffen mit dem Potenzial, Peking zu reizen wie kaum ein anderes, hatte noch gar nicht richtig begonnen, da gab es schon die erste Grenz\u00fcberschreitung. Nancy Pelosi betrat den Saal, hielt geradewegs auf die Wartenden zu und umarmte einen kr\u00e4ftigen, graumelierten Mann mit einer Stars-and-Stripes-Maske. Ein Versto\u00df gegen Taiwans Coronaregeln. Allen war eingesch\u00e4rft worden, dass Pelosis Delegation streng abgeschirmt unterwegs war und man sich nicht einmal die H\u00e4nde geben sollte.<\/p>\n<p>Es war der Nachmittag des 3. August, der letzte Termin w\u00e4hrend Pelosis nicht einmal 24-st\u00fcndigem Taiwanbesuch, den sie trotz aller Warnungen aus China durchgezogen hatte. Die Vorsitzende des US-Repr\u00e4sentantenhauses hatte Taiwans Parlament besucht, die Pr\u00e4sidentin getroffen, und nun sa\u00df die 82-J\u00e4hrige im Nationalen Menschenrechtsmuseum am Stadtrand von Taipeh einer illustren Runde von Chinakritikern gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Der von ihr Umarmte ist f\u00fcr China seit Jahrzehnten mindestens ein so rotes Tuch wie Pelosi seit dieser Reise. Einige Tage sp\u00e4ter sitzt Wu&#8217;er Kaixi in einem Caf\u00e9 und schildert die Szene. \u201eIch erinnerte sie daran, dass wir uns auf den Tag genau vor 33 Jahren zum ersten Mal in Washington trafen, am 3. August 1989.&#8221; Pelosi war damals eine noch wenig erfahrene Abgeordnete im Menschenrechtsausschuss &#8211; und Wu&#8217;er Kai\u00adxi, dessen urspr\u00fcnglich uigurischer Name im Ganzen genannt wird, einer der wichtigsten Studentenf\u00fchrer vom Platz des Himmlischen Friedens. Keine zwei Monate vorher hatte der geb\u00fcrtige Pekinger sich nach der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung ins Ausland retten k\u00f6nnen. Es folgten viele weitere Treffen. In Taipeh habe Pelosi ihn den f\u00fcnf anderen Abgeordneten ihrer Delegation als \u201eFreund&#8221; vorstellt, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>Von dem 54-J\u00e4hrigen, der seit 1996 im Exil in Taiwan lebt und seit einigen Jahren als hauptberuflicher Lobbyist f\u00fcr die bedrohte Demokratie seiner neuen Heimat viele Washingtoner Hinterzimmer kennengelernt hat, l\u00e4sst sich einiges erfahren \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Pelosis weltweit Aufsehen erregender Reise &#8211; und \u00fcber die Frage, ob sie Taiwan unterm Strich dringend n\u00f6tige Aufwertung oder nur noch mehr \u00c4rger mit China brachte.<\/p>\n<p><strong>Klare Botschaft, klarer Ort<\/strong><\/p>\n<p>Pekings Proteste und damit der ganze Wirbel begannen mit einem Leak. Am 19. Juli verriet die Financial Times unter Bezug auf anonyme Quellen die Reisepl\u00e4ne. W\u00fcrde Pelosi es wirklich tun oder doch noch zur\u00fcckschrecken? Bis ihre Air-Force-Maschine in Taipeh aufsetzte, gab es keine offizielle Best\u00e4tigung, und auf den Meinungsseiten der Weltpresse stritt sich die Klare-Kante-Fraktion mit Team Vorsicht. Wu&#8217;er Kaixi war da bereits eingeweiht, denn am oder kurz vor dem 19. Juli &#8211; genau wisse er das nicht mehr &#8211; habe Nancy Pelosis B\u00fcro angerufen. Ob er Anfang August in Taipeh w\u00e4re? \u201eIch wollte so sehr, dass dieser Besuch stattfindet. Nat\u00fcrlich habe ich das f\u00fcr mich behalten, um ihn nicht zu gef\u00e4hrden.&#8221;<\/p>\n<p>Nicht nur die Teilnehmer des Treffens mit Pelosi, auch der Ort sollte eine klare Botschaft senden: Taiwan ist ganz anders als China. Kaum etwas verk\u00f6rpert diesen Wandel von einer Diktatur zu einer der freiesten Demokratien \u00adAsiens besser als diese Ansammlung von Baracken vor einem Gef\u00e4ngnisbau mit Wacht\u00fcrmen, Zellenblocks und Stacheldraht. Bis in die 1980er Jahre sprachen hier Milit\u00e4rtribunale Unrecht, verurteilten politische Gefangene zum Tode oder zu langer Haft in primitiven Zellen. Heute f\u00fchren ehemalige Insassen Besucher herum, m\u00f6glichst viel ist im Originalzustand erhalten &#8211; wie im Stasi-Gef\u00e4ngnis Berlin-Hohensch\u00f6nhausen, mit dem das Menschenrechtsmuseum sich schon lange austauscht.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":120080,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-119988","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/119988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/120080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119988"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=119988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}