{"id":120070,"date":"2024-06-17T10:09:57","date_gmt":"2024-06-17T09:09:57","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=120070"},"modified":"2024-06-17T10:13:19","modified_gmt":"2024-06-17T09:13:19","slug":"neue-forderungen-nach-unabhaengigkeit-auf-taiwan","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/neue-forderungen-nach-unabhaengigkeit-auf-taiwan\/","title":{"rendered":"Neue Forderungen nach Unabh\u00e4ngigkeit auf Taiwan"},"content":{"rendered":"<p>Die Demonstranten forderten das Ende jeglicher Verehrung f\u00fcr Chiang Kai-shek, der Taiwan vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu seinem Tod 1975 autorit\u00e4r regiert hatte. Sein Sarg steht in einer seiner fr\u00fcheren Residenzen in der Stadt Taoyuan \u00f6ffentlich aufgebahrt.<\/p>\n<p>Verunstaltungen von Statuen Chiangs sind in Taiwan am 28. Februar, dem Gedenktag an einen 1947 niedergeschlagenen <a title=\"Link: http:\/\/www.dw.com\/de\/taiwans-pr%C3%A4sidentin-will-aufarbeitung-der-diktatur-zeit\/a-37746984\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/taiwans-pr%C3%A4sidentin-will-aufarbeitung-der-diktatur-zeit\/a-37746984\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Volksaufstand<\/a>, keine Seltenheit. Doch seine Grabst\u00e4tte war erstmals das Ziel einer so drastischen Aktion. Videoaufnahmen zeigen, wie die Aktivisten nach dem Marmor-Sarkophag auch ein Portr\u00e4t Chiangs mit blutroter Farbe beschmieren, als Anspielung auf die Opfer seines Regimes, und ein Transparent mit der Forderung nach einer &#8220;Republik Taiwan&#8221; entfalten. Bis heute lautet Taiwans offizielle Bezeichnung &#8220;Republik China&#8221; &#8211; der Staat, mit dem Chiang einst ganz China regierte und den er 1949 nach dem verloreren B\u00fcrgerkrieg gegen die Kommunisten nur noch auf Taiwan fortf\u00fchren konnte.<\/p>\n<p><strong>Chinas Machtanspruch pr\u00e4gt Taiwans Politik <\/strong><\/p>\n<p>Die kontroverse Aktion macht deutlich, wie sehr die eigene Geschichte Taiwans Gesellschaft auch nach mehr als 20 Jahren Demokratie noch spaltet und dass innenpolitische Debatten hier jederzeit einen m\u00f6glichen milit\u00e4rischen Konflikt mit China anheizen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Volksrepublik hatte auf Taiwan zwar nie etwas zu sagen, h\u00e4lt aber unbeirrt an ihrem Machtanspruch fest. Sollten die Taiwaner das aus China stammende System absch\u00fctteln und ihrem Staat einen neuen Namen geben, w\u00e4re so eine Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung f\u00fcr Peking sogar ein Kriegsgrund. Per Anti-Abspaltungsgesetz hatte 2005 die Volksrepublik sich diese Rechtfertigung und den Einsatz von Waffengewalt selbst einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Diplomatische und wirtschaftliche <a title=\"Link: http:\/\/www.dw.com\/de\/taiwan-ist-sauer-auf-panama-und-auf-china\/a-39234494\" href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/taiwan-ist-sauer-auf-panama-und-auf-china\/a-39234494\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Abstrafung<\/a> aus Peking muss Taiwans Pr\u00e4sidentin Tsai Ing-wen aushalten, weil sie seit ihrem Machtantritt vor fast zwei Jahren nicht die Formel aufgreift, beide Seiten seien eigentlich Teile des selben Landes. Ihre Absicht, verbliebene Symbole des Personenkults um Chiang &#8211; wie seine monumentale Ged\u00e4chtnishalle im Zentrum von Taipeh &#8211; auf den Pr\u00fcfstand zu stellen, kritisiert Peking als &#8220;De-Sinifizierung&#8221; (Abbau der China-Elemente im politischen und gesellschaftlichen Leben auf Taiwan) und schleichende Schritte Richtung Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p><strong>Pl\u00e4ne f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum <\/strong><\/p>\n<p>Ein \u00c4rgernis f\u00fcr Tsai, die im Verh\u00e4ltnis zu China den Erhalt des Status Quo als Ziel nennt, d\u00fcrfte eine Veranstaltung ebenfalls am Mittwoch gewesen sein: Eine breite Allianz von Unabh\u00e4ngigkeitsgruppen, unter ihnen zwei Ex-Pr\u00e4sidenten, verk\u00fcndete , sie strebe eine Volksabstimmung an mit dem Ziel, Taiwan eine neue Verfassung und einen neuen Staatsnamen zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der 95 Jahre alte Ex-Pr\u00e4sident Lee Teng-hui, der Taiwans Demokratisierung ma\u00dfgeblich vorangetrieben hatte, stellte sich ebenso dahinter wie sein Nachfolger Chen Shui-bian, der wegen einer Korruptionsaff\u00e4re verurteilt wurde und aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden Haftverschonung hat.&#8221;Taiwan und China haben eine besondere Beziehung, aber es ist zweifellos eine Beziehung zwischen zwei Staaten&#8221;, wiederholte Lee eine Formulierung, die erstmals 1999 in einem DW-Interviewweltweit f\u00fcr Aufsehen gesorgt hatte.<\/p>\n<p>Ein solches Referendum w\u00fcrde von Peking zweifellos mit gr\u00f6\u00dfter Sch\u00e4rfe beantwortet. Dass es, wie angestrebt, im April 2019 stattfinden wird, ist allerdings h\u00f6chst unwahrscheinlich. Obwohl Taiwans Regierung zu Beginn dieses Jahres die H\u00fcrden f\u00fcr Volksabstimmungen gesenkt hatte, sind Entscheidungen \u00fcber Staatsnamen und Territorialgebiet ausdr\u00fccklich nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngigkeits-Bef\u00fcrworter auf dem absteigenden Ast? <\/strong><\/p>\n<p>Der aussichtslose Referendumsvorsto\u00df sei &#8220;eher innenpolitisch motiviert&#8221;, sagte der K\u00f6lner Politologe Hermann Halbeisen, der Taiwan seit langem erforscht, im Gespr\u00e4ch mit der DW. Angesichts der vergleichsweise gem\u00e4\u00dfigten Chinapolitik ihrer Pr\u00e4sidentin w\u00fcrden die Aktivisten um ihren Einfluss bangen. Die Idee einer formellen Unabh\u00e4ngigkeit verliere zudem seit einiger Zeit wieder an Zustimmung. Im Gegenteil seien &#8220;aus \u00f6konomischen Kalk\u00fcl&#8221; viele j\u00fcngere Taiwaner bereit, &#8220;Angebote der Volksrepublik&#8221; zu nutzen. Hintergrund: Taiwans Wirtschaft w\u00e4chst langsamer als Chinas, die L\u00f6hne stagnieren.<\/p>\n<p>Laut einer Langzeitstudie der Nationalen Chengchi-Universit\u00e4t in Taipeh ist der Anteil der B\u00fcrger, die sich selbst nur als &#8220;taiwanisch&#8221; und nicht auch als &#8220;chinesisch&#8221; sehen, auf den niedrigsten Wert seit 2012 gesunken. Der betr\u00e4gt aber immer noch mehr als 55 Prozent. Zugleich wollen weniger als sechs Prozent formelle Unabh\u00e4ngigkeit so rasch wie m\u00f6glich, also ohne R\u00fccksicht auf Chinas Reaktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chinas neue Lockmittel f\u00fcr Taiwaner<\/strong><\/p>\n<p>Offensichtlich nach dem Motto &#8220;Zuckerbrot und Peitsche&#8221; verk\u00fcndete die Regierung in Peking, ebenfalls am Mittwoch, eine Reihe neuer Erleichterungen f\u00fcr ihre &#8220;Landsleute in Taiwan&#8221;. Sie sollen k\u00fcnftig wie B\u00fcrger der Volksrepublik behandelt werden, dort etwa auch Steuererleichterungen erhalten und sich um Regierungsauftr\u00e4ge bewerben k\u00f6nnen. Wirtschaftliche Verlockungen unter Umgehung von Taiwans Regierung also, die allerdings unter einem Vorbehalt gelten: &#8220;Doppelgesichtige Gesch\u00e4ftsleute&#8221;, die in China zwar Geld machen wollten, aber Taiwan nicht als Teil Chinas s\u00e4hen, seien ausgenommen, stellte ein Regierungssprecher klar.<\/p>\n<p>Aus Taiwans Sicht bedrohliche Entwicklungen, wie die st\u00e4ndig vorangetriebene milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung oder die bevorstehende Verfassungs\u00e4nderung, die Chinas Staatschef Xi Jinping Macht auf Lebenszeit erm\u00f6glicht, machen einen durchgreifenden Erfolg chinesischer Charmeoffensiven aber unwahrscheinlich. Eine \u201eimmer gr\u00f6\u00dfer werdende politische Kluft&#8221;, die &#8220;eine ohnehin kaum realistische friedliche Wiedervereinigung zus\u00e4tzlich erschwert&#8221;, beobachtet Frederic Krumbein, Taiwanexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Xi werde sein Ziel der \u201egro\u00dfen Wiederaufstehung der chinesischen Nation&#8221; weiter vorantreiben, sagte Krumbein der DW. &#8220;Dazu geh\u00f6rt die Vereinigung mit Taiwan. Insofern w\u00fcrde ich vorerst nicht mit Entspannung rechnen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":120083,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-120070","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/120070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/120083"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=120070"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=120070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}