{"id":122296,"date":"2025-02-18T21:38:01","date_gmt":"2025-02-18T20:38:01","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=122296"},"modified":"2025-03-06T21:43:17","modified_gmt":"2025-03-06T20:43:17","slug":"in-mexiko-ein-grosser-flop","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/in-mexiko-ein-grosser-flop\/","title":{"rendered":"In Mexiko ein gro\u00dfer Flop"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\"><span class=\"initial-letter-outer \"><span class=\"initial-letter  typo-r-initial-meinung pl-xsmall pr-small ph-xsmall-mobile \">Karla Sof\u00eda Gasc\u00f3n, Hauptdarstellerin aus \u201eEmilia P\u00e9rez\u201c, \u00e4u\u00dfert sich rassistisch. Auch der Vorwurf, Gewalt zu banalisieren, schadet dem Film.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\"><span class=\"initial-letter-outer \"><span class=\"initial-letter  typo-r-initial-meinung pl-xsmall pr-small ph-xsmall-mobile \">E<\/span><\/span><span class=\"is-inline\">s sei ein Desaster, meinte die Netflix-Content-Chefin Bela Bajaria jetzt zu den Folgen des rassistischen Tweets von Karla Sof\u00eda Gasc\u00f3n, der Hauptdarstellerin <a class=\"link in-text-link\" href=\"https:\/\/taz.de\/Emilia-Perez-Regisseur-Jacques-Audiard\/!6048474\/\">des Musicals \u201eEmilia P\u00e9rez\u201c.<\/a>Und Regisseur Jacques Audiard will schon gar nicht mehr mit seiner Protagonistin sprechen. In der Tat gibt es keinen Grund, mit einer Schauspielerin nachsichtig zu sein, die den von Polizisten get\u00f6teten Schwarzen George Floyd einen \u201edrogenabh\u00e4ngigen Betr\u00fcger\u201c nennt. Trotzdem l\u00e4sst sich daraus nat\u00fcrlich kein Urteil \u00fcber den Film ableiten, in dem die trans Person Gasc\u00f3n die Hauptrolle spielt.<\/span><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\">Anders sieht es mit Audiards Behauptung aus, Spanisch sei \u201edie Sprache bescheidener L\u00e4nder, der Entwicklungsl\u00e4nder, der Armen und Migranten\u201c. Der Regisseur entschuldigte sich und bezeichnete den Satz \u2013 mittelm\u00e4\u00dfig \u00fcberzeugend \u2013 als Missverst\u00e4ndnis. Bei vielen Me\u00adxi\u00adka\u00adne\u00adr*in\u00adnen stie\u00df die Aussage dennoch auf erheblichen Unmut. So wie vieles in dem weltweit gefeierten und pr\u00e4mierten Musical.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\">Die Frage, wie es in Mexiko wahrgenommen wird, spielt jedoch in den Feuilletons keine Rolle. Das ist bemerkenswert, schlie\u00dflich liefern die dortigen gewaltt\u00e4tigen Verh\u00e4ltnisse den Stoff: Ein Mafiachef l\u00e4sst sich operieren, um als Frau unerkannt aus dem Kartell aussteigen zu k\u00f6nnen, und wird dann zur Helferin der Opfer.<\/p>\n<h2 id=\"kinos-in-mexiko-sind-leer\" class=\"typo-head-small headline column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-5\">Kinos in Mexiko sind leer<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\">In Mexiko f\u00e4llt es schwer, Kommentare zu finden, die den Film positiv bewerten. Und w\u00e4hrend das Spektakel weltweit Kinos f\u00fcllt, bleiben die S\u00e4le dort recht leer. In der ersten Woche kam er nur auf Platz acht der bestbesuchten Filme, von einem finanziellen Flop ist die Rede. Das d\u00fcrfte auch mit dem geringsch\u00e4tzigen Umgang mit dem Land zu tun haben: \u201eEmilia P\u00e9rez\u201c ist in Mexiko erst seit drei Wochen auf der Leinwand zu sehen, zwei Monate nach der Deutschland-Premiere. Auf Netflix lief er erst Ende Januar an, w\u00e4hrend er in den USA dort seit November zu sehen ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\">Auch andere Vorzeichen sorgten in Mexiko nicht f\u00fcr Sympathien: Drei von vier Prot\u00adago\u00adnis\u00adt*in\u00adnen stammen nicht aus dem Land, und Audiard wollte nicht dort drehen, weil, wie er der taz sagte, \u201edie konkrete Wirklichkeit nicht zu dem passte, was ich wollte\u201c. Auch die Sprache passte ihm wohl nicht in den Kram.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\">Die Schau\u00adspie\u00adle\u00adr*in\u00adnen scheitern daran, typische Dialekte zu kopieren und wurden f\u00fcr mexikanische Ohren zum Gesp\u00f6tt. So meinte der Kommentator Antonio Ortu\u00f1o in der mexikanischen Ausgabe der Zeitung <em>El Pa\u00eds<\/em>, die US-Schauspielerin \u00adSelena Gomez m\u00fcsse wegen ihres peinlichen Akzents f\u00fcr das beste Meme nominiert werden.<\/p>\n<h2 id=\"schon-luis-bu-uel-machte-sich-unbeliebt\" class=\"typo-head-small headline column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-10\">Schon Luis Bu\u00f1uel machte sich unbeliebt<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\">Die Kritik ist nat\u00fcrlich auch den nationalistischen Ressentiments vieler Me\u00adxi\u00adka\u00adne\u00adr*in\u00adnen geschuldet, die es gar nicht m\u00f6gen, wenn \u201eFremde\u201c die Verh\u00e4ltnisse in ihrem Land kritisieren. Schon nachdem der geb\u00fcrtige Spanier Luis Bu\u00f1uel 1950 den Film \u201eLos olvidados\u201c \u00fcber das Elend in einem mexikanischen Armutsviertel ver\u00f6ffentlichte, wurden Forderungen laut, er solle das Land verlassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\">Doch die Vorw\u00fcrfe gegen Audiard gehen weiter. Er zeichne ein stereotypes Bild und inszeniere Glamour auf dem R\u00fccken der Verschwundenen, so die Kritik. Von \u201ekulturellem Extraktivismus\u201c und der Banalisierung der Gewalt ist die Rede.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\">Die mexikanische Transaktivistin und Publizistin Camila Aurora hat \u201eEmilia P\u00e9rez\u201c sogar eine viel beachtete Video-Parodie gewidmet: \u201eJohanne Sacre\u00adblu\u201c. Dort l\u00e4sst sie ihre Schau\u00adspie\u00adle\u00adr*in\u00adnen in schlechtem Franz\u00f6sisch franz\u00f6sische Klischees reproduzieren. Und der Kommentator Aur\u00e9lien Guilabert fragt den Regisseur in der Zeitung <em>El Sol de M\u00e9xico<\/em>: \u201eWarum drehen sie nicht als N\u00e4chstes ein Musical \u00fcber die terroristischen Attacken auf Bataclan oder Charlie Hebdo?\u201c<\/p>\n<h2 id=\"erfolg-durch-die-inszenierung-des-elends\" class=\"typo-head-small headline column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-14\">Erfolg durch die Inszenierung des Elends<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\">Warum nicht? Audiard wollte keinen Dokumentarfilm drehen und hat alle Freiheit, sein Werk zu gestalten, wie er will. Klischees produziert auch etwa der Zeichentrickfilm \u201eCoco\u201c. Und dem Vorwurf, Erfolg durch die Inszenierung des Elends anderer erheischen zu wollen, m\u00fcssen sich alle stellen, die publizistisch zu diesen Themen arbeiten. Dennoch h\u00e4tte der Regisseur viel daf\u00fcr tun k\u00f6nnen, um zu verhindern, dass sein Film in einer von Gewalt traumatisierten Gesellschaft so verletzend wirkt.<\/p>\n","protected":false},"author":95,"featured_media":122298,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-122296","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/122296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/95"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/122298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122296"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=122296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}