{"id":122449,"date":"2025-03-16T12:53:05","date_gmt":"2025-03-16T11:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=122449"},"modified":"2025-03-16T12:53:05","modified_gmt":"2025-03-16T11:53:05","slug":"klimakaempfer-in-borneo-indigene-wollen-regenwald-vor-palmoel-retten","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/klimakaempfer-in-borneo-indigene-wollen-regenwald-vor-palmoel-retten\/","title":{"rendered":"Klimak\u00e4mpfer in Borneo: Indigene wollen Regenwald vor Palm\u00f6l retten"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Sobald es d\u00e4mmert, haben es die Menschen in Tumbang Mantuhe eilig, nach Hause zu kommen: Wenn es dunkel wird, so glauben sie, erwachen die Geister der Toten &#8211; und damit auch die Seelen der alten B\u00e4ume, die den Ort fr\u00fcher umringt haben. Heute gibt es hier keinen Wald mehr. Das 500-Seelen-Nest <a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/place\/Tumbang+Mantuhe,+Manuhing+Raya,+Kabupaten+Gunung+Mas,+Kalimantan+Tengah,+Indonesien\/@-2.3492492,106.024771,6.3z\/data=!4m5!3m4!1s0x2dfdcbf3c7359f5d:0x7991d21ad44938b2!8m2!3d-1.3300635!4d113.3168582\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">liegt im Herzen von Kalimantan<\/a>, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, wie eine Oase zwischen riesigen \u00d6lpalmenplantagen. Deren Grenzen haben sich bis auf einen Umkreis von wenigen Kilometern an die Gemeinde herangeschoben. Den letzten Dorfwald lie\u00df eine Palm\u00f6lfirma 2013 f\u00fcr neue Pflanzungsfl\u00e4chen illegalerweise abfackeln.<\/p>\n<p>Die Bewohner\u00efnnen haben versucht, sich dagegen zu wehren. Mit Demonstrationen und gerichtlichen Klagen. Viele genutzt hat es ihnen nicht &#8211; ihre Gegner sind internationale Konzerne mit Verbindungen bis in h\u00f6chste Regierungskreise. Daher probieren sie es nun mit einer anderen Strategie: R\u00fcckbesinnung auf ihre Traditionen. Fast alle Einwohner\u00efnnen der umgebenden D\u00f6rfer geh\u00f6ren zu den indigenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ngaju\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Dayak Ngaju<\/a>, die schon hier lebten, als es auf Borneo weder Stra\u00dfen noch Plantagen gab. Indem sie ihre uralte Kultur unter Schutz stellen lassen, wollen sie die letzten verbliebenen W\u00e4lder retten, von denen sie &#8211; und mit ihnen die ganze Welt &#8211; abh\u00e4ngig sind. Eine R\u00fcckkehr zur Vergangenheit soll die Zukunft der n\u00e4chsten Generation sichern.<\/p>\n<p>Die tropische Nacht legt sich schnell und undurchdringlich wie eine Decke \u00fcber die einfachen Holzh\u00e4user. Statt Licht f\u00fcllt eine Kakophonie von Zikadengezirp, Froschgequake und Geckorufen die Dunkelheit. Staatliche Stromversorgung gibt es hier genauso wenig wie \u00f6ffentliche Wasserleitungen, eine weiterf\u00fchrende Schule oder einen Supermarkt. Das Wasser kommt aus dem schlammig-braunen Fluss oder einem Brunnen hinter dem Haus. Vor den Holzh\u00e4usern auf Stelzen stehen handgeschnitzte Totempf\u00e4hle, die an die Vorfahren erinnern sollen &#8211; ein Zeichen des animistischen Kaharingan-Glaubens, der unter den Dayak Ngaju noch weit verbreitet ist. Offiziell geh\u00f6ren fast zwei Drittel der lokalen Bev\u00f6lkerung der protestantischen Kirche an.<\/p>\n<p>\u201eFr\u00fcher drangen nur wenige Sonnenstrahlen durch das Bl\u00e4tterdach des Urwaldes, so dicht standen die B\u00e4ume hier&#8221;, erz\u00e4hlt Bauer Pesi, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat. Der 74-J\u00e4hrige wuchs noch in einem traditionellen Langhaus auf, in dem seine Familie mit der gesamten Dorfgemeinschaft wohnte. \u201eWir jagten Hirsche und Wildschweine und sammelten Knollen und Fr\u00fcchte. Damals gab es auch noch viele Orang-Utans, aber die lie\u00dfen wir in Ruhe. Andernfalls h\u00e4tten wir die Geister des Waldes gest\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p>Inzwischen sind die Naturgeister nicht nur im Wald gest\u00f6rt. Auch der Fluss ist verschmutzt mit D\u00fcngern und Pestiziden. Die Verunreinigungen stammen vor allem aus den umliegenden Plantagen, allerdings auch <a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/international\/illegale-goldsucher-yanomami\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">vom illegalen Goldabbau mit Quecksilber<\/a> weiter oben am Lauf: \u201eDer Wald und die Natur waren immer unsere Lebensgrundlage. Wenn es die nicht mehr gibt, suchen die Menschen nach anderen Einkommensquellen&#8221;, erkl\u00e4rt Pesis Nachbarin Santie. Die 40-j\u00e4hrige Gem\u00fcseb\u00e4uerin, die alle nur Mama Feri nennen, hat heute f\u00fcr alle gekocht: Wasserspinat und Auberginen vom eigenen Feld, dazu gegrillten Fisch, den ihr Mann am Nachmittag gefangen hat.<\/p>\n<\/div>\n<div><strong>Arbeitspl\u00e4tze versus Selbstversorgung<\/strong><\/div>\n<div>\n<p>Die Dayak sind traditionell Selbstversorger. Meist bauen sie Trockenreis oder Gem\u00fcse an. Erst in den 1950er-Jahren kam der Nassreis nach Borneo, der allerdings nur in den Ebenen und nach Trockenlegung der Torfmoore gedeiht. Au\u00dferdem wurden Kautschuk, Pfeffer und Kakao eingef\u00fchrt, womit bis heute viele Kleinbauern ihr Geld verdienen. Ihre Pflanzungen werden aber mehr und mehr von gro\u00dfen Palm\u00f6lfirmen verdr\u00e4ngt. Die Regierung argumentiert, dass die riesigen Plantagen viele Arbeitspl\u00e4tze schaffen w\u00fcrden. Umwelt- und Menschrechtsorganisationen kritisieren, der Gro\u00dfteil der Arbeiter\u00efnnen komme aus Java und Sumatra oder gar aus dem Ausland, w\u00e4hrend die Dayak h\u00f6chstens als Tagel\u00f6hner jobben d\u00fcrfen. Im Gegenzug verlieren mindestens genauso viele Menschen ihre traditionell bewirtschafteten Felder und Gemeinschaftsw\u00e4lder. Diese sorgten bislang nicht nur f\u00fcr Nahrung, Brenn- und Baumaterial, sondern auch f\u00fcr ein gesundes, feuchtes Klima unter der brennenden \u00c4quatorsonne. All das geht durch den Anbau von \u00d6lpalmen verloren: Die aus Afrika stammende Monokultur gedeiht nur dann gewinnbringend, wenn ihre keine anderen Gew\u00e4chse in die Quere kommen.<\/p>\n<p>An diesem Abend treffen sich die Bewohner\u00efnnen von Tumbang Mantuhe in ihrem Versammlungshaus mit Mitarbeitenden des <a href=\"https:\/\/borneoinstitute.wordpress.com\/contact\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Borneo Institute<\/a>. Dreieinhalb Stunden sind die Menschenrechtsaktivist\u00efnnen aus der Provinzhauptstadt Palangka Raya \u00fcber holprige, matschige Pisten gefahren &#8211; vorbei an schier endlosen Plantagen, die sich lediglich durch die H\u00f6he der \u00d6lpalmen unterscheiden. Die B\u00e4uer\u00efnnen wollen mit dar\u00fcber diskutieren, was sie tun k\u00f6nnen, um ihr eigenes Land, ihr Leben vor den Palm\u00f6lfirmen zu retten.<\/p>\n<p>Die Menschen in Kalimantan wissen, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man nicht atmen kann. Kaum eine andere Region des weltgr\u00f6\u00dften Archipels war in den vergangenen Jahren so stark von menschgemachten Naturkatastrophen betroffen: \u00dcberschwemmungen, Erdrutsche &#8211; und riesige Feuer. Jedes Jahr brennen die W\u00e4lder auf Borneo und der Nachbarinsel Sumatra. 2015 h\u00fcllten die schlimmsten Waldbr\u00e4nde der vergangenen 20 Jahre gro\u00dfe Teile S\u00fcdostasiens \u00fcber f\u00fcnf Monate hinweg in dichten Rauch. 2,6 Millionen Hektar Land verbrannten, dutzende Menschen starben durch direkte Einwirkung der Feuer. Eine halbe Million mussten wegen Atemwegsbeschwerden behandelt werden. Die indonesische Beh\u00f6rde f\u00fcr Metereologie, Klima und Geophysik bezeichnete die Waldbr\u00e4nde von 2015 als \u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit&#8221;: Praktisch alle Feuer in jenem sehr trockenen El-Ni\u00f1o-Jahr waren durch Brandrodung verursacht worden.<\/p>\n<p>Offiziell ist Brandrodung in Indonesien verboten &#8211; doch sie bleibt die einfachste und billigste Methode, um den f\u00fcr Ackerbau wenig geeigneten Boden Borneos urbar zu machen. Seit Jahrhunderten praktizieren auch die Dayak diese Art der Landwirtschaft, die im Englischen so plakativ \u201eSlash-and-burn&#8221; genannt wird: Die B\u00e4ume werden abgeschlagen und alle Pflanzenreste anschlie\u00dfend abgebrannt. Die Asche wird danach als D\u00fcnger verteilt. Nach einigen Jahren des Anbaus darf die Erde wieder so lange ruhen, bis sich die Natur erholt hat, w\u00e4hrend die Bauern andere Parzellen beackern. Fr\u00fcher hatte jede Gemeinschaft einen kollektiven Wald, der nach einem festgelegten Rotationsprinzip genutzt wurde. Dieser traditionelle Wanderfeldbau schadete Mensch und Natur trotz Brandrodung wenig.<\/p>\n<p><strong>Torfwaldbr\u00e4nde gelten als Klimabombe<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Seit sich allerdings Plantagenunternehmen darauf verlegt haben, ihre Fl\u00e4chen im gro\u00dfen Stil abzufackeln, sieht das anders aus. Denn unter Borneos Regenw\u00e4ldern lagern bis zu zehn Meter tiefe Torffl\u00f6ze, die zwischen 3.000 und 6.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern &#8211; also mehr als 40mal so viel wie ein Wald in Deutschland. Diese jahrhundertealten B\u00f6den aus Pflanzenresten dienen als riesiger Schwamm, um in der Regenzeit \u00fcberfl\u00fcssiges Wasser aufzusaugen und dem Wald in der Trockenzeit Feuchtigkeit zu spenden.<\/p>\n<p>Werden diese Schichten trockengelegt oder gar verbrannt, werden riesige Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. Tropenwaldexperte Willie Smits von der <a href=\"https:\/\/masarang.eu\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Masarang Foundation<\/a> rechnet vor, dass bei der Konvertierung eines Torfwaldes 38 Tonnen CO 2 verpuffen, um irgendwo anders mit Biodiesel aus Palm\u00f6l eine Tonne davon einzusparen. Oft gl\u00fchen die Feuerherde noch jahrelang unterirdisch weiter und lodern in jeder Trockenzeit wieder auf. Expert\u00efnnen sprechen von einer Klimabombe, die sich auf die ganze Welt auswirke. <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/322254458_Forest_loss_and_Borneo%27s_climate\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Wissenschaftler\u00efnnen der University of Queensland und der Norwegian University of Life Sciences<\/a> haben 2018 nachgewiesen, dass es einen engen lokalen Zusammenhang gibt zwischen Entwaldung und steigenden Temperaturen: In Gegenden von Borneo, wo der Wald abgeholzt wurde, war es durchschnittlich 1,7 Grad w\u00e4rmer als in Waldgebieten, zugleich ging der Niederschlag ohne Wald um mehr als 15 Prozent zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dennoch dehnt Indonesien seine Plantagen immer weiter aus, vor allem f\u00fcr \u00d6lpalmenanbau. Als weltgr\u00f6\u00dfter Hersteller von Palm\u00f6l bestreitet Indonesien zusammen mit Nachbar Malaysia mittlerweile 85 Prozent der weltweiten Produktion. Der gr\u00f6\u00dfte Teil geht in die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie: Jedes zweite fetthaltige Konsumprodukt enth\u00e4lt das meistgenutzte Pflanzen\u00f6l der Welt, von Fertigpizza <a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/umwelt\/klimakrise-nachhaltigkeit-wirtschaft\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00fcber Brotaufstrich<\/a> bis hin zu Lippenstift oder Duschgel. Immer mehr Palm\u00f6l landet au\u00dferdem im Tank. Dass die EU &#8211; immerhin der drittgr\u00f6\u00dfte Abnehmer nach Indien und China &#8211; inzwischen beschlossen hat, Palm\u00f6l bis 2030 nicht mehr in europ\u00e4ischem Biodiesel zu verwenden, hat am rasanten Ausbau der Plantagen in Kalimantan wenig ge\u00e4ndert. Denn in China und Indien gibt es keine solche Richtlinien. Und die globale Nachfrage w\u00e4chst nicht nur bei der Produktion von Biodiesel, sondern auch f\u00fcr Konsumg\u00fcter. So hat sich die Fl\u00e4che der \u00d6lpalmenpflanzungen in ganz Indonesien in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt: 2020 waren es bereits 15 Millionen Hektar &#8211; das entspricht mehr als 40 Prozent der Fl\u00e4che Deutschlands. Nur ein kleiner Teil dieser Plantagen erf\u00fcllt die Nachhaltigkeitskriterien, die die EU \u00fcbergangsweise f\u00fcr Biokraftstoffe fordert.<\/p>\n<p><strong>Indigene Gemeinden wollen ihre traditionellen Rechte zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Besonders problematisch sind die Landnutzungsrechte. Weil sie keine Zertifikate f\u00fcr ihr Land besitzen, haben die indigenen Einwohner\u00efnnen in Indonesien einen schwierigen Stand gegen die Beh\u00f6rden, die Genehmigungen an die Plantagenunternehmen vergeben. \u201eDie Vergabe von Landnutzungsrechten ist f\u00fcr die Regionalregierung die schnellste Methode, an Geld zu kommen. Das f\u00f6rdert die Korruption&#8221;, sagt Yanedi Jagau, Direktor des <a href=\"https:\/\/borneoinstitute.wordpress.com\/contact\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Borneo Institute<\/a>. 2014 hat der Oberste Gerichtshof Indonesiens in einem Grundsatzurteil bestimmt, dass traditionelles Gemeinschaftsland nicht automatisch dem Staat geh\u00f6rt. Drei Jahre sp\u00e4ter hat die Regierung den ersten indigenen Gemeinschaften das Nutzungsrecht f\u00fcr die von ihnen genutzten Land- und Waldfl\u00e4chen \u00fcbertragen. Mit der Anerkennung als \u201eDesa Adat&#8221; &#8211; was in etwa: \u201eDorf unter traditionellem Recht&#8221; bedeutet &#8211; geht die Pflicht einher, die alte Kultur zu pflegen, aber auch das Land produktiv zu nutzen. \u201eDas ist nun unsere Hoffnung&#8221;, erkl\u00e4rt Yanto Soupa, Dorfchef von Tumbang Samui.<\/p>\n<p>Seine Gemeinde bildet mit Tumbang Mantuhe und drei weiteren D\u00f6rfern den Landkreis Manuhing Raya. Im Norden erhebt sich das m\u00e4chtige M\u00fcller-Schwaner-Gebirge, das sich mit seinen knapp 3.000 Meter hohen Gipfeln mitten durch die drittgr\u00f6\u00dfte Insel der Welt zieht. Hier gibt es noch Urw\u00e4lder &#8211; in Bergregionen wachsen \u00d6lpalmen nicht gut &#8211; und auch die ein oder andere Dayak-Kultst\u00e4tte. Doch die alte Sprache, die T\u00e4nze und die sakralen Rituale der St\u00e4mme beherrschen nur noch wenige. \u201eDie Dayak k\u00f6nnen ohne Wald nicht \u00fcberleben &#8211; genauso wenig wie unsere Kultur, die mit den B\u00e4umen verschwindet&#8221;, sagt Soepa, der zur braunen Beamtenuniform einen traditionellen Kopfputz tr\u00e4gt. \u201eAls, Desa Adat&#8217; k\u00f6nnten wir nicht nur unsere Kultur wiederbeleben, sondern auch die Kontrolle \u00fcber unser Land zur\u00fcckerhalten&#8221;, hofft der 41-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Auf einer feierlichen Gro\u00dfversammlung Anfang 2020 haben die Gemeinden von Manuhing Raya gemeinsam beschlossen, dass alle Bewohner\u00efnnen in einem Referendum dar\u00fcber abstimmen, ob die f\u00fcnf D\u00f6rfer den Status \u201eDesa Adat&#8221; erhalten sollen. Wochenlang zogen Freiwillige von Haus zu Haus, um allen Stimmberechtigten die Hintergr\u00fcnde zu erl\u00e4utern und sie zum Referendum einzuladen. \u201eDas war sehr aufregend&#8221;, erz\u00e4hlt Mama Feri. \u201eIch hatte gehofft, dass wir mit der R\u00fcckkehr zu unseren alten Traditionen unser Land besch\u00fctzen k\u00f6nnten. Und keine Angst mehr vor den Palm\u00f6lfirmen haben br\u00e4uchten.&#8221; Doch ihre Euphorie war bald verflogen: Nur 28,4 Prozent der Einwohner\u00efnnen von Tumbang Mantuhe hatten daf\u00fcr gestimmt, die Gemeinde in ein \u201eDesa Adat&#8221; zu verwandeln. Mama Feri weinte vor Entt\u00e4uschung. Ein Jahr sp\u00e4ter erz\u00e4hlt sie, dass auff\u00e4llig viele Nachbar\u00efnnen ihr Land inzwischen an Palm\u00f6lfirmen verkauft h\u00e4tten und nun als Tagel\u00f6hner in den Plantagen arbeiteten. \u201eDas ist kein Zeitalter der Traditionen, sondern des Geldes&#8221;, sagt sie resigniert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Im Nachbardorf Tumbang Samui ist die Stimmung nach dem Referendum deutlich fr\u00f6hlicher, die Zeichen stehen auf Aufbruch: Eine klare Mehrheit hat sich hier f\u00fcr den Status als \u201eDesa Adat&#8221; entschieden. Man wolle ein neues Langhaus bauen, die Kinder sollten wieder rituelle T\u00e4nze lernen. Und man wolle zur traditionellen Landwirtschaft zur\u00fcckkehren &#8211; mit Wanderfeldbau, Mischkulturen und nat\u00fcrlichem D\u00fcnger, berichtet Dorfchef Sapoe. Aber er zeigt auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diejenigen, die beim Referendum mit Nein gestimmt haben: noch ist unklar, wie viel Land der Dorfgemeinschaft zugesprochen wird. \u201eViele haben Angst vor Problemen mit der Regierung. Andere wollen nicht r\u00fcckst\u00e4ndig sein und in alte Zeiten zur\u00fcckfallen. Ihnen m\u00fcssen wir beweisen, dass wir nicht gegen Fortschritt sind, auch nicht gegen Investitionen. Aber es m\u00fcssen die richtigen sein &#8211; und wir wollen selbst entscheiden, was f\u00fcr unser Land und die Zukunft unserer Kinder das Beste ist&#8221;, sagt der zweifache Vater.<\/p>\n<\/div>\n<div><strong>Aufgeben ist keine Option<\/strong><\/div>\n<div>\n<p>Doch Mama Feri und ihre Mitstreiter\u00efnnen aus Tumbang Mantuhe geben ebenfalls nicht auf. Mit Hilfe von NGOs haben sie <a href=\"https:\/\/www.riffreporter.de\/de\/international\/regenwald-schutz-peru\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ihre Landfl\u00e4chen mit Drohnen vermessen<\/a> und in ein gemeinschaftliches Register eintragen lassen. Einige Bauern beteiligen sich an einem Wiederaufforstungsprogramm, das einerseits Natur und Klima hilft, sich zu erholen, andererseits von der Regierung als produktive Nutzung anerkannt werden muss. Die Teilnehmer haben sich verpflichtet, keinen chemischen D\u00fcnger zu verwenden und ihre Felder nicht mehr abzubrennen. Es hat viel \u00dcberzeugungskraft gebraucht, den B\u00e4uer\u00efnnen klar zu machen, dass dies vermutlich die einzige Chance ist, ihr Land zu retten. \u201eWenn wir uns nicht gegen die Ausweitung der \u00d6lpalmenplantagen wehren, werden wir in Zentralkalimantan am Ende nur noch kahle Erde haben. Ich habe Angst davor, dass wir dann nichts mehr zu essen haben und immer mehr Katastrophen erleben werden&#8221;, sagt Mama Feri. \u201eNat\u00fcrlich denke ich dabei zuerst an meine Familie. Aber auch der Rest des Landes, vielleicht sogar die ganze Welt, wird die Folgen sp\u00fcren, wenn wir unseren Regenwald nicht besch\u00fctzen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p><em>Dieser Text ist ein Auszug des Kapitels \u201eDie Traditionsbewahrer&#8221; aus dem neuen <\/em><a href=\"https:\/\/weltreporter.net\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Weltreporter<\/em><\/a><em>-Buch <\/em><a href=\"https:\/\/weltreporter.net\/buecher\/die-klimakaempfer\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><em>\u201eDie Klimak\u00e4mpfer&#8221;<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":122657,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-122449","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/122449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/122657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122449"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=122449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}