{"id":122453,"date":"2025-03-16T12:24:28","date_gmt":"2025-03-16T11:24:28","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=122453"},"modified":"2025-03-16T12:57:31","modified_gmt":"2025-03-16T11:57:31","slug":"zeit-der-frauen","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/zeit-der-frauen\/","title":{"rendered":"Zeit der Frauen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Die Br\u00fccke ist atemberaubend, im w\u00f6rtlichen Sinne. F\u00fcnf ehemalige Baukran-Arme balancieren auf bis zu zehn Meter hohen T\u00fcrmen aus gigantischen Reifen alter Minenbagger. Eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Familie hangelt sich mehr als 100 Meter weit \u00fcber die wackeligen Eisenstreben auf die andere Seite. Darunter str\u00f6mt das braune Flusswasser des Kawerong durch eine Mondlandschaft aus Sand- und Schutthaufen. An vielen Stellen haben sich t\u00fcrkisfarbene oder rotbraune Flecken gebildet, ein Zeichen f\u00fcr angeschwemmte Schwermetalle. Weit verstreut kauern Menschen und hantieren mit Plastikschalen, Sieben und Quecksilber, um dem sowieso schon kontaminierten Flussbett ein paar Gramm Gold abzuringen. 40 Meter unter ihnen liegt tief vergraben das Dorf, aus dem ihre Familien einst stammten \u2013 und mit ihm ihr Land, ihre Ahnen, ihr Stolz, ihre W\u00fcrde. Ein post-apokalyptischer Albtraum im zentralen Hochland der Pazifikinsel Bougainville, einer ehemaligen deutschen Kolonie, die seit 1975 zu Papua-Neuguinea geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr diese Apokalypse mitten im S\u00fcdseeparadies liegt ein paar Kilometer weiter flussaufw\u00e4rts: Panguna, einst der gr\u00f6sste Kupfer- und Goldtagebau der Welt. Die vom britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto betriebene Mine erwirtschaftete in den 1980er-Jahren mehr als 40 Prozent der gesamten Exporte von Papua-Neuguinea und bescherte Bougainville eine moderne Infrastruktur sowie politischen Einfluss, aber auch grosse soziale Ungerechtigkeiten und eine fast unvorstellbare Umweltzerst\u00f6rung. Als die traditionellen Landbesitzer und einheimischen Minenarbeiter gegen die Ausbeutung rebellierten, brach 1989 ein B\u00fcrgerkrieg aus, der fast ein Jahrzehnt tobte und rund 20 000 Menschenleben forderte.<\/p>\n<p><strong>Langwieriger Vers\u00f6hnungsprozess<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs richtete sich die Rebellion gegen die australischen Minenbetreiber und die Regierung von Papua-Neuguinea, die den Einheimischen nur einen Bruchteil der Gewinne aus Panguna zukommen liess. Im Zuge einer totalen Seeblockade durch das Milit\u00e4r von Papua-Neuguinea \u2013 Lebensmittel und<br \/>\nMedikamente konnten nur noch unter Lebensgefahr eingeschmuggelt werden \u2013 zersplitterten die Guerillak\u00e4mpfer auf der Insel jedoch bald in ethnische Fraktionen, die sich gegenseitig auspl\u00fcnderten, vergewaltigten, ermordeten. Erst 1998 kam es unter Vermittlung der Vereinten Nationen zu einem vorl\u00e4ufigen Friedensabkommen. Der darauffolgende Vers\u00f6hnungsprozess dauerte noch einmal 20 Jahre und m\u00fcndete im Dezember 2019 in ein Referendum, bei dem sich fast 98 Prozent der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit von Papua-Neuguinea ausgesprochen haben. Wenn die Zentralregierung zustimmt, k\u00f6nnte Bougainville der j\u00fcngste Staat der Erde werden.<\/p>\n<p>\u00abPapua-Neuguinea und Australien haben uns zu lange dominiert. Sie haben uns all unsere Ressourcen genommen, auch unsere W\u00fcrde\u00bb, sagt Marcelline Kokiai. Es ist Freitagmorgen, am Hafen von Kokopau herrscht Rushhour. Die ehemalige Ministerin f\u00fcr Gemeindeentwicklung von Bougainville steht mitten im Gew\u00fchl und weist ein paar kr\u00e4ftige junge M\u00e4nner an, ihr Auto auszuladen. Zugleich nutzt sie die Zeit zum Telefonieren, denn in ihrem Heimatort \u2013 drei holperige Fahrtstunden s\u00fcdlich von hier \u2013 hat sie keinen Mobilnetzempfang. Unentwegt legen Longboats mit knatternden Aussenbordmotoren an und ab. Sie transportieren Marktverk\u00e4uferinnen, Schulkinder und B\u00fcroangestellte mitsamt Taschen, Holzb\u00fcndeln und H\u00fchnern \u00fcber die knapp 400 Meter breite Meerespassage auf die Nachbarinsel Buka, seit dem B\u00fcrgerkrieg der Regierungssitz der \u00abAutonomen Region von Bougainville\u00bb. Dort liefert ein Frachter gerade Hunderte rostige Tonnen mit Diesel an. In den letzten Tagen war der Treibstoff so knapp, dass die Generatoren nur noch stundenweise<br \/>\nliefen.<\/p>\n<p><strong>Schl\u00fcssel zur Selbstst\u00e4ndigkeit<\/strong><\/p>\n<p>\u00abWir m\u00fcssen wieder lernen, f\u00fcr uns selbst zu sorgen\u00bb, betont Marcelline Kokiai. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern h\u00e4lt sie nichts von der Idee, die Panguna-Mine wiederzuer\u00f6ffnen, um die Unabh\u00e4ngigkeit zu finanzieren. Die 62-J\u00e4hrige hat wie viele Inselbewohner ihrer Generation eine h\u00f6here Ausbildung und spricht sehr gutes Englisch. Ihre H\u00e4nde erz\u00e4hlen aber auch von harter Arbeit. Sie ist \u00fcberzeugt, dass der Schl\u00fcssel zu Bougainvilles Selbstst\u00e4ndigkeit im organischen Anbau von Kakao und Kokosn\u00fcssen liege, sp\u00e4ter vielleicht auch in \u00f6kologischem Tourismus \u2013 keinesfalls aber im Bergbau, der schon so viele Leben zerst\u00f6rt habe. \u00abUnser Herz schl\u00e4gt f\u00fcr unser Land. Es zu bearbeiten, ist eine gute Therapie: Wenn die Erde all unsere Wut und Angst absorbiert, wird diese Energie die Pflanzen wachsen lassen. So w\u00fcrden wir die Leute besch\u00e4ftigen und ihnen zugleich ihr Selbstwertgef\u00fchl zur\u00fcckgeben.\u00bb<\/p>\n<p>Kokiai weiss, wovon sie spricht. Als der B\u00fcrgerkrieg begann, musste die fr\u00fchere Apothekenhelferin fliehen. Noch heute kommen der kleinen, kr\u00e4ftigen Frau die Tr\u00e4nen, wenn sie vom Elend und von der Gewalt berichtet, die sie und ihre Familie erfahren haben. \u00abIch musste alles zur\u00fccklassen, mein Haus, mein Land, die Geister meiner Urahnen. Ich musste neun Kinder im Dschungel grossziehen\u00bb, erz\u00e4hlt sie. \u00abAber eines habe ich nie verloren: den Glauben an unsere eigene Kraft.\u00bb Marcelline Kokiai war eine der ersten Aktivistinnen, die zun\u00e4chst ein paar Frauengruppen und dann ganze Gemeinden organisierte, um einen Friedensprozess in Gang zu setzen. 1994 schilderte sie in einem Brief die Menschenrechtsverbrechen, die in Bougainville geschahen. Mithilfe eines australischen Reporters schaffte es das Schreiben durch die Blockade und bis zum Australischen Parlament in Canberra \u2013 und fand so international Geh\u00f6r.<\/p>\n<p><strong>Begrenzte weibliche St\u00e4rke<\/strong><\/p>\n<p>Es waren Frauen wie Marcelline Kokiai, die den Frieden in ihrer Heimat durchsetzten. Wie die Gesundheitsaktivistin Ruby Mirinka, die unter Lebensgefahr Medikamente durch die Blockade schmuggelte und Kontakt zu den Vereinten Nationen aufnahm. Oder wie die katholische Schwester Lorraine Garasu, die \u00fcber die Grenzen der verfeindeten Clans hinweg ein Kommunikationssystem aufbaute und sich bis heute um traumatisierte Menschen\u00a0 k\u00fcmmert. Es sind starke, energische Frauen, die dank eines matrilinealen Erbrechts als Landbesitzerinnen auch grossen gesellschaftlichen Einfluss geniessen: Den h\u00f6chsten Rang in den Gemeinden haben die dorf\u00e4ltesten Frauen. Allerdings bleibt ihr Platz in der streng christlichen Gesellschaft meist dennoch zu Hause \u2013 fast alle politisch entscheidenden Positionen sind mit M\u00e4nnern besetzt. Auch bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl im September 2020 fanden sich unter 25 Bewerbern gerade einmal zwei Frauen. Sie landeten weit abgeschlagen auf Platz 19 und 23. \u00abWir m\u00fcssen die Denkweise der Menschen ver\u00e4ndern. Wir sind eine matrilineale Gesellschaft, aber immer noch entscheiden und sprechen M\u00e4nner f\u00fcr uns\u00bb, sagt Ruby Mirinka, eine der beiden Kandidatinnen, die sich um die Pr\u00e4sidentschaft der autonomen Region beworben haben.<\/p>\n<p>\u00abWir waren einst ein stolzes Volk. Doch seit 20 Jahren hat sich hier nichts bewegt. M\u00e4nner reden immer nur und fuchteln mit ihren Waffen herum. Es ist Zeit, dass wir Frauen uns jetzt darum k\u00fcmmern, dieses Land wiederaufzubauen\u00bb, sagt die 70-J\u00e4hrige, die mit ihrer glatten Haut und den dunklen Haaren viel j\u00fcnger wirkt. Sie sitzt in ihrem B\u00fcro in Arawa. \u00dcber den dicht bewachsenen Bergen hinter der ehemaligen Hauptstadt von Bougainville h\u00e4ngen dichte Nebelschwaden, irgendwo da oben liegt Panguna. Die gepflegten Vorg\u00e4rten vor jedem noch so einfachen Haus bilden einen starken Kontrast zu den kaputten \u00dcberresten der fr\u00fcheren Regierungsgeb\u00e4ude und Fabriken. An der Hauptkreuzung zeigt eine \u00fcberdimensionale Videotafel in Endlosschleife Clips, die vor Alkoholismus und Gewalt gegen Frauen warnen \u2013 sowie vor dem Coronavirus, das hier bis November 2020 zweimal best\u00e4tigt wurde. Die Strassen sind wie leer gefegt: Es ist Sonntagmorgen, und die meisten Bewohner befinden sich auf dem Weg zur Kirche. Da Mirinka der Pfingstkirche angeh\u00f6rt, war sie bereits samstags beim Gottesdienst.<\/p>\n<p><strong>Potenzial f\u00fcr eine Frauenbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem Krieg als Chefausbilderin aller Krankenpfleger in Papua-Neuguinea designiert, leitet sie heute die wohl erfolgreichste Nichtregierungsorganisation der Region: \u00abBougainville Healthy Communities\u00bb k\u00fcmmert sich mithilfe Tausender Freiwilliger in 98 Prozent aller D\u00f6rfer auf den Inseln um die gesundheitliche Grundversorgung. Auch dass sich noch im abgelegensten Bergdorf gepflegte Vorg\u00e4rten mit Gem\u00fcsebeeten finden, geht Mirinka zufolge auf ihre Aufkl\u00e4rungskampagnen \u00fcber gesunde Ern\u00e4hrung und saubere Umwelt zur\u00fcck. Die Organisation hat zudem ein Trainingsprogramm entwickelt, bei dem die Dorfgemeinschaften lernen, sich selbst zu finanzieren \u2013 und das speziell Frauen f\u00f6rdert. \u00abDas Potenzial f\u00fcr eine starke, vereinte Frauenbewegung ist da\u00bb, sagt Ruby Mirinka. Das Ergebnis der Parlamentswahl von September aber lasse ihre Hoffnung schwinden: Gerade einmal vier Frauen haben es auf einen der 40 Sitze geschafft, drei davon auf reservierte Quotenpl\u00e4tze. Nur eine Frau konnte sich in direkter Wahl f\u00fcr einen Abgeordnetenplatz durchsetzen \u2013 gegen 15 m\u00e4nnliche Mitbewerber \u2013 und zwar im Wahlkreis, zu dem die Panguna-Mine geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das Dorf Makosi liegt an einem steilen Hang oberhalb eines rauschenden Flusses. Ein Dutzend einfacher Holzh\u00e4user verstecken sich hinter \u00fcppigen Palmen, Bananenstauden und bl\u00fchenden B\u00fcschen. Theonila Roka Matbob hat gerade S\u00fcsskartoffeln und Wasserspinat f\u00fcrs Mittagessen geerntet. Der Schweiss rinnt ihr \u00fcber die Stirn, als sie umringt von einem Haufen von Kindern ihrem Besuch entgegenkommt. Die frisch gew\u00e4hlte Parlamentsabgeordnete l\u00e4uft barfuss und tr\u00e4gt eine knallig gemusterte weite Bluse mit Puff\u00e4rmelchen \u2013 die typische Bekleidung der Frauen auf Bougainville. Ihre Augen blitzen voller Energie, wenn sie redet, zugleich strahlt die 30-J\u00e4hrige eine f\u00fcr ihr Alter beeindruckende Autorit\u00e4t aus. Ja, Makosi sei ein h\u00fcbsches Dorf, doch die Idylle tr\u00fcge. Sie zeigt auf den vorbeirauschenden Fluss, an dessen Ufern t\u00fcrkisfarbene Flecken aufblitzen: \u00abDas Wasser ist verseucht, unsere Kinder werden krank, wenn sie darin baden\u00bb, sagt sie. \u00abWir leben jeden Tag mit den Folgen von Panguna.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Hoffnung auf bessere Bildung<\/strong><\/p>\n<p>Seit 31 Jahren liegt das zwei Kilometer breite und 700 Meter tiefe Grubenloch brach, f\u00fcr das ein halbes Dutzend D\u00f6rfer und einige heilige St\u00e4tten der<br \/>\nhier angesiedelten Clans weichen mussten. In Sichtweite der Mine ragen die ausgekernten Betonruinen der ehemaligen Arbeiterstadt Panguna Town aus den H\u00fcgeln heraus. Die \u00fcberwucherten Reste von Industriefahrzeugen und ein verfallenes Schwimmbad erz\u00e4hlen vom ehemaligen Wohlstand des Ortes, in dem einmal rund 15.000 Menschen gelebt und gearbeitet haben. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass hier immer noch Menschen hausen \u2013 ehemalige B\u00fcrgerkriegsk\u00e4mpfer, die nun ihr Gl\u00fcck als Goldsch\u00fcrfer versuchen. Bis heute schwemmt jeder Regen den mit Schwermetallen kontaminierten Abraum aus der ungesicherten Mine in die Fl\u00fcsse und viele Kilometer weit bis an die K\u00fcste. Ganze D\u00f6rfer sind bereits davon versch\u00fcttet worden \u2013 auch jenes unter der bedrohlich-faszinierenden Br\u00fccke aus alten Kr\u00e4nen und Baggerreifen, die sich nur einige Kilometer entfernt von Makosi erhebt.<\/p>\n<p>Theonila Roka Matbob wurde ein Jahr nach Schliessung der Mine geboren, die dennoch ihr ganzes Leben bestimmen sollte. Sie wuchs im darauffolgenden Krieg auf, der ihren Vater John das Leben kostete, und verbrachte Jahre in einem Fl\u00fcchtlingslager. Sie k\u00f6nne sich kaum an einen gl\u00fccklichen Moment in ihrer Kindheit erinnern, erz\u00e4hlt die Mutter eines Sohnes, nur an Angst. Das wolle sie ihren eigenen Kindern ersparen. \u00abMeine gr\u00f6sste Hoffnung f\u00fcr Bougainville ist, das Bildungssystem zu \u00e4ndern\u00bb, erkl\u00e4rt die frisch ernannte Bildungsministerin der Autonomen Regierung. Seit 2014 leitet die<br \/>\nLehrerin, die an der Divine Word University in Papua-Neuguineas Hauptstadt Port Moresby studiert hat, das von ihr gemeinsam mit ihrer<br \/>\nFamilie gegr\u00fcndete \u00abJohn Roka Memorial School &amp; Child Counseling Centre\u00bb. Es besteht aus ein paar einfachen, ordentlichen Holzh\u00e4usern: Hier sollen<br \/>\nKinder, insbesondere M\u00e4dchen, die sonst durchs Raster fallen, eine Chance auf Schulbildung erhalten.<\/p>\n<p>\u00abEin besorgniserregender Trend ist, dass die meisten Kinder in der Gegend die Schule verlassen\u00bb, sagt Matbob. Nicht aus Geldmangel, wie die Eltern oft<br \/>\nbehaupten \u2013 vielmehr m\u00fcssen die oft noch kleinen Kinder ihren Familien helfen, Gold zu sch\u00fcrfen. Dabei hantieren sie mit gef\u00e4hrlichen Chemikalien und setzen nicht nur ihre Gesundheit aufs Spiel, sondern zerst\u00f6ren die Umwelt noch mehr. \u00abWenn wir nicht aufpassen, befinden wir uns auf dem Weg in eine katastrophale Zeit\u00bb, warnt die Abgeordnete, die nicht zuletzt wegen ihres sozialen Engagements ins Parlament gew\u00e4hlt worden ist.<\/p>\n<p><strong>Grundrecht auf Wasser<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sie die Menschen in ihrem Wahlbezirk besucht, ist Theonila Roka Matbob oft tagelang unterwegs. Viele der unbefestigten Bergstr\u00e4sschen verwandeln sich bei Regen in schlammige Pisten oder enden einfach an einem rauschenden Fluss. Doch beschwerliche Wege halten die kr\u00e4ftige Lokalpolitikerin nicht ab. Ende September \u2013 nur wenige Tage nach ihrer Wahl \u2013 hat sie gemeinsam mit 155 anderen Landbesitzern und der Hilfe des \u00abHuman Rights Law Centre\u00bb in Melbourne bei der australischen Regierung eine lang vorbereitete Klage gegen den Bergbaukonzern eingereicht. Dieser hatte 2016 seine Beteiligung an der Mine aufgegeben, ohne Verantwortung f\u00fcr die entstandenen Sch\u00e4den zu \u00fcbernehmen. \u00abEs ist Zeit, dass Rio Tinto tut, was n\u00f6tig ist, um mit dieser Katastrophe umzugehen\u00bb, unterstreicht Matbob.<\/p>\n<p>Die Klage der Anrainer verweist dabei unter anderem auf eine Konvention der Vereinten Nationen, nach der das Grundrecht auf Wasser \u00abunverzichtbar<br \/>\nf\u00fcr ein Leben in Menschenw\u00fcrde\u00bb ist \u2013 und eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Verwirklichung anderer Menschenrechte. Tats\u00e4chlich reagierte der<br \/>\nKonzern, der international auch wegen Menschenrechtsverletzungen an anderen Standorten unter Druck steht, direkt auf die Klage. \u00abWir sind uns bewusst, dass die Infrastruktur in der Mine und ihrer Umgebung zerf\u00e4llt und dass negative Folgen f\u00fcr die Umwelt und das soziale Leben \u2013 inklusive<br \/>\nMenschenrechte \u2013 beklagt werden\u00bb, lautet das offizielle Statement von Rio Tinto. \u00abWir sind bereit, Gespr\u00e4che mit den Gemeinden aufzunehmen, die<br \/>\ndie Beschwerde eingereicht haben.\u00bbUnabh\u00e4ngigkeit als Hauptziel<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger hoffen nun im besten Fall auf einen unabh\u00e4ngig verwalteten Rehabilitationsfonds in H\u00f6he von mehreren Hundert Millionen Dollar. Mit diesem Geld f\u00fcr die Sanierung des Panguna-Gebiets im R\u00fccken k\u00f6nnte die neu gew\u00e4hlte Regierung unter Pr\u00e4sident Ishmael Toroama sich vorrangig auf ihr Hauptziel konzentrieren: die Unabh\u00e4ngigkeit Bougainvilles auszuhandeln. Noch muss die Zentralregierung von Papua-Neuguinea dem Referendum zustimmen, das rechtlich nicht verpflichtend ist. Doch angesichts der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit ist der Druck in In- und Ausland gross, dem Willen der<br \/>\nBev\u00f6lkerung nachzugeben und weitere Konflikte zu vermeiden.<\/p>\n<p>Untrennbar von der Frage der Unabh\u00e4ngigkeit ist die Frage nach dem wirtschaftlichen \u00dcberleben einer Nation Bougainville \u2013 was die meisten Politiker mit einer Wiederer\u00f6ffnung der Kupfermine assoziieren. Dutzende internationale Unternehmen stehen bereits in den Startl\u00f6chern. Pr\u00e4sident Toroama hat allerdings deutlich gemacht, dass diese Entscheidung bei den lokalen Landbesitzern liegen wird. Theonila Roka Matbob als deren gew\u00e4hlte Repr\u00e4sentantin sagt ganz klar: \u00abAuch wenn es eine Zukunft f\u00fcr Panguna geben k\u00f6nnte \u2013 diese Frage muss zur\u00fcckgestellt werden, bis die Bed\u00fcrfnisse der Menschen hier erf\u00fcllt sind. Erst m\u00fcssen wir f\u00fcr die grundlegenden Menschenrechte der Bewohner k\u00e4mpfen, damit sie in W\u00fcrde leben und sich unter sicheren Bedingungen weiterentwickeln k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":122655,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-122453","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/122453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/122655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122453"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=122453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}