{"id":122601,"date":"2025-03-10T11:00:54","date_gmt":"2025-03-10T10:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/weltreporter.net\/?post_type=arbeitsprobe&#038;p=122601"},"modified":"2025-03-10T11:07:16","modified_gmt":"2025-03-10T10:07:16","slug":"ein-jahr-nach-dem-merah-attentat-von-toulouse","status":"publish","type":"arbeitsprobe","link":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/arbeitsprobe\/ein-jahr-nach-dem-merah-attentat-von-toulouse\/","title":{"rendered":"Ein Jahr nach dem Merah-Attentat von Toulouse"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div>\n Ein Jahr nach dem Merah-Attentat von Toulouse <\/p>\n<p>Wie sich das Leben der j\u00fcdischen Gemeinde seither ver\u00e4ndert hat<\/p>\n<p>Von Birgit Kaspar<\/p>\n<\/p>\n<p>Vor einem Jahr erschoss der islamistische Terrorist Mohammed Merah an einer j\u00fcdischen Schule in Toulouse kaltbl\u00fctig f\u00fcnf Menschen. Die Tat hat bis heute Spuren unter den j\u00fcdischen B\u00fcrgern hinterlassen: Die einen versuchen, ihr Judentum zu verstecken, andere verlassen Frankreich.<\/p>\n<p>Sie treffen sich jeden Donnerstag in einem alten Haus, das der Stadt Toulouse geh\u00f6rt. Die 15 Mitglieder des Chores R\u00e9nanim-Toulouse &#8211; \u00fcberwiegend Juden &#8211; singen j\u00fcdische Lieder: religi\u00f6se wie popul\u00e4re, auf Hebr\u00e4isch, Jiddisch oder Ladino.  Marie-Claude Bibas, selbst Christin, leitet die Toulouser Gruppe dieser europ\u00e4ischen R\u00e9nanim-Chor-Bewegung. F\u00fcr sie ist der Gesang Lebenselexier:   &#8220;Es ist ein Ausdruck von Gl\u00fcck, von Lebensfreude und die hebr\u00e4ische Musik ist so sch\u00f6n, man m\u00f6chte immer gleich tanzen wenn man singt.&#8221;  Doch diese j\u00fcdische Lebensfreude bl\u00fcht im Verborgenen &#8211; insbesondere seit dem Attentat des islamistischen Terroristen Mohammed Merah auf die Schule Ozar Hatorah vor einem Jahr:  &#8220;Wir sind hier in dem Viertel, in dem Merah lebte, um uns herum wohnen vor allem Maghrebiner. Bei unseren Chorproben \u00f6ffnen wir deshalb nie die Fenster oder die L\u00e4den. Selbst im Sommer nicht. Wir machen nicht auf uns aufmerksam. Wir machen uns ganz klein. Eine Vorsichtsma\u00dfnahme.&#8221;  Das Leben der rund 20.000 Juden in Toulouse habe sich seit dem Attentat ver\u00e4ndert, sagt die Sopranistin Josette Guedj:  &#8220;Meine Enkel gehen auf die j\u00fcdische Schule Gan Rachi. Wir haben gro\u00dfe Angst um sie. Mein Sohn verl\u00e4sst Toulouse, er wandert in die USA aus. Wir sind alle furchtsamer geworden.&#8221;  Die Schule, in deren Eingangsbereich am Morgen des 19. M\u00e4rz 2012 ein Rabbi, und drei Kinder get\u00f6tet wurden, liegt in einem ruhigen Wohnviertel. Sie ist von hohen Mauern umgeben, auf denen \u00dcberwachungskameras angebracht sind. Zwei Polizisten im Einsatzwagen bewachen morgens und abends den durch ein schweres, gr\u00fcnes Eisentor gesicherten Eingang:  &#8220;Sowohl die jungen als auch die \u00e4lteren Sch\u00fcler reagieren heute sehr sensibel auf Nachrichten, die mit Gewalt zu tun haben. Sie haben viele Fragen, Albtr\u00e4ume und sehr d\u00fcstere Gedanken.&#8221;  Nicole Yardeni, Pr\u00e4sidentin des CRIF, des Rates der j\u00fcdischen Institutionen in der Region Midi-Pyren\u00e4en, wurde von der Schule als Sprecherin gegen\u00fcber den Medien auserkoren. Die Schule selbst umgibt sich mit einer Mauer des Schweigens.  Der Antisemitismus habe im vergangenen Jahr in Frankreich dramatisch zugenommen, hei\u00dft es im Jahresbericht des Dienstes zum Schutz der j\u00fcdischen Gemeinde SPCJ. Zahlreiche Taten seien durch die Gewalt Merahs inspiriert. Das sei keineswegs \u00fcbertrieben, betont Claude Allenou, pensionierte Lehrerin und Altistin im R\u00e9nanim-Chor. Antisemitismus habe es jedoch in Frankreich immer gegeben:  &#8220;Mich haben Kollegen mitten im Lehrerzimmer als dreckige J\u00fcdin beschimpft. Kein anderer hat einen Finger ger\u00fchrt. Ich war baff.&#8221;  Viele Chormitglieder haben \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Der emeritierte Psycholinguistik-Professor Jaques Fijalkow sagt, er vermeide seit dem Merah-Attentat Symbole zu zeigen, die ihn als Juden auswiesen.  Die einen versuchen ihr J\u00fcdischsein zu verstecken, andere verlassen Frankreich. Mehrere Dutzend Toulouser sind es nach Angaben des CRIF. Diejenigen, die blieben, versuchten so normal wie m\u00f6glich weiter zu leben, betont Josette Guedj:  &#8220;Wir sind und bleiben Franzosen. Wir sind Teil der Gesellschaft, auch wenn etwas zerbrochen ist.&#8221;  Die Gemeinschaft der R\u00e9nanim-Bewegung hilft den Freizeit-S\u00e4ngern dabei. R\u00e9nanim-Begr\u00fcnder Avner Soudry will weiterhin mit der Musik Br\u00fccken bauen:  &#8220;Dies ist eine Begegnungsst\u00e4tte rund um das gro\u00dfe Thema Judaismus, das wir mit Nicht-Juden teilen wollen. Jenseits von Religion und Politik, rein kulturell.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n<p><\/p>","protected":false},"author":47,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_links_to":"","_links_to_target":""},"tags":[],"kategorie":[],"class_list":["post-122601","arbeitsprobe","type-arbeitsprobe","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe\/122601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/arbeitsprobe"}],"about":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/arbeitsprobe"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/47"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122601"},{"taxonomy":"kategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/weltreporter.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie?post=122601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}