Militarismus, Nepotismus und Populismus

Mit 280 Millionen Einwohner:innen gilt Indonesien als drittgrößte Demokratie der Welt. Doch 27 Jahre nach Ende der Diktatur scheinen Errungenschaften zu bröckeln.
Aufgeblasene Bürokratie und zunehmender Einfluss des Militärs, Massenproteste und verdorbenes Gratisessen – so fassen indonesische Medien im Oktober 2025 das erste Jahr der Präsidentschaft von Prabowo Subianto zusammen. Der Ex-General und Ex-Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto versprach vor der Wahl wirtschaftliches Wachstum und sozialen Wandel. Doch ist davon bisher wenig bei der Bevölkerung angekommen: Massenentlassungen, höhere Steuern und steigende Lebensmittelpreise haben die Menschen ebenso aufgebracht wie Korruption und Nepotismus bei der Besetzung einflussreicher Posten in Politik und Wirtschaft. Gegen Kritik, sei es auf der Straße oder im digitalen Raum, greift die Regierung hart durch. Und während der Präsident um die Welt reist, ohne eine klare außenpolitische Linie zu etablieren, sehen viele Beobachter:innen die Demokratie in Indonesien in Gefahr.
Prabowo überrumpelte die Öffentlichkeit gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem Kabinett von mehr als hundert Minister:innen und Vizeminister:innen. Dabei bedachte er nicht nur politische Verbündete, sondern auch Finanziers, Militärs und andere Unterstützer: innen seines Wahlkampfs. Auf dieselbe Weise verteilte er 165 Aufsichtsratsposten in staatlichen Unternehmen. „Prabowo macht nicht einmal den Versuch, seine politischen Kalkulationen zu verbergen”, erklärte der Politikanalyst Virdika Rizky Utama in der Jakarta Post. „Statt seine Entscheidungen mit Leistungsanspruch oder Reformen zu rechtfertigen, stellt er diese Art der Machtverteilung offen als wesentliches Element ‚nationaler Stabilität‘ dar.“
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