Artikel | Natalie Mayroth

Nepal nach der Flut: Fluss und Verlust

2026-10-08

Die Sturzflut in Nepal riss mehr als tausend Menschen in den Tod, viele werden noch vermisst. Für die Überlebenden beginnt der Wiederaufbau. Wenn das überhaupt möglich ist.

Unter dem überdachten Vorbau des Yellow-Gumba-Klosters in Kathmandu zappeln Kinder auf Plastikstühlen, reden durcheinander und essen. Es gibt Thukpa-Nudelsuppe zum Mittagessen. Neben ihnen sitzt Pratima Lama. Einige der Kinder kennen die Frau Anfang 40 aus der Schule im 120 Kilometer entfernten Syabrubesi. Dort unterrichtete Lama Sozialkunde. Ein Mädchen aus ihrer Schule weicht der Lehrerin kaum von der Seite.

Am Morgen des 26. August löste ein gewaltiger Fels- und Eissturz am Langtang Lirung im Norden Nepals eine Sturzflut aus. Die Lawine raste rund 1.400 Höhenmeter hinab. Beim Aufprall und durch die Reibung schmolz ein Teil des Eises. Wasser, Fels und Geröll schossen den Bhotekoshi-Fluss hinab und weiter in den Trishuli. Auf ihrem Weg verwüstete die Flutwelle Häuser, Straßen und Brücken. Rund 84.000 Menschen in sechs Distrikten sind betroffen, von Rasuwa an der Grenze zu Tibet bis in den Süden Nepals. Die Bilanz sechs Wochen später: 1.455 Tote, 5.285 Vermisste und 13.795 Gerettete. (…)

via taz.de