ISTANBUL, Samstag, der 13. Februar 2010
Susanne Güsten

ceterum censeo

Bin gerade aus Nordzypern zurück und frage mich wieder mal, warum alle – die UN, die EU – unbedingt ein vereintes Zypern wollen. Drei Jahre nur hielt die vereinte Republik Zypern nach ihrer Gründung vor 50 Jahren. Seit fast einem halben Jahrhundert patrouillieren Blauhelme auf der Insel, scheitern immer neue internationale Vermittlungen und Verhandlungen über eine Wiedervereinigung an der Angst, am Hass und am Misstrauen, das die beiden Völker füreinander hegen. Wäre es nicht an der Zeit einzusehen, dass nicht zusammenzuschweißen ist, was nicht zusammen gehört und nicht zusammen gehören will? Die Verhandlungen sind ohnehin zum sinnentleerten Ritual geworden, seit die EU die zyperngriechische Republik aufgenommen hat. Und die Zyperntürken werden demnächst ihren vereinigungswilligen Präsidenten Talat abwählen, nachdem ihr Ja zum Annan-Plan vor sechs Jahren nicht einmal mit einer Erleichterung der erdrückenden Embargos entlohnt worden ist. Von den zahllosen und endlos komplizierten einzelnenen Streitigkeiten zwischen Nord und Süd will ich gar nicht anfangen. ‘Alles auf der Welt ist lösbar, nur das Zypernproblem nicht’, sagen selbst die UN-Leute auf der Insel. Die endgültige Teilung von Zypern ist der einzige Weg. Ich frage mich nur, ob das nochmal ein halbes Jahrhundert dauern muss.

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