KöLN, Mittwoch, der 20. Juni 2007
Alois Berger

Der lügende Holländer

Zuerst die schlechte Nachricht. Belgien hat jetzt die internationalen Vorfahrtsregeln eingeführt. Bislang galt zwar auch in Belgien rechts vor links. Aber das Gesetz sagte auch, wer zögert, verliert die Vorfahrt. Diese etwas vage Regelung passte gut zum belgischen Gemüt: Die Entschlossenen sollen schon mal losfahren, die Zauderer brauchen sowieso noch etwas Zeit zum Überlegen. Viele Belgier fürchten, dass die kalte Rechts-vor-Links-Regel Unheil bringen wird.

Jetzt die gute Nachricht: Zwei von drei Belgiern finden, dass sie keine Ahnung vom Kochen haben. Auf den ersten Blick ist das kein Grund für Lob. Auf den zweiten schon. Denn die Umfrage wurde auch in Holland durchgeführt, und dort haben fast die Hälfte der Befragten behauptet, sie könnten lecker kochen. Dass nördlich der Schelde besser gekocht würde als im Gourmetparadies Belgien widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern auch meiner Erfahrung in den letzten 15 Jahren.

Die einfachste Erklärung wäre, dass die niederländischen Geschmacksnerven schlimmer degeneriert sind als wir alle bisher angenommen haben und den Unterschied nicht mehr erkennen. Oder es verhält sich so, dass die Niederländer, wenn sie leckere Matjesfilets auswickeln, das schon für Kochkunst halten.Weil ich aber auch nette Holländer kenne, weise ich solche Erklärungen zurück. Ich habe mir deshalb die Küchenumfrage noch einmal angeschaut. Und da steht, dass Belgier der Selbsteinschätzung zum Trotz am gesündesten kochen.

Im Gegensatz zu allen europäischen Nachbarn, Deutsche eingeschlossen, bringt der Durchschnittsbelgier mindestens dreimal die Woche frische Zutaten auf den Tisch. Außerdem kochen 86 Prozent der Belgier mit viel Olivenöl, was schon mal beweist, dass 86 Prozent tatsächlich kochen und nicht nur Fertigsuppen einrühren.

Die Auflösung kann deshalb nur heißen: Belgier stellen einfach höhere Anforderungen an ihr Können. Das wird auch durch Verkehrsumfragen gestützt: Belgier sind die einzigen Europäer, die zugeben, dass sie nicht gut Auto fahren können. Deshalb sind viele Belgier überzeugt, dass es Unheil bringt, wenn sie auf der Kreuzung keine Zeit mehr zum Nachdenken haben.

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