MüNCHEN, Samstag, der 21. November 2009
Martin Zöller

Der Römer an sich telefoniert die ganze Zeit

Weil die Welt immer unübersichtlicher wird, ist es gut, ein paar Dinge zu wissen, die ganz sicher sind. Dazu gehört: Wasser ist nass, Pizza ist flach und am sichersten: Die Römer haben immer ein Telefon am Ohr.

Wissen Sie warum in Rom ausklappbare Handys viel beliebter sind, als in Deutschland? Vielleicht liegt es daran, dass sich der homo sapiens generell für’s Aufklappen begeistert -von Auster bis Pizzakarton – ganz sicher aber daran, dass man mit einem aufklappbaren Handy beim Motorino-Fahren telefonieren kann: Man setzt den Helm auf, wählt die
Nummer eines Freundes, stopft das ausgeklappte Handy zwischen Ohr und Helm – und fährt los. Mit einem normalen Handy können Sie das vergessen – das rutscht aus dem Helm.

Noch praktischer: Der „Squillo.Der „Squillo“, wörtlich übersetzt „das Klingeln“ ist der geniale Weg der Römer, sich der ragazza, mama und nonna mitzuteilen, ohne etwas zu bezahlen. Ein Beispiel: Sagen wir Lara, die zauberhafte Bedienung in meiner Espressobar, dem „Papagallo“, will Barmann Dino mitteilen, dass sie sich verspätet: „Dino, ich komme in einer Viertelstunde, Entschuldigung, Lara“, schreibt sie in einer SMS. Dino will kein Geld für einen „Kein-Problem-Ciao!“ Anruf ausgeben. Deshalb greift er zum Handy, wählt Laras Nummer, es klingelt – und dann legt Dino auf. Lara sieht das und weiß: „Kein Problem.“ Dieses Klingeln, das eine Botschaft in sich trägt die nur der Empfänger interpretieren kann, das ist der „Squillo“.

Die Römer haben das perfektioniert und machen „Squilli“ den ganzen Tag. Vor allem Verliebte lassen es mehrmals täglich beim anderen „anklingeln“. Mancher Geizhals hat die Technik mit den Squilli derart perfektioniert, dass er gar nicht mehr zu telefonieren- Geld ausgeben – braucht. Klingelt es bei mir einmal, ist es ganz bestimmt mein Freund Davide. Das heißt dann: „Ruf Du mich an. Ich will sparen.“

Kommentare (0) Kommentar schreiben
AKTUELLE BLOGEINTRÄGE