portrait kerstin zilmLOS ANGELES, Montag, der 6. Februar 2012
Kerstin Zilm

Huffington Post – Riesenerfolg mit Lizenz zum Ausbeuten

Als ich Arianna Huffington zum ersten Mal traf war ich schwer beeindruckt. Es war 2003, ich war durch Zufall mit etwa dreißig anderen Frauen in ihre Villa in einem noblen Bezirk von Los Angeles eingeladen worden. Gebannt hörte ich zwischen opulenten gold verzierten Möbeln sitzend dem mitreißenden Vortrag der Frau mit dem starken griechischen Akzent zu. Arianna wollte damals Gouverneurin von Kalifornien werden, hatte ihre republikanische Parteikarte abgegeben und setzte nun auf linke Positionen. Am Ende der Veranstaltung wurde ein großer Umschlag herumgereicht. Die Damen neben mir griffen zu Stift und Scheckbuch – ohne es zu wissen war ich in eine Spendenversammlung für Arianna geraten. Ein österreichischer Muskelprotz hat sie damals geschlagen. Doch ich verfolgte fortan mit einer Mischung aus Be- und Verwunderung den Aufstieg der Arianna Huffington zum Medienstar.

Als sie vor sieben Jahren die Huffington Post gründete, wurde der Online-Blog-Seite keine große Zukunft vorhergesagt. Inzwischen hat Arianna sie für 315 Millionen an AOL verkauft und ist jetzt Chefin der Huffington Post Media Group. Mit einer kruden Mischung aus Schlagzeilen, Blogs, Videos und Werbung hat die HuffPost so viele Besucher wie die Web Site der New York Times. Das Geheimnis des Erfolg: Ariannas Post verlinkt zu Inhalten, die andere herstellen ohne selbst viel in investigativen Journalismus zu investieren. Zwar bezahlt sie inzwischen rund 150 Mitarbeiter, von denen einige auch recherchieren und Artikel schreiben. Doch 9000 Blogger arbeiten kostenlos für die Huffington Post. Darunter sind Promis wie Robert Redford und Unbekannte, die über Yoga, Katzen, Sex und andere essentielle Lebensbereiche berichten.

Als ich versuchte, Arianna über ihren Erfolg und ihre Wachstumspläne für Deutschland zu befragen, stellte sich heraus, dass sie lieber in der Welt herumreist, ihr Medienimperium ausbaut und gut bezahlte Reden hält, als Interviews zu geben. Keine meiner Anfragen an die Huffington Post wurden beantwortet. Nur die Organisatorin eines Univortrages mit Arianna gab mir eine Chance: eine 500 Dollar VIP-Karte für die Veranstaltung würde mir den Zugang zum anschließenden Empfang mit Arianna erkaufen. Dabei ergebe sich eventuell die Gelegenheit, die Hand der Medienmeisterin zu schütteln und meine Visitenkarte zu hinterlassen.

Ich hab mein Scheckbuch wie vor neun Jahren lieber stecken gelassen.

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