CHRISTCHURCH, Montag, der 3. September 2007
Anke Richter

Kein Spaß mit Hitler-Pizza

Dass die Neuseeländer so entspannt sind und alles sehr locker sehen, ist angenehm. Unangenehm wird es jedoch, wenn sie auch die jüngere deutsche Geschichte auf die leichte Schulter nehmen. Adolf Hitler hat im angelsächsischen Raum zuweilen den Status eines grotesken, bösen Comic-Helden. Das demonstrierte bereits Prinz Harry, als er mit Hakenkreuz-Binde auf einer Kostümparty erschien. Was immer wir Deutschen Schreckliches mit dem Nazi-Herrscher verbinden, verblasst, je weiter man sich von Europa entfernt. Der Durchschnittskiwi ist davon eher unbeleckt, zumal Geschichte auch kein Pflichtfach an neuseeländischen Schulen ist. Als Scherzfigur taugt „the Fuehrer“ allemal.

Britische Nachbarn von uns fanden es witzig, eine Figur in ihrem Fenster stets nach Jahrestagen oder Festen zu dekorieren: Mal als Osterhase, mal als Weihnachtsmann. Der beste Gag kam am Anzac-Day, als der Truppen gedacht wurde, die in der Dardanellen-Schlacht gegen die Deutschen kämpften: Prompt wurde aus der kleinen Schaufensterpuppe ein Kerl mit Hitler-Bart – egal, dass die Schlacht im ersten Weltkrieg stattfand. Deutsch bleibt deutsch bleibt Nazi. Und wer sich daran stört, hat halt keinen Humor – besonders die „Germans“ nicht.

Besondere Geschmacklosigkeit in Sachen „WWII“, wie der 2. Weltkrieg gerne abgekürzt wird, bewies eine Werbeagentur: „Hell Pizza“ startete letzte Woche eine Plakat-Kampagne, die unter anderem Hitler mit einem Stück Pizza in der ausgestreckten Hand zeigt. Als die Pizza-Kette im letzten Jahr Kondome in Briefkästen verteilte, um für ihre „Lust“-Pizza zu werben, rief sie einen Proteststurm hervor: Die Katholiken im Lande forderten, die Höllen-Pizza fortan zu boykottieren.

Doch als in den vier größten Städten Hitler-Plakate aufgehangen wurden, blieb es erstaunlich ruhig. Erst, als sich einige jüdische Mitbürger bei der Werbeaufsicht beschwerten, wurde das Plakat abgehängt – um es an anderer Stelle wieder anzubringen. Der Chef der Werbeagentur fragte öffentlich, warum sich die Juden denn so aufregen würden – Hitler sei doch schließlich deren „Aushängeschild“. Was einen wirklich ausgeprägten Sinn für Humor verrät.

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