JOGJAKARTA, Samstag, der 3. Februar 2007
Christina Schott

Landunter

Es ist Regenzeit in Jakarta. Was heißt Regen: Das Wasser ergießt sich in solchen Massen vom Himmel, dass die Sintflut plötzlich ziemlich realistisch erscheint. Das Internet ist seit Stunden zusammengebrochen, Telefonieren geht nicht. Erstens, weil die Leitung ständig unterbrochen ist, und zweitens, weil die Wassermassen solch einen Lärm auf dem Dach veranstalten, dass ich sowieso nichts verstehen würde. Die für mich zuständige Telefonzentrale liegt im Süden der Stadt. Dort hätte ich heute eigentlich einen Termin, doch wagen sich momentan weder Busse noch Taxis durch die meterhohe Drecksbrühe, die aus den zugemüllten Kanälen Jakartas auf die Straßen gequollen ist. Schon gestern bin ich auf dem Weg zu einem anderen Termin umgedreht, weil sich einige Kreuzungen in Seen verwandelt hatten, die nur noch watend oder schwimmend zu überqueren waren. Während ich im Bus festsaß, gaben neben mir diverse Motorräder und Autos blubbernd ihren Geist auf. Von meinem – glücklicherweise trockenen – Sofa aus betrachte ich nun die überschwemmten Viertel im Stadtfernsehen. Und bewundere die Menschen aus den ärmeren Vierteln, die noch immer in die Kamera lachen können, obwohl ihr ganzes Hab und Gut gerade in der braunen Suppe verschwindet.

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