WIEN, Samstag, der 1. Oktober 2011
Hilja Müller

Lesson learned…

Es war drei Uhr in der Früh, als vergangenen Dienstag bei uns die Lichter ausgingen. Ich hatte gerade alles, was im Garten rumstand und hätte wegfliegen können, ins Haus gebracht. Warum ich das nicht vor dem ins Bett gehen gemacht habe, weiß ich nicht. Mir war klar gewesen, dass ein Taifun auf Manila zu rauschte, aber ich brachte es irgendwie nicht mit mir in Verbindung. Bis der Sturm mich wachtrommelte und mir klar wurde, dass ich zum zweiten Mal in diesem Jahr null Vorbereitungen für eine nicht unerwartete Ausnahmesituation getroffen hatte.

Das erste Mal hatte es uns in Tokio erwischt. Als sich am 3. März die Erde in einen sich wütend hebenden und senkenden Untergrund verwandelte und die Hochhäuser wie in einem Horrorfilm schwankten, stand ich buchstäblich mit leeren Händen da. Obgleich ich seit unserer Ankunft in Japan im Sommer 2009 gewusst hatte, dass dem Land ein großes Beben bevorstand, war es beim guten Vorsatz geblieben, Notfalltaschen zu packen und immer ausreichend Lebensmittel- und Wasservorräte im Schrank zu haben. Ich hatte mich damals verantwortungslos geschimpft und es als gerechte Strafe gesehen, dass ich in den Tagen nach dem Erdbeben durch etliche nahezu geplünderte Läden in der Nachbarschaft streifen musste, um ausreichend Wasser und unverderbliches Essen für einige Tage aufzutreiben.     

Und nun hat es mich am Dienstag ähnlich kalt erwischt. Am Montag war keine Wasserlieferung gekommen – ich merkte es erst, als es für eine Reklamation zu spät war und sah betrübt auf die leeren Wasserflaschen. Dafür hatte ich einen Großeinkauf durchgezogen, der Kühlschrank und die Tiefkühltruhe waren bestens gefüllt. Nur ohne Strom und bei tropischen Temperaturen verwandeln sich Lebensmittel ruck zuck in ungenießbares Zeug.

Ich fand genau zwei kleine Taschenlampen – perfekt, um zwei Kindern die Angst in einem stockfinsteren, sturmumtosten Haus zu nehmen. Telefon und Internet gingen nicht und die Batterie meines Handys war nahezu leer. Aufladen ging nicht – kein Strom. Trotz umherfliegender Äste und Weltuntergangsstimmung musste ich nach einer schlaflosen Nacht also wieder Noteinkäufe machen: Drei Säcke Eis für den Kühlschrank, große Stand-Taschenlampen mit 40 Stunden Laufzeit und jede Menge Kerzen. Zur Beruhigung der Nerven Kekse mit Schokofüllung.

 Gut, dass noch welche übrig sind. Tropensturm Quiel ist im Anmarsch, bis morgen früh soll er über unserer Insel wüten. Draußen schüttet es bereits, und die Palmen beweisen im Wind, wie biegsam sie sind. Doch diesmal kann ich gemütlich durchs Fenster schauen und Schokokekse knabbern. Trinkwasser, kühlende Eissäcke, Taschenlampen – alles ist an Bord. Lesson learned…

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