PEKING, Freitag, der 3. April 2009
Ruth Kirchner

Morgens auf dem Planeten Erde (2): China – Reissuppe statt Brötchen

Der frühe Morgen ist für  mich die schwierigste Tageszeit in China, zumindest wenn man tausende Kilometer von der heimischen Kaffeemaschine entfernt in einem Hotel übernachtet. Schon das Betreten des Frühstücksraums kostet meist ein wenig Überwindung – nicht der Geruch von frischem Milchkaffee und Brötchen begrüßt den Gast, sondern Gemüse, Öl und Knoblauch.

Ein stiller Schrei nach Kaffee. Aber ein schneller Blick zum Bufett bestätigt alle Befürchtungen: Sojamilch, knallgelber Saft undefinierbarer Herkunft, dünner Milchtee.

Für viele Chinesen ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages. Nur Kaffee gehört nicht dazu. Und man isst, was man auch mittags oder abends zu sich nimmt – darunter gebratene Nudeln, Baozi, also gedämpfte Teigtaschen mit Fleischfüllung, Unmengen hartgekochter Eier und scharfes, eingelegtes Gemüse.

Mein deutscher Magen zieht sich beim Anblick der Speisen ängstlich zusammen. Am frühen Morgen sehnt man sich nach Vertrautem. Eine Scheibe Toast und ein bißchen Marmelade, das wär’s jetzt.

Stattdessen Congee, Reissuppe. Der Reis wird über Nacht in Wasser gelegt und morgens eine Stunde lang gekocht. Die Körner zerfallen fast zur Unkenntlichkeit. Es entsteht eine schleimige, weiße Suppe, die nach nichts schmeckt.

Und die man zum Frühstück in China schlürfend zu sich nimmt. Essen ist hier auch ein akustischer Vorgang. Meine Kinder finden das toll – es darf geschmatzt werden.

Aber ich will nur Kaffee. Die Kellnerin schüttelt freundlich den Kopf. „Mei you“. „Haben wir nicht.“ Der Tag fängt ja wieder einmal gut an.

Um dem Kaffeenotstand zu entgehen, reise ich seit einiger  Zeit mit meinen eigenen Päckchen Instant-Pulver im Gepäck. Der Fertigkaffee schmeckte zwar nicht besonders gut, aber man wird ja bescheiden.

Auf meiner inneren China-Landkarte haben sich zudem einige Orte besonders tief eingebrannt. Ein Hotel in Yuanyang ganz im Süden von Yunnan, wo der Milchtee leicht ranzig schmeckte. Der Flughafen von Yinchuan im nordwestchinesischen Ningxia, wo das Cafe im Terminal zwar Cappuccino für umgerechnet sechs Euro anbot, aber nicht einmal eine Kaffeemaschine hatte.

Aber auch Städte wie Datong in Shanxi. Die Industrie-Stadt im Norden ist schwarz vom Kohlestaub. Die Reissuppe geschmacklos wie überall. Aber der Espresso im Hotel hätte auch aus Italien kommen können. China ist halt immer  für Überraschungen gut. Manchmal sogar schon am frühen Morgen.

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