MüNCHEN, Mittwoch, der 18. Oktober 2006
Philipp Kreisselmeier

Sind Sie die Witwe Meier?

Es war meine U-Bahn-Station, in der am 17.10.2006 ein Zug auf einen anderen aufgefahren ist. In Sirenen-Hörweite von meiner Wohnung, vielleicht 300 Meter Luftlinie. So nah, dass ich, als das Unglück gemeldet worden war, wenigstens zum Gaffer Angaffen hingegangen bin. Man ist ja Journalist; da fühlt man sich zur Neugier verpflichtet.

Noch viel makabrer: In den Meldungen am Dienstag Nachmittag hieß es, die Identität des Opfers werde erst genannt, wenn die Angehörigen informiert seien. In der Mittwochszeitung dann die Mitteilung: Die Eltern der ums Leben gekommenen 30-Jährigen seien von einem Lokal-Fernseh-Team benachrichtigt worden. Ob die den bewegenden Moment aufgenommen und gesendet haben? Es hat in Italien schon Hinterbliebene von Mordopfern gegeben, die unter Tränen zum Reporter sagten: „Bitte filmen Sie mich nicht, ich kann Ihnen nichts sagen!“ Das kam dann abends in den Fernseh-Nachrichten…

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