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Mitleid mit Santa

IMG_0634Generell wird Santa (australisch kurz für: Weihnachtsmann) hier auch bei derzeit 26 ºC in seine traditionelle Kluft gesteckt: langer Mantel, Mütze und Fellstiefel. Er muss hinterm Bart in Filz und Fell vor Shoppingzeilen schwitzen und legt sogar volle Montur an, wenn er im Lifesaver-Boot übers blaue Meer zum jährlichen “HoHoHo” an den Strand gefahren wird. Um so erleichterter war ich, eben im Frisörladen ums Eck zu sehen, dass jemand Mitleid mit dem Herrn der Geschenke hatte und ihm eine jahreszeitlich etwas passendere Uniform erlaubt. Steht ihm gut finde ich.

 

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Rechtschreibnazis

Als Deutsche tue ich mich in meiner neuen Heimat oft schwer. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich mich so oft an schlechter Rechtschreibung störe. Die gehört in diesen Breitengraden zum öffentlichen Erscheinungsbild wie Flip-Flops mit Socken im Winter. Was in meinen Augen ein krasses orthographisches Vergehen ist, sehen die meisten Kiwis jedoch als Kavaliersdelikt: Who (oder hoo) cares?  Dank dieser laxen Haltung wimmelt es mich herum nur so von falschen Apostrophen, von „your“ statt „you’re“. Damit muss ich leben. Assimiliation nennt man das. 

In der Schul-Cafeteria habe ich mich bereits unbeliebt gemacht. Wochenlang las ich auf dem Lunch-Bestellzettel meines Sohnes, dass es „Squizzeed Orange Juice“ zu kaufen gäbe, obwohl der gepresste Saft doch laut Wörterbuch „squeezed“ heißen sollte. Irgenwann zuckte es mir in den Fingern. Ich strich das falsche Wort durch und schrieb das neue darüber. Prompt kam eine Antwort der Küchenkraft, was meinem Sohn besonders peinlich war: „Squizzeed“ sei der Markenname. Der Saft ist nämlich gar nicht gepresst. Reingefallen, Besserwisserin!

Immerhin habe ich mich letztens zurückgehalten, als ich ein Auto den beeindruckensten Aufkleber spazierenfahren sah, der mir je in Aotearoa unterkam. I love Mell’s titty’s. Das Herz-Symbol, das für das Wort „love“ stand, sah korrekt aus, auch am„I“ gab’s nichts zu meckern, aber ab dann muss der Verehrer der offensichtlich mit Doppel-L gesegneten Mellanie ins Schleudern gekommen sein. Den sicher bewundernswerten „titties“ tut das keinen Abbruch. Der Außenwirkung des Autofahrers jedoch schon.

Ich bin dankbar, dass ich mit meiner Fixierung auf das falsch geschriebene Wort nicht alleine dastehe. Autor Jon Bridges hat sich unter dem Pseudonym ‚spellnazi‘ bei TradeMe angemeldet, was unser Ebay ist, und jede Online-Versteigerung nach Rechtschreibfehlern durchkämmt.  Wann immer etwas nicht stimmte, schickte er dem Anbieter eine nette Nachricht und lieferte die Korrektur gleich mit: „Hi. Nur ein paar Fehler in Ihrer Beschreibung, aber sonst alles gut. Sie haben ‚riffle‘ statt ‚rifle‘ geschrieben und ‚orsome‘ statt ‚awesome‘. Viel Glück mit der Auktion. Sieht nach einem schönen Gewehr aus.“

Das Feedback war gemischt. Die Beschimpfungen, die Bridges sich einhandelte, waren nicht ohne, und auch nicht ohne Fehler. Seine private Erhebung ergab ein erschreckendes Bild: Die Worte, an denen fast die Hälfte der Kiwis bei TradeMe orthographisch scheiterten – wie „definately“ statt „definitely“ oder „recieve“ statt „receive“ – bekommen in den USA, England und selbst im angeblich so barbarisch unkultivierten Australien über 80 Prozent der Online-Anbieter problemlos hin.

Am Ende startete der Rechtschreibnazi seine eigene Auktion. Er bot ein fast unbenutztes Apostroph an (schwarz, 12 Punkt, Times New Roman). Es ging für hundert Dollar an einen Joe aus Whakatane. Vielleicht liebt auch der ein paar Brüste, die mit einem falschen Apostroph mehr erst richtig zu Ehren kommen.

 

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FB-Orange, oder: Das richtige Leben im Falschen

Orange und von der Seite Pink. Ella’s Freundin hatte eine kuriose Hautfarbe. Ein Griff zur falschen Pickelcreme? Nee, dagegen sprach, dass auch Schultern, Arme, großzügiges Dekolletee und Beine der 18-Jährigen Orange leuchteten.

Später im Kino fragte ich meine Kollegin, was die Freundin ihrer Tochter eigentlich mit ihrer Haut hätte. (Ich gebe zu, in Make-up und Mode-Fragen war ich nie weit vorn.) Kathy, also meine Kollegin, wusste auch nicht wieso Sarah vor dem Ausgehen gestrahlt hatte wie eine Mandarine. Aber sie versprach, es herauszufinden. Kathy ist top in Recherchen der kniffligen Art. Dienstag rief sie an: Selftanning Lotion. In Sydney scheint gerade eine hautfreundlich milde Wintersonne, ohne starke Farbfolgen. “Also musste vor dem Ausgehen Selbstbräunung aus der Tube ran.”

Nun war aber Sarah aber ja leider nicht braun sondern erschreckend gelblich-apfelsinig geworden –  zu viel Chemie offenbar, OrangeHaut statt Sommerteint. War ihr das nicht peinlich? Kam das auf Partys heute gut an? “Hab ich ja auch gefragt”, nickt Kathy. Und erntete blankes Unverständnis: Nein das Orange sei im Gegenteil völlig okay. Das käme nämlich auf den Facebook-Fotos von der Big-Night-Out später viel besser raus – Blitzlicht und zweimal digital kopiert, mache aus Orange ein saucooles Bali-Braun.

Und dass sie auf der Party leuchtet wie ein Kürbis und dann tagelang gelb durch die Gegend läuft? Egal! “Spätestens Mittwoch“ sei im echten Leben ihr Teint ja wieder wie sonst. Die Facebook-Fotos aber, die würden doch viel mehr Leute sehen als nur die, mit denen sie gefeiert hat. Immer wieder würden die angeklickt, von allen möglichen potentiellen Fans. Und blieben da den Rest ihres Lebens!

Fair enough, in der Ewigkeit will man top aussehen, klar. Facebook für Fortgeschrittene, grinst Kathy. Wer in der sozial-medialen Unendlichkeit gut rüberkommen will, muss eben zu kleinen Opfern bereit sein.   (Fotos: Facebook)

 

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Ho! Ho! Ho! I'm hot.

Auch nach fast acht Jahren in Sydney fällt mir schwer, Santa ernst zu nehmen. Ich fürchte, das liegt an etwas peinlich Oberflächlichem wie seinem Outfit. Santa (eigentlich Santa Claus, aber wir kürzen hier unten gern ab), sind jene Herren, die in rotem Samtvelours gewickelt mit dichtem weißem Bart und kuschlig warmer Mütze seit ein paar Wochen umherwandern, in Shopping Malls sitzen und Geschenke verteilen. Dazu rufen Santa Clause zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit “HO!HO!HO!”

Das ist australische Mundart, aber was es heißt hat mir noch kein Einheimischer erklären können. Meine alltagskulturelle Beraterin Christine sagt: “Santa kommt samt zwölf Rudolph (Rudy) genannten Rentieren vom Nordpol. Mit Hohoho vermeidet er Smalltalk, für den er keine Zeit hat, weil er ja um die ganze Welt muss.” Mehr weiß sie über den dröhnend dargebotenen Dreisilber auch nicht. Das “Australian Phrasebook” des bekanntlich immerschlauen Lonely Planet bemüht sich erst gar nicht um eine Erklärung.

Ich glaube, das dreifach-Ho ist mitnichten ein Lachen, sondern Santas Art uns mitzuteilen, dass er es santafeindlich findet, bei über 30 Grad in dicken roten Mänteln rumzulaufen: “HO!HO!HO ist mir heiss!” “Ho-ho-hot is it here…” Nach gut 220 Jahren weißer Besiedlung des Kontinents könnten wir doch eigentlich klimatisch passendere Kleidung für den Hochsommergast vom Nordpol finden.

Immerhin – Dieses Jahr zieren die allgegenwärtigen, bunten Advents-Straßenbanner in Sydney nicht wie sonst die beliebten Eissterne-Motive und Schneemänner. Diesmal schmücken die im Dekorations-Rausch befindliche Innenstadt lokale Flora und Fauna.

Das gibt Hoffnung. Wer weiß, in ein paar Jahrhunderten darf sicher auch der australische Santa Surfshorts tragen. Vielleicht in Dunkelrot mit weißem Puschelrand. 

 

 

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Shanghai will Schlafanzüge von den Straßen verbannen

 

Im Mai kommenden Jahres beginnt die Expo 2010 in Chinas Boomstadt Shanghai. Seit Monaten wird die ganze Stadt geschminkt und verschönert. Selbst die hässlichen alten Bürobauten in der Straße neben meinem Haus sind renoviert worden. Die alte Fassade aus grauen Kacheln ist durch Spiegelglas ausgetauscht worden, allerdings nur auf der Gebäudeseite zur Straße.

Jetzt sollen sich auch die Einwohner schön machen: Die Shanghaier Regierung will ihren Einwohnern endlich das Tragen von Schlafanzügen in der Öffentlichkeit austreiben.

Seit 30 Jahren boomt die chinesische Wirtschaft. Viele Chinesen haben seitdem viel Geld verdient. Und gerade die luxusverliebten Shanghaier geben es auch mit großer Freude wieder aus. Längst haben sämtliche westliche Luxus-Modehersteller ihre flagship stores in Shanghai eröffnet. Und in kaum einem anderen Land begegnet man auf der Straße so vielen Handtaschen von Louis Vuitton wie in Shanghai. Trotzdem ziehen Zehntausende Shanghaier jeden Tag nach der Arbeit die Anzüge und Business-Kostüme aus, schlüpfen in ihre Schlafanzüge und gehen Einkaufen oder Spazieren, gerne auch in Stöckelschuhen. Bei ausländischen Touristen sind die Shanghaier Schlafanzüge das beliebteste Fotomotiv.

Die Shanghaier selbst erklären ihre Liebe zum Pyjama übrigens mit ihrem ausgeprägten Modebewusstsein. Als die Kulturrevolution 1976 endlich vorbei war und ein frischer Wind durchs Land wehte, sehnten sich die Menschen zuerst nach bunten Farben und individueller Kleidung. Doch in ihren Kleiderschränken hingen nur die blauen Mao-Uniformen. Es heißt, dass die ersten Shanghaier damals ihre Schlafanzüge auf den Straßen anzogen, es waren die einzigen bunten Kleidungsstücke, die den Kommunismus überstanden hatten. Und sie lieben ihre Pyjamas bis heute.

Seit Jahren versucht die Regierung, die Shanghaier die Schlafanzüge von den Straßen zu verbannen. Pyjamas in der Öffentlichkeit zu tragen „verstößt gegen internationale Praktiken und soziale Rituale“, zitierte die amtliche Tageszeitung Global Times einen Pressesprecher der Stadtverwaltung. Leuchtreklamen in der Innenstadt ermahnen die Menschen, ihr Nachtgewand nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gibt sogar Beamten, die extra dafür abgestellt wurden, die Shanghaier Abendmode zu modernisieren. Alles Teil der Kampagne mit dem schlimmen Namen „Die Schlafanzüge zu Hause lassen und ein zivilisierter Gastgeber der Weltausstellung werden“.

Ich habe die Schlafanzüge eigentlich immer sehr sympathisch gefunden. Wenn man weiß, was seine Nachbarn abends im Bett tragen, fühlt man sich ihnen automatisch näher. Die Kampagne finde ich albern. Bisher habe ich immer in Unterwäsche geschlafen. Vielleicht ist jetzt die richtig Zeit, um wieder auf Schlafanzüge umzusteigen.

 

 

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Die Fragen des kommenden Winters

In Paris laufen gerade die Herrenmodeschauen und nach nur zwei Tagen häufen sich die Fragen.

1. Wer wählt eigentlich die Herrenmodels aus? Und wie kommt es, dass bei männlichen Models Schönheit keine Rolle spielt?

 

 

 

 

 

2. Wer gut sieht ist out? Ja, das scheint so, denn DAS Modeaccessoires des Winter ist die Hornbrille mit besonders starken Gläsern.

 

 

 

 

 

3. Wie style ich Hochwasserhosen richtig? So wie Galliano? Reinstecken oder weglassen?

 

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Letzte Impressionen von der Pariser Modewoche: Exotik gewinnt

Der Kampf war heiß: Am Wochenende überschlugen sich die Ereignisse in Paris. Die Modewoche und ihre Partys konkurrierten mit der Nuit Blanche (die lange Nacht der Museen) und dem Rugby-Spielen Frankreich–Neuseeland und Schottland–Argentinien. Hier die Gewinner:
Rugby schlägt exzentrische Mode und Chloe-Parfum-Party
und…Kaiser's Kaffeegeschäft-Original schlägt YSL-Fake. 

 

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Pariser Modeschauen und die neuen Online-Methoden

Auch die Mode-Presseagenturen gehen mit der Zeit, wie die Agence "mpressoffice" beweist. Statt Freelancer wie mich zu ihrer Fashionshow einzuladen, schickten Sie mir einen Tag später vier Bilder (davon eines unscharf) der Show der türkischen Designerin Dice Kayek und eine vorgefertigte Kritik. Toller Service? Nein, keineswegs. Denn nur wenn man die ganze Show gesehen hat, kann man sich ein Bild von der Kollektion machen. Und ehrlich gesagt brauche ich niemanden, der mir meine Kritik vorformuliert. Die Vogue, Elle und Konsorten hatten sicherlich eine Einladung. Warum also werden wir Freelancer so abgespeist?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Impressionen von den Pariser Modeschauen 3

Was haben Mode und ein Staubsauger gemein? Nichts. Falsch gedacht! Auf den Pariser Modeschauen tat sich Designer Dai Fujiwara vom Modehaus Issey Miyake mit dem Staubsauger-Tüftler James Dyson  zusammen. Das Ergebnis der Kooperation war eine ziemlich windige Sache. Unter dem Titel "The Wind" durfte sich die Front-Row wie bei einem Haarspray-Test fühlen (Sitzt die Frisur noch?), während die hinteren Reihen auf sich bewegende Mammut-Staubsaugerschläuche blickten. Das Spektakel hatte trotzdem was.

 

 

 

 

 

 

 

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Impressionen von den Pariser Schauen: All blacks

In Paris prallen derweil zwei Welten aufeinander: die Rugby-Fans der WM (www.france2007.fr) und die Fashion-Fans der Modewoche. Doch wie man sieht, sind sie sich gar nicht zu unähnlich. Alle sind ganz in Schwarz. Siehe die neuseeländische Mannschaft All Blacks – und die Dior-Gäste…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Impressionen von der Pariser Modewoche

 

 

 

 

Die Frisur von Julia Timoschenko beim japanischen Designer Mina Perhohnen.

 

 

 

Fashion in the box beim deutschen Designer Bernhard Willhelm.

 

 

 

 

 

Magersüchtige Models? Ist uns doch wurscht. Bei der spanischen Designerin Estrella Archs.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Haute Couture und die neuen Medien

 

 

Die Haute Couture zeichnet sich dadurch aus, dass alle Roben handgenäht sind. Maschinen kommen bei der hohen Schneiderkunst in der Regel nicht zum Einsatz. Aber wie man auf den heute zu Ende gehenden Haute Couture Schauen in Paris sehen kann, gibt es Ausnahmen. Denn auch wenn die Kleider wie zu Großmutters Zeiten hergestellt werden, so bedeutet das keineswegs, dass die Designer technisch nicht up to date sind. Ihre Offenheit zu den modernen Medien wollten zwei Modehäuser eindrucksvoll beweisen, doch die Technik machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Fall Nummer 1: Bei dem Pariser Modehaus „On aura tout vu“ nahmen die beiden Designer den Handy-Wahn auf die Schippe. Nicht nur ein Handy, sondern Dutzende klebten bei einem Modell am Kleidersaum der Abendrobe. Das Mannequin, das lässig in ihr Motorola sprach, während sie über den Laufsteg stöckelte, verging jedoch bald das Lachen, denn vom zarten Textilgewand purzelten die Motorolas zuhauf auf den Laufsteg. Zwei Entwürfe weiter steckten die Handys wie Steckerlfische zwischen den mit zarten Organza bespannten Brüsten des Models. Problem hier: das Mannequin konnte weder telefonieren, noch richtig die Fotografen anpeilen. Zu sehr störte die Handyausstattung der Robe beim Blick geradeaus.

Fall Nummer 2: Armani's Kollektion Privé. Der italienische Designer hatte vollmündig angekündigt, seine Haute Couture Show live für alle, die keine Einladung hatten, auf www.msn.com zu übertragen. Super, dachte ich und klickte mich um 21 Uhr, wie verabredet mit Giorgio, auf msn. Doch nachdem ich mich zu Armani-Video vorgestastet hatte und das Video starten wollte, hieß es nur: „The video you requested is not available." Fazit: Irgendwie wollen die Handwerkskunst der Haute Couture und die neuen Medien nicht zu recht zusammenpassen. Aber eigentlich ist das gut so. Denn so bleibt die Haute Couture, das was sie immer war: Eine handgefertigte Traumfabrik für Handverlesene.

 

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Gut, dass wir drüber gesprochen haben

Das Thema rund um die dürren Models will und will kein Ende nehmen. Nachdem in fast allen Frauenzeitschriften die Problematik ausgiebigst diskutiert wurde, meldete sich nun etwas verspätet auch Giorgio Armani in der englischen Daily Mail zu Wort: „Ich mochte noch nie dünne Models auf dem Catwalk“, erzählt da der Meister. Zugegeben seine Models sind sicherlich nicht die dünnsten, doch sein Aufruf, nun gemeinsam gegen Anorexie zu kämpfen, wird wahrscheinlich wieder ungehört verhallen. Denn wie ein bewusst anonym beleibender Designer in London vermerkte: „Ich war mir niemals bewusst, dass die Models magersüchtig sein könnten. Für uns sind sie einfach sich bewegende Kleiderständer.“

Das denken sich wohl auch einige in Mailand, doch dort wird nun vordergründig trotzdem Nägel mit Köpfen gemacht: Ab nächster Saison müssen angeblich alle Models ein Gesundheitszertifikat vorlegen. Bloß ob dabei wirklich was rauskommt, bleibt die Frage. Denn das Problem liegt je eigentlich ganz woanders und das ist auch von Spiegel Online letzte Woche völlig richtig angerissen worden: Wenn wir von Models sprechen, reden wir von Kindern.

Viele Models sind dünn, gesund, aber eben gerade mal 14 Jahre alt. Klar haben diese hochgeschossenen Kids noch keine Hüften und spindeldürre Beinchen. Bloß sie tragen Klamotten, die sich selbst eine 40-jährige Managerin nicht leisten kann. Hier liegt das eigentliche Problem. Die Mode richtet sich an Frauen, schneidert aber die Modelle nach Kinderkörpern und die Magazine spielen das Spiel mit. Bester Beweis ist eine Modestrecke in einer der letzten L’Officiel, einer der absoluten Hochglanz-Modeblätter Frankreichs: Dort führt ein Kind die Kreationen von Alexander McQueen vor unter dem Titel: „Flügeln der Lust“. Sorry, aber was ist daran lustvoll?

 

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Fashionblog: Ausblick

Zwischen den Modeschauen und der abendlichen Party zum 30. Firmenjubiläum von Jean Paul Gaultier, habe ich im Fernsehen von dem Tod der beiden deutschen Journalisten in Afghanistan erfahren. Bei einer solchen Nachrichten frage ich mich immer, ob ich da überhaupt noch von so unwichtigen Nebensächlichkeiten wie Mode bloggen darf.

Viele Weltreporter unseres Netzwerkes arbeiten an Brandherden, gehen Risiken ein, während ich mich mit sehr vielen anderen Modejournalisten die letzten Tage um Rocklängen und Absatzhöhen gekümmert habe.

An solchen Tagen stelle ich meine Arbeit in Frage und staune nur noch mehr, dass Gäste sich – wie auf der Gaultier-Party gestern – pickiert von demonstrierenden PETA-Mitgliedern abwenden, sich aber wenig später um den Champagner schlagen. Einige der sonst so elitären Modegesellschaft haben gestern Nacht, als es keine sauberen Gläser mehr gab, sogar dreckige Gläser im Eiswürfelwasser ausgespült, nur um noch ein Glas Champus zu bekommen. Und das mitten in Paris! Es ist nicht zu fassen!

Trotz aller Globalisierung, so scheint mir, wächst die Welt nicht zusammen, sie driftet immer mehr auseinander. Und dabei gehen gerade in der Überflussgesellschaft beim Hechten nach dem neuesten Konsum so manche gute Manieren flöten.

Auch wenn das Beispiel in Anbetracht der aktuellen Ereignisse lächerlich erscheinen mag, aber auch auf den Modeschauen herrschte früher ein anderer Geist. Während einst außergewöhnliche Kreationen spontanen Beifall bekamen und man am Ende eines Defilees die Arbeit eines Designers mit Applaus würdigte, so rennen heute die Gäste oft bereits aus dem Saal, wenn die Models noch beim Abschlussdefilee sind (siehe Bild). Vor dem Einlass wird gerempelt und gedrängelt, Geschenke werden im wahrsten Sinne des Wortes eingesackt und während der Show unterhalten sich die Gäste ohne einen Blick auf die Kollektionen zu werfen.

Wenn Genies wie Karl Lagerfeld die Idee haben, die Arbeit der Leute hinter den Kulissen zu würdigen, so interessiert das zudem niemanden. In seiner aktuellen Show war am Ende der Backstage-Bereich mit den Friseuren, Make-Up-Spezialisten und Anziehhilfen zu sehen, doch auch Tage später finde ich davon leider nichts in den Medien und im Internet. Das ist schade. Denn jenseits von Promis in der ersten Reihe, Models und Designern bleiben diese Menschen im Dunklen, deren Verdienst es ist, dass die vergangene Modewoche Paris ein Erfolg war.

Mit diesem sehr langen, letztem Blog beschließe ich meine Berichterstattung zu den Pariser Modeschauen. Ein abschließender Dank geht an meiner Weltreporter-Kollegen Janis, Felix und Martin, die mich tatkräftig bei dieser (meiner ersten) Blogreihe unterstützt haben. Ohne sie wären die Texte nie so schön ins Netz gekommen.

 

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Fashionblog: Und was trägt man diesen Winter?

Zum Ende der Pariser Modeschauen reisen zwar viele Journalisten ab, doch ich habe trotzdem keine Karten für Kenzo, Chloé, Hermès und Galliano, die am Samstag ihre Kollektionen zeigen. Zwischen den unbekannteren Defilees habe ich deshalb Zeit, die Gäste zu beobachten.

Sie alle sind echte Modeexperten: Einkäufer großer Warenhäuser, Boutiquenbesitzer, Textilfabrikanten, Stylisten, Designer oder eben Fashion-Journalisten. Was sie anhaben, ist der letzte Schrei. Man muss diese Damen (Herren sind eher sehr selten darunter) nur kopieren, um fashionmäßig up to date zu sein.

Hier das Ergebnis meiner Analyse (in detaillierter Form auch nachzulesen in der kommenden Ausgabe der TextilWirtschaft: Leggins sind ein Must Have. Kaum zu glauben, aber wahr. Dazu trägt man Oversized-Pullis. Oder kurze, weite Kleidchen. Das klingt schwer nach 80er Jahre und so ist es auch.

Doch im Unterschied zu damals sind High Heels dazu ein Muss. Am besten in Leopardenlook oder als Plateau-Schuhe mit Keilabsatz. Wer besonders „in“ sein will, kann diese Plateau-Keilabsatz-Schuhe als stylische Ankle-Boots kaufen. Absolute Fashion-Victims haben natürlich die aus der Winterkollektion von Balenciaga.

Einen Hacken hat diese Schuhmode jedoch: Darin zu Laufen will gelernt sein. Wie ich live beim Warten vor der Sonia-Rykiel-Show erfahren durfte. Ein Gast kam nämlich zu spät. Die Pressefrau wartete am Eingang und rief der heran eilenden Dame zu: "Beeil Dich! Die Show fängt an!" Darauf kam die Antwort: "Ich kann nicht schneller in diesen Schuhen." Was dann passierte, siehe Bild. Machen wir uns also auf einen Winter gefasst, in dem uns die Mode einen ruhigeren Gang vorschreibt.

 

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Fashionblog: Scharfe Minis und strenge Kontrolle

Mit den wichtigen Schauen Stella McCartney, Cacharel, Celine, Yves Saint Laurent am Donnerstag und am Freitag morgen Chanel sind die meisten Highlights der Pariser Modeschauen abgefeiert. Von den Großen fehlen noch McQueen, Chloe, Hermès, Louis Vuitton und Miu Miu. Es ist Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Gleich mal vorab: Es wird kurz nächsten Sommer. Die Shorts rutschen nach oben, die Minis sind sehr mini. Kleine, sehr mädchenhafte Hängerkleidchen kommen und sehen wahrscheinlich nur hübsch aus bei jungen Frauen mit langen schlanken Beinen.

Frauen über 30 müssen dagegen sehr viel tiefer in die Tasche greifen, denn Tragbares für Thirty-Somethings haben nur die teueren Luxuslabels wie Dior, Valentino, Yves Saint Laurent, Akris oder eben Celine gezeigt. Fast alle (außer Yves Saint Laurents Violett Kollektion) schwelgen in hellen Tönen mit viel Weiss, Pastell- und Hauttönen oder Schwarz. Die Bein-Silhouette bleibt schmal, die Hosen eng. Eine gute Nachricht gibt es für alle, die mit Hüfthosen nie zurecht kamen: Die Taille sitzt wieder da, wo sie hingehört.

Ein kleines Fazit will ich auch ziehen zur Organisation der Schauen: Noch nie wurden die Karten so streng kontrolliert wie diesmal. Die Sicherheits-Leute auf den Schauen sind unerbittlich. Bei der Yamamoto-Show am Dienstag zählten die Aufpasser sogar die Gäste ab und schlossen die Tore, als der Saale voll war. Zahlreiche Gäste mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Yamamoto, so wird erzählt, habe sich tags drauf per Mail bei seinen Gästen entschuldigt.

Am Freitag nun kam es zu einem weiteren kleinen Eklat, als die Sicherheitsleute nach 800 Gästen niemanden mehr zur Gilles Rosier-Show zulassen wollten. Die mit Einladungskarten bewaffneten Gäste mussten auf der Straße warten und durften sich auf Protest des Pressechefs später das Defilee im Livemitschnitt auf einer Projektionswand anschauen. Eine Neuheit, aber nur ein schwacher Trost. Denn: Der Kameramann der Liveübertragung war sehr viel mehr an den Beinen und Gesichtern der Models interessiert als an den Klamotten (siehe Bild).

 

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Fashionblog: Kilos kein Thema, Haare schon

Auf den Pariser Fashionshows ist die Diskussion um dürre Models kein Thema. Während die Veranstalter der Madrider Modewoche zu magere Manequins von den Defilees ausgeschlossen haben, will man sich in Paris nicht dreinreden lassen.

Bereits vor Beginn der Schauen hat Didier Grumbach vom Chambre Syndicale de la Mode klar deutlich gemacht, dass es solche Einschränkungen in Paris nicht geben wird. Auf den Laufstegen sieht man deshalb weiterhin haufenweise junge, äusserst magere Models.

Viel mehr als die Kilos interessieren die Designer jedoch die kurzen Haare von einigen Mannequins. Nachdem sich vor zwei Saisons das Top-Model Maria Carla Boscono radikal, aber äusserst erfolgreich ihre Locken abgeschnitten hatte, sinid ihr in den letzten Monaten so einige andere gefolgt.

Das Model Rachel Alexander, die sich ihren kurzen Bob vor sieben Monaten zugelegt hat: «Kurze Haare liegen voll im Trend.» Manche Designer jedoch finden den neuen Haartrend gar nicht lustig. Ceci Mendez, Model aus Argentinien: «Bei Givenchy haben sie schon beim Casting gesagt, dass kurze Haare nicht erwünscht sind.» Und wieviele Jobs haben die beiden wegen ihrer neuen Frisur verloren? «Von 50 hab ich circa fünf oder sechs nicht bekommen.»

Es gibt aber auch Modehäuser, die den neuen Haartrend begrüssen. Bei Joops Wunderkind zum Beispiel waren ein halbes Dutzend Kurzhaarige im Einsatz. Peter Gray, Hair Artist beim Wunderkind-Defilee: «Der neue Look ist sehr inspirierend, hippy, aber doch sexy. Mir gefiel die Frisur von Model Ekaterina so gut, dass ich alle in der Show nach ihrem Vorbild gestylt habe: hinten kurz und mit einer langen seitlichen Strähne.»

 

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Fashionblog: 3. Tag – Amis, Promis und Rock’n’Roll

Balenciaga ist derzeit das heißeste Label der Modebranche. Zu diesem Event reisen alle an. Damit Zaungäste nicht stören, wird der Ort der Show geheimgehalten. In den offiziellen Unterlagen des Chambre Syndicale de la Mode steht deshalb nur „Voir invitation“ (zu dt.: siehe Einladung). Wer die nicht hat, weiß nicht, wo Balenciaga zeigt.

Die großen amerikanischen Modezeitschriften sind aber eingeladen und das ist auch der Grund, warum alle gestern anreisten. Endlich sitzen auch zwei Shows später, die in der ersten Reihe, die dort hingehören: Suzy Menkes von der International Herald Tribune, Leon Talley von der US Vogue und Hilary Alexander vom britischen Telegraph.

Doch die Damen und Herren waren bei Westwood nicht das Ziel der Blitzgewitter: Denn Janet Jackson gab sich die Ehre und verursachte Handgreiflichkeiten unter den Promi-Fotografen (siehe Bild). Die Show selbst war Rock’n Roll, so wie sich das für Westwood gehört – mit schmissiger Musik, knallbunten Looks und hüftenschwingenden Models, bei denen eine Tribut an Westwoods Absätze zollen musste: Sie stürzte auf dem Laufsteg. Und wir erinnern uns an Naomie Campbells berühmten Westwood-Sturz, mit der Schuh und Modell in die Modegeschichte eingingen.

Janet Jackson sahen wir gestern gleich noch einmal bei einer Show. Beim Dior-Defilee, das im renovierten Grand Palais stattfand, und zum Promi-Stell-Dich-Ein avancierte: Dita von Teese, Monica Belluci, Ellen von Unwerth, Lenny Karvitz etctera. Sie allen waren überrascht, wie tragbar John Galliano die Mode für den kommenden Sommer gestaltet hatte. Das Enfant terrible der Mode zeigte zarte Sommerkleidchen in Pastelltönen und sehr business-mäßige Kostüme. Das verrückteste an der Show waren denn dann auch die Frisuren: Galliano schickte seine Models im Jungfrau-von-Orleans-Haarschnitt auf die Bühne.

Dass ich dabei sein durfte verdanke ich übrigens dem ZDF: Claudia von „Leute heute“ war so nett, mir eine Karte abzugeben. Das nennt man Kollegenhilfe, was bei den Schauen leider eher die Seltenheit ist (Deswegen kann ich auch nichts zu Gaultiers Geburtstag-Defilee sagen). Hier deshalb noch mal offiziell: Danke Claudia!

 

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Fashionblog: Geschafft! Ich war bei Viktor&Rolf!

Auf den Pariser Modeschauen werden die Menschen in drei Kategorien eingeteilt: Die mit Einladungskarte inklusive Sitzplatznummer, die mit Standing-Karte und die ohne Karte. Als Freelance-Journalist gehört man zu den beiden letzteren Gruppen. Denn selbst wenn man regelmäßig über Mode schreibt, ist das noch lange keine Garantie, zum erlauchten Kreis der Sitzenden zu gehören.

Was die Show der Designer Viktor&Rolf anbelangt, so liegt hier die Messlatte noch etwas höher. Sprich: Ich hatte – wie immer – gar keine Karte, nicht mal als stehender Gast. Warum? Die Karten für dieses Defilée sind so heiß begehrt wie die für Dior, Chanel oder für ein Robbie Williams Konzert.

Dementsprechend voll war es vor dem Eingang, wo der Security-Mann mit strenger Miene die Karten kontrollierte. Ohne Karten kommt man an ihm nur vorbei, wenn man ein Hollywoodstar, ein Rockstar-Freund eines Models oder – und das ist die Erfolgsformel – die beste Freundin der Pressefrau am Eingang ist. Das bin ich leider alles nicht. Aber ich kam trotzdem rein. Wie? Ich drückte mich einfach eine halbe Stunde vor der Tür, bis plötzlich der Kontrolleur nickte. Glück oder Ausdauer? Egal, ich war drinnen. Zum ersten Mal bei Viktor&Rolf!

Die beiden Holländer sind Meister der Selbstinszenierung, ihre Shows sind mehr Theaterstücke oder Kunstevents als Defilées. Auch das war auch diesmal so: Über den Laufsteg riesige Kronleuchter, hinten ein Orchester und vorne weg ein tanzendes Paar auf dem Laufsteg.

Die männlichen Models sahen aus wie Doppelgänger der beiden Designer (Kennzeichen: schwarze Hornbrille), die Mannequins wie geklont mit ihrer immer gleichen Dutt-Frisur. Die Mode: Petticoat-Röckeund enganliegende Hosen wie Oberteile in Schwarz und Nude-Optik.

Doch das Beste kam zum Schluss: Ein Dutzend Männer im Smoking tanzten sich zur Musik „Somewhere over the rainbow“ aus einem Nebelmeer heraus zum Ausgang. Was für eine Show! Und ich war dabei!

 

 

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Fashionblog: 1. Tag – Viele Asiaten und ein Deutscher

Bei den Pariser Modeschauen lässt man es am ersten Tag traditionell langsam angehen. Die Schauen beginnen erst um 10.30 Uhr, eine Stunde später als normal, und der Andrang hält sich noch in Grenzen, weil die internationale Presse, allen voran die wichtigen Amerikaner, noch nicht angereist ist. Wintour und Konsorten kommen nämlich erst, wenn die großen Modehäuser defilieren (ab Dienstag). Der erste Tag ist deshalb vor allem den jungen Asiaten reserviert, wie dem Chinesen Frankie Xie, der mit seiner Kollektion Jefen die Schauen eröffnete, Mina Perhohen, Lie Sang Bong, Toga oder Es.

Doch trotz der Anlaufphase, gab es am Sonntag bereits ein paar Highlights. Und dazu gehört auf alle Fälle die Premiere von Wolfgang Joops Wunderkind in Paris. Sein Umzug aus New York habe „rein logistische Gründe“, erklärte mir die Pressefrau.

Er selbst sagte dagegen, sein Stil sei nicht „business-mäßig genug für New York“. Was auch immer der Grund sei, die deutschen Medien waren zahlreich im Backstagebereich vertreten, wo man abgesehen von Models, Make-Up-Leuten und Friseuren nur noch deutsche Worte hörte, und sich freute, dass auch Tochter Jette Joop extra zu Papas Paris-Premiere angereist ist. Sie versuchte zwischen den Interviews mit ihrer nigelnagelneuen Digitalkamera Wolfgang Joop bei den Interviews aufzunehmen. Für das Familienalbum? Jette Joop: „Och, das weiß noch nicht so genau“.

Weitere Highlights waren auch die Show von Balmain, wo Christophe Decarnin nun in der zweiten Saison versucht, das alte Label zu relaunchen, und natürlich Martin Margiela, bei dessen Show ich als Freelancer natürlich keine Eintrittskarte hatte, aber die mir dann eben unter style.com anschauen werde.

Jedoch mein persönlicher Favourit vom ersten Schauentag ist Dice Kayek. Die junge Türkin mit Wohnsitz in Paris erwies erneut ihr Talent mit steifen, sehr kurzen Ballonröcken, schwingenden Hängerkleidchen und 13 cm hohen Zehensandalen-High Heels, die mit doppeltem Klebeband an die Füße der Models geklebt wurden.

 

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Mein ganz persönlicher Fashionblog zu den Pariser Schauen: Prolog

Wie kurz tragen wir nächsten Sommer unsere Röcke? Die Designer in New York meinen: zwei Handbreit über Knie. In London: eineinhalb Handbreit über Knie. Mailand geht auf Risiko mit einem Saum, der kurz unter Schamhaar endet. Und Paris? Das erfahren wir ab morgen, wenn dort die alte Frage der Rocklänge in 84 offiziellen und 20 inoffiziellen Schauen diskutiert wird.

Paris ist wie jede Saison das Schlusslicht im Modeschauen-Reigen, doch seine Trends sind die wichtigsten. Deswegen sind einige Designer mit Sack und Kollektion an die Seine umgezogen. Nicht nur Karl Lagerfeld kehrt mit seiner eigenen Linie aus New York nach Paris zurück, neu dabei sind auch Wolfgang Joop mit Wunderkind und der deutsche Nachwuchsdesigner Kai Kühne mit seiner Kollektion Myself.

Ihre Trends werden mit Spannung erwartet, wie auch Anna Wintour, Chefin der US Vogue und Vorbild für den Film „Der Teufel trägt Prada“, der just in diesen Tagen in Paris angelaufen ist. Eine ziemlich gute Marketingaktion der französischen Kinos, wie ich finde. Wie Miss Wintour in Paris empfangen wird und was sonst noch passiert, will ich in diesem Blog in den kommenden 8 stylischen Tagen beschreiben. A demain.