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Ausgemustert

 

Als Ungedienter bleibt mir der komplizierte Kranichtanz des Garderegiments auf ewig rätselhaft. Vorige Woche bin ich aber doch zum Schloss gelaufen, um mir das Schauspiel anzutun. Denn die Bewachung der Königsfamilie war stets das edelste Privileg des Wehrpflichtigen. Und mit dieser stolzen Tradition ist es nun vorbei.

Genau 109 Jahre nach ihrer Einführung haben die Schweden die allgemeine Wehrpflicht ausgemustert. Stellvertretend für die vier Millionen Landsleute, die sich vor ihnen schon zu Lande, zu Wasser und in der Luft durch ihre „lumpen“ genannte Grundausbildung quälten, wurden Carl-Johan Grape, Mikael Löjdkvist und Kajsa Andersson mit Orden dekoriert. Logisch, dass die drei ausgesuchten Mustersoldaten den Streitkräften für´s Erste erhalten bleiben – als Logistikexpertin der Luftwaffe, Matrose auf einem U-Boot-Jäger und Scharfschütze in Afghanistan.

 

 

Teure Rüstung und starke Freiwilligenverbände waren für das neutrale Land lange Zeit selbstverständlich. Im Kalten Krieg standen bis zu 800 000 Mann unter Waffen. Mächtige Bunker wurden in die Felsen getrieben. Vielen Schweden unvergessen sind die Eskapaden des Fabian Bom. Der Komiker Nils Poppe spielte in den frühen Nachkriegsjahren den hyperaktiven Gefreiten, der seine Vorgesetzten mit  Eigenmächtigkeiten zur Verzweiflung bringt.

In Zukunft will man hoch spezialisierte Berufssoldaten mit der Landesverteidigung sowie den bewaffneten Einsätzen im Ausland beauftragen. Ganz famos gehe es mit der Rekrutierung voran, versichert Oberbefehlshaber Sverker Göranson. Doch das ist eine höfliche Übertreibung. Bei der ungedienten Jugend nämlich hält sich das Interesse am Berufsbild des Soldaten in Grenzen.

Mit martialischen Kinospots sucht die Truppe daher nach Verbündeten im Kampf gegen das Böse. Die zum Teil in Südafrika inszenierten und an der Heimatfront ziemlich umstrittenen Streifen garantieren spannende Momente bei der Jagd auf Piraten und versprechen Schlaufüchsen eine Karriere mit Biss. Als strategischer Partner sind Johan Måns und seine Kollegen vom Rekrutierungszentrum der Streitkräfte natürlich auch auf der auf der Computerspielmesse „Dreamhack“ im südschwedischen Jonköping vertreten. Im Schlachtenlärm von „World of Warcraft“ und „Counter-Strike“ suchen die Offiziere nach dem Ego-Shooter von morgen. Wenn es der guten Sache dient, kennt Schwedens Militär keine Berührungsängste.

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